Hakan Keppler: Für die Modewelt nach Berlin

Ein Job in der Modewelt? Das wünschen sich natürlich einige! Hakan Keppler aus Stuttgart versucht in der Berliner Modeszene Fuß zu fassen.

Stuttgart – Die Modeindustrie ist umfangreich und groß, doch immer noch ein Hoheitsgebiet. Da gibt es die glamourösen Designer mit ihren Labels und die berühmten Laufsteg- und Fotomodels, welche die Branche in der Öffentlichkeit repräsentieren. Direkt dahinter stehen die großen Träumer. Hakan ist einer dieser Träumer, die sich mit viel Engagement und Initiative einen Platz in dieser Welt erarbeiten wollen. Für diesen Traum ist er von Stuttgart nach Berlin gezogen.

In Berlin brauchst du Geduld.

Hakan weiß über den Zulauf in die Modebranche Bescheid und ist kein Phantast. Er ist sich darüber bewusst, wie schwierig es sein wird darin Fuß zu fassen. Schon 2012 hat er deshalb mit seinem Mode-Blog „hakanberryfinn“ begonnen, der bis heute besteht. Und auch seine abgeschlossene Lehre zum Tattoowierer gibt ihm die nötige Sicherheit, um sich sorgenfrei in die Welt der Kleider stürzen zu können.

Sein Ziel sei es „Inszenierungen im High-End-Bereich machen zu können“, erklärt er im typischen Jargon. Also die Shows, Shootings und sonstige Auftritte großer Modelabels zu organisieren und kuratieren. Seine derzeitigen Tätigkeiten arbeiten alle gemeinsam auf dieses Ziel hin. Doch der Pragmatiker in ihm weiß: „In Berlin benötigst du Geduld“.

Vermeintlich Influencer…?

Sein Alltagsgeschäft ist derzeit die Zusammenarbeit als Stylist mit verschiedenen PR-Agenturen. An diese Jobs ist er durch seine Engagements als Model und durch seinen Blog gelangt. Die Agenturen statten ihn mit neuen Kollektionen aus, die er dann entweder an sich selbst fotografieren lässt oder an andere Models weitervermittelt. „Ja, der zeitgenössische Begriff für diesen Beruf ist vermeintlich Influencer“, gibt Hakan zu.

Man benötigt jedoch das nötige Geschick, sich aus der einen Rolle vor der Kamera in die nächste Rolle hinter der Kamera zu begeben. Denn der eigene Instagram-Kanal ist kein reines Hobby mehr. Durch sein Social-Media-Profil gelangt er an seine Jobs. Ob vor der Kamera als Model oder hinter der Kamera als Stylist und Markenbotschafter. Aber Influencer or not – Hauptsache irgendwas mit Mode!

„In Stuttgart waren meine Möglichkeiten begrenzt“

„Ich muss das machen, weil es meine Leidenschaft ist. Ich habe mir meinen Weg hierher ausgesucht“, resümiert er entschieden, denn „in Stuttgart waren meine Möglichkeiten begrenzt“. Man fühle sich im Kessel auch wie in einem Kessel: „Sehr eingeengt und kritisch beobachtet“.

In Berlin jedoch nicht. Denn als schwuler Mann in dieser Stadt die „zwar in Deutschland liegt aber nicht Deutschland ist“, hat er sich mit seinen Träumen schnell akzeptiert gefühlt. Mittlerweile ist er sich sicher, dass er durch Geduld und zielstrebige Arbeit jeden Traum in Erfüllung gehen lassen kann.

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Stuttgart: Die beste Stadt der Welt

Wien wurde in einer Studie erst kürzlich zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt. Studie!? Traue keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast! Ab heute ist Stuttgart die lebenswerteste Stadt der Welt.

Stuttgart – Verschiedene Unternehmensberatungen und Wirtschaftsmagazine buhlen mit ihren City-Ranking-Studien jährlich um Aufmerksamkeit. Bei der Unternehmensberatung Mercer ist Wien zum neunten Mal in Folge die lebenswerteste Stadt. Beim Wirtschaftsmagazin Forbes hingegen seit diesem Jahr Tokyo. Aus unserer eigenen Studie geht jedoch Stuttgart als „die lebenswerteste Stadt der Welt“ hervor. Achtung Satire!

Traue keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast

Wie kann es sein, dass bei Forbes und Mercer unterschiedliche Städte gewinnen konnten? Richtig! Sie bestimmen selbst die zum Vergleich stehenden Kategorien. Da Stuttgart in fast jeder dieser Kategorien (zum Beispiel Verkehrsangebot oder die Luftverschmutzung) auf dem letzten Platz landen würde, bestimmen wir die Kategorien und teilnehmenden Städte in unserer Studie einfach auch selbst.

