Autoren-Battle: Darf man als Stuttgarter ‚Stuggi‘ sagen?

Echte Stadtkinder sagen „Stuttgart“ und niemals „Stuggi“?! True Story oder Fake News? Wir schicken zwei unserer Autoren ins Stuttgart- vs. Stuggi-Battle.

Stuttgart – Geht es um die Dinge, die man nur in Stuttgart sagt, scheiden sich die Geister. Während die einen behaupten, dass kein echter Stuttgarter jemals „Stuggi“ sagen würde, sind die anderen wahre „Stuggi“-Verfechter. Auf Facebook und Instagram haben die Stadtkinder heftig diskutiert. Und auch unsere Stadtkind-Autoren Tanne und Mojo from the Blog sind da ganz unterschiedlicher Meinung.

Don’t call it Stuggi!!!!! (Joachim „Mojo“ Baier)

Jedes Mal, wenn jemand Stuggi sagt, wird mir anders. Auf eine unangenehme Art. Denn für mich ist diese Bezeichnung für unsere Stadt ein absolutes No-Go. Des isch schon immer so! Schließlich lebe ich in Stuttgart, im Kessel, aber niemals – wirklich niemals – in Stuggi! Und jaaaa, ich weiß… Stuggi hat man früher ja auch schon gesagt und gesungen. Früher hat man auch Wodka-O getrunken, Musikvideos auf MTV geguckt, 19 Cent für eine SMS gezahlt, „Feten“ gefeiert, Klingeltöne im Jamba-Monatsabo gekauft, ein Handy von Nokia gehabt und Sachen wie „voll laser“ gesagt. Merksch was?

Für mich klingt Stuggi immer ein bisschen nach „Bauer sucht Frau“. Nein, nicht nur ein bisschen, ich höre bei Stuggi sofort die Stimme von Inka Bause in meinem Kopf. „Im hügeligen Stuggi erwartet der herzliche Hühnerwirt Hansi seine Herzdame!“

Klar, man kann Stuggi sagen. Es ist auch nur ein Wort. Ist halt trotzdem kacke. Aber natürlich geht es auch noch wesentlich schlimmer, ja man mag es eigentlich gar nicht glauben. Denn getoppt wird das ganze Stuggi-Geschwätz dann immer noch von Leuten, die Dinge wie „Stuggi Boogie Benztown“ sagen… während sie in einer gemieteten weißen Stretch-Limo mit Kennzeichen aus dem schwäbischen Umland über die Theo brettern – früher schnell, heute nur noch mit Tempo 30. Whoohooo – richtige Stuggi-Girls & -Boys.

Jetzt will ich hier natürlich kein Fass aufmachen. Darf ja schließlich jeder sagen was er will. Aber genau deshalb darf ich ja auch sagen, dass man als Stuttgarter einfach niemals Stuggi sagen sollte. Weil es veraltet ist, so provinziell, so nach Dorf – das man ja absolut nicht sein will – und so unfassbar uncool klingt. Nee, bei Stuggi hört die Freundschaft echt auf! Und bei „Stuggi Boogie Benztown“ und anderen abartigen Stuggi-Abwandlungen (ich sag nur: „Stuggitown“, „Stuggile“ oder ganz schlimm „Stutti“) bekomme ich mehr Aggressionen als jeder Autofahrer im Berufsverkehr auf der Neuen Weinsteige. Don’t call it Stuggi! Es heißt STUTTGART! Ich kann es gar nicht oft genug sagen! Thank u, next.

Im Herzen Stuggi-Resident (Tanja „Tanne“ Simoncev)

Ja, ja, haters gonna hate…bla bla. Aber mal ganz ehrlich: Was ist so schlimm daran Stuggi zu sagen!? Ich bin in Stuttgart aufgewachsen, früher waren wir die Checker vom Neckar und fanden Stuggi Boogie Benztown voll funky. Die Massiven Töne rappten von Stuggi Nights, Max Herre machte der Stadt mit „Im Herzen bleib‘ ich Stuggi-Resident“ die schönste Liebeserklärung überhaupt. Das ist doch auch irgendwie nett gemeint, wie so ein Spitz- oder Kosename. (Wehe, mir schreibt jetzt jemand: Nett ist der kleine Bruder von….)

Dass ich dann auch mal in meinen Texten Stuggi schreibe, weil mir grad das Herzle aufgeht, beim Gedanken ans Städtle – why not?! Aber natürlich müssen einem, wie so oft, unnötige Social-Media-Kommentare den letzten Rest Stadt-Liebe madig machen – ein Auszug: „Kann mal jemand dieses Stuggi aus dem Artikel entfernen?“ oder „Jedes mal wenn du Stuggi schreibst, stirbt irgendwo ein süßes Hasen-Baby“. Mein Gott, übertreibt halt. Und zur ersten Frage – Nö. Warum ist meine Wortwahl – vor allem in diesem Fall – dein Problem? Ich sag‘ zum Beispiel auch Schwabi zur Schwabstraße. Na und? Davon fällt – eben – keiner tot um. Soll doch jeder seine Stadt nennen wie er will! Ich schreibe ja auch Pärchen nicht vor wie sie sich nennen dürfen. NOT MY BUSINESS.

Aber nein, Stuggi zu sagen, ist schlimmer als yolo und vong zusammen. Die Szene im Kessel verdreht die Augen, frisch gebrühte und mit Latte-Art verzierte Cortados fallen vor Schreck zu Boden, auf Partys verstummt der Italo-Disco-Sound. Ha! Und ich denke nur: Richtig viel Stuggi in einem Text, I like a lot.

Anm. d. Red.: Unsere beiden Autoren haben sich nach dem Battle wieder vertragen. Alles gut bei Stadtkind Stuttgart.

Foto: Unsplash/Matthew Brodeur

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