Single-Kolumne: Bitte bleib verletzlich!

Was tun nach einem Heartbreak? Mauern hochziehen? Die Selbstzweifel in Zynismus und Wein ertränken? Nie wieder daten – und erst recht nicht verlieben! Unsere Autorin plädiert: Scheiß drauf, bitte bleib verletzlich!

Stuttgart – Wir sitzen auf einer kleinen Bank an der Straße, dort wo sich eine Gang von Wespen auf die Überreste Kaktuseis stürzt – jeder weiß, das obere Stück ist das beste. Lars hat das Rauchen wieder angefangen. Wie in einem Echt-Song. Nur, dass er Liebe in sich trägt, Lina aber nicht. „Lina ist sozusagen das Eis und ich bin nur einer von ihnen“, sagt Lars und zeigt mit der Zigarette auf das Wespen-Battle neben uns. „Ganz ehrlich, hab‘ eh keinen Bock mehr auf Eis, (Lina) und Sommer generell.“ Stille. „Es ist Juni“, sage ich dann und meine damit: Nein Lars, dein Zynismus wird dir nicht den Sommer stehlen! Not today satan, not today!

Zynismus ist Selbstschutz

Natürlich kann Lars Wein trinken, wenn er Wein trinken will. Er soll auch feiern gehen, Lina blockieren, Lina betrunken Texte schicken, eine Reise machen, sich zu Hause einsperren, leiden, heulen, wütend sein, andere Frauen treffen, 80er Jahre Lovesongs hören oder Daniel Aminati-Videos schauen.

Ja, sogar zynische Vergleiche sind okay. Solange er akzeptiert, dass es wehtun darf, dass es menschlich ist, verletzlich zu sein – und Zynismus im Grunde nicht mehr ist als Selbstschutz.

Denn sind wir mal ehrlich: Heartbreaks tun weh, daran wird sich wohl nie etwas ändern. Manche Menschen treten in unser Leben und verschwinden wieder – die einen eben schneller als die anderen, mit Mic Drop oder ohne.

Kann uns Zynismus wirklich davor bewahren? Nein. Und wer etwas anderes behauptet, verarscht sich damit selbst.

Stay soft – bleib verletzlich

Wok-Vergleiche, Single-Memes, Fake Tinder-Profile: Bitter zu sein ist nicht die Lösung. Aber es hilft dabei, über etwas oder jemanden hinwegzukommen. Wichtig ist nur, zu erkennen, dass es niemanden davor schützt, verletzlich zu sein.

Denn auch wenn es nicht jeder gerne zugibt: Menschen sind nun mal so. Das haben wir alle gemein – und vielleicht ist es genau das, was uns am Ende auch näher zusammenbringt.

Jetzt ist August. Und was macht Lars? Der ist im Urlaub – in Italien, mit den Jungs. Er schreibt mir eine Nachricht: „Echt schön hier, ich genieße den Sommer. Klar, Lina fehlt mir, aber es wird besser – und der Aperol schmeckt mittlerweile auch ohne sie ganz gut. PS. War zwar nicht geplant, aber hab da vielleicht wen kennengelernt…“

Sei wie Lars, bitte bleib verletzlich.

Foto: Unsplash/Freestocks.org

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Gute-Nacht-Geschichte: Amaru Family und Streichelzoo

Die Amaru Family ist ein Kollektiv, das für Open-Airs in Off-Locations bekannt und seit 2015 eng mit der Veranstaltungsreihe Streichelzoo verschmolzen ist. Am Wochenende feiert diese in der Romantica Vierjähriges. Für uns hat Resident Danny Salas in die Anekdoten-Kiste gegriffen.

Stuttgart – „Wir wollten damals eine neue Veranstaltungsreihe starten mit Indigo-Touch.“ Entstanden ist daraus die Amaru Family mit dem „Weekend Warrior“ als Logo. Als Hip-Hop-Formation Benztown Stars startete man erste Techno-Partys, später die Amaru-Open-Airs. Alles begann vor fünf Jahren mit Homie Daniel Zaiß, damals im Café Faust. 2015 ist Marius Weitzer „Moers“ mit seinem „Streichelzoo“ dazugestoßen. Seitdem macht man gemeinsame Sache. „Im Endeffekt sind wir eine Familie. Amaru steht eher für Open-Airs und Off-Locations. Der Streichelzoo bewegt sich im Clubkontext“, erklärt Danny.

