Hoodcheck: Das geht rund um den Ostendplatz

Im Hoodcheck zeigen wir euch die schönsten Ecken im und rund um den Kessel – abseits der üblichen Pfade. Diesmal haben wir den Ostendplatz ausgecheckt.

Stuttgart – Wer mit dem Bus oder der Bahn zum Ostendplatz fährt und dort aussteigt, ist sicherlich erstmal leicht überfordert. Verkehrskreisel. Verwirrende Kreuzung. Autos. Straßenbahnen. Einfach kurz stehen bleiben, durchatmen und die Lage checken. Denn, wer hier richtig abbiegt, entdeckt hübsche Häuser, versteckte Oasen und echte Hotspots. Stichwort: Zur Schleckerei. Da könnte man fast meinen, der Stuttgarter Osten kommt. Späßle. Fest steht: Hier ist es angenehm unaufgeregt. Hier trifft leckeres Eis auf guten Kaffee und vietnamesische Köstlichkeiten. Also haben wir den Hölderlinplatz und Stöckach hinter uns gelassen, um für euch die coolsten Spots rund um den Ostendplatz zu finden.

Die (Hot-)Spots rund um den Ostendplatz

Zum Ostendplatz kommt ihr am besten mit der U4 oder dem Bus 42. Alle coolen Spots findet ihr in unserer Liste und wie ihr sonntags im Osten der Stadt überlebt, lest ihr hier >>>

Hier gibt’s glutenfreie Leckereien in Stuttgart

Glutenfrei in Stuttgart, gibt’s da was? Na, klar! Ob Pizza, Pasta, Burger, Pancakes oder Kuchen – wir zeigen euch die Spots im Kessel, wo es glutenfreie Leckereien aller Art gibt.

Stuttgart – Glutenfrei – ein Begriff, der nicht erst seit gestern in aller Munde ist, wortwörtlich. In einem Atemzug mit laktosefrei, vegetarisch oder vegan genannt, findet sich die Kennzeichnung auf immer mehr Lebensmitteln, aber auch in Speisekarten von Restaurants und Cafés wieder. Doch woher kommt die „Glutenfree“-Welle (wahrscheinlich aus NYC) – handelt es sich dabei lediglich um einen Food-Trend oder ist es einfach mal an der Zeit aufzuklären und umzudenken? Bei letzterem helfen wir gern: Gluten ist ein Klebereiweiß, das zum Beispiel in Getreidearten wie Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste enthalten ist und von Menschen, die unter anderem an Zöliakie erkrankt sind, nicht vertragen wird. Eine Folge: die Entzündung der Darmschleimhaut.

Glutenfreie Alternativen in Stuttgart

Aber das ist noch nicht alles: Neben den Inhaltsstoffen muss auch auf die Zubereitung des Essens geachtet werden. Man bräuchte eigentlich zwei getrennte Küchen. Kein Wunder ist das für viele Restaurants und Cafés nicht machbar, ein glutenfreies Angebot deshalb nicht in jedem Lokal gang und gäbe.

Wer an Zöliakie erkrankt ist, hat’s also nicht leicht. Für alle, die auf Gluten verzichten wollen oder müssen, haben wir eine Liste mit Spots zusammengestellt, wo ihr in Stuttgart glutenfreie Optionen findet:

Mehr Infos zum Thema findet ihr auf der Website von der Deutschen Zöliakie-Gesell­schaft e.V.

Bild: Matheus Frade // Unsplash

Tatumoto: Das Tattoo-Studio auf Rädern

Tattoos to go? Das mobile Tattoo-Studio Tatumoto macht’s möglich. Ob Geburtstag, Hochzeit, Event oder Messe – Lina Ruoff verschönert Haut mit ihren Motiven. Stadtkind hat sich mit Lina getroffen.

Stuttgart – Das Tatumoto ist ein mobiles Tattoo-Studio – wie das funktioniert? Der schwarze Tattoo-Wagen auf Rädern, wird von einer Autobatterie betrieben, so dass es Steckdosen, einen USB-Anschluss und Licht gibt. Ein Hocker und eine gepolsterte Liege lassen sich einfach im Wagen verstauen. So kann fast überall tätowiert werden. Die Tattoo-Motive kann man sich aus einer Box aussuchen, die Lina entwickelt hat. Ausgewählt werden kann aus den vier Design-Gruppen, Sailor, Zen, Prison und Habitat, die jeweils 15 kleine Motive beinhalten.

