„Antiflirting“: Stuttgarterin veröffentlicht übergriffige Chatverläufe

Seit dem Sommer 2019 steht Kims Leben plötzlich ein kleines bisschen mehr im Rampenlicht als sonst. Denn die in Wien lebende Stuttgarterin betreibt mit ihrer Freundin Caro eine der angesagtesten feministischen Instagram-Seiten der Stunde: antiflirting. Was sie dazu bewegt hat und warum ihr das Thema so wichtig ist, hat sie uns beim Treffen in Wien verraten.

Wien/Stuttgart – Seit 2017 lebt Kim in der österreichischen Hauptstadt und fühlt sich beflügelt von der aktivistischen Energie, die um Themen wie Rassismus, Sexismus oder Feminismus zu spüren sind. In ihrem Leben war sie häufig selbst mit Übergriffen konfrontiert und versucht jetzt mit ihrem eigenen Aktivismus andere Menschen zu sensibilisieren. Ihr Ziel, damit immer mehr Menschen erreichen zu können, gelingt ihr allmählich. Denn ihr Instagram Kanal antiflirting trifft den Zeitgeist! Mittlerweile wurde der erste Kanal von Instagram gesperrt, es habe sich um einen Verstoß der Richtlinien gehandelt. „Deshalb kann die Sperre nicht aufgehoben werden.“ Aber: Gute Nachrichten gibt es trotzdem, denn beim zweiten Account sei die Sperre ausgeschlossen. Es gibt Rückenwind von den Insta-Zuständigen – und das tut gut.

„In der Schule kam es häufig vor, dass man mich die ‚Quoten-Inderin‘ nannte“

Jetzt aber zum Wesentlichen: Vieles beginnt in der Schulzeit. Aufgrund des Migrationshintergrunds ihrer Eltern wurde Kim schon früh mit rassistischen Äußerungen konfrontiert. „In der Schule kam es häufig vor, dass man mich die ‚Quoten-Inderin‘ nannte“, erzählt die 22-Jährige. „Das war einfach normal“. Ihre Mutter stammt aus Polen, ihr Vater immigrierte aus Bangladesch nach Deutschland.

Diese Erfahrungen begleiten sie bis heute. Da sie zudem als Frau auch vermehrt sexuell-übergriffigen Situationen im Netz sowie im Alltag ausgesetzt ist, beginnt sie etwas dagegen zu tun. Nachdem sie aus Stuttgart nach Wien gezogen war, um Theaterwissenschaften zu studieren, kam sie durch das Studium in Kontakt mit feministischem Aktivismus und lernte mehr über den sensiblen Umgang mit Themen wie Rassismus und Sexismus.

Die Auseinandersetzungen mit zwischenmenschlichen Verhaltensmustern verleitete sie zu öffentlichen Statements über ihren privaten Instagram-Account, wodurch sie Caro kennenlernt und mit ihr eine gemeinsame Sache plant. Nämlich: Fehlverhalten im Netz aufzudecken!

Eines wollen sie aber nicht: Einen Shitstorm gegen die Personen auslösen, die gegen den Online-Knigge verstoßen, sondern auf ein generelles Fehlverhalten in der Kommunikation hinweisen. Die Chatverläufe, die sie auf antiflirting „leaken“ sind immer anonymisiert und geben lediglich die übergriffigen, beleidigenden und sexistischen Phantasien der Verfasser und Verfasserinnen preis.

„Bist du ’ne Feministen-Schlampe oder normal?“

Es sollte so normal wie verständlich sein, dass man die Personen so respektiert, dass man sie nicht belästigt. Doch häufig kommt es bei Plattformen wie Tinder oder Instagram, aufgrund der anonymen Kommunikation, zu Grenzüberschreitungen. „Übegriffigkeit findet nicht nur von Männern statt. Auch Frauen oder Personen anderen Genders können übergriffig sein“, will Kim gleich zu Beginn anmerken. Doch die Zahl von männlichen Übergriffen sei in ihrem Leben eben hoch.