In unserem Kleingedruckten befindet sich zudem der Hinweis, dass die „oinzigschde zur Auswahl stehende Stadt in der vorliegenden Studie“ Stuttgart ist. In Sachen Garantie unserer Ergebnisse übernehmen wir einfach genau dasselbe Statement, das Mercer auf ihrer Webseite in Bezug auf ihre Studie verwenden: „Für herangezogene Studien werden in Bezug auf Qualität, Korrektheit, Aktualität, Vollständigkeit, Gebrauchstauglichkeit und Verwendbarkeit keine Garantie gewährleistet“. Soviel zu Gütekriterien einer Studie. Wurscht! STUTTGART!!!11!!

Die lesenswertesten Kategorien

Also! Trommelwirbel! Wir präsentieren hier die Kategorien, in welchen Stuttgart zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt wurde:

Nur die Überschrift zählt

Auch wenn das Seriösitätsbarometer bei unserer „Studie“ weit in Richtung rot ausschlägt: Die Headline steht! Die Methodik stimmt ja eigentlich auch, selbst wenn sie empirisch natürlich totaler Sozialforschungsschwachsinn ist. Doch wir Stuttgarter haben es ja gerne locker und stressfrei. Das „beweist“ doch auch die Studie, die Stuttgart letztes Jahr zur stressfreisten Stadt der Welt erklärt hat.

Unser Artikel verbreitet übrigens keine #fakenews. Nur ein bisschen #askyourselfwhynews.

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Auf einen Aperitivo im Kessel

Ein neuer Trend ist das nicht. Man trifft sich vor dem Abendessen auf einen Drink und Antipasti. In Italien ist der Aperitivo Kult, in Stuttgart funktioniert er ein bisschen anders.

Stuttgart – In Hamburg sagt man, alles südlich der Elbe sei Norditalien. Deshalb liegt Stuttgart im Sommer quasi direkt neben Mailand und die Paulinenbrücke wird zur Ponte della Paolina. Zeit für einen Aperitivo ganz nach italienischem Gusto, um den Abend mit einem Drink einzuleiten und gesellig zu sein. Wir haben mit den Machern von der Mozzarella Bar gesprochen, die den Aperitivo für sich heilig gesprochen haben. Außerdem haben ein Weinanalytiker und ein Agenturchef einen schwäbischen Aperitif entwickelt.

Aperitivo oder: Das Mittagsloch schöntrinken

Die Mozze – wie sie bei den Stammgästen genannt wird – ist zwar noch nicht mal ein Jahr an der Paulinenbrücke, doch bei den italophilen Schwaben schon eine Institution. Die Mozze-Gründer haben ihre gemeinsamen Italien-Urlaubsmomente in Form der Bar festgehalten. Dabei war der Aperitivo in eben einer Mozzarella Bar in Mailand der ausschlaggebende Moment für die Idee.

Für Valentin Hillengass, Mitgründer der Mozze, funktioniert der Aperitivo aus einem ganz pragmatischen Grund: „Du trinkst dir das Mittagsloch mit deinen Freunden schön“. In der Mozze beginnt der Aperitivo täglich ab 16 Uhr. „Vor allem in unserem Mailandurlaub war das die Zeit, in der man nicht wusste, was man sonst tun soll“.

Die bittere Wahrheit

Nach italienischer Tradition trinkt man zum Aperitivo ein bitteres Getränk, um die Magensäure anzuregen. Die Mozze hat dafür den typischsten italienischen Aperitif Negroni ein bisschen aufgeMOZZT. Der MOZZEgroni ist die neueste Kreation der Mozze. Der Drink wird zum ersten Geburtstag der Mozzarella Bar am Samstag präsentiert und wir haben ihn vorab testen dürfen.

Er wird aus Campari, Wermut und Rotebeetesaft gemacht. Die bittere Wahrheit wird dann mit einem Basilikum-Eiweißschaum getoppt, den man am liebsten literweise löffeln würde. Dazu darf das Tomate-Mozzarella-Spießchen natürlich nicht fehlen!

Die Aperitivo-Kultur sieht vor, dass man zum Aperitif vom Gastronomen etwas Antipasti serviert bekommt. In der Mozze gab es das zu Beginn auch, doch „die Schwaben verwirrt das, die wollen sich selbst etwas aussuchen. Deshalb gibt’s bei uns jetzt eine Antipasti-Karte“. Somit kann man sich seinen Aperitivo selbst zusammenstellen. Aperitivo an die süddeutsche Mentalität angepasst! Molto klasse!

