Motor City Drum Ensemble: „Für mehr kulturelles Angebot im Stuttgarter Umland!“

Einer der gefragtesten Underground-DJs dieses Planeten, Motor City Drum Ensemble, spielt nach fünf Jahren erstmals wieder in seiner Heimat. Doch nicht in Stuttgart sondern in Schwäbisch Gmünd. Im Interview hat er uns auch verraten, warum er für diese Party sogar auf seine Gage verzichtet.

Stuttgart – Wenn Motor City Drum Ensemble in London, Paris oder New York Platten auflegt, sind die Tickets auch mal ausverkauft. Danilo Plessow, geboren in Schwäbisch Gmünd, ist ein taste-maker der weltweiten Clubszene. Plessow ist außerdem ein Aktivist für mehr Toleranz auf den Dancefloors dieser Welt, denn er ist bekannt für die grenzenlose Inklusion sämtlicher Musikrichtungen in seinen DJ-Sets.

Grenzen überwinden: In der Musik sowie in der Gesellschaft!

Grenzenlose Inklusion soll seiner Meinung nach auch beim kulturellen Angebot im Umland der Großstädte gegeben sein. Dafür ist er bekannt geworden, dafür wird er weltweit geachtet. Im Interview plädiert er für mehr kulturelles Angebot im Umland großer Städte, damit keine selbst geschaffenen kulturellen Grenzen entstehen.

Der 34-Jährige hatte in seiner Jugend das Glück, früh von Stuttgarter Musikschaffenden an die Hand genommen worden zu sein. Er durfte seine ersten Veröffentlichungen, bei denen seine Eltern die Plattenverträge unterzeichnen mussten, auf bekannten Labels veröffentlichen und reiste schon als 16-Jähriger regelmäßig zu Gigs ins Ausland. „In Gmünd war ich jedoch ein Alien“, beschreibt er das Gefühl auf dem Land gelebt zu haben.

Trotz der „Jugendkultur-Initiative“ in den 90ern, bei der Plessow in seiner Heimat mitwirkte, war das kulturelle Angebot dennoch mager in Schwäbisch Gmünd. Daher ist er begeistert vom Kulturbetrieb Zappa, der das Großstadtgefühl nun seit zwei Jahren in die Kreisstadt bringt. „Der Club könnte genau so in jeder großen Weltmetropole stehen“, sagt er.

„Kulturelle Grenzen zwischen Land und Großstadt müssen überwunden werden“

„Es herrscht ein extremes Auseinanderdriften der Kulturen von Großstadt und Land, dabei sollte Kultur das Bindeglied sein“, kritisiert Plessow. „Deshalb muss ähnliches Angebot auch auf dem Land gefördert werden. Nicht jeder kann es sich leisten in der Stadt zu wohnen.“ Das ist dem Musiker auch in seiner Heimat aufgefallen. Sein großes Studio befindet sich in Schwäbisch Gmünd. Etwa zwei Monate im Jahr ist er zwischen den Tourneen in der Stadt.

Nach kurzer Zeit ist er in Gmünd schon auf das Zappa gestoßen. Das Programm des Gemeinnützigen Vereins und Kulturbetriebs wird vom Veranstalter des Semf, Cristoforo Marrazzo, geleitet. „Danilo war am Anfang ein bisschen schüchtern, hat es scheinbar aber genossen ins Zappa zu gehen“, erzählt Cristoforo. Sie freundeten sich an. Beide teilen das Ziel Schwäbisch Gmünd auf die kulturelle Landkarte zu bringen. Schorndorf gelingt das mit dem Club Manufaktur seit Jahrzehnten und auch das Komma in Esslingen ist im Umland Stuttgarts bekannt für Kulturprogramm am Puls der Zeit.

Benefiz-Party im Kulturbetrieb Zappa

Am Samstag den 16. Februar, findet nun also eine Clubnacht im Zappa statt, die mühelos auch das interessanteste Event in allen Großstädten dieser Welt sein könnte. „Wir haben Tickets nach Belgien, Frankreich und in die Schweiz verkauft. Menschen reisen aus Hamburg, Köln oder München an“, erzählt Marrazzo. Alle DJs, inklusive der beiden Headliner Motor City Drum Ensemble und Rainer Trüby, verzichten dabei auf ihre Gagen.