Sie lässt die ungefragten Dickpics auf Instagram und sexistischen Anmachen auf Tinder jetzt nicht mehr einfach so stehen, sondern macht, wie derzeit kaum jemand, auf das Problem aufmerksam. Dadurch ernten die beiden Frauen zwar viel Lob und Medienrummel aber auch Kritik. Doch das nimmt sie in Kauf und ist sich durchaus bewusst, dass man viel Gegenwind bekommt, wenn man Menschen aus ihrer Komfortzone heraus mit Themen konfrontiert, die sie bisher nicht interessiert haben. 

In der Zwischenzeit war der Kanal, aufgrund unbekannter Vorwürfe gegen sie, sogar gesperrt. Kim und Caro riefen ihre Follower über den neugegründeten Kanal „antiflirting2„, der es in wenigen Tagen ebenfalls auf mehrere tausend Follower geschafft hat, dazu auf, diesen Sachverhalt bei Instagram zu melden. Nun ist die originale Plattform wieder online und die Follower steigen auf beiden Seiten täglich. „Bipol-Activism“ nennt man das dann wohl.

Für mehr feministischen Aktivismus in Stuttgart

Kim wünscht sich, dass sich auch in ihrer Heimatstadt Stuttgart mehr Menschen aktiver gegen Sexismus stark machen. „Wenn ich an Stuttgart denke, kenne ich kaum ein Netzwerk, das sich bei Themen wie Sexismus oder Feminismus öffentlich regelmäßig stark macht“, sagt sie. Einerseits stimmt das, andererseits gibt es jedoch einige nennenswerte Initiativen, wie das FF*GZ (Das Feministische Frauen*gesundheitszentrum Stuttgart e.V), das Queerfem-Forum oder die Queerdenker. Doch die Anzahl der Menschen, die sich daran aktiv beteiligen, ist noch immer zu gering.

Kim plant deshalb in naher Zukunft einen Networking-Abend, an dem sich interessierte Menschen zusammenfinden können, um sich kennenzulernen und gemeinsame Aktionen zu planen. Wann und wo, erfahrt ihr bald auf dem Instagram-Channel von antiflirting.

Mehr aus dem Web

Ein Feiertag für Zimmerpflanzen

Der Feiertag für was? Ja, richtig gelesen! Heute ist der offizielle Tag der Zimmerpflanze. Zurecht! Die grünen Freunde sind es wert gefeiert zu werden, findet unser Autor.

Stuttgart – Zimmerpflanzen zeigen nicht nur, dass du Verantwortung übernehmen kannst. Sie sind der Beweis dafür, dass du voll im Trend bist. Denn Zimmerpflanzen sind so cool wie nie. Es gibt mittlerweile sogar Plant Influencers. Die richtigen Pflanzen in den eigenen vier Wänden sind jedoch nicht nur super trendy sondern können auch super healthy sein.

International Houseplant Appreciation Day

Seit 20 Jahren existiert der offizielle „Houseplant Appreciation Day“. Ins Leben gerufen wurde er von The Gardener’s Network, einem Onlineportal für Pflanzenfreunde. Vermutlich soll er dazu dienen die faulen Tage zu beenden. Denn nach den Weihnachtstagen und dem Jahreswechsel ist es Zeit den grünen Freunden endlich wieder die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdienen. Die Heizungsluft tut den meisten Pflanzen nämlich nicht so gut, wie ihren fancy Besitzern.

Ein anderer Grund für den Feiertag sollte sicherlich auch die gebührende Anerkennung sein. Immerhin sorgen sie für gute Luft und machen die Wohnung bunter. So auch bei Tobias Schröder, der seine Möbel gegen Pflanzen eingetauscht hat. Und das sieht verdammt cool aus.

Tobias‘ „Botanischer Garten“ im Stuttgarter Süden

Zeig mir dein Zuhause und ich sage dir wer du bist. Spätestens wenn ein Date nach einem erfolgreichen Abend bei Tobias zuhause landet, zählt der erste Eindruck! In seiner begrünten Wohnung im Stuttgarter Süden gelingt das jedes Mal und fordert ab und zu auch mal neidische Blicke heraus. Verständlich. Tobias hat nämlich auch beruflich mit stylischer Einrichtung zu tun. Er arbeitet bei einem international führenden Modelabel aus Metzingen und kümmert sich weltweit um die Warenrepräsentation und das Styling der Schaufenster.

