Mit Stadtkind nachts ins Mercedes-Benz Museum: Tickets zu gewinnen!

Nachts ins Museum und dabei noch eine einmalige Show genießen? Stadtkind schickt euch mit dem Improvisationstheater Kanonenfutter im Mercedes-Benz Museum auf eine Zeitreise.

Stuttgart – Es ist Nacht. Das Museum ist geschlossen. Eigentlich. Doch am 27. November gelten diese Regeln nicht, zumindest nicht für ein paar glückliche Gewinner. Zusammen mit dem Mercedes-Benz Museum verlosen wir eine einzigartige Theatershow, in der ihr nachts mit den Schauspielern der Truppe durchs Museum wandert. Gespielt wird da, wo sich sonst staunende Besucher vor wunderschönen Oldtimern tummeln. Inspiriert von den Einwürfen und Vorgaben es Publikums spielen die Schauspieler Szenen aus verschiedenen Jahrzehnten. So entsteht eine Geschichte, die definitiv eine Premiere wird. Denn Absprachen oder Drehbuch sind strengstens verboten!

Keiner weiß, was als nächstes passiert

Kanonenfutter spielt Theater, wie ihr es noch nie gesehen habt: Alles was einmal im Monat auf ihrer Heimatbühne im Merlin passiert, ist komplett improvisiert – Absprachen oder etwa ein Drehbuch sind strengstens verboten. „Wir proben natürlich, aber wir wissen trotzdem nicht was kommt“, sagt Janis Goldschmitt von Kanonenfutter. Das sei für ihn das Spannendste an dem Theaterkonzept. Mit Inspiration aus dem Publikum entstehen aus dem Stegreif einzigartige Chansons, schicksalhafte Begegnungen, witzige Wortgefechte, absurde Wendungen und brenzlige Situationen. Mit dabei im Museum wird außerdem ein Pianist sein, der das Schauspiel musikalisch untermalt.

Eine Mischung aus echter Geschichte und Fiktion

„Jeder Auftritt ist irgendwie eine Premiere“, meint Janis. Man lasse sich immer von der Umgebung inspirieren. In diesem Fall also von schicken Karossen aus den unterschiedlichsten Jahrzehnten. „Wir wollen eine Mischung finden aus echter Geschichte und Fiktion“, erklärt Janis. Der wichtigste Teil der Show bleiben allerdings die Besucher: Die Kanonenfutter-Gruppe bittet das Publikum um Inspirationen, Worteinwürfe und Beteiligung.

Fotos: Mercedes-Benz Classic

Gemeinsam geht es bei dieser exklusiven Show mit 40 Gästen durchs Museum – die Hocker nehmen die Besucher beim Ortswechsel einfach unter den Arm.

Ihr wollt an diesem besonderen Abend dabei sein? Kein Problem, wir verlosen 10×2 Plätze für die Theatershow am 27. November! Schickt uns einfach eine Mail mit dem Betreff „Kanonenfutter“ an stadtkind@stadtkind-stuttgart.de und schreibt uns, warum ihr schon immer mal nachts ins Museum wolltet. Einsendeschluss ist Mittwoch, 14. November, 12 Uhr. Alle Emails nehmen an der Verlosung teil. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Common Sense People: Exklusives Interview und Stadtkind-Playlist

Zum siebten Geburtstag haben wir die Common Sense People-Macher zum Interview getroffen. Außerdem gibt’s eine exklusive Stadtkind-Playlist der beiden auf Spotify.

Stuttgart – Angefangen hat für Leif Müller und Konstantin Sibold alles vor sieben Jahren mit einer Residency im Rocker 33 in der alten Bahnhofsdirektion. Seitdem sind die beiden als Veranstalter aus dem Stuttgarter Nachtleben nicht mehr wegzudenken. Zudem sind beide mit Erfolg als Solokünstler und Produzenten unterwegs. Wir haben uns mit ihnen über den Common Sense People-Sound unterhalten und nachgefragt, welche Abende für die beiden prägend waren. Zu ihrem 7. Geburtstag haben sie uns außerdem eine Playlist mit den Künstlern aus sieben Jahren CSP zusammengestellt.

Was hat sich seit eurer ersten Common Sense People-Party 2011 im Rocker33 für euch verändert?

Leif: Aus meiner Sicht hat sich alles verändert. Auf uns persönlich bezogen, angefangen bei dem Niveau, wie wir auflegen, die Musikrichtung, die eigene Wahrnehmung, die Wahrnehmung von Clubkultur, unsere Veranstaltungen. Es sind jetzt sieben Jahre vergangen, in denen wir uns weiterentwickelt haben. Aber genauso hat sich auch das Publikum verändert. Und die Feierkultur.

Konstantin: Ich finde auf der einen Seite hat sich das verändert, wohin wir uns musikalisch weiterentwickeln wollten. Aber eigentlich hat sich für mich gar nicht so viel verändert, weil wir das Artwork seit der ersten Party unverändert durchgezogen haben. Auch der Leitfaden, den wir damals bestimmt hatten, ist derselbe: non-commercial, deep and timeless Electronic Music. Wir haben gesagt, wir holen Acts, die zeitlos sind, vom Anspruch her eine gewisse Tiefe haben, die undergroundig sind und nicht zu „kommerziell“.

Leif: Der Kern der Veranstaltung ist unverändert. Es ist gut, dass wir uns da treu geblieben sind.

Wie hat sich denn der Common Sense People-Sound verändert?

