Biking Baboons: Mit dem Fahrrad von Stuttgart nach Namibia

Mareile Garbade und Marius Thomma haben sich vorgenommen 18.000 Kilometer vom Neckar bis Namibia zurückzulegen – auf dem Fahrrad. Mit ihrer Reise möchten sie nicht nur viele tolle Erfahrungen sammeln, sondern auch benachteiligte Kinder in Namibia unterstützen.

Stuttgart – Kaum zu glauben, aber für Mareile ist es das erste Fahrrad, das sie jemals besessen hat. Und mit diesem Fahrrad soll es die nächsten Monate von Stuttgart nach Namibia gehen. Klingt nach einer unmöglichen Aufgabe. „Ich bin ein Dickkopf. Das wird jetzt durchgezogen“, sagt Mareile und lacht. Die große, abenteuerliche Reise macht sie aber nicht alleine. Mit dabei ist ihr Freund Marius, der auf dem Fahrrad immerhin etwas geübter ist als sie selbst.

Langsames Reisen schont die Natur

Abenteuerlustig war das Pärchen schon immer. Im Juni 2018 kündigten die beiden ihre Jobs bei großen IT- und Automobilunternehmen, verkauften ihr Hab und Gut und begaben sich auf die erste große Reise: Backpacking durch Zentral- und Südamerika. Dass sie für ihre nächste Reise aufs Fahrrad umsteigen, hat einen einfachen Grund. „Wir möchten unabhängiger und flexibler reisen“, sagt Marius.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Touri-Ort zu Touri-Ort gekarrt zu werden, hat den beiden nicht mehr gefallen. „Man ist immer auf andere angewiesen – mal bekommt man kein Taxi, mal ist der Bus zu voll“, ergänzt Mareile. Die Reise wird mit dem Fahrrad außerdem langsamer, die Entfernungen werden durch die sich verändernden Landschaften spürbarer. „Wir freuen uns darauf mehr Zeit zu haben, Länder, Menschen und Kulturen kennenzulernen“, sagt Marius.

Mareile ist auf einer Farm in Namibia aufgewachsen

Der auch nicht zu verachtende Nebeneffekt: Die Natur wird geschont. Die einzige Ausnahme könnte allerdings in der Türkei auf das Paar warten. „Wir möchten nicht durch Syrien fahren“, sagt Mareile. Falls sie also keine Möglichkeit finden über den Wasserweg nach Afrika zu gelangen, wird notgedrungen einmal aufs Flugzeug umgestiegen.

Das Ziel Namibia ist im Übrigen nicht zufällig gewählt: Mareile ist in Namibia auf einer Farm aufgewachsen und hat eine deutsche Schule besucht. Ihre Eltern leben in der dritten und vierten Generation dort, ein Stück deutsche Kolonialgeschichte, die Mareile durchaus bewusst ist. „Es war eine furchtbare Zeit für die schwarze Bevölkerung“, sagte Mareile im Vorfeld ihrer Reise in einem Radiointerview. Ihr Großvater habe die Farm seinerzeit gekauft, ihre Eltern, die genau wie sie selbst dort geboren sind, fühlten sich mehr als Namibier denn als Deutsche.

Ihre Familie, die Eltern und Geschwister, leben noch immer dort und bewirtschaften noch immer die Farm, auf der Mareile aufgewachsen ist. Eine Farm mit unter anderem rund 2.000 Rindern.

Mareile hat in Südafrika studiert und ist zum Arbeiten schließlich nach Stuttgart gekommen. Drei Jahre ist sie schon hier. Marius kommt aus der Nähe von Rottenburg, hatte in seiner Kindheit aber auch Berührungspunkte mit Afrika: Aufgrund der Arbeit seines Vaters hat seine Familie für zwei Jahre in Südafrika gelebt.

Gerade weil Mareile weiß, wie die Situation für viele Menschen in Namibia ist, möchten die beiden mit ihrer Reise auch ein Bewusstsein schaffen. „Zahlreiche Kinder haben keinen Zugang zu Bildung, hinzu kommt, dass viele Schulen in Namibia in schlechtem Zustand sind“, sagt Mareile. Deshalb war den beiden schnell klar: Sie möchten mit ihrer Reise auch etwas Gutes tun. Letztendlich haben sie sich dazu entschieden Pro Namibian Children zu unterstützen.

Der Verein wurde 2005 gegründet und hat es sich zur Aufgabe gemacht, benachteiligten Kindern im Alter von sechs bis 15 Jahren im besonders armen Süden Namibias Zugang zu einer schulischen Ausbildung zu ermöglichen. Im Omomas Care Center werden die Kinder auf die Herausforderungen eines selbstbestimmten Lebens vorbereitet. Bildung, Sozialkompetenz und Persönlichkeitsstärke sowie landwirtschaftliche und handwerkliche Fähigkeiten bilden dabei die Grundlage für ein chancenreiches Leben in Namibia. Aktuell leben 120 Kinder im Omomas Care Center. Die beiden Weltenbummler möchten die Aufmerksamkeit der kommenden Monate nutzen, um für Spenden zu werben.

Marius wird über die Reise auf Social Media und einem Blog schreiben. Einen Namen haben sie sich dafür auch gegeben: Biking Baboons. Der Name ist durch Marius Leidenschaft zum Klettern und Bouldern entstanden. Mareile nennt ihn deshalb scherzhaft ihren „kleinen Affen“. Baboon ist ein Pavian, von denen es in Namibia viele gibt.

Und wie finanziert man so eine Weltreise? Die beiden Weltenbummler hatten Geld gespart, nach ihrer Südamerikareise außerdem in Sölden in einem Hotel gejobbt. Außerdem hatten sie das Glück Sponsoren zu finden, die sie vor allem hinsichtlich ihrer Ausrüstung unterstützen. So wie ihr Fahrrad, ein wartungsarmes Extrembike, das keine übliche Kettenschaltung besitzt und auch unwegbares Gelände meistern soll.

Für die Reise plant das Paar mit einem bis anderthalb Jahren. Seit dem 3. Juni schon treten die beiden in die Pedale, schlagen am Abend ihr Zelt auf und haben nur das dabei, das in ihre orangefarbenen Packtaschen passt. Ihr Weg führt zunächst Richtung Alpen, dann über den Balkan nach Griechenland und durch die Türkei. Über Israel geht es schließlich nach Nordafrika und Richtung Ziel. 50 Kilometer am Tag zu fahren, haben sich die Biking Baboons vorgenommen.

Ob die beiden Angst haben? „Ein bisschen macht man sich schon Gedanken wegen der Kriminalität in manchen Ländern“, sagt Mareile. Aber die beiden haben sich vorbereitet. „Man denkt ja immer mit so einem Plan, ist man etwas besonderes. Aber wenn man mal recherchiert, entdeckt man, dass es so viele gibt, die ähnliches machen!“, sagt sie und lacht. So konnten sie sich einige Tipps holen, von Reiserouten bis hin zu konkreten Fragen zur Beschaffenheit einer Isomatte. Letztlich überwiegt die Freude auf ein großes Abenteuer, auf Herausforderungen, Wanderungen, Safari in Kenia, die Durchquerung der Sahara, Strandtage auf Sansibar – und auf den ersten Stop, wenn die Alpen überquert sind: Venedig.

Und was soll danach kommen? Mareile und Marius können sich durchaus vorstellen erst einmal in Namibia zu bleiben. Für Mareile ist der Trip mehr eine Heimreise als nur eine Weltreise. „Aber wir freuen uns auch erst einmal auf das Gefühl diese Challenge geschafft zu haben“, sagt Marius.

(Fotos: Biking Baboons)

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