Homi: Ein schwäbischer Aperitif

Nicht nur Valentin und seiner Crew hat es der Aperitivo angetan. Auch die beiden Freunde Horst Klingler, Weinanalytiker von Beruf, und Michael Horlacher, der eine Werbeagentur betreibt, haben sich in die Aperitivo-Kultur verliebt und einen eigenen Aperitif kreiert. Dafür haben sie im letzten Jahr im Labor von Horst am perfekten Aperitif getüftelt.

Herausgekommen ist Homi. Der Aperitif ist „auf der Basis eines echt schwäbischen Trollingers mit verschiedenen Kräutern versetzt“, erklärt Michael. Deshalb wird er auch im Weinglas getrunken. „Mit einem Schuss Zitronensaft oder Tonic Water und ordentlich Eiswürfeln, schmeckt er am besten“, meint der Agenturchef.

Homi ist noch ein absoluter Geheimtipp. Bisher gibt es davon lediglich ein paar Flaschen in der Apotheke am Eugensplatz. Denn auch dort gibt es täglich ab 17:30 Uhr Aperitivo. Also fragt doch einfach mal nach. 

Psssssst! Auch im Bergamo gibt’s jetzt Aperitivo. Jeden Mittwoch ab 19 Uhr. Denn mittwochs ist Bergfest und Bergamo liegt nördlich von Mailand. Oder so. Jedenfalls ist Aperitivo jetzt in! Und in! Stuttgart angekommen.

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Phil Anderson: „Skaten ist dicker als Wasser“

In der Skater-Community fällt eines besonders auf: Die pausenlose gegenseitige Unterstützung. Einer von Stuttgarts bekanntesten Skatern Phil Anderson erzählt von seiner Skater-Familie im Kessel.

Stuttgart – „Dir fehlt eine Schraube am Brett? Man organisiert dir eine neue. Dein Brett ist gebrochen? Man organisiert dir ein neues.“ Der ununterbrochene Support hält die Szene wie eine Familie zusammen. „Skaten ist dicker als Wasser“, resümiert Phil Anderson lachend. Sogar der Pastor der St. Maria Kirche am Paulinenplatz ist ein Fan der Stuttgarter Skater und hat ihnen den Kirchenvorplatz als Fläche zum Skaten genehmigt. Als Phil Anderson Ende der 90er begann, galt das Skaten in der Stadt noch als verpönt. Es hat sich viel verändert.

Phil Anderson will etwas zurückgeben

Skaten hat im Kessel mittlerweile Tradition. Nächstes Jahr feiert Phil 20 Jahre auf dem Board. Sein Talent wurde früh von Torsten Frank entdeckt. Thorsten war schon damals eine Skate-Legende in Stuttgart und ist heutzutage einer der erfolgreichsten Skateboard-Filmer „auf diesem Planeten“, ergänzt Phil über seinen Freund. Frank nahm den 13-jährigen Phil damals unter seine Fittiche, ließ ihn bei sich in die Skate-WG einziehen, förderte dessen Talent und verhalf ihm somit auch zum ersten Profi-Vertrag mit jungen 19 Jahren.

Heute ist Phil in der Position des Mentors und Förderers. Denn 2016 wurde dem 31-Jährigen die Position des Hausleiters der neugebauten Skatehalle „Stuttpark“ am Bad Cannstatter Bahnhof angeboten. Lange habe er überlegt, sich dann aber gesagt: „Warum nicht auch mal etwas zurückgeben?“. In seiner Position ist er nämlich auch gleichzeitig Talentscout für die Profi-Teams und Sponsoren. „Deshalb leite ich die Kids, die besonders auffallen, auch gerne mal weiter.“ Natürlich ist er auch Trainer und Mentor und sich nicht zu schade, den Kids einen ganzen Nachmittag lang Tipps auf dem Board zu geben.

..moment of silence with henrik biemer x berlin 2017 #adidasskateboarding #arrowandbeast

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„Wir sind eine tolle Community“

„Skaten ist big“, bekennt Phil mit seinem verschmitzten Grinsen, das immer auch ein bisschen Selbstironie zeigt. „Wir sind einfach eine tolle Community, die immer mehr beweist, dass es uns nicht darum geht den öffentlichen Raum kaputt zu machen. Wir sind eine Kultur, die ihre Daseinsberechtigung schon lange hat.“

Das beweist auch die derzeitige Skate-Ausstellung im Stadtpalais. „Das ist ein super Sprachrohr nach Außen und kommuniziert unsere Werte“, ist er sich sicher.