Konstantin: Wir haben von Anfang an versucht, Acts nach Stuttgart zu holen, die andere nicht buchen. Also was zwischen Techno und House liegt, aber trotzdem fern von Genre-Schubladen ist. Am Anfang haben wir noch mehr Acts gebucht, die man einem Genre zuordnen kann, wie zum Beispiel Soundstream oder Move D. Ich würde sagen, wir waren vom Sound her etwas House-lastiger. Und wir haben uns immer mehr in eine abstraktere Richtung entwickelt. Wir buchen Leute wie Voiski oder nd_Baumecker, bei denen es eher schwer ist, die wirklich zu klassifizieren.

Leif: Ich würde auch sagen, dass wir vom Sound experimenteller, tendenziell noch spezieller anstatt massenkompatibler geworden sind. Und auch auf jeden Fall härter, also Techno anstatt House. Und eher eine Techno-Abwanderung Richtung Acid und Electro, anstatt hin zu House und Disco.

Konstantin: Der Kern ist Techno.

Wo standet ihr als Künstler und DJs vor sieben Jahren und wo steht ihr heute?

Leif: Aus meiner Sicht war die Entwicklung für uns als DJs und Veranstalter ein Ding, weil wir erst in diese ganze Sache reingewachsen sind und das hat sich dann gemeinsam entwickelt.

Konstantin: Es hat sich über die Jahre mehr ein charakteristischer Sound von uns beiden herauskristallisiert. Wir haben ja einen sehr ähnlichen Geschmack oder beurteilen Sachen ähnlich. Mittlerweile kann man aber einen Unterschied feststellen, wenn Leif auflegt oder wenn ich auflege. Wir sind anders verortet. Aber das macht es gerade interessant – dass wir versuchen  trotzdem musikalisch irgendwie an einem Strang zu ziehen und unsere Kosmen zusammenzubringen, um etwas Interessanteres zu schaffen. Und ich glaube, das ist über die Jahre gereift und die Art, wie wir auflegen, wurde konsistenter. Am Anfang haben wir dazu geneigt, unüberlegter zu spielen.

Leif: Und zufälliger und bunter. Wir machen uns jetzt mehr Gedanken darüber, dass eine Linie drin ist. Der Sound ist erwachsener, wir entwickeln uns weiter.

Konstantin: Damals haben wir halt beide studiert. Wir haben ja nicht geplant,  irgendwann mal Partys zu machen. Das hat sich irgendwie ergeben, weil wir Residents waren und die Veranstalter irgendwann meinten: Macht doch auch mal Partys hier! Das ist alles gesund gewachsen, ohne etwas zu erzwingen. Es war nie ein Business-Plan dahinter. Das Konzept bestand einfach nur aus unserem Geschmack. Das hat sich jetzt professionalisiert und ist zu unserem Beruf geworden. Das ist toll!

Gibt es bei den über 40 Partys besonders prägende Abende, an die ihr euch erinnern könnt?

Konstantin: Ich persönlich liebe die Heiligabend-Partys, weil die Stimmung so weihnachtlich, froh und gesellig ist. Anders als an Silvester, wo jeder so eine Erwartungshaltung hat und eine leichte Grundaggressivität. Deswegen freue ich mich jedes Jahr extrem auf Weihnachten.

Mir ist auch noch eine Party mit Redshape im alten Rocker33 im Kopf geblieben. Da war Stromausfall. Dann ist Kai, der damalige Chef, rumgelaufen im Rocker-Gebäude um herauszufinden, wo der Sicherungskasten ist, um irgendwas wieder anzuschalten. Da wurden die Leute schon unruhig. Die haben zum Teil wieder Geld zurückbekommen, sind rausgelaufen. Sehr viele sind aber geblieben, weil sie wussten, dass es vielleicht noch klappen wird. Dann ging der Strom wieder an und auch die Party – das war der Hammer. Ein Freund hat mir erzählt, dass er schon beim Döner in der Innenstadt gewesen sei und jemand gemeint hätte, der Strom sei wieder an. Dann ist er ins Taxi gestiegen, zurückgefahren und hat nochmal Eintritt gezahlt.

Leif: Das gesamte Ding mit DJ Koze im alten Filmhaus war für mich krass. Das habe ich einfach im Kopf, wenn ich an die beste Party denke. Wir hatten bis auf einen schwachen Abend bei Levon Vincent eigentlich immer mindestens gute Partys. Es war nie scheiß Stimmung – wir hatten immer gute bis geile Partys.

Konstantin: Es hat sich ein ganz guter Lauf entwickelt. Manche Leute kommen, weil sie das Booking interessiert, aber der größte Teil kommt einfach, weil sie wissen, dass die Partyreihe immer Spaß macht.

Wenn man Partys innerhalb einer Stadt erfolgreich macht, dann denkt man sicher darüber nach, die Partys auch mal in einer anderen Stadt zu machen. Gibt es da Pläne?

Leif: Ja, das hatten wir schon mal überlegt. Ich fände es nach wie vor cool, eine Art Clubtour zu machen. Durch andere Städte, vielleicht im Ausland.

Nachdem ihr in den vergangenen Jahren schon oft kurz davor wart, zusammenzuziehen, seid ihr den Schritt jetzt gegangen. Wie funktioniert das, mit dem besten Freund zusammenzuwohnen?

Konstantin: Ziemlich geil.

Leif: Irgendwas zwischen überragend und Weltklasse.

Konstantin: Zusammenzuziehen war immer mal wieder Thema, als Leif noch in der berühmt-berüchtigten Gute Laune GmbH gewohnt hat. Dort war es mir immer einen Tick zu wuselig, aber trotzdem halt immer lustig. Jetzt haben wir eine Wohnung, die etwas ruhiger gelegen ist – Leif und ich kommen ja auch in die Jahre und werden etwas ruhiger, deshalb passt das ganz gut. (grinst)

Leif: Wir kennen uns seit 20 Jahren und sind beste Freunde – wir kennen die Marotten des anderen, wir haben schon so viel Zeit zusammen verbracht. Ein kleines Risiko, ob die Freundschaft darunter leidet, war davor immer da. Aber ich glaube diese paar Prozent haben sich aufgelöst, die haben wir durch Bio-Eier ersetzt (lacht).