Es kann schonmal sein, dass er wöchentlich neue Pflanzen mit in die Wohnung bringt. Anfangs fand sein Mitbewohner das unheimlich, aber jetzt ist auch er überzeugt. Pflanzen gießen ist jetzt sogar hauptsächlich seine Aufgabe, weil Tobias beruflich so viel in der Welt unterwegs ist. (Er kommt übrigens gerade aus Florenz und Mailand, wo nächste Woche die Fashion Week startet).

Wo er die schönsten Pflanzen herbekommt, verrät er widerwillig, gibt dann aber doch sein Geheimnis preis: „Beim Tag der offenen Tür in der Wilhelma im Oktober verkauft das Tropenhaus einmal im Jahr ihre Ableger.“ Kalender raus und eintragen!

Man hätte bei ihm schlechte Chancen, wenn man keine Pflanzen mag, denn er könnte niemals ohne sie leben. „Sie bringen einfach so viel Wärme ins Haus und sind außerdem so gute Zuhörer“, schwärmt er. Doch Zimmerpflanzen sind insgeheim nicht nur gute Psychotherapeuten, sondern auch noch eine lebende Haus-Apotheke.

Zimmerpflanzen machen außerdem gesund!

Die NASA und das American College haben herausgefunden, welche Pflanzen man zuhause haben sollte. Du hast keinen Bock auf regelmäßiges Putzen? Kauf dir eine Grünlilie, die ernährt sich quasi von Hausstaub. Außerdem frisst sie gerne Schimmelsporen und filtert die Luft um mehr als sechs Prozent.

Was ist aber, wenn du Putzen liebst? Kein Stress mit der Zwerg-Dattelpalme. Die steht auf in Putzmitteln enthaltene Xylole und filtert sie sich einfach aus der Luft raus. Auch die Aloe Vera, die gemeinhin schon als Heilpflanze bekannt ist, absorbiert Chemikalien wie Benzol und Formaldehyd aus ihrer Umgebung.

Für Allergiker: Go for Efeu! Er sieht toll aus, wenn er ganz lässig von deinem Bücherregal oder Kleiderschrank herunter hängt. Der neue Mitbewohner filtert dir schon nach zwölf Stunden im Zimmer 78 Prozent der Schimmelsporen weg. Ein wahrer Held! Es gibt also nur Argumente für ein botanisches Zuhause. Doch nur wer einen grünen Daumen hat!

Mehr aus dem Web

Klimaschutz ist mehr als nur Diesel-Bashing!

Und täglich grüßt der Klimaschutz. Natürlich hat jeder seine eigene Meinung dazu. Doch persönliche Meinungen haben keinen Platz beim Thema Klimaschutz, findet unser Autor.

Stuttgart – „Und was soll dann mit meinem Diesel passieren?“ Die gesellschaftliche Debatte um den Klimaschutz ist oft inhaltslos. Die meisten Menschen kennen sich mit den Klimaschutz-Forderungen überhaupt nicht aus und denken Greta Thunberg will ihnen das Auto wegnehmen. Wo soll das alles hinführen? Zu einer besseren FFFuture? Oder nur zu schlechter Stimmung?

Greta Thunberg und ihr Schwarm

Vor einem Jahr haben sich auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt die ersten Aktivisten und Aktivistinnen der „Fridays For Future“-Bewegung getroffen. Auch wenn die FFF-Bewegung viel zu oft gehated wird: Seitdem wird, wie noch nie zuvor, über den Klimaschutz gesprochen! Sogar meine Oma spricht jetzt über Klimaschutz. Ich glaube, ich schenke ihr ein „GRANNYS FOR FUTURE“-Shirt zu Weihnachten.

Und das Dank Greta Thunberg und ihrem Schwarm. Doch nicht nur die „Fridays For Future“-Bewegung um die schwedische Umweltaktivistin fordert, dass es Zeit für Impulse ist. Selbst 11.000 Wissenschaftler stehen gemeinsam für die unterschiedlichsten Ziele auf, die mit dem Thema Klimaschutz zu tun haben.