Phil stand den Kuratoren der Ausstellung in der Konzeption und Planung als Vermittler in die Skate-Szene zur Verfügung. Er klapperte seine Kontakte im In- und Ausland ab, damit auch keiner der Wirkenden der vergangenen drei Jahrzehnte Skateboardgeschichte in Stuttgart vergessen wird. „Einige leben nicht mehr hier, haben uns aber auch ihre Stories und Videos aus den Zeiten geschickt, als es noch 56k-Modems gab.“

„Hinfallen und wieder aufstehen“

Bisher ist Skaten immer noch eine Subkultur. Wirklich wenige können damit richtig Geld verdienen. Aber darum geht es Phil auch nicht. „Skaten ist eine Lebenseinstellung. Wir haben alle die selbe Leidenschaft: Hinfallen und wieder aufstehen“, scherzt er. Schon wieder eine halbernste Aussage, deren Substanz jedoch die tiefe Liebe für den Sport ausdrückt.

Und diese Liebe lässt sich auch für Außenstehende beobachten. Sobald einem der vielen Skater auf dem Paulinenplatz ein Trick gelingt, strömen die anderen aus allen Richtungen begeistert auf ihn zu. Die Erfolgserlebnisse einzelner werden also immer zum Erfolgserlebnis aller. Klingt fast zu romantisch, ist aber tatsächlich so.

Stuttpark & Mutterstadt: Am Freitag, 24. August, 22.30 Uhr und Samstag, 25. August, 22.30 Uhr, wird im Delphi, Tübinger Straße 6, der Film „Stuttpark  – Die Geschichte vom Skateboarding im Kessel“ gezeigt. Außerdem der Film „Willkommen in der Mutterstadt“ aus der Multimedia-Reportage der Stuttgarter Zeitung.

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Wehrpflicht? Nein, danke!

Die CDU eröffnet die Debatte um die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Unser Autor findet: Das schürt nur Angst und lenkt den Blick weg von wichtigen Themen.

Stuttgart – Was soll diese Diskussion? „Pflichttätigkeiten für die Nation“ sind so von 2011. Die Wehrpflicht wurde nämlich in eben jenem Jahr abgeschafft. Aus gutem Grund! Als Reaktion auf die Abschaffung des Wehrdienstes und damit auch des Zivildienstes, wurde der Bundesfreiwilligendienst eingeführt. Ein wichtiger Schritt, der meiner Meinung nach noch viel mehr gefördert werden sollte – denn einigen jungen Menschen gibt der eine Perspektive im sozialen Bereich. Wenn sie sich darauf einlassen wollen. Und diese Wahl sollten sie haben dürfen!

Die Bundeswehr: Ein Hobby alter Männer

Ich stand 2011 noch bei der Musterung – prüfender Griff mit Ein- und Ausatmen inklusive – habe jedoch meinen Wehrdienst, aufgrund der Abschaffung im selben Jahr, nie antreten müssen. Zehn Monate in einer Kaserne mit der Ausbildung an einer Waffe? Vergiss es! Für mich ist die Bundeswehr ein Altherren-Verein. Krieg ist die schlimmste Kultur der Menschheit.

Aber derzeit brauchen wir uns ja sowieso keine Gedanken um eine kämpfende Bundeswehr machen – betrachtet man den Zustand der Ausrüstung, wie Anfang des Jahres bekannt geworden ist. Die Bundeswehr ist ganz offiziell out!

Und der Zivildienst, der mit der Wehrpflicht abgeschafft worden ist? Der sei doch so wichtig gewesen, sagen viele. Das stimmt natürlich zum einen, schließlich fehlt in der Pflege und Betreuung in Deutschland Personal. Immer weniger wollen diesen Job machen – Pflegepersonal hat knochenharte Arbeit zu leisten und wird dabei unterbezahlt. Doch ist so ein Zivi wirklich ein adäquater Ersatz?

Meine Schwester ist durch ein Freiwilliges Soziales Jahr ins Krankenhaus gelangt und hat anschließend das Studium zur Gesundheitswissenschaftlerin gewählt. Aus einer freien Entscheidung heraus. Sie ist sich sicher: „Zivis kann man zwar beim Einsatz von Grundtätigkeiten gebrauchen, doch wer möchte seine Großeltern von einem lustlosen Jugendlichen behandelt wissen, der zu den Aufgaben gezwungen wird? Pflegen kann nicht jeder einfach so!“ Also liebe CDU, setzt doch erstmal die Pläne von eurem Gesundheitsminister Jens Spahn um, der mehr Pflegepersonal und bessere Gehälter fordert. 8.000 zusätzliche Stellen in der Altenpflege wie im Koalitionsvertrag vereinbart, das wäre doch mal etwas!

Mehr Sicherheit durch die Wehrpflicht? Als ob!