„Danilo ist mit der Idee auf mich zugekommen“, meint Zappa-Leiter Marrazzo. Nun kommen die Einnahmen zur einen Hälfte direkt dem sich selbst finanzierten Kulturbetrieb zugute. Mit der anderen Hälfte wird Marrazzo die Umsetzung eines Herzensprojekts fördern. Er will Kreativ-Sommerfeste für Waisen und bedürftige Kinder veranstalten. Bei so viel Initiative und Einsatz können wir nur einmal ganz laute Props nach Swaggish-Gmünd schicken und weiterhin viel Erfolg wünschen.

By the way: Mit dem Intercity fährt man genau 30 Minuten vom Stuttgarter Hauptbahnhof nach Schwäbisch Gmünd. Um 05:54 Uhr fährt die erste Bahn aus Göppingen zurück nach Stuttgart. Es wird sich lohnen!

Foto: Ula Mirowska

Benefiz-Party am 16. Februar 2019

Mit Motor City Drum Ensemble, Rainer Trüby, Blunted Monkz, Janjoulow, Scheru aka. Rudolf Schepp

Mehr aus dem Web

Rosamunde Pilcher: Ruhe in Friede, Freude, Eierkuchen

Stadtkind-Autor Philip Stoeckenius hat eine nachvollziehbare Liebe für die Filme zu den Romanen von Rosamunde Pilcher. Mit Mama vor dem Fernseher in Spielfilmlänge einen gemütlichen Sonntagabend genießen. Was gibt es Schöneres?

Stuttgart – Rosamunde Pilcher ist gestorben – und mit ihr der Sonntagabendkitsch aus teuren Autos, royalen Anwesen und weißen Klippen. Tief in meinem Inneren habe ich immer von diesem Leben geträumt. Das liegt wohl daran, dass ich Zeit meines Daseins mit Rosamunde-Pilcher-Filmen sozialisiert wurde, irgendetwas muss da hängengeblieben sein.

Love it or love it!

Lacht nicht! Den Kitsch habe ich natürlich schon in den jüngsten Jahren durchschaut. Von meiner Oma mit Schlager zugedröhnt, von Mama mit Pilcher-Ästhetik überschüttet, ist mir früh aufgefallen, dass der Alltag dann doch nicht so klingt und aussieht, wie er sowohl im Radio als auch im TV gezeigt wird. Und trotzdem war ich ein heimlicher Fan. Durch verbale Einwürfe auf dem Sofa zeige ich zwar fortwährend ein wenig Unmut. Fangen wir jetzt aber nicht an über die festgefahrenen Rollenvorstellungen bei Rosamunde Pilcher zu sinnieren, sonst ändere ich meine Meinung sofort drastisch.

Ich finde es einfach zu schön, meiner Mama bei ihrem mimischen Feuerwerk zuzusehen. Endlich: Harry und Amanda geben sich Punkt 21:15 Uhr, wie jedes Mal, den langersehnten ersten Kuss. Der Nebenbuhler und für die Zuschauer unsympathisch wirkende Matthew, auf den Amanda beinahe hereingefallen wäre, saust in seinem Mercedes-Cabrio verärgert die Klippenstraßen von Cornwall davon. Man kann die Uhr danach stellen. Same procedure as every…!

Es ist zumindest auf dieses Schema F der dramaturgischen Gestaltung von Rosamunde Pilcher heutzutage noch Verlass. Bei all den Veränderungen, die das Leben sonst so bereit hält.

Zuhause ist es doch am Schönsten!

Bei meinen bisherigen Freundinnen gab es häufig komische Blicke, wenn ich Sonntagabends vorgeschlagen habe, „man könnte sich ja einen Pilcher ansehen“. Dass es dann doch meistens ein neuer Film von Caspar Noe oder „ein Lars von Trier“ wird, liegt an der street-credibility.

