Balletttänzer Louis Stiens

Stuttgart, für immer erste Liebe? In unserer Reihe erzählen Stadtkinder, was sie an ihrer City so lieben – und was sie so richtig nervt. Heute mit Louis Stiens, Nachtschwärmer, Balletttänzer und Choreograf am Stuttgarter Ballett.

Stuttgart – Zwei Seelen wohnen, ach! in seiner Brust: Die eine tanzt auf der Bühne, die andere choreografiert, beobachtet, wirkt im Hintergrund. Immerhin: Beide leben, nein, beide brennen für das Ballett. Auf höchster Flamme. „Manchmal bedeutet mir das Ballett sogar zu viel“, sagt Louis Stiens und lächelt nachdenklich. Der junge Mann ist Halbsolist am hochangesehenen Stuttgarter Ballett, hat sich in den letzten Jahren aber immer wieder auch als fulminanter Choreograf bewiesen. Mit der scheidenden Lichtgestalt der Stuttgarter Compagnie, Hauschoreograf Marco Goecke, inszenierte er „Dancer in the Dark“, ebenso zuhause fühlt er sich aber in temporären Kunstprojekten und Räumen wie der Lotte.

Seit 2009 tanzt und wirkt der heute 26-Jährige in Stuttgart, insgesamt hat er schon knapp zwanzig Jahre Tanzerfahrung. „Ich sehe einen kleinen Zirkusaffen“, antwortet er recht kryptisch auf die Frage nach seinem bisherigen Weg. „Ich entwickle mich ganz langsam – aber konsequent.“ Wieder dieses stille Lächeln. „Bin also jetzt zum Zirkuspony aufgestiegen.“ So viel ihm der Job am Ballett auch abverlangt, so lang seine Tage auch sind: Stiens brennt auch noch für etwas anderes. Für die Nacht, für die Dinge, die passieren, wenn die Welt schlafen geht. Er besucht kleine, verschwitzte, laute Clubs wie die Bar Romantica, die Dresden Bar oder das Yart, legt dort auch gern auf, lebt eine andere Seite seiner Persönlichkeit exzessiv aus, löst sich in der Menge auf.

Natürlich nicht immer. Sonst wäre ein Pensum wie das seine auch gar nicht durchzuhalten. Sein Tipp für einen geruhsamen Abend liest sich deswegen auch durchaus meditativ: „Viel Wasser trinken, eine Kerze anzünden und betrachten, dann schlafen gehen.“ Was er sonst noch so in Stuttgart anstellt, hat er uns in einer der seltenen Probepausen verraten.

„Der Stadt fehlt Selbstironie“

Was geschieht mit dir, wenn sich der Vorhang hebt? Mir fällt plötzlich alles ein, was ich noch hätte machen müssen. Zum Beispiel noch einmal auf Toilette rennen.

Seit wann lebst du in Stuttgart? Seit 2009.

Wo wohnst du heute? Im Westen.

Was gefällt dir an dieser Ecke besonders, was eher weniger? Am besten tatsächlich meine Wohnung. Am wenigsten das Gefühl, dass direkt hinter dem Stuttgarter Westen die Stadt aufhört.

Wann und wo hast du dich in Stuttgart verliebt? Es ist noch immer eine Hassliebe. Doch im Sommer ist die Stadt der ideale Ort, um sich zu verlieben.

Wo ist deine Hood? Das wird dann wohl der Obere Schlossgarten 6 aka das Opernhaus sein. Aber ich hänge ehrlich gesagt am liebsten im Bett rum, weil ich nach den langen Proben und Vorstellungen oft sehr müde bin.

Wo ist Stuttgart am schönsten? Im Sommer am Mineralbad Berg. Zumindest bis zur Schließung.

Wo am hässlichsten? Im Winter am Zollamt.

Ein Daueraufreger in dieser Stadt ist…? Der Feinstaub.

Ein Geheimtipp, den du ausnahmsweise mit uns teilst: Das Bar/Club-Mischwesen Yart in der Innenstadt. Und dann ein geheimer Garten in der Nähe der Haltestelle Dobelstraße. Traumhaft!

Welchen Ort wählst du für ein romantisches Date? Takeshii’s Vietnamese Cuisine in der Esslinger Straße. Es ist so schön dunkel da…

Wie reagierst du, wenn jemand sagt, die Stadt sei hässlich? Kann ich leider nachvollziehen – schaut euch nur mal die vielen Baustellen an.

Dein Lieblingsrestaurant? Weinstube Fröhlich. Für mich der beste Ort, um Freunden deutsche Küche schmackhaft zu machen. Außerdem sollten sich mehr Lokale in Stuttgat so stilvoll einrichten.

Dein Lieblingsclub? Bar Romantica. Ich wiederhole mich gern: Es ist so schön dunkel da…

Magst du Stuttgart bei Nacht mehr als Stuttgart bei Tag? JA!

Wo hängst du im Herbst am liebsten ab? Im Rosensteinpark oder an der Villa Berg.

Wie würde ein von dir choreografiertes Stück über Stuttgart aussehen? Es hätte auf jeden Fall entweder einen wunderschönen Oldtimer oder ein zusammengepresstes Autowrack auf der Bühne.

Wie bist du in der Stadt unterwegs? Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Was fehlt dieser Stadt am meisten? Bessere DJs, Selbstironie, mehr Natur im Stadtzentrum.

Was wolltest du in Stuttgart immer schon mal machen, hast es aber noch nie geschafft? Auf den Fernsehturm gehen!

www.stuttgarter-ballett.de

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