7 Years CSP x StadtPalais w. Roman Flügel
Mittwoch, 31. Oktober, 23 Uhr
StadtPalais, Konrad-Adenauer-Straße 2

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Warum kein Mann in den Puff gehen sollte

In den Fußgängerzonen der Stadt stemmen sich vier Frauen gegen Prostitution. Dabei setzen sie auf die Unterstützung des männlichen Geschlechts. Mit Erfolg.

Stuttgart – „Hallo, darf ich dich was fragen? Hast du schon mal für Sex bezahlt?“ Viele der Männer auf der Straße zucken angesichts der direkten Frage erst einmal kurz zusammen – zumal ihnen diese von einer Frau gestellt wird. Doch die vier Verantwortlichen der Initiative „Ichbinkeinfreier“ können gut reden, nehmen den ersten Schreck und verwickeln sie in ein Gespräch, ohne dabei aufdringlich zu wirken.

Männern, die gegen Prostitution sind, eine Plattform geben

Seit November 2017 ist die Initiative, bestehend aus Helena Dadakou, Justyna Koeke, Tara da Lanca und Sarah Kim Weller, auf Plätzen, in Einkaufszentren und in Parks unterwegs und sammelt dabei Statements von Männern, die sich gegen Prostitution aussprechen. Von der Straße gehen die Videos dann ins Netz. Auf der Facebook-Seite von „Ichbinkeinfreier“ wird seit Anfang November täglich ein Statement gepostet, immer spricht ein Mann in die Kamera, immer beginnt das Video mit dem Spruch „Ich bin kein Freier, weil …“. Über 180 Videos sind seither auf Facebook gelandet, die Seite zählt bislang 800 Likes. Die Kommentarspalte bietet Platz für Diskussionen oder Gedankenaustausch, oft auch für Sympathiebekundungen.

„Wir wollen, dass Männer in der Gesellschaft eine Plattform bekommen, die sie nicht haben“, sagt Sarah Kim Weller. Dabei gehe es den vieren nicht darum, die persönlichen Gründe zu bewerten, warum ein Mann zu einer Prostituierten gehe. Man wolle Männer nicht über das Negative angreifen. Was die vier wollen ist eine sexuelle Revolution. „Wir wollen, dass jeder die eigene Sexualität hinterfragt“, sagt Helena Dadakou, „und dass die Menschen offen und ehrlich mit Sexualität umgehen“, ergänzt Justyna Koeke.

Die vier kennen sich über den Verein „Sisters“, der Prostituierten in Not sowie beim Ausstieg aus der Prostitution hilft. Gemeinsam kämpfen sie dafür, dass es nicht selbstverständlich ist, Sex für Geld zu kaufen. Um Armutsprostitution, Menschenhandel und übergriffige Sexualität zu stoppen.

Je intimer das Thema, desto verschlossener die Passanten

Etwa jeder zehnte, den sie ansprechen, sei bereit für ein Statement, sagt Helena Dadakou. In der Cannstatter Fußgängerzone zwischen Erdbeerstand und Tattoo-Studio läuft es besser. Nach wenigen Minuten erklärt sich der erste bereit. Sein Gesicht möchte er aber nicht zeigen. „Kein Problem“, meint Tara da Lanca, „hältst du dann unseren Sticker in die Kamera?“. Für Kamerascheue hat die Gruppe auch eine Perücke und eine Sonnenbrille dabei. Wer bereits eine Umfrage in einer Fußgängerzone gemacht hat, weiß, wie schwer es ist, Leute vor die Kamera zu bekommen. Je intimer das Thema, desto verschlossener die Passanten.

Stumm werden bei diesem Thema nicht nur einige Männer in den Fußgängerzonen der Stadt. Auch bei dem seit März laufenden Mammutprozess gegen die Verantwortlichen der Bordellkette Paradise, u.a. vertreten mit einem Bordell und FKK-Club in Leinfelden-Echterdingen, herrscht bisher größtenteils Schweigen. Dem Chef, Jürgen Rudloff, sowie drei seiner Mitarbeiter, darunter sein Presse- und Marketingchef sowie der ehemalige Geschäftsführer eines Bordells, werden Förderung von schwerem Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung, Beihilfe zur Zuhälterei und Betrug vorgeworfen. Bis März 2019 sind am Landgericht gut 80 Verhandlungstermine eingeplant. Allein die Anklageschrift ist 145 Seiten stark.

„Deutschlands erster Kongress für Menschenhandel und Zuhälterei“

„Wir sind nicht gegen Prostituierte, wir sind gegen Prostituierer“, sagt Helena Dadakou. Deswegen ist die Initiative am 23. April auch nach Frankfurt gefahren, um bei Zukunft Rotlicht 2018, laut Veranstalter „Deutschlands 1. Rotlicht Kongress“, zu demonstrieren und das Gespräch zu suchen. Mit im Gepäck: Mehrere Banner, darunter einer mit der Aufschrift „Deutschlands erster Kongress für Menschenhandel und Zuhälterei“. Einer der Kongressteilnehmer, der sich im Gegensatz zu Jürgen Rudloff auf freiem Fuß befindet, ist sein Pressesprecher Michael Beretin. Während sich die vier hauptsächlich mit Security und Veranstaltern gestritten hätten, hätte Berentin zumindest seine Visitenkarte dagelassen. Ein Treffen im Bordell Paradise mit ihm würde die Initiative begrüßen. „Es bringt aber nichts, wenn wir da drinnen am Tisch sitzen aber mit keiner einzigen Frau sprechen können“, sagt Helena Dadakou.