Ehrlicherweise bin ich froh, dass ich nach Hause zurückkehren kann und mit sehr großer Wahrscheinlichkeit, die sonst nur in Rosamunde-Pilcher-Filmen gegeben ist, einen Rosamunde-Pilcher-Film ansehen zu dürfen. Dann schaue ich bei herzzerreißenden und kitschigen Szenen meiner Mama von der Seite beim 94 Jahre alt werden zu. Alles Gute da oben Rosamunde Pilcher. Hoffe die Frisur sitzt. Du bist sicherlich uncool aber genau das macht dich sympathisch!

Mehr aus dem Web

Hakan Keppler: Für die Modewelt nach Berlin

Ein Job in der Modewelt? Das wünschen sich natürlich einige! Hakan Keppler aus Stuttgart versucht in der Berliner Modeszene Fuß zu fassen.

Stuttgart – Die Modeindustrie ist umfangreich und groß, doch immer noch ein Hoheitsgebiet. Da gibt es die glamourösen Designer mit ihren Labels und die berühmten Laufsteg- und Fotomodels, welche die Branche in der Öffentlichkeit repräsentieren. Direkt dahinter stehen die großen Träumer. Hakan ist einer dieser Träumer, die sich mit viel Engagement und Initiative einen Platz in dieser Welt erarbeiten wollen. Für diesen Traum ist er von Stuttgart nach Berlin gezogen.

In Berlin brauchst du Geduld.

Hakan weiß über den Zulauf in die Modebranche Bescheid und ist kein Phantast. Er ist sich darüber bewusst, wie schwierig es sein wird darin Fuß zu fassen. Schon 2012 hat er deshalb mit seinem Mode-Blog „hakanberryfinn“ begonnen, der bis heute besteht. Und auch seine abgeschlossene Lehre zum Tattoowierer gibt ihm die nötige Sicherheit, um sich sorgenfrei in die Welt der Kleider stürzen zu können.

Sein Ziel sei es „Inszenierungen im High-End-Bereich machen zu können“, erklärt er im typischen Jargon. Also die Shows, Shootings und sonstige Auftritte großer Modelabels zu organisieren und kuratieren. Seine derzeitigen Tätigkeiten arbeiten alle gemeinsam auf dieses Ziel hin. Doch der Pragmatiker in ihm weiß: „In Berlin benötigst du Geduld“.

Vermeintlich Influencer…?

Sein Alltagsgeschäft ist derzeit die Zusammenarbeit als Stylist mit verschiedenen PR-Agenturen. An diese Jobs ist er durch seine Engagements als Model und durch seinen Blog gelangt. Die Agenturen statten ihn mit neuen Kollektionen aus, die er dann entweder an sich selbst fotografieren lässt oder an andere Models weitervermittelt. „Ja, der zeitgenössische Begriff für diesen Beruf ist vermeintlich Influencer“, gibt Hakan zu.

Man benötigt jedoch das nötige Geschick, sich aus der einen Rolle vor der Kamera in die nächste Rolle hinter der Kamera zu begeben. Denn der eigene Instagram-Kanal ist kein reines Hobby mehr. Durch sein Social-Media-Profil gelangt er an seine Jobs. Ob vor der Kamera als Model oder hinter der Kamera als Stylist und Markenbotschafter. Aber Influencer or not – Hauptsache irgendwas mit Mode!

„In Stuttgart waren meine Möglichkeiten begrenzt“

„Ich muss das machen, weil es meine Leidenschaft ist. Ich habe mir meinen Weg hierher ausgesucht“, resümiert er entschieden, denn „in Stuttgart waren meine Möglichkeiten begrenzt“. Man fühle sich im Kessel auch wie in einem Kessel: „Sehr eingeengt und kritisch beobachtet“.

In Berlin jedoch nicht. Denn als schwuler Mann in dieser Stadt die „zwar in Deutschland liegt aber nicht Deutschland ist“, hat er sich mit seinen Träumen schnell akzeptiert gefühlt. Mittlerweile ist er sich sicher, dass er durch Geduld und zielstrebige Arbeit jeden Traum in Erfüllung gehen lassen kann.

