Bio-Tampons von The Female Company

Ein junges Stuttgarter Start-up macht sich auf, die Welt der Tampons zu revolutionieren. Und zeigt damit: Man muss mutig sein.

Stuttgart – Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier sind die zwei Köpfe hinter The Female Company. Ein Name, der nur erahnen lässt worum es geht. Die Erklärung: die verkaufen pestizidfreie und fair produzierte Bio-Tampons, mit denen sie ganz nebenbei benachteiligte Frauen unterstützen. Aber drehen wir die Uhr zurück und beginnen von Anfang an.

Läuft bei dir?

Kennengelernt haben sich die beiden während ihrer Studienzeit an der Universität Hohenheim. 2016 ging es gemeinsam auf Reisen, das Thema Gründen begleitete sie schon eine ganze Weile. In Vietnam, genauer in Hoi An, machten sie Bekanntschaft mit Thuy, die in ihrem Laden Hüte und die klassischen vietnamesischen Laternen verkaufte. Zudem bot sie dort Workshops an, um selber die Kunst des Laternenbastelns zu erlernen. Nur ein kleines Schild wies auf die tollen Workshops hin. Sonst wusste Thuy nicht, wie sie ihre Workshops und ihren Laden besser bewerben kann. Sinja und Anni verbrachten eine Woche in der Stadt und kümmerten sich um einen ordentlichen Online-Auftritt für Thuys Geschäft: eine eigene Facebook-Seite, einen Eintrag bei Tripadvisor und erste Bewertungen. Die Idee ging auf, bis heute stehen die drei in Kontakt und Thuys Unternehmen floriert. Das war der Schlüsselmoment, in dem sie erkannten: „Es sind manchmal kleine Dinge, die Gutes tun.“

Die Idee, ein eigenes Start-up zu gründen, war gefasst und alle nötigen Schritte wurden in die Wege geleitet. Doch wie kommt man auf die Idee, Tampons zu verkaufen? Es war klar, dass der soziale Aspekt im Fokus steht. Bevor sie wussten, was verkauft werden soll, wussten sie, was getan werden soll: soziale Projekte für junge Mädchen und Frauen unterstützen und fördern. Aktuell werden Flüchtlingsheime in Stuttgart von The Female Company mit Hygieneprodukten für Frauen unterstützt. Weitere Projekte und Kooperationen stehen in den Startlöchern.

Und was ist der kleinste gemeinsame Nenner bei allen Frauen dieser Welt? Richtig, ihre Periode. In einem Marktsegment mitzuspielen, in dem allein o.b. 75 Prozent Marktanteil hat, ist sicher mutig. Aber schon nach ersten Recherchen hat sich gezeigt, wie wichtig das auch ist. „Die Welt der Bio-Tampons ist extrem klein“, sagt Anni. Viele Frauen wüssten gar nicht, welche Inhaltsstoffe in gewöhnlichen Tampons enthalten sind: Pestizide, Chlor, Polyester, synthetische Duftstoffe. Tamponhersteller müssen ihre Inhaltsstoffe kaum deklarieren. Und auch sind sich viele Nutzerinnen nicht darüber im Klaren, was mit ihren Körpern passiert. Es gibt beispielsweise Frauen, die eine Polyester-Unverträglichkeit entwickeln. Hier war es Anni und Sinja ebenfalls wichtig, sich vom Rest abzusetzen. „Wir können zu 100 Prozent nachweisen, was in unseren Bio-Tampons enthalten ist.“ Nämlich GOTS-verifizierte Bio-Baumwolle aus Spanien, dafür keine Duftstoffe, keine Pestizide, kein Kunststoff und kein Chlor.

Um eine vergleichbare Qualität in Sachen Bequemlichkeit und Saugfähigkeit mit dem Marktführer zu gewährleisten, wurden einige Testläufe durchgeführt. Etwa 300 Testerinnen haben daran teilgenommen. Gerade wenn es um den Intimbereich geht, wissen Anni und Sinja: „Es ist wahnsinnig wichtig, von der Qualität überzeugt zu sein, um der Marke zu vertrauen.“

Das GOTS-Siegel der Baumwolle garantiert nicht nur Bio-Standards im ökologischen Sinne. Sondern erfüllt auch soziale Kriterien wie das Unterlassen von Kinderarbeit oder das Zahlen von fairen Löhnen. „Es würde keinen Sinn ergeben, sich sozial zu engagieren, aber nicht auf Nachhaltigkeit beim Produkt zu achten.“ Bessere Arbeitsbedingung für die Menschen also, die die Baumwolle pflanzen, die die Frauen kaufen, die damit soziale Projekte fördern.