Zum Sexkaufverbot, wie etwa in Schweden, das nicht den Verkauf von Sex bestraft oder reguliert, sondern nur den Kauf von Sex, haben die vier von „Ich bin kein Freier“ unterschiedliche Meinungen. Es gebe bisher kein Modell, das besser funktioniere, sagt Justyna Koeke, zumindest wüchsen dann die nächsten Generationen in einem anderen Selbstverständnis auf. Am besten, da sind sich alle einig, sei es aber, wenn man es gar nicht erst bräuchte.

Die Umsetzung des neuen Prostituiertenschutzgesetzes in Stuttgart beginnt mit Verzögerung

Am 1. Juli 2017 ist in Deutschland das neue Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) in Kraft getreten, das das Prostitutionsgewerbe regulieren und die Prostituierten besser schützen soll. Dazu gehören u.a. eine Erlaubnispflicht für alle Prostitutionsgewerbe sowie eine Anmeldepflicht für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter. Im Stuttgarter Gesundheitsamt wird laut Leiter Stefan Ehehalt mit der Beratung und Anmeldung erst Anfang Juni begonnen. Derzeit gebe es knapp 600 Anfragen, „nicht gezählt sind die Prostituierten, die im direkten Kontakt mit Sozialarbeiterinnen Auskünfte über den aktuellen Stand der Terminvergabe bekommen“, sagt Ehehalt. Zudem sollen demnächst weitere Stellen für den erhöhten Bedarf in der Beratung, der Ausstiegsberatung und der Prävention ausgeschrieben werden.

In der Cannstatter Marktgasse wird der Einsatz der Initiative derweil vielfach gelobt. „Ich finde das mega cool, es gibt viel zu wenige, die so etwas machen“, sagt Dario Gonzalez, der derzeit seine Schreinerlehre macht. Seine Freunde und er würden zwar ähnlich denken, aber wirklich aktiv sei er halt doch nicht. In seiner Videobotschaft sagt er: „Ich bin kein Freier, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass irgendeine Frau für 30 Euro mit irgendeinem fremden Mann, der sie noch schlecht behandelt, gerne ins Bett gehen will“. Und so lautet auch die Botschaft der Initiative: Wer ins Bordell gehe, nehme immer in Kauf, dass die Prostituierten dort unter Zwang arbeiteten. „Es gibt nicht so viele Freiwillige für die hohe Nachfrage“, sagt Justyna Koeke.

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SNAPP: Eine App für Geflüchtete

In Stuttgart basteln Ehrenamtliche derzeit an einer App speziell für junge Geflüchtete. Anfang 2019 soll „SNAPP“ online gehen.

Stuttgart – Wie ermöglicht man jungen Geflüchteten einen möglichst problemlosen Start in Deutschland? Wie kann Hilfe im alltäglichen Leben geleistet werden und wie können Hürden genommen werden? Wie erreicht man besonders die jungen Neuankömmlinge? Mit einer App, dachte sich das Jugendwerk24, der Kinder- und Jugendverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Seit Herbst 2016 gibt es die Idee einer App, dieses Jahr im Frühling ging die Arbeit richtig los. „Wir wollen ein Tripadvisor für Newcomers“, sagt Philipp Dunkel, „nur ohne Bewertungsfunktion“. Gemeinsam mit Kirsten Bernhardt leitet er das Projekt, bei dem sie besonders kostenlose und -günstige Freizeitangebote für die jungen Geflüchteten sichtbar machen wollen.

Die App ist für ganz Deutschland geplant

Skateparks, Sportplätze, Sehenswürdigkeiten, aber auch wichtige Anlaufstellen wie Behörden und Institutionen sollen mit der App vorgestellt werden, mit Bild, Infotext und Öffnungszeiten. Geplant sind zahlreichen Sprachen – neben Deutsch in Arabisch, Albanisch, Kurdisch, Paschtu, Dari, Englisch und Französisch. Auch Veranstaltungen sollen in die App eingetragen werden können.

Mit der App „SNAPP“ (Socialization of Newcomers App) will das Projekt-Team Anfang 2019 von Stuttgart aus an den Start gehen. Später soll die App aber in ganz Deutschland Verwendung finden. Eintragungen machen und Tipps geben soll dann jeder können. Damit die App schließlich auch sauber funktioniert und frei von Hetze oder Spam bleibt, gibt es eine Redaktion, die kuratiert und editiert, verrät Philipp.

Grundlagen in Design, Fotografie und kreativem Schreiben

Das Backend steht bereits, Infos können also schon jetzt eingepflegt werden. Um das ständige Projektteam zu fördern und zu unterstützen, bot das Jugendwerk24 die AG Newcomers Creative Days an, bei denen den Ehrenamtlichen Design- und Brainstorming-Grundlagen gezeigt wurden und sie sich im Fotografieren und kreativen Schreiben austoben konnten. „Es gibt rund 30 Leute, die in irgendeiner Art und Weise an dem Projekt arbeiten“, meint Philipp. Mit den Workshops und Stadtspaziergängen wolle man ihnen eine Hilfestellung bieten. Außerdem ermöglichten die Workshops aber auch für Neueinsteiger einen einfacheren Start ins Projekt. An der App-Entwicklung selbst arbeitet eine Agentur aus Donzdorf. Gefördert wird das Projekt von der „Aktion Mensch“.