Mehr aus dem Web

Stuttgart: Die beste Stadt der Welt

Wien wurde in einer Studie erst kürzlich zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt. Studie!? Traue keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast! Ab heute ist Stuttgart die lebenswerteste Stadt der Welt.

Stuttgart – Verschiedene Unternehmensberatungen und Wirtschaftsmagazine buhlen mit ihren City-Ranking-Studien jährlich um Aufmerksamkeit. Bei der Unternehmensberatung Mercer ist Wien zum neunten Mal in Folge die lebenswerteste Stadt. Beim Wirtschaftsmagazin Forbes hingegen seit diesem Jahr Tokyo. Aus unserer eigenen Studie geht jedoch Stuttgart als „die lebenswerteste Stadt der Welt“ hervor. Achtung Satire!

Traue keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast

Wie kann es sein, dass bei Forbes und Mercer unterschiedliche Städte gewinnen konnten? Richtig! Sie bestimmen selbst die zum Vergleich stehenden Kategorien. Da Stuttgart in fast jeder dieser Kategorien (zum Beispiel Verkehrsangebot oder die Luftverschmutzung) auf dem letzten Platz landen würde, bestimmen wir die Kategorien und teilnehmenden Städte in unserer Studie einfach auch selbst.

In unserem Kleingedruckten befindet sich zudem der Hinweis, dass die „oinzigschde zur Auswahl stehende Stadt in der vorliegenden Studie“ Stuttgart ist. In Sachen Garantie unserer Ergebnisse übernehmen wir einfach genau dasselbe Statement, das Mercer auf ihrer Webseite in Bezug auf ihre Studie verwenden: „Für herangezogene Studien werden in Bezug auf Qualität, Korrektheit, Aktualität, Vollständigkeit, Gebrauchstauglichkeit und Verwendbarkeit keine Garantie gewährleistet“. Soviel zu Gütekriterien einer Studie. Wurscht! STUTTGART!!!11!!

Die lesenswertesten Kategorien

Also! Trommelwirbel! Wir präsentieren hier die Kategorien, in welchen Stuttgart zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt wurde:

Nur die Überschrift zählt

Auch wenn das Seriösitätsbarometer bei unserer „Studie“ weit in Richtung rot ausschlägt: Die Headline steht! Die Methodik stimmt ja eigentlich auch, selbst wenn sie empirisch natürlich totaler Sozialforschungsschwachsinn ist. Doch wir Stuttgarter haben es ja gerne locker und stressfrei. Das „beweist“ doch auch die Studie, die Stuttgart letztes Jahr zur stressfreisten Stadt der Welt erklärt hat.

Unser Artikel verbreitet übrigens keine #fakenews. Nur ein bisschen #askyourselfwhynews.

Mehr aus dem Web

Auf einen Aperitivo im Kessel

Ein neuer Trend ist das nicht. Man trifft sich vor dem Abendessen auf einen Drink und Antipasti. In Italien ist der Aperitivo Kult, in Stuttgart funktioniert er ein bisschen anders.

Stuttgart – In Hamburg sagt man, alles südlich der Elbe sei Norditalien. Deshalb liegt Stuttgart im Sommer quasi direkt neben Mailand und die Paulinenbrücke wird zur Ponte della Paolina. Zeit für einen Aperitivo ganz nach italienischem Gusto, um den Abend mit einem Drink einzuleiten und gesellig zu sein. Wir haben mit den Machern von der Mozzarella Bar gesprochen, die den Aperitivo für sich heilig gesprochen haben. Außerdem haben ein Weinanalytiker und ein Agenturchef einen schwäbischen Aperitif entwickelt.

Aperitivo oder: Das Mittagsloch schöntrinken

Die Mozze – wie sie bei den Stammgästen genannt wird – ist zwar noch nicht mal ein Jahr an der Paulinenbrücke, doch bei den italophilen Schwaben schon eine Institution. Die Mozze-Gründer haben ihre gemeinsamen Italien-Urlaubsmomente in Form der Bar festgehalten. Dabei war der Aperitivo in eben einer Mozzarella Bar in Mailand der ausschlaggebende Moment für die Idee.