Tatumoto – das steckt dahinter

Die Idee für das Tatumoto kam Lina für ihre Diplomarbeit in Kommunikationsdesign an der Kunstakademie in Stuttgart. Ihr eigenes Interesse für Tattoos, ihr Gefühl für Design und der Vorschlag von anderen Studenten einen Pop Up zu machen, führten schnell zur Idee des mobilen Tattoo-Studios. „Ich habe dann einfach mal eine Skizze gemacht, wie ich mir das so vorstelle. Ich hatte davor aber noch nie ein Produkt designt, entworfen oder gebaut“, erzählt Lina und meint weiter: „Fast eins zu eins habe ich das dann mit einer Schreinerin, die ich witzigerweise von früher kenne, zusammen umgesetzt. Und hab danach einfach alles selber gemacht.“

Der Name Tatumoto, entstand aus dem Wort „Tatau“, was im polynesischen Raum das älteste Wort für Tattoo ist. Lina wandelte es zu „tatu“ um und kombinierte es mit „moto“, das im italienischen für Mobilität steht.

Schwierigkeiten beim ersten Entwurf

Bei der Verwirklichung vom Tatumoto stieß Lina aber auch auf Schwierigkeiten. Trotz der leichten Materialien und einer Größe, die in die kleinsten Aufzüge und in die Bahn passt, ist alles dann doch schwerer geworden als gedacht. Die Autobatterie, die ein befreundeter Elektriker für Lina in das Tatumoto einbaut hat, ist über 30 Kilogramm schwer. Dazu kommen noch die restlichen Baumaterialien und das Zubehör. „Es ist jetzt schon ein richtiger Koloss“, sagt Lina. Auf lange Sicht möchte sie nochmal ein optimiertes, neues Modell vom Tatumoto bauen. Ihre nächste Idee dafür: Eine Ape, eine Art Mini-Lastendreirad. Doch Lina ist trotzdem positiv: „Ich bin auf jeden Fall stolz darauf, dass es so cool geworden ist. Aber wie jedes Projekt ist es ausbaufähig.“

Freie Tätowiererin in Ulm

Vor ein paar Wochen hat Lina außerdem angefangen im Tätowierstudio „Zum Schwarzen Sperling“ in Ulm zu arbeiten. Dafür pendelt sie ein paar Tage in der Woche mit ihrer neuen Hündin nach Ulm. Die Zeit in der Bahn nutzt sie, um neue Entwürfe zu zeichnen. Sich später auch mal komplett selbstständig machen mit dem Tatumoto? Linas Antwort: „Ja mal schauen, wieso denn nicht?“

Fotos: Melly Key für Tatumoto

Tatumoto

Wer das mobile Tattoo-Studio Tatumoto gerne für ein Event buchen würde, kann Lina einfach über Instagram @thisistatumoto schreiben oder eine Mail an info@tatumoto.com schicken.

Bridal Pop Up Store: Die Suche nach dem perfekten Kleid

Neu in Stuttgart: Der Bridal Pop Up Store mit individueller Brautmode und vielen anderen Dingen rund ums Thema Hochzeit. Stadtkind hat sich mit der Besitzerin Nadja Herth getroffen.

Stuttgart – Mit ihrem Bridal Pop Up Store möchte Nadja Herth besondere Brautmode verkaufen. Eine Braut soll nicht nur schön sein, sondern auch zu 100 Prozent sie selbst, findet die 38-Jährige. Der Auswahlprozess zum perfekten Kleid soll dabei so wundervoll wie möglich gestaltet sein. „Für mich selbst war es eine ziemlich schwierige Angelegenheit ein Kleid zu finden“, erzählt Nadja von ihrer eigenen Suche nach dem passenden Kleid für ihre Hochzeit im Juni. Schwierigkeiten, mit denen sie nicht gerechnet hätte. „Ich war in vier Läden und ehrlich gesagt hat es mir schnell keinen Spaß mehr gemacht“, erinnert sie sich. Einen eigenen Brautmoden-Laden zu betreiben, in dem die Auswahl Spaß macht – das möchte sie jetzt mit dem Experinate Bridal Pop Up leisten.

Elegant, Boho, Sexy oder doch Glitzer?

