Blau: Die schicke kleine Schwester der Metzgerei

Drei Jahre nach der Eröffnung der Metzgerei präsentiert Yilmaz Yogurtcu seinen nächsten Coup: Das Blau im ehemaligen Urban will kein hippes Szenelokal werden, hat aber höchstwahrscheinlich keine andere Wahl.

Stuttgart – Er ist echt schön, der neue Laden von Yilmaz Yogurtcu. So schön, dass seine Äußerung, er wolle mit ihm weg vom „trendig-hippen Szenelokal“, wohl nur ein hehrer Wunsch bleiben wird. Das Blau, so prophezeien wir jetzt mal, wird gleich mit seiner Eröffnung am Montag, den 28. Oktober 2019, überrannt werden. Da hilft es auch nichts, dass es kein Schild über dem Eingang hängen wird. Der Westen scharrt längst mit den Hufen, will nach der Metzgerei endlich den nächste Yogurtcu-Coup auschecken.

Blau, oder: Die Eroberung des Wilden Westens

Sechs Jahre nach Eröffnung des Lumen und drei Jahre nach ihrer Punktlandung mit der Metzgerei, dem wohl erfolgreichsten Gastromoniekonzept, das der Stuttgarter Westen im 21. Jahrhundert gesehen hat (immer voll, hey!), eröffnen Yilmaz und Belgin Yogurtcu mit dem Blau jetzt eine Bar im ehemaligen Urban schräg gegenüber vom Moltkeplatz. Damit setzt er seinen Weg die Schwabstraße hinauf unermüdlich fort. Yogurtcu, der Eroberer des Wilden Westens. Ende ungewiss.

Alles wird blau

Wo die Metzgerei auf einen großen Außenbereich, große Fenster und viel Glas setzt, herrscht im Blau stilvolles Schweigen. An den Wänden ein herrliches Blau, keine Bilder, die die beruhigende Wirkung der Farbe stören, dazu goldene Säulen und braune Sofas. „Blau holt dich zurück, lässt dich abschalten, den Alltag vergessen“, meint der Chef. „Deswegen haben wir uns auch gegen einen Schriftzug entschieden. Es wird nur ein blau beleuchtetes Schild geben.“ Er will, dass die Leute seinem neuen Laden ihren ganz eigenen Namen geben.

Diskret und ruhig

Die Bar selbst ist klein, aber fein, gut, aber nicht übertrieben bestückt. Alles wirkt edel und bis ins Letzte durchgestylt. Klar, das hier ist das Produkt einer langen und sicherlich nicht billigen Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro SOMAA, das auch schon die Metzgerei und das Lumen verantwortet hat. Dem Zufall ist da nix überlassen, organisch gewachsen logischerweise auch nicht. Das Blau könnte so auch in Manchester stehen. Oder in San Francisco. „Die Metzgerei ist ein öffentlicher Ort, ein Katalysator für den Platz“, erklärt uns der Architekt Alexander Tandawardaja. „Das Blau hier sollte ein diskreter Ort werden, bei dem man ein wenig von der Außenwelt abgeschottet ist.“

Das Blau-Team: Yogurtcus und Architekt Alexander Tandawardaja

Vom Urban keine Spur mehr

Dass die Räumlichkeiten zuvor eine rustikale Kneipe mit Spielautomaten, viel Holz und Tand an den Wänden beherbergten, merkt niemand, der das Urban zuvor nicht kannte. Ein klein wenig traurig ist das schon, vom Urban und seinem legendären Wirt Tasso bleibt nach 25 Jahren nichts übrig. Nicht mal der Name. Aber es muss ja weitergehen, also schieben wir die Trauer beiseite und freuen uns über das new kid on the block. Yilmaz: „Wir beobachten den Markt natürlich genau und wollen herausfinden, was die Menschen möchten und was es noch nicht gibt.“ Mit Erfolg: Die Metzgerei schlug von Tag eins ein wie eine Bombe, abends einfach mal so einen freien Tisch zu bekommen, grenzt auch nach drei Jahren an ein Wunder.

Bereit für die blaue Stunde

Das Konzept im Blau ist dennoch anders. Erst ab 17 Uhr offen, eher Bar als Restaurant. „Die Leute heute reisen und sehen sehr viel. Sie wollen lieber Kleinigkeiten essen, dafür mehr ausprobieren. Sie wollen Abwechslung.“ Kulinarisch wollen sie es also mit (Achtung: 1A-Modewort) Tapas versuchen. Das sagt erst mal rein gar nichts aus, wird laut Yogurtcu nichts mit dem spanischen Original zu tun haben. Zwölf bis 14 kleine Snacks aus aller Welt soll es zu Beginn geben, jeden Monat werden vier ausgewechselt, auch die Weine und Biere variieren regelmäßig. „In dem meisten Bars gibt es nur Nüsse oder Oliven. Wir wollten mal etwas anderes wagen“, sagt Yilmaz. In Stuttgart gibt es neben der TinTin Bar in der Tat nicht viele Orte, an denen man zum guten Drink auch kleine Speisen serviert bekommt. Auch hier könnte der Laden eine Lücke im Westen schließen – als perfekter Ort für die blaue Stunde.

Öffnungszeiten:

Montag bis Donnerstag von 17 bis 0 Uhr

Freitag und Samstag von 17 bis 2 Uhr

Titelbild: Martin Elbert

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