Wer da noch abstreitet, dass es Zeit für Veränderungen ist, den kann man auch von seinem Dieselauto und Donald Trump Wackeldackel auf dem Armaturenbrett nicht mehr trennen. Doch diese Menschen der „Diesel-Fan-Kategorie“ verstehen nicht, dass sich die Forderungen von „Fridays For Future“ überhaupt nicht gegen sie richtet! „Fridays For Future“ appelliert nicht an einzelne Personen und verteufelt deren Lebensweise. (Obwohl manchen Menschen das regelmäßige Fahrradfahren wahrscheinlich sehr gut tun würde.) Es geht ihnen bei ihren Forderungen immer um direkte Signale an die Politik und Wirtschaft. Denn nur dort können Veränderungen flächendeckend ermöglicht werden.

Es geht ja nicht um Verbote, sondern um Alternativen!

Für den Klimaschutz auf die Straße zu gehen, ist ein Aufruf an die Politik! Es ist schon klar, dass man nicht von heute auf morgen auf fossile Brennstoffe oder ein Auto verzichten kann. Doch man kann den Umstieg auf Alternativen fordern! Die können mit Staatsmitteln subventioniert werden, damit man damit wirtschaftliche Prozesse in eine nachhaltige Zukunft lenken kann. Dass aber auch diese politischen Maßnahmen nicht von heute auf morgen geschehen, ist klar. Deshalb bitte einfach mehr Geduld und weniger Reaktionismus à la „Ich habe aber auch noch eine Meinung dazu“. Das schafft wieder nur schlechte Stimmung und keine bessere Future!

Deshalb: Solidarisiert euch doch einfach mal mit dem Bestreben der Menschen, die sich für eine nachhaltige Zukunft einsetzen. Es gibt genügend Argumente, die nicht von der Hand zu weisen sind. Wenn ihr es selbst schon nicht aktiv tut, müsst ihr doch den Thunbergs dieser Welt auch keine Steine in den Weg legen oder ihnen mit Unverständnis gegenüber treten.

Klimawandel ist mehr als Diesel-Bashing. Denn es geht darum eine neue Haltung zu erreichen – und nicht um persönliche Meinungen.

Titelbild: Unsplash/Markus Spiske

Bleibt up to date mit unserem Newsletter:

Mehr aus dem Web

Stuttgart bekommt Innenstadt-Pool im Schlossgarten

*Achtung, dieser Text enthält einen Aprilscherz* Die Stadt gibt den Startschuss für ein gemeinnütziges Bau-Projekt im Schlossgarten: Der Eckensee vor der Stuttgarter Oper wird zum öffentlichen Innenstadt-Pool umgebaut. Und das Beste: Der Eintritt ist frei! Doch was passiert mit den Enten? 

Stuttgart – Der Schlosspark gleicht schon lange einer einzigen Baustelle. Neben dem Umbau der Stuttgarter Oper „schmückt“ den Platz zwischen Schauspielhaus und Landtag bald eine weitere Baustelle. Doch die nehmen wir gerne in Kauf! Denn dort entsteht schon bald etwas in Deutschland Einmaliges: eine öffentliche Badefläche inmitten der Innenstadt. Wir haben mit dem verantwortlichen Stuttgarter Architekten Carl Horlacher gesprochen.

Baubeginn schon Mitte April April

Das Architekturbüro Horlacher hat die Bewilligung zum Bauprojekt „Innenstadt-Pool“ vor drei Tagen fast unbemerkt bekannt gegeben. Für den Stuttgarter Architekten und Stadtaktivisten geht dafür ein Traumprojekt in Erfüllung. „Schon als Kind habe ich nicht verstanden, warum diese große Fläche nicht einen mehrwertigeren Nutzen haben kann“, erklärt Horlacher. „Die Idee mit einer Badefläche in der Innenstadt kam mir schon bei der WM 2006. Seitdem kämpfe ich für ihre Umsetzung.“