Unter liebevoll ausgewählten Brautmode-Teilen sollen die unterschiedlichsten Frauen etwas finden, das ihnen gefällt. Es gibt Seidenkleider mit klaren und eleganten Schnitten, sexy, figurbetonte Designs mit Cut-Outs, Bohemian und Vintage inspirierte Kleider mit Fransen, Spitze und Volants und schicke Looks mit Glitzer und Tüll. Neben Kleidern wird auch eine kleine Auswahl an Jumpsuits und Anzügen angeboten, die entweder fürs Standesamt oder auch für gleichgeschlechtliche Hochzeiten geeignet sind.

Secondhand Kleider und Workshops

In ihrem Laden bietet Nadja Musterkleider in den Größen 36 bis 48 an. Dahinter stecken auch ihre eigenen Erfahrungen der Brautkleid-Suche: „Das ist mir auch passiert, als ich in vielen Läden war: Man steht dann so vor dem Spiegel und sieht irgendwie immer eingequetscht aus, weil es nicht passt.“ Neben den neuen, weißen Gewändern wird es auch Secondhand Kleider geben. Wenn das Kleid in Nadjas Sortiment passt, können Bräute gerne ihr Kleid wieder über den Bridal Pop Up Store verkaufen.

Weiteres großes Thema: Junggesellinnenabschiede. Im Pop Up Store finden Workshops, wie Blumenkränze binden, Makrame und Lettering Workshops, Malen, Yoga Nights oder auch Tanzworkshops statt.

Bridal Pop Up Store: Detailverliebt und farbenfroh

Selbst der Look des Bridal Pop Up Stores ist nicht gewöhnlich. Zeichnungen von Frida Kahlo und Kunstprints hängen in den Räumen. Manche Wände sind bunt gestrichen oder haben gemusterte Tapeten. Auf Kommoden und Tischen lässt sich überall etwas entdecken, ob Plattenspieler, Schreibmaschine, Bilder, Pflanzen und andere liebevolle Details. Durch eine Türe gelangt man in den hinteren Teil des Ladens mit weiteren Kleidern und der Anprobe. Neben dem Bridal Pop Up, nutzt Nadja diesen Raum aber auch als Creative Space für ihre Firma experinate, die sie vor ein paar Jahren gegründet hat. Mit der Raumvermietung bietet sie anderen Menschen einen Raum für Ideen und Weiterentwicklung.

„Es tut unheimlich gut, so sein zu dürfen, wie man ist.“

Aber Nadja hat nicht nur ihren Bridal Pop Up eröffnet und ihre eigene Firma gegründet. Die gelernte Bankkauffrau finanzierte sich ihr Studium in Wirtschaftsingenieurwesen mit ihrer Arbeit als Tanzlehrerin. Durch ein Praktikum und als Werkstudentin kam sie zum Projektmanagement. Danach ging’s dann nach Stuttgart, wo sie heute als Beraterin in einer Firma für Unternehmensberatung und innovative Ingenieursdienstleistungen arbeitet. „Schon vor einigen Jahren hatte ich die Idee mich so zu diversifizieren und mehrere Sachen gleichzeitig zu machen“, erzählt Nadja und meint weiter: „Meine komplette Umgebung hat zu mir gesagt: Das kannst du nicht machen. Die Leute denken, dass du nichts richtig kannst.“ Heute ist sie darüber froh, dass sie sich so ausprobieren darf: „Ich habe darüber aus Freude auch schon ganz oft geweint. Es tut unheimlich gut, so sein zu dürfen, wie man ist.“

Wer im Bridal Pop Up Store gerne mal vorbeischauen und Brautkleider anprobieren möchte, kann einfach über die Website einen Termin ausmachen. Nadja nimmt sich für jede Kundin individuell so viel Zeit, bis die zukünftige Braut sich wohlfühlt und vielleicht sogar bei ihr DAS Kleid gefunden hat.

Fotos: experinate bridal pop up store/ Mariels Welt; Susanne Klöpfer

experinate – bridal pop up store

Landhausstraße 20
70190 Stuttgart

Hier kann man einen Termin im Pop Up vereinbaren.

Hier gibt’s mehr Infos zu den Workshops und JGA Events.

Und weitere Inspirationen findet ihr auf Instagram.

