Black is beautiful: Amina möchte empowern

Als eine Sprecherin auf der Silent Demo gegen Rassismus und Polizeigewalt erzählte, dass sie sich unter der Dusche die Hautfarbe vom Körper schrubben wollte, war Amina Ousman-Daouda schockiert. Sie initiierte daraufhin das Buchprojekt „Black is beautiful“. Damit feiert sie die vielfältigen Facetten der Schönheit Schwarzer Menschen.

Stuttgart – Im Nachtleben fasst ein Fremder einfach so in Amina Ousman-Daoudas Haare – ein rassistischer Übergriff, kein Einzelfall. Sie fühlt sich durch Aktionen wie diese wie eine Attraktion. Doch mit rassistischen Beleidigungen wurde Amina bisher zum Glück nicht konfrontiert. Als sie hautnah mitbekam, welche tiefen Narben in der Seele andere durch rassistische Bemerkungen davontragen, war sie schockiert.

Facettenreiche Schönheit Schwarzer Menschen zeigen

Auf der Silent-Demo marschierte die 29-Jährige Seite an Seite mit den Allies, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren. Dort hörte sie die Worte einer Rednerin: „Sie hat erzählt, dass sie unter der Dusche versucht hat, sich ihre Hautfarbe abzuwaschen.“ Die Geschichte ließ Amina nicht mehr los. Auch deshalb, weil sie die ganze Zeit dachte: An den Erfahrungen mit Rassismus, die andere haben sammeln müssen, wäre sie womöglich zerbrochen. Und es hätte ebenso gut sie selbst treffen können.

Deshalb wollte sie nicht mehr tatenlos zusehen. Sie nahm das Zepter in die Hand, um anderen BPoC Kraft und Selbstbewusstsein zu schenken. Ihre Wut über Ressentiments, Vorurteile und Rassismus bündelte sie und wandelte sie um in kreative Energie. Daraus entstand die Idee zu ihrem Buchprojekt „Black is beautiful“. Hierfür lichtete die Grafikdesignerin und Illustratorin insgesamt 48 BPoC mit ihrer Kamera ab. „Ich möchte die Schönheit Schwarzer Menschen in Stuttgart zeigen“, sagt sie. Und sie möchte damit auch klarstellen: „Schwarz ist nicht gleich Schwarz. Ich hoffe, dass man dadurch sieht, welche Vielfalt es in Stuttgart gibt und dass man nicht allein ist.“ Auch eine Person mit Albinismus hat sie zum Beispiel anlässlich des Projekts fotografiert.

Die Message der Selbstliebe spreaden

Neben den Fotos der Protagonisten sind auch Fragebögen Teil des Buches. In jenen beantworten die Porträtierten Fragen wie zum Beispiel, was die Menschen an ihnen anstelle der Hautfarbe wahrnehmen sollten. Aber auch die Frage danach, was die Fotografierten Schwarzen Mitmenschen, die ihre eigene dunkle Haut nicht schön finden, mit auf den Weg geben würden, stellte die Projektinitiatorin. Damit möchte Amina anderen BPoC Mut machen: „An andere Schwarze Menschen möchte ich weitergeben, dass sie ihre Hautfarbe akzeptieren und sie lieben lernen sollen. Man hat diese Hautfarbe und kann sie nicht ändern. Und man muss sich erst selbst akzeptieren, bevor man es nach außen strahlen kann.“

„Viele fühlten sich schon nach dem Fotoshooting empowerd. Ich hoffe, dass es beim Leser denselben Effekt hat.“

Anfangs hatte Amina vor, die Bücher aus eigener Tasche zu finanzieren. Der Verkauf der Bücher sollte dann die Kasse wieder füllen. Doch Amina hatte dabei nicht bedacht, dass sie das Geld hätte vorstrecken müssen. Um das Buch trotzdem in den Druck geben zu können, veröffentlichte sie einen Spendenaufruf auf der Plattform GoFundMe. Das Ziel von 4000 Euro ist inzwischen erreicht. Damit kann der in der nächsten Woche anstehende Druck der Bücher finanziert werden.

Die überschüssigen Einnahmen, die Amina durch den Verkauf der Bücher erzielt, möchte sie spenden. Sie sollen dem Verein ISD-Bund, der sich gegen Rassismus einsetzt, zukommen. Ihr Buch wird sie in einer Ausstellung, die im Moment noch in Planung ist, zum Kauf auslegen. Aber auch über Instagram werden Nutzer das ein oder andere Exemplar kaufen können, Aminas Kanal findet ihr hier.

Aktiv werden gegen Rassismus

Mit ihrem Projekt möchte sie andere dazu inspirieren, ebenfalls eigene Projekte zu initiieren. „Man sollte nicht denken: Ich schaffe es nicht. Denn sobald man anfängt, kommen so viele helfende Hände auf einen zu. Also versuche es! Denn nichts ist schlimmer als nichts zu machen.“

Dass Rassismus kein Einzelfall ist, zeigt Dominiks Account „Was ihr nicht seht“ auf Instagram. Was es mit diesem auf sich hat, haben wir euch hier aufgeschrieben.
Ihr wollt euch gegen Rassismus engagieren? Dann reicht es nicht, ein schwarzes Quadrat in eurer Timeline zu posten. Ein Anfang, um gegen Rassismus aufzustehen, ist es, sich zu informieren und zu bilden. Wir haben euch hier Literatur, Podcasts und Accounts gesammelt, die euch dabei helfen.

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