Biking Baboons: Auf dem Fahrrad nach Namibia

Mareile Garbade und Marius Thomma, die Biking Baboons, haben sich vor wenigen Monaten auf den Weg nach Namibia gemacht – mit dem Fahrrad. Im Interview mit Stadtkind plaudern sie über die ersten 3.500 Kilometer, über Herausforderungen, Planänderungen und unerwartete Begegnungen.

Stuttgart – Italien, Kroatien, Montenegro, Mazedonien, Griechenland, Türkei: Land um Land durchqueren Mareile Garbade und Marius Thomma, um irgendwann an ihr Ziel zu gelangen. Die Biking Baboons, so hat sich das Pärchen genannt, haben ein großes Vorhaben: stolze 18.000 Kilometer von Stuttgart nach Namibia zu radeln. Mit ihrer Reise möchten sie nicht nur viele tolle Erfahrungen sammeln, sondern auch benachteiligte Kinder unterstützen.

Biking Baboons: Ein Zwischenbericht

Welche Herausforderungen mussten die beiden meistern, welche Begegnungen sind ihnen besonders in Erinnerung geblieben und wo sind sie auch mal gescheitert? Ein Zwischenbericht von Biking Baboon Marius:

Ihr seid losgefahren ohne euch groß auf die sportliche Herausforderung vorzubereiten. Vor allem für Mareile handelt es sich beim Weltreise-Bike um das erste Fahrrad! Wie ist euch der Start gelungen?

Tatsächlich war es am Anfang nicht ganz so easy. Wir waren vor der Reise acht Monate backpacken und wer das schon einmal gemacht hat, weiß, dass man dabei nicht allzu viel Sport macht. Und für Mareile war es in der Tat das erste Fahrrad ihres Lebens, ja (lacht). In Namibia wächst man anders auf, man radelt nicht wie in Deutschland einfach mal überall hin.

Wieviele Kilometer habt ihr am Anfang geschafft?

In den ersten Wochen haben wir weniger Kilometer gemacht –  30 bis 40 am Tag. Ganz einfach war es trotzdem nicht immer: Mareile war am Limit und ich benötigte einiges an Geduld, da es schwierig ist zu stoppen, wenn mal selbst noch fit ist.

Eine Herausforderung war wahrscheinlich nicht nur der tägliche Sport.

Das stimmt. Wir müssen abends immer noch ein gutes Wildcamp finden, draußen kochen, uns waschen und so weiter. Viele fragen uns, was wir eigentlich den ganzen Tag so machen, aber keine Sorge, langweilig wird es uns nie…

Wie läuft es generell mit dem Campen?

Ich genieße das Campen richtig: es ist oft gar nicht so leicht einen Platz zu finden, an dem man uns nicht gleich sieht. Aber diese Challenge und das Leben in und mit der Natur habe ich lieben gelernt. Vor allem, wenn man abends noch ein Feuer machen kann. Das ist für mich ein erfolgreicher Tag, egal wie viele Kilometer wir nun geradelt sind. Wir können es deshalb jedem ans Herz legen mal so eine Radreise zu machen! Uns taugt es viel mehr als das Backpacken, bei dem man einen Touriplatz nach dem anderen abhakt und dauernd damit beschäftigt ist Blogs zu lesen, wie man wo am besten hinkommt und wann der nächste Bus fährt.

Und günstiger ist es sicher auch.

Ja, da wir kaum Unterkünfte und Transportkosten zahlen. An den meisten Tagen ist es nur das Essen und das wird auch immer billiger, je weiter man sich von Deutschland entfernt. Und wer jetzt sagt, dass er das ganze Equipment ja auch erstmal kaufen muss, dem können wir sagen, dass es für Deutschland beziehungsweise Europa mit einem stinknormalen Fahrrad mit Gepäckträger überhaupt kein Problem ist: Zwei Taschen hinten drauf und das Zelt quer und schon kann man losziehen! Ich war nie ein großer Camper, da mich das Rumkriechen im Zelt und ständige Suchen von Dingen so genervt hat, aber nach ein paar Wochen wird man zum richtigen Profi. Alles hat jetzt seinen Platz, als wäre man zu Hause in seinem Zimmer.

Ist alles so, wie ihr es euch vorgestellt habt?

Ich behaupte, dass es noch besser ist, als ich es mir vorgestellt habe! Mit Abstand die geilste Art zu reisen: Man ist nicht zu langsam (wie zu Fuß), aber auch nicht zu schnell (wie mit dem Auto) und sieht so viel mehr von Land und Leuten.

Ihr kommt wahrscheinlich viel ins Gespräch durch eure Art zu reisen.