Mehr Infos auf der Website des Bridal Pop Up Stores >>>

Vom Kessel nach New York: Das Stuttgarter Modelabel Pal Offner

Das Stuttgarter Modelabel Pal Offner steht für avantgardistische Unisex-/Multisex-Mode. Die Gründerinnen Nele Offner und Sabina Pal haben uns verraten wie alles vor sechs Jahren mit einem Gin angefangen hat.

Stuttgart – „Schwarz ist eine Farbe“ steht auf den Stufen, die in den Laden des Stuttgarter Modelabels Pal Offner in der Nähe des Feuersees führen. Einmal die Räumlichkeiten betreten, wird schnell klar weshalb: Die Kleidungsstücke sind monochrom – Schwarz, Grau und Weiß sind die dominierenden Farbtöne bei Pal Offner. Im hellen Raum im Stuttgarter Westen hängen aber nicht nur die Kleidungsstücke an Bügeln sauber aufgereiht, es gibt auch einen großen Schreibtisch, an dem die beiden Gründerinnen an Entwürfen und Konzepten tüfteln. Neben Shop und Showroom, ist die Fläche auch Atelier und Office: Nele Offner ist dabei der kreative Kopf hinter dem Label, Sabina Pal ist für Marketing, Vertrieb und Finanzmanagement zuständig.

Pal Offner: „Schamlos gelassen“

Unter dem Motto „Avantgardistische Unisex oder Multisex Mode“ lassen Nele Offner (34) und Sabina Pal (33) die Grenzen zwischen Männlichkeit, Weiblichkeit, geraden Linien, Experimentellem, Zeitgeist und Zeitlosigkeit verschmelzen. Inspiriert sind die Teile von avantgardistischen japanischen Schnittführungen.

Unisex Mode sehen Nele und Sabina trotzdem eher kritisch: „Die meisten Unisex-Marken neutralisieren oft das Geschlecht“, meint Sabina. Weite, unförmige Schnitte würden zwar jedem passen, aber auch die Körperformen jeder Person verstecken.

„Unsere Philosophie ist, dass es maskulinere und femininere Teile gibt“, sagt Sabina, „Wir neutralisieren nicht, sondern geben dir alle Bausteine. Du kannst es dann für dich so zusammenstellen, wie du möchtest.“ 

Beispielsweise lassen sich durch Tunnelzüge und Bänder die Ärmellängen variieren. Dank unterschiedlicher Knopfleisten können die Jacken individuell geschlossen werden. Letztendlich gehe es darum, sich in seiner Haut wohlzufühlen. „Schamlos gelassen sein“, meint Sabina und Nele fügt hinzu: „Einfach fein mit sich selbst.“

Gin, Mut und eine Idee

Angefangen hat für Nele und Sabina alles im Dezember 2013 in einer Bar am Hans-im-Glück-Brunnen. Nele arbeitete nach ihrem Modestudium in Pforzheim als Modedesignerin. Sie spielte immer wieder mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen – aber alleine? Das konnte sie sich nicht vorstellen. Als sie überlegte, mit wem sie sich zusammentun könnte, fiel ihr Sabina ein. „Wir kennen uns lustigerweise über unsere Ex-Freunde“, erzählt Nele und lacht. Beide waren sich sympathisch, sahen sich aber nur ein paar Mal im Jahr.

Zu dieser Zeit arbeitete Sabina noch für eine Agentur in ihrer Heimatstadt Frankfurt. Dann kam der besagte Abend. Bei einem Glas Gin fragte Nele Sabina, ob sie nicht mit ihr ein Modelabel gründen würde. „Damals hab ich gleich zu ihr gesagt ‚Oh voll cool, vielleicht bist du mein Glücksengel‘! Ich habe immer auf etwas Neues gewartet, aber ich wusste nicht, in welche Richtung es gehen sollte“, erzählt Sabina. Beim nächsten Drink war klar: Wir wollen das umsetzen.

Alles durchgeplant

Januar 2014: Ausprobieren und die ersten Überlegungen. September 2014: Jobs kündigen und GmbH gründen. Januar 2015: Start von Pal Offner. Hört sich einfach und schnell an. Dazwischen lagen aber Messen, Gespräche mit Gründungsexperten, Entwürfe, Designs und ein Plan. „Wir haben uns jedes Wochenende und an jedem Feiertag getroffen und unseren Business- und Finance-Plan geschrieben“, erzählt Nele. Dieser Plan war am Ende sechzig Seiten lang. Ob Design, Lookbook, Story, oder Website, sie hatten alles durchdacht.