Mit den Workshop-Teilnehmern durchs Bohnenviertel

Beim zweiten Workshop mit den Themen Fotografieren und kreatives Schreiben sind acht Teilnehmer gekommen. „Wir sind zufrieden, der Tisch ist voll“, sagt Philipp. Die jungen Erwachsenen werkeln an ihren Smartphones herum, versuchen in ihren Foto-Apps die besten Einstellungen zu finden. Matthias Roman Schneider, selbst als Redakteur und Producer für Regio TV tätig, führt den Workshop und erklärt Grundlagen wie den Goldenen Schnitt, Blende und ISO-Wert. „Die wichtige Bildinformation braucht immer einen Hintergrund oder ein Szenario, um zu wirken“, meint er. Nach der Einführung gehen die Teilnehmer gemeinsam von der Olgastraße ins Bohnenviertel, um das Gelernte umzusetzen.

Philipp Dunkel (31) koordiniert das Projekt.

Danach geht es weiter Richtung Schlossplatz, Kunstmuseum und Kunstverein. Noch ein paar Mal die Sehenswürdigkeiten abfotografieren, bevor, zurück in der Olgastraße, über die Ergebnisse diskutiert wird. Bevor es mit dem kreativen Schreiben weitergeht, bestellt Philipp Pizza für alle. Bei den Projektgruppentreffen, bei denen es meist um die Konzeption der App geht, sei jeder willkommen. Auch über weitere Kooperationen mit anderen Initiativen würde sich Philipp freuen: „Es ist schön, wenn man sich innerhalb von Stuttgart mit diesen Aktionen vernetzt.“

Mehr zur App „SNAPP“ und wie ihr Philipp kontaktieren könnt, unter https://www.jugendwerk24.de/snapp/ und auf der Facebook-Seite des Jugendwerks.

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Warum geht ihr nicht auf Demos?

Wenn unser Autor auf einer Demo unterwegs ist, fragt er sich oft: Wo sind eigentlich meine Freunde? Wer die Demokratie liebt, sollte sich seiner Meinung nach einmal mehr politisch beteiligen, als bei Wahlen ein Kreuzchen zu setzen.

Stuttgart – 1342 Demonstrationen zogen 2017 durch die Stadt, skandierten Forderungen durch Megafone, mit Plakaten, Bannern und Trillerpfeifen bewaffnet. Die große Mehrheit der Demonstrationen verläuft friedlich, ohne Gewalttaten und Verstöße gegen Auflagen. In Stuttgart demonstrieren Kurden, Türken, Legalisierungsfreunde, Bahnhofsgegner, Antifaschisten, Bildungsplangegner, Bildungsplanbefürworter, LGBTQ+ler, Kulturfreunde und Pflegekräfte.

Gründe, für etwas auf die Straße zu gehen, gibt es offenbar mehr als Tage im Jahr. Demonstrationen geben der Bevölkerung die Möglichkeit, sich politisch zu beteiligen – und das ganz unabhängig von Legislaturperioden.

Eine Demo kann nass, kalt, zäh und auch langweilig sein

Was ich sehe, wenn ich bei einem Protest unterwegs bin, sind leider oft nur Randgruppen, Minderheiten, persönlich Betroffene. Meine Freunde treffe ich nur sehr selten auf einer Demo. Viele würden wahrscheinlich mit „Nein“ antworten, wenn ich sie fragen würde, ob sie schon einmal auf einer Demo waren.

Der Aufwand, auf eine Demo zu gehen, ist mit dem am Wahlsonntag zu vergleichen, wenn auch etwas mehr Zeit in Anspruch genommen wird. Statt der halben Stunde, die man in die nächste Sporthalle oder Schule braucht, um den ausgefüllten Schein in die Wahlurne zu werfen, geht eine Demo meistens ein, zwei oder drei Stunden. Man steht sich die Füße in den Bauch, hört zu leise oder viel zu laute Reden mit pfeifendem Mikrofon und läuft durch Straßen, in denen andere gerade ihren Kaffee trinken oder ihr Bier kippen und das Leben genießen.

Demonstrieren kann wirklich anstrengend sein, kalt und nass, zäh und auch langweilig. Aber ein Protestzug mit ein paar hundert, vielleicht sogar tausend Teilnehmern zeigt Wirkung und wird gesehen von Presse und Politik.

Kein Grund, gegen irgendwas zu protestieren

„Mir geht es sehr gut!“, sollte jeder mal laut sagen, der diese Zeilen liest und noch nie auf einer Demonstration war. Die meisten im Südwesten haben kaum Gründe zu demonstrieren: Wer einen Job hat, eine Wohnung, ein Auto und genug Geld, um zweimal im Jahr in den Urlaub zu fahren, dem geht es, so würden wohl die meisten übereinstimmen, sehr gut. Wer sich keiner Minderheit zugehörig fühlt, eventuell weiß und sogar noch männlich ist, und das Glück hatte, eine Schule besuchen zu dürfen, kennt zumeist keine Benachteiligung, Unterdrückung, Verfolgung oder Existenzängste. Klar, kein Grund, gegen irgendwas zu protestieren – #blessed eben.

 

Testo von „Zugezogen Maskulin“ sagt dazu:
„What a time to be alive, ohne Seuchen, ohne Krieg,
Hundert Jahre Langeweile dank moderner Medizin.
Ohne Staat und Kollektiv, wie schlägt man da die Zeit tot?
Beisenherz, Dagi Bee, Snapchat, Psaiko.Dino.“

„Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

Klar, man kann Ideen auch Zuhause am Smartphone oder am Esstisch supporten. Doch sollte man nicht gerade den Hintern von der Couch erheben, Netflix, Bier und Kaffee mal stehen und liegen lassen, gerade wenn es um die Interessen anderer geht? Dazu gibt es ein schönes Zitat von dem evangelischen Theologen Martin Niemöller, der das Konzentrationslager Sachsenhausen überlebte:

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich nicht protestiert;
ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr,
der protestieren konnte.