Die ersten Pläne reichte Horlacher noch in seinem Architekturstudium 2007 ein. Damals wurde die Idee reichlich belächelt. Doch mit der Unterstützung des Stuttgart-21-Stadtbüros konkretisierte sich das Konzept gegen Ende 2016. „Sicherlich dient der Innenstadt-Pool innerhalb des S21-Projekts nun auch als Prestige-Objekt, zur Besänftigung der Gegenstimmen beim umstrittenen Bahnhofsbau“, erwidert er. „Doch ohne diese Hilfe wäre das Projekt wohl weiterhin eine abstrakte Idee geblieben. Und nun fangen wir im April schon an zu bauen.“

Der Eckensee wird wieder rund

Dabei wird uns eine weitere Neuigkeit zugetragen. Der Eckensee erlangt tatsächlich seine ursprüngliche runde Form zurück. Eckig wurde er nämlich erst für die Gartenschau im Jahr 1961. Alte Luftbilder der Innenstadt zeigen noch die ovale Form des damaligen Epaulettensees.

„Leider wird der Innenstadt-Pool dadurch etwas an Fläche einbüßen, doch die gewonnenen Quadratmeter werden zu umliegenden Liegeflächen umfunktioniert“, erklärt Horlacher seine Absichten. „So gibt es zumindest eine ovale Fläche für die Stuttgarter und Stuttgarterinnen, in der man in Zukunft Spaß haben kann“, scherzt er mit Verweis auf die Mercedes-Benz Arena aufgrund der Leistungen des VfBs.

Tierschützer-Aufschrei: Was passiert mit den Eckensee-Enten?

Ordentlich wie die Tierschützer sind, ließ der erste Aufschrei nicht lange auf sich warten. Per Mail erreichten den Architekten schon etliche Anfragen zum Verbleib der geflügelten Bewohner. Doch die Eckensee-Enten werden zum Glück in die Wilhelma umsiedeln dürfen. „Das war tatsächlich einer der meist diskutierten Punkte am Verhandlungstisch mit dem Städtebauamt und dem Bahnprojekt-Verein“, gibt Horlacher amüsiert zu.

Er habe auch die Pläne für das Gehege der Enten in der Wilhelma entworfen. „Damit sie sich in der neuen Heimat nicht so fremd fühlen müssen, haben wir ihnen den Eckensee im Maßstab 1:10 nachgebaut.“

Mehr aus dem Web

Spotify-Playlist: Die beste Musik aus dem Regierungs-
bezirk Stuttgart

Von Pop bis Trash: Im Kessel und drumherum gibt es viele talentierte Musiker zu entdecken! Wir haben neue Musik von in Stuttgart lebenden und aus Stuttgart stammenden Künstlerinnen und Künstlern für euch gesammelt.

Stuttgart – Wir haben uns auf die Suche nach neuer und spannender Musik aus dem Regierungsbezirk Stuttgart begeben. Regierungsbezirk? Sorry! Doch die meisten Musikerinnen und Musiker in der Playlist sind gar nicht direkt aus dem Kessel. Sie kommen aus Esslingen, Schwäbisch Gmünd oder Bietigheim – einige sind weggezogen und nur noch zu Weihnachten und zu den Landtagswahlen in der Region. Doch mit einer Prise Ironie, darf man sie dann doch in einen gemeinsamen Topf mit all den anderen Talentierten werfen.

Playlist in Fußballspiel-Länge + 8 Minuten Verlängerung

Im Sommer letzten Jahres haben wir 25 Jahre Hip-Hop aus Stuttgart gefeiert. Aber es gibt ja auch eine neue Generation an tollen Künstlerinnen und Künstlern in der Region! Wir präsentieren euch 25 neue Songs dem Kessel und Umgebung.

Den Start machen einige „Lo-Fi“-Popsongs mit wirren Texten und trashigen Sounds. Songs, die also bewusst nicht so klingen wie die im Radio aber dennoch Popsongs sind. Dann geht es weiter mit lässigem Indie-Pop, bevor wir mit deutschen Texten und echten Gitarren ins Finale gehen. Nach ein wenig Autotune macht Leif Müller dann das Licht aus! Der hat ja auch die letzte Stadtkind-Playlist, gemeinsam mit Konstantin Sibold, zusammengestellt.

Der erste Song von Future Franz beginnt mit: „Und ich schieße eine Feuerwerksrakete in die Luft aus meinem Arsch – sie ist gefüllt mit sch****! Es regnet auf Euch auf grandiose Weise.“ Und damit: Viel Spaß!