Für Valentin Hillengass, Mitgründer der Mozze, funktioniert der Aperitivo aus einem ganz pragmatischen Grund: „Du trinkst dir das Mittagsloch mit deinen Freunden schön“. In der Mozze beginnt der Aperitivo täglich ab 16 Uhr. „Vor allem in unserem Mailandurlaub war das die Zeit, in der man nicht wusste, was man sonst tun soll“.

Die bittere Wahrheit

Nach italienischer Tradition trinkt man zum Aperitivo ein bitteres Getränk, um die Magensäure anzuregen. Die Mozze hat dafür den typischsten italienischen Aperitif Negroni ein bisschen aufgeMOZZT. Der MOZZEgroni ist die neueste Kreation der Mozze. Der Drink wird zum ersten Geburtstag der Mozzarella Bar am Samstag präsentiert und wir haben ihn vorab testen dürfen.

Er wird aus Campari, Wermut und Rotebeetesaft gemacht. Die bittere Wahrheit wird dann mit einem Basilikum-Eiweißschaum getoppt, den man am liebsten literweise löffeln würde. Dazu darf das Tomate-Mozzarella-Spießchen natürlich nicht fehlen!

Die Aperitivo-Kultur sieht vor, dass man zum Aperitif vom Gastronomen etwas Antipasti serviert bekommt. In der Mozze gab es das zu Beginn auch, doch „die Schwaben verwirrt das, die wollen sich selbst etwas aussuchen. Deshalb gibt’s bei uns jetzt eine Antipasti-Karte“. Somit kann man sich seinen Aperitivo selbst zusammenstellen. Aperitivo an die süddeutsche Mentalität angepasst! Molto klasse!

Homi: Ein schwäbischer Aperitif

Nicht nur Valentin und seiner Crew hat es der Aperitivo angetan. Auch die beiden Freunde Horst Klingler, Weinanalytiker von Beruf, und Michael Horlacher, der eine Werbeagentur betreibt, haben sich in die Aperitivo-Kultur verliebt und einen eigenen Aperitif kreiert. Dafür haben sie im letzten Jahr im Labor von Horst am perfekten Aperitif getüftelt.

Herausgekommen ist Homi. Der Aperitif ist „auf der Basis eines echt schwäbischen Trollingers mit verschiedenen Kräutern versetzt“, erklärt Michael. Deshalb wird er auch im Weinglas getrunken. „Mit einem Schuss Zitronensaft oder Tonic Water und ordentlich Eiswürfeln, schmeckt er am besten“, meint der Agenturchef.

Homi ist noch ein absoluter Geheimtipp. Bisher gibt es davon lediglich ein paar Flaschen in der Apotheke am Eugensplatz. Denn auch dort gibt es täglich ab 17:30 Uhr Aperitivo. Also fragt doch einfach mal nach. 

Psssssst! Auch im Bergamo gibt’s jetzt Aperitivo. Jeden Mittwoch ab 19 Uhr. Denn mittwochs ist Bergfest und Bergamo liegt nördlich von Mailand. Oder so. Jedenfalls ist Aperitivo jetzt in! Und in! Stuttgart angekommen.

Mehr aus dem Web

Phil Anderson: „Skaten ist dicker als Wasser“

In der Skater-Community fällt eines besonders auf: Die pausenlose gegenseitige Unterstützung. Einer von Stuttgarts bekanntesten Skatern Phil Anderson erzählt von seiner Skater-Familie im Kessel.

Stuttgart – „Dir fehlt eine Schraube am Brett? Man organisiert dir eine neue. Dein Brett ist gebrochen? Man organisiert dir ein neues.“ Der ununterbrochene Support hält die Szene wie eine Familie zusammen. „Skaten ist dicker als Wasser“, resümiert Phil Anderson lachend. Sogar der Pastor der St. Maria Kirche am Paulinenplatz ist ein Fan der Stuttgarter Skater und hat ihnen den Kirchenvorplatz als Fläche zum Skaten genehmigt. Als Phil Anderson Ende der 90er begann, galt das Skaten in der Stadt noch als verpönt. Es hat sich viel verändert.