Nicht nur Antifaschisten sollten gegen Faschisten demonstrieren

Wie sollen wir zeigen, dass wir mehr sind, wenn die Hälfte das Fitnessstudio, die Couch oder irgendwas dazwischen der Demo vorzieht? Dein Bier trinken kannst du auch auf der Demo, dich mit Freunden verabreden genauso. Es ist null peinlich, sich für was stark zu machen. Egal, ob es einen selbst betrifft, die Freunde oder jemanden, mit dem man überhaupt nichts zu tun hat. Nicht nur Frauen müssen für Frauenrechte demonstrieren, nicht nur Pfleger für bessere Arbeitsbedingungen, nicht nur Antifaschisten gegen Faschisten. Wer seine Demokratie liebt, der demonstriert. Steuern zahlen ist Pflicht, demonstrieren ist Recht. Und das sollte man wahrnehmen.

2000 Demonstranten sind weniger als ein Prozent der Stuttgarter

Wenn 2000 zur Demo für Vielfalt auf den Karlsplatz kommen, nachdem Rechte durch Chemnitz marschieren, dann ist das eine schöne Zahl. Rein statistisch hatten 99 Prozent der über 600.000 Stuttgarter aber besseres zu tun. „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf“, hatte es eine ältere Dame bei ebendieser Demo auf ihrem Plakat stehen. Wer erst dann demonstrieren geht, wenn es für einen selbst eng wird, ist dann vielleicht schon zu spät dran.

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Techno zwischen Maßkrug und Göckele

Beim 1. Stuttgart Electronic Wasen im Sonja-Merz-Zelt mischten sich am Dienstag Raver unter Trachtler. Gemeinsam feierte man zum Sound von Karotte und Lexy & K-Paul.

Eine Frage drängte sich seit der Ankündigung des 1. Stuttgart Electronic Wasen (SEW), der offiziellen SEMF-Preparty, auf: Wird Techno das Bierzelt aufwerten oder das Bierzelt die Musik abwerten? An einem Dienstagabend ist der Cannstatter Wasen nicht besonders voll, zwei Männer werfen einsam Bälle beim Pferderennen (Wer da wohl aufs Treppchen kommt?) Wilde Maus und Revolution drehen nur halbvolle Runden. Auch die Besucher, die rund um die Bierzelte stehen, sind maximal halbvoll. Keine Alkoholleichen, keine Taschendiebe, selbst die Antänzer haben heute frei.

„Dass die so abraven, finde ich echt gut!“

Im Sonja-Merz-Zelt haben gerade Marius Lehnert und Saschko ihr zweistündiges Warmup-Set beendet. Wie viele Wecker sich die DJs wohl stellen mussten, um rechtzeitig zu ihrem Gig um 17 Uhr im Zelt aufzulaufen? Marius wusste auch nicht, was ihn hier erwartet. „Dass die hier so abraven, finde ich echt gut“, sagt er, noch sichtlich mitgenommen von der Currywurst, dem halben Göckele und der Pommes, die er kurz vor dem Gig verspeist hatte. Zu Beginn seien vielleicht fünfzig Leute im Zelt gewesen. Um 19 Uhr ist die Tanzfläche, die eigens für den Abend vor der Bühne von Bierbänken und –tischen befreit wurde, voll mit Feierwütigen.

Keine Spur von der Maß Wodka-Bull

Trachten und Cluboutfits halten sich die Waage, wobei auch Kombinationen, wie etwa eine Lederhose und ein „There is a home for Techno“-Shirt vom Lehmann Club zu sehen sind. Auch Dirndl gepaart mit Fanny Pack oder Turnbeutel sind zwischen den Bänken unterwegs. Denkt man sich die weiß-rote Zeltdecke weg, erinnert an dem Abend nicht viel an ein Bierzelt.

Lichtshow und Bühnen-Setup schaffen ein echtes Festival-Feeling, die CO2-Kanonen helfen mit einem ohrenbetäubenden „Tssssssch“ auch den letzten Schlager-Fans, den nächste Drop nicht zu verpassen. Faust in die Luft, pfeifen, grölen, shuffeln. Die Leinwände links und rechts der Bühne sorgen für den Miniatur-Tomorrowland-Effekt: „Schau mal Hasi, wir zwei beim Tanzen mit zwei Maßkrügen in der Hand.“ Davon werden sie noch ihren Enkeln erzählen. Von dem Muskelkater am nächsten Tag wahrscheinlich auch. Denn wo Biertische dem Dancefloor Platz machen, fehlt natürlich auch eine Gelegenheit zum Abstellen der Krüge. Vom Getränkespecial Maß Wodka-Bull, das im Netz als Gerücht seine Runden drehte, fehlt leider jede Spur. Vielleicht auch besser so.

Techno im Bierzelt als musikalische Erziehung?

Was zum Glück ausbleibt, und das ist wirklich positiv, sind stupide Stadion-Gesänge (à la Seven Nation Army), die durchaus Einzug auf Festivals wie dem Tomorrowland erhalten haben. In gewisser Weise könne das ja auch eine Erziehung sein, meint Marius Lehnert: „Wir spielen ja durchaus krediblen Sound. Wenn Leute dann eine geile Zeit haben, setzen sie sich ja auch vielleicht mal mit der Musik auseinander.“ Das gilt für die Wasengänger, die keinen Bezug zu Techno haben. Der Großteil ist aber gezielt gekommen. Wo sonst kann man auch an einem Dienstagabend zu Acts wie Karotte und Lexy & K-Paul tanzen?

Kein Eintritt, aber trotzdem 20 Euro, bitte

Hin und weg sind die Besucher auch vom SEMF-Maskottchen Dundu, das im Zelt seine Runden dreht. Die Türsteher nehmen ihre Rolle als Dundu-Bodyguards zeitweise ein bisschen zu ernst, so dass einer der Securitys bei einem gewagten Sprung kopfüber neben eine Bierbank fliegt. Wer an einem Dienstagabend so viel Einsatz zeigt, der läuft am Wochenende zu Höchstform auf.