Wir wussten, worauf wir uns einlassen. Und zwar auf viel Ungewissheit.“

Das Verkaufskonzept von The Female Company unterscheidet sich ebenfalls von ihren Mitstreitern. Denn der Gang zum Supermarkt wird den Nutzerinnen erspart. Stattdessen schließen sie ein Abonnement ab. Die Größen der Tampons und der Lieferzyklus lassen sich individuell einstellen und auch jederzeit ändern. Mit der ersten Lieferung erhalten die Kundinnen eine Aufbewahrungsbox. Diese soll es zukünftig in unterschiedlichen Designs von Stuttgarter Künstlern geben, die auch an jeder verkauften Box verdienen.

Die Boxen mindern zum einen anfallenden Verpackungsmüll, zum anderen sollen sie mithelfen, das Thema Periode zu enttabuisieren. Statt die grünliche Packung Tampons im Badezimmerschrank zu verstecken, werden die Boxen von The Female Company ganz prominent ins Badezimmer gestellt. So die Idee.

„Entschuldigung, hast du zufällig ein Tampon dabei?“

Ein Schalk, wer jetzt denkt, bio und fair sei unbezahlbar. Je nach Lieferzyklus belaufen sich die Kosten auf etwa 6 Euro monatlich. Ein Abonnement kann man sich auch mit seinen Freundinnen, Mitbewohnerinnen oder Kolleginnen im Büro teilen, um so die Kosten zu mindern. Zudem wollen Sinja und Anni Kooperationen mit Unternehmen und Gastronomie aufnehmen, damit sich Frauen immer und zu jeder Zeit bestens versorgt wissen. Und nie wieder die unangenehme Frage an die Fremde in der Toilettenkabine nebenan gestellt werden muss: „Entschuldigung, hast du zufällig Tampons dabei?“

Die Juroren des Hubert Burda Bootcamps im Januar dieses Jahres jedenfalls fanden die Idee der beiden überzeugend. Im Rahmen des Events können sich junge Gründer vorstellen und ihre Ideen präsentieren. Zudem haben sie die Chance, sich mit anderen Gründern und bekannten Gesichtern zu vernetzen. Im München pitchten Anni und Sinja gegen zwölf andere Gründer – und setzten sich durch. Dass sie das Rennen machen, davon sind die beiden nicht fest ausgegangen. Schließlich sind sie gegen Unternehmen angetreten, die sich durch innovativste Produkte auszeichnen. „Frauen hatten schon immer ihre Periode und werden sie auch immer haben. Damit haben wir gezeigt, welche Relevanz wir haben.“

„Stuttgart ist beim Thema Gründen nicht da, wo es sein könnte“

Und wie sind die Visionen für die Zukunft? Auf kurz oder lang müssen sich Anni und Sinja für eine Stadt entscheiden. Denn Sinja wohnt in Berlin und bisher pendeln beide. Für den Anfang war es ganz klar Stuttgart. Denn hier hängt das Herz und sie wollen kein weiteres „Berliner Start-up“ sein. Für die Hauptstadt spricht dagegen die ausgeprägte Start-up-Szene und die zahlreichen Unterstützungen von Stadt und ansässigen Unternehmen. „Stuttgart ist beim Thema Gründen nicht da, wo es sein könnte.“

Der „Von Frauen für Frauen“-Gedanke ist zwar sehr stark ausgeprägt, wird aber nicht ausgrenzend praktiziert. „Ich nehme an, aufgrund des Themas werden in unserem Unternehmen immer mehr Frauen arbeiten. Wir wollen anderen Frauen etwas Gutes tun und wenn ein Mann da mithelfen möchte, dann ist er auf jeden Fall richtig bei uns.“ Zudem sollen noch weitere Produkte ins Sortiment aufgenommen werden. Der Fokus bleibt auch dann derselbe: die Periode.

The Female Company

Die zwei Gründerinnen möchten nicht nur pestizidfreie und fair produzierte Tampons anbieten und damit benachteiligte Frauen unterstützen. Sinja und Anni wollen das Thema Periode mit ihrer Firma „The Female Company“ ganz nebenbei auch enttabuisieren.

thefemalecompany.com

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