Beim Rapkessel nachgefragt: Was darf eigentlich Battle Rap?

Am 9. Mai ist wieder Rapkessel in der Schräglage – ein Freestyle-Battle, wie man es aus dem Film „8 Mile“ kennt. Wir haben bei Veranstalter Tim und dem Titelverteidiger Tommy2Late nachgefragt: „Was darf eigentlich Battle Rap?“

Stuttgart – Seit der Antisemitismus-Debatte um Kollegah und Farid Bang ist Battle Rap plötzlich in aller Munde. Im Freestyle-Battle darf’s eben auch mal unter die Gürtellinie gehen – das ist kein Geheimnis. Heißt das aber gleichzeitig auch, dass Rapper eine Art moralischen Freifahrtsschein haben, wenn es darum geht, die krasseste Line von allen zu droppen? Nein, sagen Tim, der Veranstalter vom Rapkessel, und Rapper Tommy2Late.

Rapkessel: Die Spielregeln

Seit knapp fünf Jahren findet der Rapkessel zweimal im Jahr statt. Die Teilnehmeranzahl ist begrenzt – sieben werden vorab ausgewählt und der achte Teilnehmer zu Beginn der Veranstaltung ermittelt. „Bei der Auswahl achten wir als Veranstalter darauf, Rapper einzuladen, von denen wir wissen, dass sie gut darin sind und sich schon in anderen Battle Rap Ligen bewiesen haben“, so Tim.

Die Teilnehmer wissen vorher nicht gegen wen sie antreten – das hat Freestyle eben so an sich. Hier wird ohne vorgeschriebene Texte auf einen vorgelegten Beat improvisiert. Spontan und mit Humor soll der Gegenüber ins Lächerliche gezogen werden. Im gegenseitigen Schlagabtausch wird nach K.O.-System bis zum Finale gebattelt. Derjenige, der sich gegen all seine Gegner durchsetzen kann und von der Jury sowie dem Publikum am meisten gefeiert wird, ist der Abendsieger und „Rapkessel Champion“. So die Spielregeln.

Tim: „Im Battle Rap geht es darum, sich über seinen Gegner lustig zu machen.“

Tim ist der Veranstalter des Rapkessels – im November seit fünf Jahren.

Was darf Battle Rap? 

Im Battle Rap geht es darum, sich über seinen Gegner lustig zu machen und ihn vor dem Publikum bloßzustellen. Das Wie muss jeder moralisch mit sich selbst vereinbaren.

Gibt es Grenzen?

Wir als Veranstalter wollen da keine Grenzen setzen, um die künstlerische Freiheit nicht einzuschränken. Die Einzigen, die das unserer Meinung nach tun können, ist das Publikum.

Und wie?

Wie auch in einer guten Gesellschaft, wird eine Aussage, mit der man nicht einverstanden ist, sanktioniert. Aus diesem Grund ist auch bei uns neben zwei Juroren, die sich im Battlerap auskennen, das Publikum das „dritte“ Jurymitglied und darf mit abstimmen. Wenn das Publikum der Meinung ist, dass etwas gesagt wurde, das nicht in Ordnung war, wird es auch dementsprechend reagieren.

„Es geht nicht darum, der Krasseste zu sein.“

Gab es schon einmal eine negative Situation?

Das kommt bei uns selten vor, da wir unsere Teilnehmer ganz gut aussortieren und bewusst Rapper auswählen, die ihr Handwerk verstehen und auch moralisch vertretbar sind.

Geht’s am Ende wirklich nur darum, der Krasseste zu sein – oder gibt’s Tabus?

Es geht nicht darum der Krasseste zu sein. Es geht im Freestyle darum Spontanität mit Technik zu verbinden. Und sein Gegenüber humorvoll auszukontern, ohne die Verwandtschaft mit reinzuziehen.

Tommy2Late:
„Jemand der rechtsextreme Gesinnungen zum Ausdruck bringt wird definitv auf ewig verbannt.“

Tommy ist 29 Jahre alt, hat an der Hochschule der Medien in Stuttgart studiert, arbeitet aktuell im Personalmarketing und macht das mit dem Freestyle-Rap seit drei Jahren.

Was darf Battle Rap?

Prinzipiell alles! Wenn man eine Battle-Veranstaltungsreihe macht und beim Auftakt nur gebuht und nicht gefeiert wird, dann hat der Veranstalter natürlich ein Problem und der dargebotene Battle Rap war für das Publikum entweder zu langweilig, offensichtlich abgekupfert oder auch offensiv ausländerfeindlich, antisemitisch etc. Sowas sorgt automatisch für Unmut und eine schlechte Show. Jemand der rechtsextreme Gesinnungen zum Ausdruck bringt wird definitv auf ewig verbannt.

Gab es schon einmal eine negative Situation?

Was ich schon ein paar Mal erlebt habe ist, dass Battle-Rapper ihre Kollegen dabei hatten, die dann während des Battles den gegnerischen Rapper bedroht haben oder fast auf die Bühne stürmen und körperliche Gewalt anwenden wollten. Das geht gar nicht. Deswegen wurden sie dann auch rausgeschmissen. Bisher hatte ich jedoch nie das Gefühl, dass jemand die Bühne nutzt, um extremistisches Gedankengut, in welche Richtung auch immer, zu verbreiten.

Wie reagiert das Publikum auf zu harte Lines?

Wenn die Line hart im Sinne von „treffend“, „gemein“ und „sarkastisch“ ist, dann wird sie ausgiebig gefeiert. Wenn die Line z.B. auf tote Elternteile oder irgendein anderes ekliges Thema anspielt und dabei einfach plump und ohne Wortwitz daherkommt, dann geht eher ein Raunen durch die Menge oder auch schon mal der ein oder andere Buhruf.

„Der Krasseste ist man, wenn man das Publikum zum ausrasten bringt, ohne dabei Tabus zu brechen.“

Ab wann ist eine Line eigentlich zu hart?

Meine subjektive Meinung: Wenn einem Menschen nur aufgrund seiner Religion, Hautfarbe oder Herkunft das Recht zu leben abgesprochen wird. Also zu rappen: „Du wirst heute umgebracht, weil du ein scheiß Moslem bist!“ – No-Go! Wenn allerdings mit Klischees gespielt wird, ist das aus meiner Sicht in Ordnung, kann lustig sein und jeder Beteiligte weiß, dass diese „Vorwürfe“ im Battle-Kontext entstehen und man danach gemeinsam darüber lacht – jedenfalls habe ich es bisher immer so erlebt.

Geht’s wirklich nur darum, der Krasseste zu sein – oder gibt’s Tabus?

Der Krasseste ist man, wenn man es schafft, den Gegner komplett verbal Schachmatt zu setzten oder das Publikum zum ausrasten zu bringt, ohne dabei Tabus zu brechen. Genau das setzt eben eine gewissen Wortgewandheit voraus.

Rapkessel

Live: Freestylebattles + Mach One live
SUPPORT: Hans (Lemmiwings/Ulm)

Ak: 15€

Einlass: 19:00 Uhr
Beginn: 20:00 Uhr

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