Bike-Festival: Die Schrauber kommen!

Am Wochenende lassen Motorrad-Besessene die Auspuffe beim Glemseck 101 qualmen. Erstmals mit einem eigenen Stand dabei sind drei Stuttgarter Schrauber.

Stuttgart – Man muss kein Experte sein, um alten Motorrädern etwas abzugewinnen. Im Gegenteil. Die Bike-Kultur der jüngeren Vergangenheit hat sich längst vom Malus der verrauchten und gefährlichen Biker-Kneipe gelöst. Heute treffen sich Motorradfahrer, Schrauber und Neugierige in schicken Läden wie dem Hillsons, fachsimpeln, planen gemeinsame Ausfahrten, helfen sich gegenseitig. Drei davon sind Fabi, Jo und Stephan. Sie haben sich in einem Forum für Bike-Kultur kennengelernt und gemeinsam Ausfahrten unternommen. Jetzt haben sie ihren eigenen kleinen Custom-Shop namens Yo Fuck It Too Late gegründet. Und einen Höllenspaß damit, wie sie auch auf dem Motorradfestival Glemseck zeigen werden.

Bloß nicht von der Stange

Als Custom-Shop versteht man kleine Schrauber-Enklaven, in denen verschiedene Dinge nach Maßanfertigung hergestellt werden. Die Devise: Selber nach den eigenen Vorstellungen umbauen statt neu von der Stange kaufen. „Wir wollen Motorräder umbauen, die im Ergebnis technisch top und gut fahrbar sind“, so umreißt Jo die Agenda seiner Truppe. „Aber natürlich sollen sie auch unseren ästhetischen Ansprüchen genügen.“ Die sind ziemlich hoch. Anstatt gewisses Zubehör zu kaufen, schweißen sie sich die benötigten Teile oft einfach selbst zusammen – „weil individuelle Lösungen oft besser zur Vorstellung und Linie des Motorrads passen.“

Yo Fuck It Too Late: Die drei von der Schraubstelle.

Richtig altes Eisen

Der nicht ganz ernstgemeinte Name Yo Fuck It Too Late leitet sich von den Namen der Beteiligten ab und soll die bierernsten und toughen Custom-Shops, die überall wie Pilze aus dem Boden schießen, ein wenig auf die Schippe nehmen. Was das Schrauben angeht, meint man es hingegen ernst. Und ist mit Feuereifer dabei. „Die Motorräder, mit denen wir uns befassen, sind alte Kisten ohne ABS oder Abgasnorm. Da ist es die teilweise sehr einfache Technik, die Reduzierung auf das Wesentliche und die zeitlose Erscheinung dieser Alteisen, die uns begeistert“, erklärt Stephan.

Alle drei sind sich einig, dass ihre Arbeit in der Werkstatt eine „dankbare“ ist. „Man arbeitet mit den Händen, macht sich schmutzig, sieht aber auch sofort, was man getan hat. Vor allem letzteres ist in unseren Jobs eigentlich nur wenig der Fall.“

Schrauben gegen Sorgen

Die Jobs der drei sind allesamt in anderen Branchen angesiedelt. Fabi ist in der Filmbranche, Jo ist Lehrer und Stephan arbeitet am Stuttgarter Flughafen. Sie lieben es, zusammen zu tüfteln, schätzen aber manchmal auch die meditative Einsamkeit des schraubenden Eremiten. „Wenn man einen Vergaser zerlegt und wieder zusammenbaut, hat man im Kopf eigentlich keinen Platz für andere Gedanken, Sorgen und Nöte aus Beruf und Alltag“, sagt Jo. „Und wann gelingt es einem schon, diese Dinge wirklich ausblenden zu können…“

Werkstatt verzweifelt gesucht

Natürlich geht auch diese ganze Geschichte in Stuttgart nicht ohne ein großes ABER. „Leider kämpfen auch wir mit dem kaum vorhandenen und bezahlbaren Raum für eine eigene, größere Werkstatt“, so Fabi. „Da muss man halt einfach nutzen, was man hat: Einen Tiefgaragenstellplatz, bei dem mittels Holzklotz verhindert wird, dass das Tor immer automatisch schließt. Ein angemieteter Teil einer Garage mitten im Wohngebiet und eine Garage, die zur WG-Wohnung gehört, aber gleichzeitig noch ein Oldtimer Projekt beherbergt.“ Klar ist: Das ist bei nicht gerade leiser Arbeit wie dieser recht schwierig.

Schrauben als Meditation.

Benzingespräche auf dem Glemseck

Am Wochenende dürften diese Sorgen aber erst mal vergessen sein. Dann haben sie mit Yo Fuck It Too Late erstmals einen Stand auf dem legendären Biker-Festival Glemseck 101 an der alten Solitude-Rennstrecke. Mit dabei sind dann auch viele andere befreundete Schrauber und Motorradfahrer aus der Gegend, denn: „In und um Stuttgart geht einiges!“, meint Jo. Ein Stand auf Europas größtem Motorradfestival ist da natürlich obligat. „Unsere persönliche Lieblingsbeschäftigung ist es, einfach nur auf der Leitplanke zu sitzen und zuzuschauen, wie die Menschen zu Fuß und auf den unterschiedlichsten Maschinen in dieses Riesenspektakel strömen und dabei Benzingespräche führen.“ Dazu gibt es Getränke, Essen, Live-Musik, diverse Rennen und andere Zweirad-Spektakel. Danach geht es dann wieder in die Garagen. Das nächste Projekt wartet schon.

www.glemseck101.de

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