Phil Anderson will etwas zurückgeben

Skaten hat im Kessel mittlerweile Tradition. Nächstes Jahr feiert Phil 20 Jahre auf dem Board. Sein Talent wurde früh von Torsten Frank entdeckt. Thorsten war schon damals eine Skate-Legende in Stuttgart und ist heutzutage einer der erfolgreichsten Skateboard-Filmer „auf diesem Planeten“, ergänzt Phil über seinen Freund. Frank nahm den 13-jährigen Phil damals unter seine Fittiche, ließ ihn bei sich in die Skate-WG einziehen, förderte dessen Talent und verhalf ihm somit auch zum ersten Profi-Vertrag mit jungen 19 Jahren.

Heute ist Phil in der Position des Mentors und Förderers. Denn 2016 wurde dem 31-Jährigen die Position des Hausleiters der neugebauten Skatehalle „Stuttpark“ am Bad Cannstatter Bahnhof angeboten. Lange habe er überlegt, sich dann aber gesagt: „Warum nicht auch mal etwas zurückgeben?“. In seiner Position ist er nämlich auch gleichzeitig Talentscout für die Profi-Teams und Sponsoren. „Deshalb leite ich die Kids, die besonders auffallen, auch gerne mal weiter.“ Natürlich ist er auch Trainer und Mentor und sich nicht zu schade, den Kids einen ganzen Nachmittag lang Tipps auf dem Board zu geben.

..moment of silence with henrik biemer x berlin 2017 #adidasskateboarding #arrowandbeast

Ein Beitrag geteilt von phil anderson (@hangry.calamar) am

„Wir sind eine tolle Community“

„Skaten ist big“, bekennt Phil mit seinem verschmitzten Grinsen, das immer auch ein bisschen Selbstironie zeigt. „Wir sind einfach eine tolle Community, die immer mehr beweist, dass es uns nicht darum geht den öffentlichen Raum kaputt zu machen. Wir sind eine Kultur, die ihre Daseinsberechtigung schon lange hat.“

Das beweist auch die derzeitige Skate-Ausstellung im Stadtpalais. „Das ist ein super Sprachrohr nach Außen und kommuniziert unsere Werte“, ist er sich sicher.


Phil stand den Kuratoren der Ausstellung in der Konzeption und Planung als Vermittler in die Skate-Szene zur Verfügung. Er klapperte seine Kontakte im In- und Ausland ab, damit auch keiner der Wirkenden der vergangenen drei Jahrzehnte Skateboardgeschichte in Stuttgart vergessen wird. „Einige leben nicht mehr hier, haben uns aber auch ihre Stories und Videos aus den Zeiten geschickt, als es noch 56k-Modems gab.“

„Hinfallen und wieder aufstehen“

Bisher ist Skaten immer noch eine Subkultur. Wirklich wenige können damit richtig Geld verdienen. Aber darum geht es Phil auch nicht. „Skaten ist eine Lebenseinstellung. Wir haben alle die selbe Leidenschaft: Hinfallen und wieder aufstehen“, scherzt er. Schon wieder eine halbernste Aussage, deren Substanz jedoch die tiefe Liebe für den Sport ausdrückt.

Und diese Liebe lässt sich auch für Außenstehende beobachten. Sobald einem der vielen Skater auf dem Paulinenplatz ein Trick gelingt, strömen die anderen aus allen Richtungen begeistert auf ihn zu. Die Erfolgserlebnisse einzelner werden also immer zum Erfolgserlebnis aller. Klingt fast zu romantisch, ist aber tatsächlich so.

Stuttpark & Mutterstadt: Am Freitag, 24. August, 22.30 Uhr und Samstag, 25. August, 22.30 Uhr, wird im Delphi, Tübinger Straße 6, der Film „Stuttpark  – Die Geschichte vom Skateboarding im Kessel“ gezeigt. Außerdem der Film „Willkommen in der Mutterstadt“ aus der Multimedia-Reportage der Stuttgarter Zeitung.