Einziger Wermutstropfen für einige Besucher, online wie offline: Groß wurde auf den Flyern und Plakaten mit „Eintritt frei“ geworben, ins Zelt kommt man am Dienstag aber nur, wenn man die 20 Euro Mindestverzehr an der Kasse am Eingang zahlt. So frei ist der Eintritt dann doch nicht. SEMF-Boss Deniz Keser sieht’s gelassen: „Wenn solche Künstler für so schmales Geld auf dem Wasen sind, was soll man da sagen?“ Den Abend sehe er als Zeichen dafür, dass elektronische Musik überall ihren Platz habe. „Die ist offen, wir können überall feiern, wo wir wollen“, meint er. Die Musik wertet die Party an diesem Abend im Bierzelt auf, da ist sich auch Marius Lehnert sicher. Wer kein großer Fan vom Bierzelt ist, wird aber auch beim Technoabend seine Schwierigkeiten haben, in Feierlaune zu kommen.

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„Schwanger oder dick?“ – RTL erntet Shitstorm

In Chris Talls neuer Show „Darf er das?“ testet der Komiker, „wie weit man heute gehen kann“. Auf Twitter und Facebook reagieren viele User erbost.

Stuttgart – Der Sender RTL hat offensichtlich kein allzu langes TV-Gedächtnis, sonst wäre die kommende Verfehlung vielleicht gar nicht möglich gewesen: Noch im Vorjahr hatte sich RTL selbst über eine niederländische TV-Show echauffiert, bei der Spielteilnehmer entscheiden sollten, ob eine auf einer drehenden Scheibe stehende Frau nun schwanger oder dick sei. Die Show wurde aufgrund großer Proteste abgesetzt und die diskutierte Szene in der Ausstrahlung am Samstagabend gestrichen.

Chris Tall will kein Blatt vor den Mund nehmen

Jetzt legt der junge Comedian Chris Tall, der seine Art Humor als selbstironisch beschreibt, bei RTL nach. In seiner sechsteiligen Show, die am Samstag erstmals ausgestrahlt wird, will Chris Tall kein Blatt vor den Mund nehmen und sagen, was sich die anderen nicht zu sagen trauen. Direkt aber auch selbstironisch wolle er ein für alle Mal klären, „wie weit man heutzutage gehen kann“.

„Schwanger oder dick?“

Dass Chris Tall, der mit bürgerlichem Namen Christopher Nast heißt, bei seiner neuen Show „Darf er das?“ womöglich weit über das Ziel hinausschießt, zeigen nun Fotos aus der Show, die vorab auf Twitter veröffentlicht wurden. Zu sehen sind darauf Chris Tall und zwei Gäste, die gemeinsam eine Frau begutachten, daneben ein Schild mit der Aufschrift „Schwanger oder dick?“. Ricarda Lang, Bundessprecherin der Grünen Jugend, greift RTL und die Sendung auf Twitter an: „Warum ich mich gegen Bodyshaming und Sexismus einsetze? Weil es fucking 2018 ist und bei @RTLde Typen raten, ob Frauen schwanger oder einfach nur zu fett sind.“

„Homo oder hetero?“

Auch ein weiterer Screenshot aus der Sendung sorgt auf Twitter für erhitzte Gemüter: Dort steht ein junger Mann auf dem Podest, daneben ein Schild „Homo oder Hetero?“.

Ein verharmlosendes „Darf er das?“

Klar, bisher ist nicht bekannt, wie der Comedian die Szenen humoristisch verarbeitet. Seit einigen Jahren geistert der 27-Jährige mit provokanten Witzen durchs Privatfernsehen. Und immer, wenn ein Witz droht, zu unanständig zu sein und zu weit zu gehen, kommt ein verharmlosenden „Darf er das?“ und die Zuschauer kichern.

Chris Tall macht Witze über Schwarze, Schwule, Rollstuhlfahrer und bezeichnet Frauen als Menschen mit Menstruationshintergrund. Sehr lustig. Wirklich tief in die entsprechenden Debatten steigt er aber nie ein und entspricht damit wohl auch dem Wunsch der RTL-Zielgruppe, die sich für Rassismus, Benachteiligung und die weibliche Menstruation am Samstagabend reichlich wenig interessiert.

Chris Tall reagiert persönlich

Auf der Facebook-Seite Almans drehen durch, die das „Schwanger oder dick“-Thema ebenfalls aufgreift, reagierte Chris Tall übrigens persönlich auf die Anschuldigungen und Beschimpfungen:

Ein oberflächliches Abtasten von Stereotypen und Klischees

Wie sehr das Vorurteils-Quiz, wie er es selbst nennt, über Vorurteile aufklärt oder sie nur kurz aufgreift, bleibt zu erwarten. Ein oberflächliches Abtasten der Stereotype und Klischees, die über Frauen und Schwule, Rollstuhlfahrer und Schwarze, bestehen, wird das RTL-Publikum kaum aufwecken oder gar aufklären. Eigentlich wartet ja sowieso jeder nur auf den grenzwertigen Witz über eine Randgruppe, der dann mit einem „Darf er das?“ wieder relativiert wird. So geht billiger Humor.

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Neu: TinTin Bar an der Neuen Weinsteige

Stuttgart hat eine neue Bar: das TinTin an der Neuen Weinsteige. Wir haben uns für euch umgesehen.