Ja, wir haben derzeit turbulente Zeiten, doch die Einführung der Wehrpflicht kann daran sicherlich nichts ändern. Sie bewirkt lediglich, dass sich ein Herr Gauland von der AfD wieder einmal beweihräuchern kann, dass er diese Idee schon viel früher hatte, um in noch mehr Menschen Angst zu schüren. Was dabei viele nicht wissen: Die Bundeswehr darf im Innern des Landes gar keine Einsätze absolvieren. Hier darf sie nur Staudämme bauen. Der Plan geht also nicht auf.

Die Intention hinter der Debatte um die Wehrpflicht ist also wieder einmal nur parteipolitische Machtkämpfe. Eine Scheindebatte, die nichts mit der Realität zu tun hat. Trotzdem werden die Inhalte öffentlich ernsthaft diskutiert und bewirken damit eine weitere Diskussion, die gar nicht notwendig wäre. Denn die Bundesregierung hat sich schon am Montag dazu geäußert und die interne CDU-Debatte für beendet erklärt.

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FlixTrain: Eine heiße Erfahrung

Ein heißer Erfahrungsbericht über die Fahrt mit dem FlixTrain von Stuttgart nach Berlin. Ohne WLAN und ohne Klimaanlage. Dafür mit netten Bekanntschaften.

Stuttgart – Ich war zwar noch nie in Indien, aber so stelle ich mir dort eine Zugfahrt vor. Mein Fensterplatz glich einem Solarium. Die Hitze stand quasi sichtbar im Abteil und von einer Klimaanlage war die Lüftung des Wagens so weit entfernt, wie Stuttgart 21 von der Fertigstellung. Über das gemeinsame Thema „Schwitzen“ kamen ich und meine Nebensitzerin recht schnell ins Gespräch. Erster Pluspunkt für den FlixTrain: Kommunikation wird durch das nicht funktionierende WLAN zusätzlich gefördert.

Hitzige Gespräche

Ihr Griff ging zwar noch ein paar Mal zum Smartphone, doch da das Mobilfunk-Netz auf der Strecke ungefähr so gut ist, wie im S-Bahn-Tunnel zwischen Bad Cannstatt und dem Hauptbahnhof, haben wir uns einfach mal versucht kennenzulernen. Mit jeder Schweißperle fiel auch die Zurückhaltung und unser Gespräch glich einem schönem Fiebertraum.

Unser Zug war ein abgerockter Regionalexpress in neuem FlixTrain-Dress. Weil es ein alter Wagon war, ließen sich noch die beiden großen Schiebefenster öffnen. Dadurch entstand zwar das unangenehme Luftflattern, das wirklich laut werden kann und mit der Zeit richtig nervt, aber immerhin sorgte es für ein wenig Durchzug im Wagen.

In Mannheim verließ mich dann meine nette Leidensgenossin und ich machte mich im Zuge dessen auf die Suche nach dem Speisewagen. Dieser Speisewagen war zwar nur eine Kabine mit Kühlschrank, dafür waren die Getränke aber auch warm. Man soll bei der Hitze ja bekanntlich lieber Tee trinken. Humor haben die Flixis!

 

FlixTrain: Der grüne Don Quichotte

Doch das alles ist natürlich Meckern auf hohem Niveau. Denn das Ticket war mit 39€ für die Hin- und 29€ für die Rückfahrt ein super Schnäppchen. Außerdem ist der FlixTrain eine faire Initiative für mehr Wettbewerb auf den Gleisen Deutschlands. Die Deutsche Bahn hatte nämlich seit jeher ein Monopol und war daher ein echter Elefant im Porzellanladen.

Bisher ist dieser einsame grüne Zug also der Don Quichotte zwischen Stuttgart und Berlin. Täglich kämpft er gegen die großen Windmühlen der Deutschen Bahn an und steht nicht selten auf dem Abstellgleis. Denn die Vorfahrt auf den Schienen wird meist den weißen Zügen mit roter Schrift gewährt.

So sagt der Schaffner nicht nur einmal durch, dass die Verzögerung aufgrund von „Bauarbeiten der Deutschen Bahn“ oder „wegen des Wartens auf einen passierenden ICE“ zustande kommt. Der arme Kerl hat sich ständig für irgendwas entschuldigt.

Und dann auch noch 15 Minuten zu früh in Berlin

Und dann auch noch das: Der FlixTrain holt die Verspätungen tatsächlich wieder rein und wir kommen sogar 15 Minuten früher in Berlin an. Das habe ich mit der Bahn noch nie erlebt. Und auch den Rest nicht. Bahnfahren kann einfach immer noch ein Abenteuer sein. Denn immerhin habe ich jetzt eine neue Facebook-Freundin, mein Buch zu Ende gelesen und zwei nasse T-Shirts. Königsdisziplin: auf der Toilette umziehen.