Amaru Family und Streichelzoo feiern Geburtstag

Egal ob Open-Airs im Café Faust, in Wangen oder auf dem Containt-Gelände: Dem Kollektiv war es schon damals wichtig, mehr als „nur Raves“ zu bieten. Sie integrierten nachhaltige Konzepte, viel Kunst und Graffiti – unter anderem von Kumpel David Braschler. „Wir hatten den Anspruch, nicht nur Party zu machen. Es sollte einen Mehrwert geben“, so Danny.

Auch wenn das letzte Open-Air schon eine Weile zurückliegt, hat man im Hause Amaru in diesem Jahr einiges zu feiern: Im Mai gab’s das Fünfjährige der Family und nun steht der Geburtstag vom Streichelzoo in der Romantica ins Haus. Zeit, um noch einmal in Erinnerungen zu schwelgen und einige, fast schon vergessene, Storys ans Licht zu bringen.

Dancing in the rain

Bei unserem ersten Open-Air im Café Faust hat es in den letzten zwei Stunden einen heftigen Schauer gegeben. Die Tanzfläche war binnen Minuten leergefegt, das Equipment fast abgesoffen. Aber wir haben einfach weitergemacht. Irgendwann haben die Leute dann ihre Schuhe ausgezogen und im Regen getanzt. Das war ein großartiges Bild.

Open Air „on fire“

2016 liefen unsere Open-Airs schon viel professioneller ab. Wir durften zum ersten Mal auch am Samstag und über Nacht am Café Faust feiern. Es war ein riesiger Aufwand – unser Orgateam bestand bestimmt aus 20 Menschen, die halfen alles aufzubauen. So gegen 15 Uhr, als alles soweit ready to go war, ging plötzlich der Alarm in der Uni los. Mirko, der Besitzer, kam aus dem Café Faust gerannt und hat hektisch gerufen: „Wer hat den Feueralarm ausgelöst?“ Er dachte halt, dass einer von uns im Gebäude geraucht hat. Dann kamen auch schon Feuerwehr, Polizei und der Krankenwagen angefahren – das war mega der Stress. Am Ende hat sich herausgestellt, dass die Bauarbeiter im Gebäude hinter uns den Feueralarm ausgelöst, weil sie ausversehen eine Leitung durchgeschnitten haben. Zum Glück war keine Evakuierung nötig und wir konnten um 16 Uhr ganz nach Plan unsere Pforten öffnen.

LKW-Gate

Bei einem unserer Open-Airs in Wangen gab es einen Fehler bei der Autovermietung. Ich darf mit meinem Führerschein eigentlich nur mit einem großen Sprinter fahren, doch man hat uns einen LKW gegeben. Wir dachten uns nicht viel dabei, haben das ganze Equipment eingeladen, Kühlschrank und Co. und wurden dann in Zuffenhausen mitten am Tag rausgezogen. An diesem Tag wurden wohl verstärkt LKWs kontrolliert. Jedenfalls wollten die Polizisten von uns alle Papiere und meinten dann, dass ich damit eigentlich nicht fahren darf. Da unsere Veranstaltung abends stattgefunden hat und wir so ziemlich alles in der Karre hatten, habe ich den Polizisten dann ganz dramatisch unsere Lage geschildert. Ich meinte, dass sie meine Existenz zerstören, wenn sie das Auto einziehen. Am Ende waren sie echt cool und haben uns weiterfahren lassen – ging ja auch um einiges. (lacht)

Ein Spielplatz für Erwachsene

An den Containern hatten wir immer mal wieder Sand auf den Veranstaltungen. Irgendwann am frühen Morgen saßen wir dann alle da und haben wie damals im Sandkasten gespielt. Das ist einfach schön mit anzusehen, wie Partys zum Spielplatz für Erwachsene werden und sie wieder das Kind in sich entdecken.

Kesselliebe

Bei einer unserer Amaru-Partys im White Noise war ein DJ aus dem Berliner Club Sisyphos zu Gast. Dem hat es in Stuttgart dann so gut gefallen, dass er seinen Gig auf dem Garbicz abgesagt und den Flug „aus Versehen“ verpasst hat. Er ist dann bis Montagnachmittag geblieben – wir waren sogar auf dem Fernsehturm. Richtiges Kulturprogramm also. (lacht)

Hot in there

Die erste Streichelzoo-Party in der Romantica war mitten im Sommer. Damals gab es dort noch keine Klimaanlage oder Ventilatoren. Es war echt richtig voll und der Schweiß tropfte von der Decke. Moers und ich standen am Pult oben ohne, weil es so heiß war. Dann ist er auf die Idee gekommen, zwei Stehventilatoren von zu Hause zu holen, weil er nur ein paar Meter weiter gewohnt hat. Am Ende standen die links und rechts auf dem Pult. Man hat richtig gemerkt, wie die Menschen mit dem kleinen Windzug getanzt sind.