(Titelbild: Unsplash/Mohammad Metri)

Mehr aus dem Web

Motor City Drum Ensemble: „Für mehr kulturelles Angebot im Stuttgarter Umland!“

Einer der gefragtesten Underground-DJs dieses Planeten, Motor City Drum Ensemble, spielt nach fünf Jahren erstmals wieder in seiner Heimat. Doch nicht in Stuttgart sondern in Schwäbisch Gmünd. Im Interview hat er uns auch verraten, warum er für diese Party sogar auf seine Gage verzichtet.

Stuttgart – Wenn Motor City Drum Ensemble in London, Paris oder New York Platten auflegt, sind die Tickets auch mal ausverkauft. Danilo Plessow, geboren in Schwäbisch Gmünd, ist ein taste-maker der weltweiten Clubszene. Plessow ist außerdem ein Aktivist für mehr Toleranz auf den Dancefloors dieser Welt, denn er ist bekannt für die grenzenlose Inklusion sämtlicher Musikrichtungen in seinen DJ-Sets.

Grenzen überwinden: In der Musik sowie in der Gesellschaft!

Grenzenlose Inklusion soll seiner Meinung nach auch beim kulturellen Angebot im Umland der Großstädte gegeben sein. Dafür ist er bekannt geworden, dafür wird er weltweit geachtet. Im Interview plädiert er für mehr kulturelles Angebot im Umland großer Städte, damit keine selbst geschaffenen kulturellen Grenzen entstehen.

Der 34-Jährige hatte in seiner Jugend das Glück, früh von Stuttgarter Musikschaffenden an die Hand genommen worden zu sein. Er durfte seine ersten Veröffentlichungen, bei denen seine Eltern die Plattenverträge unterzeichnen mussten, auf bekannten Labels veröffentlichen und reiste schon als 16-Jähriger regelmäßig zu Gigs ins Ausland. „In Gmünd war ich jedoch ein Alien“, beschreibt er das Gefühl auf dem Land gelebt zu haben.

Trotz der „Jugendkultur-Initiative“ in den 90ern, bei der Plessow in seiner Heimat mitwirkte, war das kulturelle Angebot dennoch mager in Schwäbisch Gmünd. Daher ist er begeistert vom Kulturbetrieb Zappa, der das Großstadtgefühl nun seit zwei Jahren in die Kreisstadt bringt. „Der Club könnte genau so in jeder großen Weltmetropole stehen“, sagt er.

„Kulturelle Grenzen zwischen Land und Großstadt müssen überwunden werden“

„Es herrscht ein extremes Auseinanderdriften der Kulturen von Großstadt und Land, dabei sollte Kultur das Bindeglied sein“, kritisiert Plessow. „Deshalb muss ähnliches Angebot auch auf dem Land gefördert werden. Nicht jeder kann es sich leisten in der Stadt zu wohnen.“ Das ist dem Musiker auch in seiner Heimat aufgefallen. Sein großes Studio befindet sich in Schwäbisch Gmünd. Etwa zwei Monate im Jahr ist er zwischen den Tourneen in der Stadt.

Nach kurzer Zeit ist er in Gmünd schon auf das Zappa gestoßen. Das Programm des Gemeinnützigen Vereins und Kulturbetriebs wird vom Veranstalter des Semf, Cristoforo Marrazzo, geleitet. „Danilo war am Anfang ein bisschen schüchtern, hat es scheinbar aber genossen ins Zappa zu gehen“, erzählt Cristoforo. Sie freundeten sich an. Beide teilen das Ziel Schwäbisch Gmünd auf die kulturelle Landkarte zu bringen. Schorndorf gelingt das mit dem Club Manufaktur seit Jahrzehnten und auch das Komma in Esslingen ist im Umland Stuttgarts bekannt für Kulturprogramm am Puls der Zeit.