Mehr aus dem Web

Wehrpflicht? Nein, danke!

Die CDU eröffnet die Debatte um die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Unser Autor findet: Das schürt nur Angst und lenkt den Blick weg von wichtigen Themen.

Stuttgart – Was soll diese Diskussion? „Pflichttätigkeiten für die Nation“ sind so von 2011. Die Wehrpflicht wurde nämlich in eben jenem Jahr abgeschafft. Aus gutem Grund! Als Reaktion auf die Abschaffung des Wehrdienstes und damit auch des Zivildienstes, wurde der Bundesfreiwilligendienst eingeführt. Ein wichtiger Schritt, der meiner Meinung nach noch viel mehr gefördert werden sollte – denn einigen jungen Menschen gibt der eine Perspektive im sozialen Bereich. Wenn sie sich darauf einlassen wollen. Und diese Wahl sollten sie haben dürfen!

Die Bundeswehr: Ein Hobby alter Männer

Ich stand 2011 noch bei der Musterung – prüfender Griff mit Ein- und Ausatmen inklusive – habe jedoch meinen Wehrdienst, aufgrund der Abschaffung im selben Jahr, nie antreten müssen. Zehn Monate in einer Kaserne mit der Ausbildung an einer Waffe? Vergiss es! Für mich ist die Bundeswehr ein Altherren-Verein. Krieg ist die schlimmste Kultur der Menschheit.

Aber derzeit brauchen wir uns ja sowieso keine Gedanken um eine kämpfende Bundeswehr machen – betrachtet man den Zustand der Ausrüstung, wie Anfang des Jahres bekannt geworden ist. Die Bundeswehr ist ganz offiziell out!

Und der Zivildienst, der mit der Wehrpflicht abgeschafft worden ist? Der sei doch so wichtig gewesen, sagen viele. Das stimmt natürlich zum einen, schließlich fehlt in der Pflege und Betreuung in Deutschland Personal. Immer weniger wollen diesen Job machen – Pflegepersonal hat knochenharte Arbeit zu leisten und wird dabei unterbezahlt. Doch ist so ein Zivi wirklich ein adäquater Ersatz?

Meine Schwester ist durch ein Freiwilliges Soziales Jahr ins Krankenhaus gelangt und hat anschließend das Studium zur Gesundheitswissenschaftlerin gewählt. Aus einer freien Entscheidung heraus. Sie ist sich sicher: „Zivis kann man zwar beim Einsatz von Grundtätigkeiten gebrauchen, doch wer möchte seine Großeltern von einem lustlosen Jugendlichen behandelt wissen, der zu den Aufgaben gezwungen wird? Pflegen kann nicht jeder einfach so!“ Also liebe CDU, setzt doch erstmal die Pläne von eurem Gesundheitsminister Jens Spahn um, der mehr Pflegepersonal und bessere Gehälter fordert. 8.000 zusätzliche Stellen in der Altenpflege wie im Koalitionsvertrag vereinbart, das wäre doch mal etwas!

Mehr Sicherheit durch die Wehrpflicht? Als ob!

Ja, wir haben derzeit turbulente Zeiten, doch die Einführung der Wehrpflicht kann daran sicherlich nichts ändern. Sie bewirkt lediglich, dass sich ein Herr Gauland von der AfD wieder einmal beweihräuchern kann, dass er diese Idee schon viel früher hatte, um in noch mehr Menschen Angst zu schüren. Was dabei viele nicht wissen: Die Bundeswehr darf im Innern des Landes gar keine Einsätze absolvieren. Hier darf sie nur Staudämme bauen. Der Plan geht also nicht auf.

Die Intention hinter der Debatte um die Wehrpflicht ist also wieder einmal nur parteipolitische Machtkämpfe. Eine Scheindebatte, die nichts mit der Realität zu tun hat. Trotzdem werden die Inhalte öffentlich ernsthaft diskutiert und bewirken damit eine weitere Diskussion, die gar nicht notwendig wäre. Denn die Bundesregierung hat sich schon am Montag dazu geäußert und die interne CDU-Debatte für beendet erklärt.