Am Samstag, den 9. August, findet in der Romantica übrigens die bereits 49. Streichelzoo-Party statt. Gefeiert wird natürlich mit dem Sound der Stammbesetzung – den Streichelzoo-Allstars: Danny Salas, Moers und Zamal. Hier geht’s zur Veranstaltung >>>.

Fotos: Amaru Family

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Junges Start-up hilft Gastronomen beim Strom sparen

Mit dem Start-up Koena Tec wollen drei junge Gründer eine Bewegung im Kessel starten: Ihr Ziel ist es, im Jahr 100 000 Kilowattstunden Strom in der Stuttgarter Gastronomiebranche einzusparen.

Stuttgart – Manuel Armbruster, Pirmin Boch und Malcolm Yadack verbindet der gemeinsame Energie-Background. Manuel und Pirmin studierten Bauphysik an der Hochschule für Technik in Stuttgart. Ein gemeinsames Projekt zum Strommarkt brachte sie mit Malcolm zusammen, der damals noch für die Tübinger Stadtwerke arbeitete. So entstand auch die Idee zum Start-up Koena Tec. Es zeigte sich, dass vor allem Gastrobetriebe enorm hohe Energiekosten haben – unter anderem durch die Geräte, die in Restaurants, Bars und Co. in Verwendung sind. Ein Thema, dem sich die drei Gründer nun in ihrem noch sehr jungen Start-up widmen wollen.

Start-up hilft Stuttgarter Gastronomiebetriebe energieeffizienter zu machen

Für Gastronomen ist es schwierig einzuschätzen, welche ihrer Geräte wahre Stromfresser sind und wie man diese effizient einsetzt. Deshalb haben die Jungs eine Messweise entwickelt, mit der genau diese Daten gesammelt und später ausgewertet werden können.

„Das ist eine Art Modul, welches man zwischen Steckdose und Gerät steckt. So können wir den Stromverbrauch sowie die Zeiten, in denen das Gerät auch wirklich genutzt wird, messen.“ Ziel ist es, herauszufinden, wann auf das entsprechende Gerät verzichtet werden kann. „Wir wollen dazu beitragen, dass Gastronomiebetriebe energieeffizienter werden“, erklärt Manuel. So, dass Stuttgarter Betreiber dabei einsparen – laut belegtem Mittelwert sogar 20 Prozent der Gesamtkosten.

„Natürlich kommt es auch immer darauf an, welche Art von Gastronomie es ist. Ob es sich um eine Bar mit Tagesbetrieb handelt oder ein Restaurant, das erst ab 17 Uhr öffnet.“

Zusammenarbeit mit Kaffeemaschinen-Herstellern

Früh wird klar: Ohne die passenden Geräte, ist das in der Realität schwer umzusetzen. „Es gibt zwar andere klassische Energiemanagement-Systeme, aber die eignen sich nicht dafür oder sind viel zu teuer, so Manuel.

Deshalb arbeitet Koena Tec nun mit speziellen Geräteherstellern zusammen. „Wir lernen also zunächst, wie der Betrieb funktioniert, um anschließend direkt die Umsetzung anzubieten – nämlich Geräte, die angepasst an den jeweiligen Betrieb, den Verbrauch managen.“

Da das Start-up noch am Anfang steht, ist es für Manuel, Pirmin und Malcolm zunächst wichtig, einen Fokus zu setzen – und mit der Kaffeemaschine haben sie sich für das Gerät entschieden, das am meisten genutzt wird und viel Energie zieht.

„Wir starten jetzt mit einem Kaffeemaschinen-Hersteller, wollen in Zukunft aber unsere Geräteauswahl erweitern.“

Besonders wichtig sei ihnen, den Gastronomiebetrieb nicht einzuschränken: „Es macht keinen Sinn, Empfehlungen zu geben, die sich nicht umsetzen lassen. Ein Café kann und soll nicht auf die Kaffeemaschine verzichten müssen, nur um Strom zu sparen.“

Mit Gastronomen Stuttgart nachhaltiger machen

Auch wenn alle drei keine gebürtigen Stuttgarter sind, ist der Kessel die Heimat des Start-ups. Momentan begrenzen sie dessen Aufbau lokal: Mit dem Büro im Steyg-Office, einem Start-up-Hub in der Nähe vom Hauptbahnhof, haben die Gründer ein kreatives Umfeld und Netzwerk gefunden. „Das Start-up-Ökosystem dort bringt uns wirklich viel.“

In der Stuttgarter Gastro-Szene müssen sie dafür mit ihrer Idee von Tür zu Tür wandern: „Gerade gehen wir wirklich aktiv auf Stuttgarter Gastronomen zu.“ Mit Markus Philipp und Paul Benjamin Scheibe vom Tatti hat Koena Tec bereits zwei wichtige Supporter gefunden.