(Titelbild: Lichtgut/Julian Rettig)

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Stuttgarter in Berlin

Stuttgart ist eine schöne Stadt, doch manche zieht es ganz natürlich in die Welt hinaus – vor allem nach Berlin. Warum eigentlich? Exil-Schwaben berichten.

Berlin – Mit dem Fahrrad durch Berlin fahren, fällt um einiges leichter als mit dem Fahrrad durch Stuttgart zu „cruisen“. Doch in der Hauptstadt muss man Strecken zurücklegen, die sich in Stuttgarter Verhältnissen so anfühlen wie dreimal den Kessel umrunden. Wir haben uns auf die Suche nach ein paar Stuttgartern in Berlin begeben und einige nicht unbekannte Gesichter getroffen.

Jule Waibel

Jule hat in Schwäbisch Gmünd Produktdesign studiert, ist für ihren Master nach London gezogen und lebt nun seit zwei Jahren in Berlin. Ihre Welt besteht aus Falten. Denn Falten arbeitet sie in sämtliche Materialien, von Stoffen über Leder bis Samt oder sogar Papier ein und kreiert damit Möbel, Installationen, Mode und eben alles, was sich aus gefaltetem Material herstellen lässt. Sie selbst nennt sich auch nicht Designerin, sondern Creator. Und das trifft es. Jule sprudelt nur so vor Ideen und ist in der Welt des Designs auch keine Unbekannte mehr.

...mit ihren gefalteten Kleidern

Aufträge von großen Labels finden ständig den Weg in ihr E-Mail-Postfach. Sie hatte schon Lehraufträge an Design-Hochschulen oder gab Workshops im Londoner Design Museum. Unkonventionell ist Jule in ihrer Herangehensweise an ihren Traum. Doch gleichzeitig ist sie ein Familienmensch. „Meine Familie lebt noch in Stuttgart und Umgebung“.

Mit ihren Brüdern (einer davon ist Cro) arbeitet sie eng zusammen, die beruflich oft in Berlin. Ihr Bruder Benno ist außerdem ihr Manager. Wenn sie in Stuttgart ist hängt sie mit ihren Freunden am liebsten in den Cafés und Bars rund um den Marienplatz ab. Ihr letztes Heimspiel war übrigens im Mercedes-Benz Museum, wo sie ihre Mode für „Haute Cueture“ präsentierte.

Sofya Aleynikova

„Berlin ist eine große Selbstfindungsphase.“ Sofya ist vor sechs Jahren nach Berlin gezogen, spricht vier Sprachen fließend und ist Wissenschaftlerin und Medienkünstlerin. Eigentlich die perfekte Voraussetzung, in einer Stadt perfekt klarzukommen. Doch für sie hat es eine Weile gedauert und erst wirklich geklappt, als sie die wahren Berliner kennengelernt hat. Die zählt sie nun zu ihren Freunden und ist somit fast zu einer echten Berlinerin geworden.

Ihr Leben beschreibt sie als „Spagat zwischen der Wissenschaft und dem echten Leben“. Und in der Mitte steht die Kunst, die für sie beides verbinden kann. So beschäftigt sie sich mit ihrem Pseudonym „Lady Mortadella“ hauptsächlich mit der „künstlichen“ Weiblichkeit und feministischen Themen. Ihre Essays veröffentlicht sie dann auf ihrer Webseite im Internet und präsentiert sie auf Konferenzen. Zuletzt in New York und Bologna. Stuttgart vermisst sie dabei nicht so wirklich.

Niklas Ibach & Max Benzing

„Ich bin wegen Niki hierhergezogen“. „Und ich wollte dorthin wo Max hinzieht“, meint Niklas im Anschluss. Irgendwie verwirrend, aber zumindest sind sie sich einig. Wie bei so vielem.

Max ist gelernter Koch und studiert jetzt Kommunikationsmanagement in Berlin. „Niklas kann mittlerweile aber auch ganz gut kochen“, gibt er ehrlich zu. Niklas ist Produzent und DJ und in der Musikbranche kein Unbekannter mehr. Auf Spotify haben seine Songs Millionen Klicks und auch für den Stuttgarter Rapper Cro hat er erst kürzlich einen Remix veröffentlicht. „Daher war es für mich irgendwann ein logischer Schritt nach Berlin zu ziehen. Näher an die Musikbranche und die Künstler heran“.

Stuttgart ist für die beiden der Ausgleich zum hektischen Berlin-Leben. „Stuttgart ist einfach realer und normaler“, meint Max. Deshalb sind sie auch noch oft im Kessel, um ihre daheimgebliebenen Freunde zu besuchen oder im Fall von Niklas, in Stuttgart aufzulegen.