Benefiz-Party im Kulturbetrieb Zappa

Am Samstag den 16. Februar, findet nun also eine Clubnacht im Zappa statt, die mühelos auch das interessanteste Event in allen Großstädten dieser Welt sein könnte. „Wir haben Tickets nach Belgien, Frankreich und in die Schweiz verkauft. Menschen reisen aus Hamburg, Köln oder München an“, erzählt Marrazzo. Alle DJs, inklusive der beiden Headliner Motor City Drum Ensemble und Rainer Trüby, verzichten dabei auf ihre Gagen.

„Danilo ist mit der Idee auf mich zugekommen“, meint Zappa-Leiter Marrazzo. Nun kommen die Einnahmen zur einen Hälfte direkt dem sich selbst finanzierten Kulturbetrieb zugute. Mit der anderen Hälfte wird Marrazzo die Umsetzung eines Herzensprojekts fördern. Er will Kreativ-Sommerfeste für Waisen und bedürftige Kinder veranstalten. Bei so viel Initiative und Einsatz können wir nur einmal ganz laute Props nach Swaggish-Gmünd schicken und weiterhin viel Erfolg wünschen.

By the way: Mit dem Intercity fährt man genau 30 Minuten vom Stuttgarter Hauptbahnhof nach Schwäbisch Gmünd. Um 05:54 Uhr fährt die erste Bahn aus Göppingen zurück nach Stuttgart. Es wird sich lohnen!

Foto: Ula Mirowska

Benefiz-Party am 16. Februar 2019

Mit Motor City Drum Ensemble, Rainer Trüby, Blunted Monkz, Janjoulow, Scheru aka. Rudolf Schepp

Mehr aus dem Web

Rosamunde Pilcher: Ruhe in Friede, Freude, Eierkuchen

Stadtkind-Autor Philip Stoeckenius hat eine nachvollziehbare Liebe für die Filme zu den Romanen von Rosamunde Pilcher. Mit Mama vor dem Fernseher in Spielfilmlänge einen gemütlichen Sonntagabend genießen. Was gibt es Schöneres?

Stuttgart – Rosamunde Pilcher ist gestorben – und mit ihr der Sonntagabendkitsch aus teuren Autos, royalen Anwesen und weißen Klippen. Tief in meinem Inneren habe ich immer von diesem Leben geträumt. Das liegt wohl daran, dass ich Zeit meines Daseins mit Rosamunde-Pilcher-Filmen sozialisiert wurde, irgendetwas muss da hängengeblieben sein.

Love it or love it!

Lacht nicht! Den Kitsch habe ich natürlich schon in den jüngsten Jahren durchschaut. Von meiner Oma mit Schlager zugedröhnt, von Mama mit Pilcher-Ästhetik überschüttet, ist mir früh aufgefallen, dass der Alltag dann doch nicht so klingt und aussieht, wie er sowohl im Radio als auch im TV gezeigt wird. Und trotzdem war ich ein heimlicher Fan. Durch verbale Einwürfe auf dem Sofa zeige ich zwar fortwährend ein wenig Unmut. Fangen wir jetzt aber nicht an über die festgefahrenen Rollenvorstellungen bei Rosamunde Pilcher zu sinnieren, sonst ändere ich meine Meinung sofort drastisch.

Ich finde es einfach zu schön, meiner Mama bei ihrem mimischen Feuerwerk zuzusehen. Endlich: Harry und Amanda geben sich Punkt 21:15 Uhr, wie jedes Mal, den langersehnten ersten Kuss. Der Nebenbuhler und für die Zuschauer unsympathisch wirkende Matthew, auf den Amanda beinahe hereingefallen wäre, saust in seinem Mercedes-Cabrio verärgert die Klippenstraßen von Cornwall davon. Man kann die Uhr danach stellen. Same procedure as every…!

Es ist zumindest auf dieses Schema F der dramaturgischen Gestaltung von Rosamunde Pilcher heutzutage noch Verlass. Bei all den Veränderungen, die das Leben sonst so bereit hält.

Zuhause ist es doch am Schönsten!

Bei meinen bisherigen Freundinnen gab es häufig komische Blicke, wenn ich Sonntagabends vorgeschlagen habe, „man könnte sich ja einen Pilcher ansehen“. Dass es dann doch meistens ein neuer Film von Caspar Noe oder „ein Lars von Trier“ wird, liegt an der street-credibility.