Was die zwei aber nicht planen konnten: Die Shops bestellten auf den Messen das doppelte der erwarteten Menge. Mit den Designs und Stoffen ging es dann erstmal vollbeladen nach Bulgarien in die erste Produktionsstätte von Pal Offner. „Dort waren wir eine Woche und haben Fragen beantwortet. Es war aufregend, den Betrieb und die entspannte, faire Arbeitsweise zu sehen“, erinnert sich Nele.

Internationale Kundschaft

Mittlerweile werden die Teile des Labels auch in Rumänien produziert. Sabina kommt von dort, was einerseits die Verständigung vereinfacht. „Und zum anderen kann ich nicht nur unsere Produktionsstätte sondern auch gleich meine Omas besuchen“, sagt sie. Produziert werden die Teile in Stückzahlen von zwanzig bis maximal 120 pro Kleidungsstück einer Kollektion. Keine Massenware, sondern ein aufwendiger Design- und Herstellungsprozess.

Den ersten Store gibt es seit September 2018 in Stuttgart. Das Ziel: Pal Offner im Kessel bekannter zu machen.

Stuttgart, Paris, New York

Mit der neusten Kollektion geht’s dann in den nächsten Wochen nach Paris und zum ersten Mal auch zur Fashion Week in New York. Auch für die gute Sache möchten sich die beiden einsetzen. Zehn Prozent der Einnahmen aus dem Sale am vergangenen Samstag etwa werden an „Fashion Revolution“ gespendet, die sich gegen die Missstände entlang der Produktionsketten in der Textilindustrie einsetzen. 

Pal Offner

Showroom I Atelier I Shop
Johannesstraße 20
Öffnungszeiten: Montag – Freitag 12 – 18 Uhr
mehr Infos zu Pal Offner >>>

Bilder: Pal Offner und Susanne Klöpfer

StadtRegal: Das neue Projekt am Österreich-
ischen Platz

Am Österreichischen Platz gibt es seit letzter Woche das temporäre Projekt „StadtRegal“, das sich mit der Gerechtigkeit der Nutzung von öffentlichen Räumen auseinandersetzt. Stadtkind hat sich mit Ali Hajinaghiyoun getroffen, der das Ganze mit anderen Studenten verwirklicht hat.

Stuttgart – Das „StadtRegal“ besteht aus hellem Holz. Eine silberne Küchenzeile blitzt auf. Jede Seite scheint etwas Anderes zu verbergen. Schwarze Texte auf den Holzflächen geben mehr Informationen zur Nutzung. Foodsharing ist am Österreichischen Platz angekommen. Doch das „StadtRegal“ ist mehr als eine Station für gerettete Lebensmittel – das Ziel: Die Zusammenkunft von unterschiedlichen Sozialgruppen soll gefördert werden. Die Idee dahinter stammt von Ali Hajinaghiyoun, Felix Haußmann und Martin Schusser, drei Studenten der Uni Stuttgart, die das Projekt in Kooperation mit der Initiative Stadtlücken für sechs Wochen (bis 8. August) unter der Paulinenbrücke stemmen.

StadtRegal – alle können bestimmen

Es ist der erste Samstag nach der Einweihungsfeier. Spontan haben sich Ali Hajinaghiyoun und Andere dazu entschlossen beim „StadtRegal“ einen kleinen Brunch zu veranstalten. Eine kleine, noch etwas verschlafene Gruppe steht um die Küche vom „StadtRegal“, die aus einer ausziehbaren, silbernen Küchenzeile besteht. Auf dieser wird ein Teig für Pfannkuchen zubereitet. Ein Mann, der als „Barista-Micha“ vorgestellt wird, schenkt jedem Kaffee aus, der auf ihn zukommt. Von der gegenüberliegenden „Mozarella Bar“ hat ein Mitarbeiter einen großen Topf mit Suppe vorbeigebracht und meint: „Es gibt Menschen, die es einfach mehr gebrauchen können.“ Ali Hajinaghiyoun kommt mit ihm ins Gespräch und bedankt sich am Ende bei ihm.