Tomek Kaczmarek

Tomek ist „job- und bockbedingt“ nach Berlin gezogen. Den Plan umzuziehen gab es schon lange, doch erst als in Berlin ein Job im Vertrieb einer Firma frei wurde, hat er sich zu dem Schritt entschlossen. Das ist nun ein paar Monate her und Tomek fühlt sich „pudelwohl“. Dass das mit dem Umzug so lange gedauert hat, hatte jedoch auch einen weiteren Grund.

Tomek wurde vor sieben Jahren am Herz operiert und ein Umzug war ihm bis vor Kurzem noch zu riskant. „Das Anstrengende nach einer solchen OP sind die zwei bis drei Jahre danach. Hauptsächlich aufgrund der Psyche“. Tomek hatte jedoch die Idee, seine Geschichte als Werbekampagne fürs Blutspenden zu nutzen. Über eine Freundin ist er auf das Deutsche Rote Kreuz zugegangen und hat ihnen sein Vorhaben präsentiert. Nun ist er seit zwei Jahren das Aushängeschild für die Blutspendenaktion „Tomek lebt!“ des DRK und macht in einer Reihe von Kampagnen mit.

Stuttgart ist für ihn ein großes Dorf. „Manchmal ist es ein Nachteil, dass man jeden kennt, manchmal aber auch ein Vorteil“. Doch ob er nochmal zurück in den Kessel kommt? „In dieser Welt gibt’s noch viel zu entdecken“, antwortet er. „Vielleicht mache ich irgendwann eine Schaffarm in Wales auf. Ohne Internet und Ciao“.

Markus und Felix Spitta

Markus ist seit 2014 in Berlin und Felix ist ihm 2015 gefolgt. Erst kürzlich sind sie in ein Atelier in einem ruhigen Kreuzberger Hinterhof gezogen, das sie auch als Arbeitsräume für ihre gemeinsame Agentur nutzen. Felix ist Filmemacher und Musikproduzent und Markus leitet das Agenturleben.

„Hier hat schon vor uns ein Künstlerpärchen gelebt und gearbeitet“, meint Markus. In ihrer Großstadtoase, auf ihrem Flachdach, welches über ein Fenster und eine Leiter zu erreichen ist, schlafen die beiden im Sommer gern auf einer Matratze unter den Sternen.

Schon seit ihrer Kindheit machen die beiden Jungs zusammen Musik. Unter dem Namen „Spittbrothers“ haben die Brüder erst kürzlich ihre gemeinsame EP „Holz Büxxe“ veröffentlicht.

Was sie an Stuttgart vermissen? „Man erreicht die Natur einfach schneller“. Außerdem sind sie bei jedem Heimatbesuch gespannt, wie sich das Stadtbild wieder mal verändert hat.

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DJ Friction: Der berühmteste Freundeskreis der Stadt

Bitte keine kitschige Lovestory! Am Tag der Freundschaft haben wir uns mal beim berühmtesten „Freundeskreis“ der Stadt erkundigt. DJ Friction sinniert über die Verbindung zu seinen Bandkollegen. Wieso das romantische Konzept einer unzertrennlichen Freundschaft hier nicht funktioniert und warum das im Fall der drei Jungs auch okay so ist.

Stuttgart – Was haben die Beatles, Backstreet Boys oder Spice Girls gemeinsam? Die überzogene Darstellung von Freundschaft und eine schlussendliche Trennung. Warum muss das überhaupt sein? Kann die Popkultur nicht einfach mal „real“ sein? Das klappt wahrscheinlich vereinzelt nur im Hip-Hop der ersten Stunden. Denn da ist „real“ sein authentisch und authentisch sein ist im Hip-Hop Voraussetzung für Erfolg. Und wer authentisch ist und damit überdauernden Erfolg hat, kann sich im Spiegel nickend ein High-Five geben. Und so ist das bei Freundeskreis nun seit über 20 Jahren. Denn die Hip-Hop-Band musste sich nie trennen – weil die Jungs verstanden haben, wie man Freundschaft im Rampenlicht für sich definiert, um nicht genau daran zu zerbrechen.

Bitte kein Kitsch!

DJ Friction aka. Martin Welzer kann für die beiden Bandkollegen Max Herre und Philippe „Da Don“ Kayser sprechen: Der Grundpfeiler ihrer Freundschaft ist heute ein anderer als damals. In den 90ern war es das gemeinsame Streben und die selben musikalischen Interessen. Heute ist es die Dankbarkeit für ihren Erfolg, welcher das Trio nach wie vor verbindet. Sie sind der Beweis für eine überdauernde freundschaftliche Beziehung, die nach wie vor ohne Druck und Zwang funktioniert.