Nachhaltigkeit wird in Stuttgart ein immer wichtigeres Thema. Es gibt Unverpackt Läden, Menschen kaufen immer häufiger regional ein und fahren Fahrrad:

„Jetzt ist es an der Zeit, die Gastro-Szene gemeinsam energieeffizienter zu machen.“

Mehr Infos findet ihr hier >>>.

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Die besten Tipps zum Wochenende

Konzerte, Open-Airs, Ausstellungen, Socken, Hang-outs am Nachmittag und mehr als eine Afterhour: Wir haben wieder einige Tipps fürs Wochenende in Stuttgart zusammengefasst.

Stuttgart – Das Wochenende steht vor der Tür und der Kessel ist auf eine angenehme Sommer-Temperatur abgekühlt. Das ist auch gut so, denn in den nächsten Tagen wird euch nicht nur auf der Tanzfläche eingeheizt. Egal ob auf dem Sommerfest, dem Klinke-Festival oder Samstag- und Sonntagmorgen zur Afterhour – ausgelassen feiern könnt ihr überall. Die ein oder andere Schorle darf da natürlich nicht fehlen.

Die besten Tipps zum Wochenende

Am Wochenende wird getanzt – in Clubs, Bars, auf Konzerten, der Afterhour und Open-Airs. Auch Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle und für alle Radler unter euch gilt: Ein Leben mit Socken ist besser als eins ohne.

Doch noch einmal von vorne: Die besten Tipps zum Ende der Woche haben wir für euch in eine Liste gepackt.

Foto: Librestock

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Die besten Neueröffnungen im Juli

Der Juli neigt sich dem Ende zu: Zeit für uns mal abzuchecken, welche Neueröffnungen in diesem Monat in Stuttgart dazugekommen sind.

Stuttgart – Auch im Juli gab es die ein oder andere Neueröffnung im Kessel: Keramik aus Portugal, News aus dem Künstlerhaus, Natur Wein, Stuttgart am Meer, Thai-Food und Co. Welche Spots es also im Sommer noch zu erkunden gibt, haben wir wie immer für euch zusammengefasst.

Neueröffnungen in Stuttgart

Die Stuttgarter lieben ihre Neueröffnungen. Das bringt Bewegung in den heißen Kessel und manch neuer Spot lässt unser beschauliches Stuttgart dann doch „urbaner“ wirken. Einen Überblick gibt’s hier:

Foto: Facebook / Im Künstlerhaus

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12 Tipps fürs Wochenende in Stuttgart

Nach einer heißen Woche im Kessel ist jetzt das Wochenende dran euch einzuheizen. Egal ob CSD-Parade, Banksy, Kunscht, auf der Tanzfläche, dem Rad oder bei Live-Musik: Wir haben wieder einige Tipps parat!

Stuttgart – Es ist Freitag, Bock auf einen Drink zur Afterwork? Am besten mit Stadtrauschen im Hintergrund oder bei dem Weekend Warm-up in der Staatsgalerie. Der Stress der Woche lässt sich wegtanzen – oder abradeln. Und wer es ruhig angehen möchte, genießt das Dolce-Vita-Feeling im Kessel mit Italian Vibes.

Wochenende in Stuttgart: Banksy, CSD und Kunscht

Egal ob Genießer, Musikliebhaber, Sneakerhead oder kunstinteressiert: Auch an diesem Wochenende gibt es einige Gründe zum Feiern – und damit meinen wir nicht nur den CSD. Was sonst so in Stuttgart abgeht, erfahrt ihr in unseren Tipps.

Foto: Unsplash / Samantha Gades

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Flohmarkt- und Secondhand-Tipps für Stuttgart

Kleidertauschpartys, Vinyl- und Flohmarkt: Wir haben die aktuellsten Flohmarkt-Tipps für euch zusammengefasst.