Natürlich ziehen wir ordentlich Aufmerksamkeit auf uns mit unseren orangenen Panzern. (lacht) Das Schönste ist, wie unfassbar nett und hilfsbereit die Menschen sind, egal in welchem Land. Oft sind sie einfach nur interessiert an den Rädern und daran wo wir eigentlich herkommen und hinfahren. Immer wieder bekommt man Essen und Trinken geschenkt (einmal sogar Geld!). In der Türkei durften wir uns über Chai freuen. Ab und zu wurden wir sogar nach Hause eingeladen und haben eine warme Mahlzeit, eine Dusche und sogar einen Schlafplatz bekommen. In diesen Momenten glaubt man wieder an die Menschheit und weiß, dass nicht alles immer so schlecht und gefährlich ist wie behauptet.

Gibt es eine Begegnung, die euch besonders in Erinnerung bleiben wird?

Es ist schwierig hier eine Begegnung rauszupicken, da man wirklich jeden einzelnen Tag so viele schöne Situationen mit den Menschen hat. Aber eine tolle Begegnung der letzten Tage war sicher unser Besuch in einer Schule. Wir haben im Hostel einen türkischen Lehrer kennengelernt, der uns dann zu seiner Schule 80 Kilometer entfernt eingeladen hat. Die Kids waren komplett aus dem Häuschen und wollten alle Englisch mit uns quatschen. Wir haben dann noch zusammen mit ihnen Fußball gespielt und unsere Räder genauestens inspiziert. Sie meinten später zu Hazni, dem Lehrer, dass das der schönste Tag ihres Lebens war. Bei solchen Erlebnissen geht uns das Herz auf.

Gab es auch heikle Situationen?

Die gibt es immer wieder: Mareile mag es überhaupt nicht, wenn die Sonne untergeht und wir noch kein Wildcamp haben und noch auf dem Rad sitzen, weil wir mal wieder zu lang mit irgendjemandem gequatscht oder das WLAN vom Restaurant zu lange ausgenutzt haben. Ansonsten sind die Hunde ein tägliches Problem. Vor allem in der Türkei, wo es fast ausschließlich diese riesigen Anatolian Shepherds gibt. Neun von zehn bellen nur, aber dieser eine ist dann doch sehr aggressiv und rennt einem auch mal hinterher. Bisher hatten wir immer Glück… Ein anderes Problem sind die Autos und LKWs. Manche fahren unfassbar nah an uns vorbei. Einer ist zuerst ganz nah an Mareile gefahren und hat gehupt wie ein Verrückter, dann kam er nach vorne zu mir. Als ich dann meine Hand hochriss und ihn anschrie, was das eigentlich soll, zog er das Lenkrad nach rechts und wieder zurück. Das waren Millimeter, die noch zwischen meinen Taschen und seinen Türen waren. Aber die meisten werden nur ganz aufgeregt und hupen, sodass wir jedes Mal fast einen Herzkasper kriegen. Sie meinen es sicherlich nicht böse, aber bitte hupt nicht, wenn ihr gerade einen Radfahrer überholt!

Eure Mission ohne Flugzeug nach Namibia zu kommen ist leider gescheitert.

Leider, ja! Wir fliegen am 12. Oktober von Antalya nach Tel Aviv und werden dann entweder über Jordanien nach Ägypten fahren oder den direkten Weg durch Israel. Wir haben alle Optionen durchgespielt, mussten aber zu dem Schluss kommen, dass ein Flug das Beste für uns sein wird.

Wie läuft es mit der Spendenaktion?

Mit der Aktion läuft es wirklich gut. Wir haben bereits über 3.000 Euro eingesammelt! Wir sind leider nicht ganz an unserem Ziel (1 Euro pro Kilometer), gerade sind wir bei 3.700 Kilometer in Aksaray, aber ich bin mir sicher, dass wir das noch schaffen.

Ihr macht in jedem Land ein Nacktfoto – was hat es damit auf sich?

Oh die Nacktfotos, das ist eine gute Frage! Wir haben vor zwei Jahren in Namibia eine Weihnachtskarte gemacht, auf der wir nur mit Zipfelmützen und Sonnenbrillen bekleidet aus einem alten VW Bus winken – so fing alles an. Dann dachten wir, dass das doch mal eine coole Erinnerung wäre aus jedem Land so ein Bild zu haben und alle mit einer Weltkarte im Wohnzimmer aufzuhängen. Jetzt haben wir schon über 15 nackte Länderbilder und es geht weiter!

Gibt es auf eurer Reise etwas, das ihr vermisst?

Mauldascha! (lacht) Nein, tatsächlich vor allem die guten Freunde zu Hause. Klar, lernt man hier immer neue nette und interessante Leute kennen, aber es ist einfach etwas anderes mit Leuten, die man schon eine Ewigkeit kennt. Auch abends einfach mal ein Bier zu trinken mit einem guten Kumpel, mit dem man gar nicht so viel reden muss und mit dem man die üblichen doofen Witze machen kann, die der andere auf Anhieb versteht – das fehlt mir am meisten. Aber nach den Freunden kommt wirklich das Essen. Es ist interessant so viel verschiedenes Essen zu kosten, aber ab und zu möchte man einfach nur eine Packung Maultaschen (davon eine kalt) mit Zwiebeln und Ei und am besten noch mit einem Colaweizen dazu!

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