„Stadtregal“ – geplant und verwirklicht von Ali Hajinaghiyoun (2. von links) und Felix Haußmann (2. von rechts) Foto: StadtRegal

Wenn Ali von der Eröffnungsfeier erzählt, strahlt er. Und erklärt was hinter dem Projekt „Stadtregal“ steckt: Städtische Räume, wie unter der Paulinenbrücke, die früher als Parkplätze genutzt wurden, werden in Stuttgart zu einer freien Fläche. Dadurch entstehen Möglichkeiten für andere Mobilitätsarten und die Fläche kann gleichzeitig von mehreren Menschen genutzt werden. Wodurch sich die Frage stellt: Wer bestimmt darüber, was auf dieser Fläche geschieht? Das „Stadtregal“ ist, wie Ali erklärt, „ein Experiment zur demokratischen Konfliktgestaltung für diesen öffentlichen Raum.“ Was bedeutet, dass alle Menschen darüber entscheiden können, wie sie das „StadtRegal“ und die Fläche darum nutzen.

Architektur kann Menschen verbinden

Ali meint, dass gerade hier am Österreichischen Platz und unter der Paulinenbrücke unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen, aber doch irgendwie aneinander vorbeilaufen würden: „Vormittags sind hier (unter der Paulinenbrücke) die Obdachlosen und abends gesellen sich Architektur-Studenten und Hipster dazu“, beobachtet Ali Hajinaghiyoun und meint weiter: „Dann stehen die Obdachlosen abseits, fühlen sich unwohl oder kommen erst wieder her, wenn alle anderen weg sind, um die Pfandflaschen einzusammeln.“ Ali findet, dass das schade ist. Er sieht in der Architektur die Möglichkeit einen Raum zu schaffen, wodurch Menschen aufeinandertreffen und ins Gespräch kommen können. „Das klingt vielleicht sozial romantisch“, meint er und lächelt, aber zu viel Romantik gäbe es ja schließlich auch nicht.

Ali kommt im Gespräch auf Micha, der gerade Kaffee an der Küchenzeile ausschenkt. „Micha ist gleich am Anfang auf uns zugekommen und hat gefragt, was das hier ist.“ Seitdem schläft Micha auf einer freinutzbaren Holzfläche am „StadtRegal“, kümmert sich um die Küche und sorgt jeden Tag für frischen Kaffee. Gleichzeitig ist Ali aber wichtig: „Es ist kein Obdachlosen-Projekt, sondern für unterschiedliche soziale Gruppen gedacht.“ Denn darum soll es gehen, dass Menschen mit den verschiedensten Hintergründen und Interessen aufeinandertreffen und es auch für alle Leute zugänglich bleibt.

Das „StadtRegal“ ist vielseitig

Was das Stadtregal alles kann? Es ist eine Küche, ein FairTeiler, eine Verleihstelle für Lastenräder und eine frei nutzbare Fläche, aber vor allem soll es eben Menschen verbinden. Für das Projekt arbeiten Ali und Felix mit mehreren Initiativen aus Stuttgart und der St. Maria Kirche als zivilgesellschaftlichem Träger zusammen. Das Stadtregal bietet viele Möglichkeiten:

Foto: StadtRegal

Die Küche: Eine ausziehbare Küchenzeile bietet die Möglichkeit, Essen zuzubereiten und Kaffee oder Tee zu kochen. Denn die Küche hat eine Strom- und Wasserversorgung. Jeden Dienstag im Juli kann jeder zusammen mit der Initiative „Commons Kitchen“ kochen, die Lebensmittel vor der Mülltonne rettet und die Möglichkeit bietet, mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch zu kommen. Auf Anfrage kann aber auch sonst jeder die Küche nutzen.

Foto: StadtRegal

Der FairTeiler: Durch die Zusammenarbeit mit der Initiative „Foodsharing“ können auf den ausgezeichneten Regalflächen und im Kühlschrank von Foodsavern gerettete Lebensmittel vorbeigebracht werden. Diese kann jeder mitnehmen oder auch selbst Lebensmittel vorbeibringen, die nicht verbraucht werden können. Mehr zu Foodsharing und den FairTeilern in Stuttgart findet ihr bei uns hier >>>

Foto: StadtRegal

Der Verleih von Lastenrädern: In einem weiteren Teil von „StadtRegal“ lässt sich ein Lastenrad entdecken. Denn durch die Initiative Lastenrad Stuttgart kann man auf Spendenbasis ein E-Lastenrad ausleihen. Wie das funktioniert? Auf der Website registrieren, buchen, abholen und wieder zurückbringen. Die genauen Anweisungen gibt’s aber auch nochmal am „StadtRegal“ oder auf der Website der Initiative.