Mehr aus dem Web

FlixTrain: Eine heiße Erfahrung

Ein heißer Erfahrungsbericht über die Fahrt mit dem FlixTrain von Stuttgart nach Berlin. Ohne WLAN und ohne Klimaanlage. Dafür mit netten Bekanntschaften.

Stuttgart – Ich war zwar noch nie in Indien, aber so stelle ich mir dort eine Zugfahrt vor. Mein Fensterplatz glich einem Solarium. Die Hitze stand quasi sichtbar im Abteil und von einer Klimaanlage war die Lüftung des Wagens so weit entfernt, wie Stuttgart 21 von der Fertigstellung. Über das gemeinsame Thema „Schwitzen“ kamen ich und meine Nebensitzerin recht schnell ins Gespräch. Erster Pluspunkt für den FlixTrain: Kommunikation wird durch das nicht funktionierende WLAN zusätzlich gefördert.

Hitzige Gespräche

Ihr Griff ging zwar noch ein paar Mal zum Smartphone, doch da das Mobilfunk-Netz auf der Strecke ungefähr so gut ist, wie im S-Bahn-Tunnel zwischen Bad Cannstatt und dem Hauptbahnhof, haben wir uns einfach mal versucht kennenzulernen. Mit jeder Schweißperle fiel auch die Zurückhaltung und unser Gespräch glich einem schönem Fiebertraum.

Unser Zug war ein abgerockter Regionalexpress in neuem FlixTrain-Dress. Weil es ein alter Wagon war, ließen sich noch die beiden großen Schiebefenster öffnen. Dadurch entstand zwar das unangenehme Luftflattern, das wirklich laut werden kann und mit der Zeit richtig nervt, aber immerhin sorgte es für ein wenig Durchzug im Wagen.

In Mannheim verließ mich dann meine nette Leidensgenossin und ich machte mich im Zuge dessen auf die Suche nach dem Speisewagen. Dieser Speisewagen war zwar nur eine Kabine mit Kühlschrank, dafür waren die Getränke aber auch warm. Man soll bei der Hitze ja bekanntlich lieber Tee trinken. Humor haben die Flixis!

 

FlixTrain: Der grüne Don Quichotte

Doch das alles ist natürlich Meckern auf hohem Niveau. Denn das Ticket war mit 39€ für die Hin- und 29€ für die Rückfahrt ein super Schnäppchen. Außerdem ist der FlixTrain eine faire Initiative für mehr Wettbewerb auf den Gleisen Deutschlands. Die Deutsche Bahn hatte nämlich seit jeher ein Monopol und war daher ein echter Elefant im Porzellanladen.

Bisher ist dieser einsame grüne Zug also der Don Quichotte zwischen Stuttgart und Berlin. Täglich kämpft er gegen die großen Windmühlen der Deutschen Bahn an und steht nicht selten auf dem Abstellgleis. Denn die Vorfahrt auf den Schienen wird meist den weißen Zügen mit roter Schrift gewährt.

So sagt der Schaffner nicht nur einmal durch, dass die Verzögerung aufgrund von „Bauarbeiten der Deutschen Bahn“ oder „wegen des Wartens auf einen passierenden ICE“ zustande kommt. Der arme Kerl hat sich ständig für irgendwas entschuldigt.

Und dann auch noch 15 Minuten zu früh in Berlin

Und dann auch noch das: Der FlixTrain holt die Verspätungen tatsächlich wieder rein und wir kommen sogar 15 Minuten früher in Berlin an. Das habe ich mit der Bahn noch nie erlebt. Und auch den Rest nicht. Bahnfahren kann einfach immer noch ein Abenteuer sein. Denn immerhin habe ich jetzt eine neue Facebook-Freundin, mein Buch zu Ende gelesen und zwei nasse T-Shirts. Königsdisziplin: auf der Toilette umziehen.

(Titelbild: Lichtgut/Julian Rettig)

Mehr aus dem Web