Stuttgart – Mode gebraucht zu kaufen ist in: Egal, ob in Secondhand-Läden, Facebook-Gruppen, auf Flohmärkten oder Online-Plattformen wie Kleiderkreisel, Ebay und Co. Der Nachhaltigkeitsgedanke nimmt einen immer wichtigeren Platz im Alltag der Menschen ein — das spiegelt sich auch in der Garderobe wieder: Statt neuen Trends zu folgen und in großen Ketten zu shoppen, hinterfragen wir nicht nur die Herkunft oder Herstellung von Kleidung, sondern auch die Masse. Es muss nicht immer neu sein, deshalb wird immer mehr Secondhand ge- und verkauft.

Secondhand-Tipps: Gebraucht kaufen und verkaufen in Stuttgart

Der große Vorteil von lokalen Secondhand-Läden? Man spart sich — und der Umwelt — den Versand. Außerdem macht Stöbern und Anprobieren vor Ort viel mehr Spaß und minimiert die Fehlkäufe, also meistens. Wir haben einige Tipps zum Secondhand-Shoppen in Stuttgart für euch zusammengefasst.

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Single-Kolumne: Nichts erlebt? Schön, behalte es für dich!

Am Wochenende mal nichts erlebt? Auch schön, aber behalte es doch bitte für dich! Unsere Autorin feiert ihre zurückgewonnene Leichtigkeit und genießt das Zuhause bleiben auch ohne Instagram-Post. Sie sagt: „Ein Abend für mich ist kein Social Event!“

Stuttgart – Samstagabend, eine laue Sommernacht. Ich trage keine Hose – weil keine Hose, keine Probleme – sitze auf dem Sims meines weitgeöffneten Doppelfensters, rauche eine Zigarette, puste den Rauch in das dunkle Warm hinaus und höre zum ersten Mal bewusst das neue Album meiner Lieblingsband. What a time to be alive! Wirklich jetzt, ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal so frei gefühlt habe, so bei mir war.

Holt euch die Leichtigkeit zurück

Vielleicht ist das auch eine Art Date mit mir selbst – nur eben ohne Druck, das Haus dafür verlassen zu müssen. „Im Sommer?!“ Ja man!

Denn gerade wenn es warm ist, das Leben plötzlich nach außen verlagert wird und man gefühlt an jeder Ecke (Stuttgarts) ein zustimmendes Nicken oder „Hiiiii“ verteilt, tut es gut, auch mal alleine zu sein. Zumindest geht es mir so. Freunde verstehen sowas, die große Liebe kann an diesem Abend kurz warten und der Rest, ja, dem ist’s eh relativ egal, glaubt mir.

Um diese „sozialen Auszeiten“ auch als solche genießen zu können, benötigt es Leichtigkeit – und die gilt es zunächst wieder für sich zu entdecken. Sozusagen zurückholen, was schon immer einem selbst gehörte. Dafür müssen wir etwas tiefer in uns graben – und vor allem das scheiß Smartphone endlich aus den Händen legen!

Schluss mit der Selbstsabotage!

Der häufig mit der Generation Y verbundene Begriff „Fomo“ (Fear of missing out), also die Angst etwas zu verpassen, bekommt in den sozialen Medien seit einiger Zeit starke Konkurrenz. Der Gegenpart, „Jomo“ (Joy of missing out), wurde im vergangenen Jahr zum Social Media-Trend ernannt. In Zeiten von Netflix, HBO und Amazon Prime auch nicht wirklich überraschend.

Zuhause bleiben ist „in“ und auf Instagram kann jeder dabei zuschauen. Zeit für sich nehmen, aber bloß nicht allein dabei sein.

Wie paradox ist es, dass wir bei dem Versuch abzuschalten, das Gefühl haben, andere via Instagram daran teilhaben lassen zu müssen. Wir kündigen unseren Digital Detox auf digitalen Plattformen an, posten unsere „Fortschritte“ und später noch ein Fazit zur vorangegangenen Abstinenz. Ich sage: Schluss mit der Selbstsabotage!

Zuhause bleiben ist kein Social-Event

Ein Abend für mich ist kein Social-Event. Ein Abend für mich, das ist in kurzen Hosen am Fenster sitzen, rauchen, Musik hören und meine Pizza auf dem T-Shirt zu verteilen. Ohne sich schlecht zu fühlen, ohne Druck – und vor allem ohne Livestream.

Über die Autorin

Unsere Autorin schreibt über das Single-Leben, den Alltag, die Liebe, keine Liebe und trinkt dabei viel lieber Schorle als Schnaps. Ihre Geschichten liegen auf den Straßen, fahren in Stuttgarts U-Bahnen, posten Instagram-Storys oder blockieren dich auf Tinder. Irgendwo zwischen Suchen und Finden – aber immer ganz nah dran (durchzudrehen).

Foto: Unsplash/ Eli DeFaria

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