Stuttgart – Nach gut acht Monaten Baustelle hat am Mittwochabend ohne großes Tamtam die TinTin Bar an der neuen Weinsteige eröffnet. Mehrere Restaurants hatten in den vergangenen Jahren in dem unscheinbaren Altbau ihr Glück versucht, zuletzt ein Lokal mit rumänischer Küche. Richtig lang hielt keiner der Läden durch. Nun stehen Konstantin Kuld (32), Jonas Hald (29) und Benji Stroheker (32) in den Startlöchern.

Bitte klingeln

Wer in die neue TinTin Bar möchte, muss draußen erst einmal klingeln. Die weiße Tür verrät nicht viel von dem, was dahinter auf einen wartet. Nur ein Zitat aus einem Notorious B.I.G. Track gibt einen Hinweis darauf, dass der Tresen eine große Rolle spielen wird. Nach wenigen Augenblicken öffnet Benji die Türe mit einem freundlichen „Hallo“, schüttelt Hände und kümmert sich um Jacken und Mäntel der Besucher.

Platz für 50 Gäste

Der Innenraum überrascht: die Bar in dunklem Holz zieht sich mit 26 Barstühlen halbrund durch den Raum; drei weitere Tische und eine Sitznische hinter der Bar bieten Platz für insgesamt 50 Gäste. Benji ist der Gastgeber und für den Service verantwortlich. „So kann jeder begrüßt werden und läuft nicht blind in den Raum rein“, sagt Jonas. Zudem werden die Gäste platziert, wie es auch im Restaurant üblich ist. Jonas ist der Barchef, Konstantin kümmert sich um die Happen. Weitere Mitarbeiter gibt es nicht, die drei wollen den Betrieb erst einmal alleine stemmen.

Durch Rückschläge immer stärker zusammengewachsen

Ursprünglich hatten die drei mit Investitionen von 360.000 Euro gerechnet, Stand letzte Woche seien es 720.000. „Das der Bank zu erklären, war ein Kampf“, sagt Benji. Es habe immer neue Rückschläge für die Jungs gegeben, von der Lüftungsanlage, über eine fehlerhafte Abzugshaube in der Küche bis hin zum Schallschutz nach unten und oben. Bei den Vormietern habe es immer wieder Ärger wegen der Lautstärke gegeben, erklärt Benji. Das wollen die drei nun verhindern. Durch die Rückschläge seien sie immer stärker zusammengewachsen und bilden nun ein verlässliches Team.

Jeder soll den Raum selbst erleben

Fotos aus dem Innenraum möchten die drei zunächst nicht veröffentlichen, das soll erst nach und nach passieren. „Jeder soll den Ort selbst erleben“, sagt Benji. Von Gästen gemachte Fotos auf Instagram werden die drei aber kaum vermeiden können. Recht dunkel ist es im Innern, Glühbirnen erhellen paarweise von Decke und Wänden aus den Raum. Die filigranen Barstühle sind mit einem dezenten Türkis bezogen, die Ledersofas an den Tischen mit einem dunklen Orangeton. Die Fenster wurden von innen komplett verkleidet, Tageslicht gibt es in der Bar nicht.

Ein Séparée bietet Platz für weitere acht Personen, geraucht werden darf im kleinen abgetrennten Raucherraum.

Aufwendige Drinks und eine kleine Kochniesche

Die Bar ist ein Versteck für geschmackvolle Drinks. „Wie ein original Speakeasy“, merkt Jonas an, „das war so gewollt“. Die Karte bietet Drinks der „Alten Schule“, „Neuen Schule“, Champagner, Wein und Bier. Empfehlung des Hauses ist etwa ein „Alamagoozlum“, ein Drick mit Angostura Bitters, Rum, Chartreuse, Curacao und Eiweiß. In der kleinen Kochniesche zaubert Konstantin Tacos mit Kabeljau und griechischem Joghurt oder einen Schweinebauch im runden Bun Bao mit Hoisin-Soße und Gurke. Für die Karte hätten die drei Ewigkeiten gebraucht, jetzt seien sie aber zufrieden.

Eine große Eröffnungsfeier ist nicht geplant, die Bar soll langsam anlaufen. „Dadurch wird es schon populärer“, erklärt Konstantin. Es bringe außerdem nichts, wenn auf einmal 200 Leute vor der Tür stünden und sie zwei Drittel davon wieder wegschicken müssten. Willkommen sei aber jeder, Vorgaben wie einen Dresscode wollen die Jungs keine machen.

5 Fragen an Konstantin:

Wie kamt ihr zu dem Namen TinTin?

Wir haben uns überlegt, was muss der Name sein? Wir wollten, dass er einprägsam ist, dass man ihn nicht die ganze Zeit verdrehen kannt. Der heißt so, wie er heißt. Irgendwann ist unser Blick auf den zweiteiligen Metallshaker gefallen. Dann war es ziemlich schnell passiert.

Dein Lieblingsdrink auf der Karte?

Das ist der St. Charles Punch, mit Port, Cognac, Zitrone und Ingwer. Der ist süffig, aber keine klassische Spirituose. Zum Einstieg klasse, weil er viel Frucht hat und viel Süße. Dazu gibt’s getrocknete Himbeeren.

Die größte Hürde, die die TinTin Bar nehmen musste?

Zu erklären, dass es Sinn macht, so eine Art von Gastronomie zu machen. Dass es Sinn macht, mit allem Vollgas zu fahren.

Dein Lieblingsplatz in der Bar?

Es gibt viele gute Plätze, mein Lieblingsplatz ist aber immer hinter der Bar.

Dein größter Wunsch zur TinTin-Eröffnung?

Dass die Leute es geil finden.

TinTin Bar
Neue Weinsteige 8
Mittwoch: 18 bis 1 Uhr
Donnerstag: 18 bis 2 Uhr
Freitag und Samstag: 18 bis 3 Uhr
Sonntag: 18 bis 0 Uhr

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