Foto: Susanne Klöpfer

Die freie Fläche: Ein Teil vom „Stadtregal“ kann frei genutzt werden. Ob zum Arbeiten, als Schlafplatz oder was einem sonst so einfällt.

StadtRegal: Am Österreichischen Platz, unter der Paulinenbrücke, noch bis 8. August 2019, mehr Infos gibt’s beim StadtRegal auf facebook und instagram

Foodsharing-Spots in Stuttgart

Schon einmal was von „Foodsharing“, „Foodsavern“ oder „Fair-Teilern“ gehört? Dabei geht es um die Idee gegen die Verschwendung von Lebensmittel anzukämpfen. Wir erklären euch was genau dahinter steckt und zeigen euch die Foodsharing-Spots in Stuttgart.

Stuttgart – In Deutschland werden jährlich fast 13 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Im Durchschnitt wirft jeder von uns 85,2 Kilogramm Essen im Jahr weg, das zeigten zumindest Berechnungen der Universität Stuttgart. Die Initiative Foodsharing e.V. möchte daran was ändern, indem sie ungewollte und überproduzierte Lebensmittel „retten“. Und auch die Foodsharing-Möglichkeiten werden in Stuttgart immer mehr: Im Juni eröffnete am Hölderlinplatz das Foodsharing-Café Raupe Immersatt.  Und gerade gibt es für sechs Wochen am Österreichischen Platz das Projekt „Stadtregal“ (dazu erfahrt ihr bald mehr bei uns), das unter anderem auch einen integrierten Fair-Teiler hat.

200.000 Foodsaver

Die Initative foodsharing e.V. setzt sich gegen Lebensmittelverschwendung ein. Die Idee ist es, Lebensmittel zu „retten“, die sonst weggeworfen werden würden – und gleichzeitig die Wertschätzung dieser wieder zu stärken. Die Initiative wurde 2012 in Berlin gegründet und hat mittlerweile auf ihrer Website über 200.000 registrierte Foodsaver in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgelistet.

Mission: Täglich Lebensmittel retten

Beim Foodsharing kann eigentlich jeder mitmachen, der darauf Lust hat. Ein Netzwerk von ehrenamtlichen Foodsavern retten täglich Lebensmittel aus Betrieben, die mit der Initiative kooperieren, und verteilen diese an Interessierte, Bedürftige, Organisationen und auch die Fair-Teiler in einer Stadt. Diese Fair-Teiler sind öffentlich zugängliche Orte, an denen die geretteten Lebensmittel vorschriftsmäßig in Schränken und Kühlschränken für andere Menschen zwischengelagert werden. Diese Fair-Teiler sind aber für alle zugänglich, ob registrierter Foodsaver oder nicht. Jeder kann sich etwas mitnehmen, aber auch eigene Lebensmittel mitbringen und abgeben. Mehr Infos dazu, wie und welche Lebensmittel man an die Fair-Teiler abgeben kann, findet ihr auf der Website foodsharing.de.

Mehr aus dem Web

Die coolsten Bade-Spots rund um Stuttgart

Es ist Sommer, die Hitze hat den Kessel fest im Griff, aber bis zum Strandurlaub ist es leider noch etwas hin. Kein Problem, wir verraten euch, welche Badeseen und Freibäder rund um Stuttgart Spaß und Abkühlung versprechen.

Stuttgart – Planschen im Wasser, bräunen in der Sonne oder einfach Beachvolleyball spielen und Tretboot fahren – die Möglichkeiten an den Badeseen und in den Freibädern rund um den Kessel sind vielfältig – Urlaubsvibes inklusive. Ach und apropos Urlaub: Einige Seen haben sogar kleine Sandstrände. Zwar fehlt das Meeresrauschen, aber mit ein wenig Fantasie und den Füßen im Sand, fühlt es sich fast wie am Strand von Mykonos an. Naja, fast.

Lieber See oder Freibad? Hauptsache Abkühlung!

Ihr seid passionierte Freibad-Gänger oder chillt im Sommer lieber an einem See? So oder so, hier kommen die coolsten Spots, die Abkühlung im Kessel versprechen.