Deshalb waren die zwei Tourneen FK 10 und FK 20, in den Jahren 2007 und 2017, auch keine „Revivals“ sondern Jubiläen. Jubiläen einer erfolgreichen Stuttgarter Kolchose an Künstlern, die in der gemeinsamen Sache das Wort „Freundeskreis“ ohne Kitsch und Pompöses repräsentieren.

Der große Freundeskreis

„Das Konzept war immer schon den ganzen musikalischen Freundeskreis im Studio zusammenzubringen“, bringt es Martin Welzer, der DJ des Trios, auf den Punkt. Daher finden sich auch auf jedem Album Kollaborationen mit anderen Sängern und Rappen wie Afrob, Cassandra Steen, Wasi, Joy Denalane, Samy Deluxe oder den Massiven Tönen. „Die gehörten eben immer mit dazu“.

Auch die so oft falsch interpretierte Abgrenzung zu den Fantastischen Vier, die mit ihrem „Gute-Laune-Hip-Hop“ eher Pop als Rap machten, relativiert Martin gern. Denn so fern man auch musikalisch voneinander entfernt war, desto freundschaftlicher sei das Verhältnis mit Michi Beck, Thomas D, And.Ypsilon und Smudo gewesen, betont er.

Letztendlich wurde mit dem Livealbum „En Directo“ aus dem erweiterten Freundeskreis ab 2000 auch so etwas wie die FK Allstars. Denn man hat das „immer ein bisschen offen gesehen. Wie so ein Freundeskreis eben ist. Da kommen Leute und da gehen auch mal welche, aber der harte Kern bleiben einfach wir drei – Max Herre, Philippe Kayser und Martin Welzer.“ Ganz unromantisch, aber ehrlich.

Die „Interessensgemeinschaft“ Kolchose

Im Endeffekt beschreibt sich das Konzept der Freundschaft bei Freundeskreis wirklich am besten mit dem Begriff der Kolchose – einem sozialistischen Kollektiv, dass sich durch den Austausch seiner Güter selbst organisieren kann. „Wir haben uns zusammengetan und unsere Kräfte gebündelt“, resümiert er.

Dass daraus dann eine Freundschaft entsteht, ist wohl die logische Schlussfolgerung. Denn „da realisiert man erstmal, was einem mit den Anderen passiert ist und was für eine Wertigkeit das schlussendlich hat. Da ist man schon sehr dankbar, wenn man so denkt, dass wir uns gefunden haben und dass sich das so daraus entwickelt hat.“ So wie sich das ganze Leben nach der Jugend professionalisiert, so professionalisieren sich eben auch die Freundschaften zwischen Menschen.

Freundschaft ist Definitionssache

Martin ist überzeugt: Freundschaft ist wichtig und für jeden nahestehenden Menschen kann die Definition der eigenen Freundschaft differenzieren und doch immer im Grunde eine wahre Freundschaft sein.

So pflegt Martin natürlich auch noch regelmäßige Freundschaften zu seinen anderen Kolchose-Kollegen, wie dem DJ 5ter Ton (Alex Scheffel) von den Massiven Tönen und DJ Emilio (Emil Calusic). „Die sind hier so meine Freunde in Stuttgart geworden, zu denen ich einfach mehr Kontakt pflege.“

Und die müssen ihm dann eben auch die klassischen Freundschaftsdienste erbringen. Fürs Anpacken beim Umzug und dem Sortieren der Plattensammlung von über 10.000 Platten gibt’s dann keine Ausreden.

Okay, und jetzt ab nach Berlin!

Während Martin so über Freundschaften philosophiert, war er eigentlich auf dem Sprung zum Flughafen. Die Proben für die anstehende „Freundeskreis Live 2018-Tour“ in Berlin stehen an. Trotzdem hat er sich die Zeit genommen, um auf dem Sofa in seinem Studio zu sinnieren.

„Und freust du dich auf die anderen in Berlin?“ – „Ja und wie!“ – Na dann, viel Spaß und wir sehen uns am 4. August im Ludwigsburger Schloss! Auf die Frage, wer denn jetzt alles in Ludwigsburg als Gäste auftreten wird, schweigt er mit einem Augenzwinkern: „Das ist eine Überraschung!“

Mehr zum Thema Hip-Hop in Stuttgart beim Mutterstadt-Jam im Stadtpalais am Freitag, 3. August, 19 Uhr – mit Podiums-Diskussion, Musik und der Multimediareportage „Willkommen in der Mutterstadt“.

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