Ehrlicherweise bin ich froh, dass ich nach Hause zurückkehren kann und mit sehr großer Wahrscheinlichkeit, die sonst nur in Rosamunde-Pilcher-Filmen gegeben ist, einen Rosamunde-Pilcher-Film ansehen zu dürfen. Dann schaue ich bei herzzerreißenden und kitschigen Szenen meiner Mama von der Seite beim 94 Jahre alt werden zu. Alles Gute da oben Rosamunde Pilcher. Hoffe die Frisur sitzt. Du bist sicherlich uncool aber genau das macht dich sympathisch!

Mehr aus dem Web

Hakan Keppler: Für die Modewelt nach Berlin

Ein Job in der Modewelt? Das wünschen sich natürlich einige! Hakan Keppler aus Stuttgart versucht in der Berliner Modeszene Fuß zu fassen.

Stuttgart – Die Modeindustrie ist umfangreich und groß, doch immer noch ein Hoheitsgebiet. Da gibt es die glamourösen Designer mit ihren Labels und die berühmten Laufsteg- und Fotomodels, welche die Branche in der Öffentlichkeit repräsentieren. Direkt dahinter stehen die großen Träumer. Hakan ist einer dieser Träumer, die sich mit viel Engagement und Initiative einen Platz in dieser Welt erarbeiten wollen. Für diesen Traum ist er von Stuttgart nach Berlin gezogen.

In Berlin brauchst du Geduld.

Hakan weiß über den Zulauf in die Modebranche Bescheid und ist kein Phantast. Er ist sich darüber bewusst, wie schwierig es sein wird darin Fuß zu fassen. Schon 2012 hat er deshalb mit seinem Mode-Blog „hakanberryfinn“ begonnen, der bis heute besteht. Und auch seine abgeschlossene Lehre zum Tattoowierer gibt ihm die nötige Sicherheit, um sich sorgenfrei in die Welt der Kleider stürzen zu können.

Sein Ziel sei es „Inszenierungen im High-End-Bereich machen zu können“, erklärt er im typischen Jargon. Also die Shows, Shootings und sonstige Auftritte großer Modelabels zu organisieren und kuratieren. Seine derzeitigen Tätigkeiten arbeiten alle gemeinsam auf dieses Ziel hin. Doch der Pragmatiker in ihm weiß: „In Berlin benötigst du Geduld“.

Vermeintlich Influencer…?

Sein Alltagsgeschäft ist derzeit die Zusammenarbeit als Stylist mit verschiedenen PR-Agenturen. An diese Jobs ist er durch seine Engagements als Model und durch seinen Blog gelangt. Die Agenturen statten ihn mit neuen Kollektionen aus, die er dann entweder an sich selbst fotografieren lässt oder an andere Models weitervermittelt. „Ja, der zeitgenössische Begriff für diesen Beruf ist vermeintlich Influencer“, gibt Hakan zu.

Man benötigt jedoch das nötige Geschick, sich aus der einen Rolle vor der Kamera in die nächste Rolle hinter der Kamera zu begeben. Denn der eigene Instagram-Kanal ist kein reines Hobby mehr. Durch sein Social-Media-Profil gelangt er an seine Jobs. Ob vor der Kamera als Model oder hinter der Kamera als Stylist und Markenbotschafter. Aber Influencer or not – Hauptsache irgendwas mit Mode!

„In Stuttgart waren meine Möglichkeiten begrenzt“

„Ich muss das machen, weil es meine Leidenschaft ist. Ich habe mir meinen Weg hierher ausgesucht“, resümiert er entschieden, denn „in Stuttgart waren meine Möglichkeiten begrenzt“. Man fühle sich im Kessel auch wie in einem Kessel: „Sehr eingeengt und kritisch beobachtet“.

In Berlin jedoch nicht. Denn als schwuler Mann in dieser Stadt die „zwar in Deutschland liegt aber nicht Deutschland ist“, hat er sich mit seinen Träumen schnell akzeptiert gefühlt. Mittlerweile ist er sich sicher, dass er durch Geduld und zielstrebige Arbeit jeden Traum in Erfüllung gehen lassen kann.

Mehr aus dem Web