Das Tampon-Buch trickst Tampon-Steuer aus

In Deutschland werden Tampons und Binden zu den Luxusartikeln gezählt und somit höher besteuert als Champagner, Kaviar oder Trüffel. Mit einem Trick, nämlich dem Tampon-Buch, senken die Macherinnen von The Female Company nicht nur den Steuersatz von Tampons, sondern setzen damit auch ein politisches Statement.

Stuttgart –  PMS, Krämpfe, Übelkeit, hormonelle Schwankungen: Klingt jetzt nicht gerade nach einem Urlaub auf den Malediven. Ist es auch nicht, denn die Menstruation fühlt sich alles andere als luxuriös an. Und doch werden hierzulande Hygieneartikel wie Tampons und Binden mit knapp 19 Prozent besteuert. Klopapier übrigens auch, allerdings ist das ein Produkt, welches nicht nur menstruierende Menschen benutzen.

Ein Tampon-Buch gegen die Luxusbesteuerung von Tampons

Durch weltweite Protesten konnten Aktivistinnen bereits in Ländern wie Irland, Kanada und Kenia das Ziel einer Steuerermäßigung durchsetzen. Erst kürzlich haben auch Luxemburg und Australien mit einer Steuersenkung auf bis zu 0 Prozent reagiert, während Deutschland sogar noch hinter Russland und China steht. Das wollen die Mädels vom Stuttgarter Start-up The Female Company nicht auf uns Frauen sitzen lassen.

Ihre Antwort: Ein Buch mit ihren Bio-Tampons – das Tampon-Buch. Denn Bücher werden in Deutschland mit nur sieben Prozent besteuert.

Seit der Veröffentlichung am Mittwoch überschlagen sich die Reaktionen im Netz regelrecht. Kein Wunder. Auf 46 Seiten werden spannende Geschichten rund um die Menstruation erzählt – illustriert von Künstlerin Ana Curbelo, liebevoll getextet und natürlich auf Ökopapier gedruckt mit Unterstützung von Scholz & Friends Berlin

Damit richten sich Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier nicht nur an die Politik, sondern supporten gleichzeitig auch die Petition von Nanna-Josephine Roloff und Yasemin Kotra „Die Periode ist kein Luxus – senken Sie die Tamponsteuer!“ auf change.org.

Die Reduzierung der Tampon-Steuer ist auch in Deutschland nötig

Das Buch verschickten die Female Company-Girls an 100 Politiker und Politikerinnen und versicherten unter anderem dem Finanzminister Olaf Scholz, dass sie als Bio-Tampon-Unternehmen die Senkung der Tampon-Steuer direkt an ihre Kunden weitergeben wollen.

„Nun hoffen wir auf mediale Aufmerksamkeit und Unternehmen, die mit uns gleichziehen, um zu beweisen, dass die Reduktion der Tampon-Steuer möglich ist“, so Ann-Sophie Claus.

Und der nächste Big Step steht bereits in den Startlöchern: Bald findet man die Bio-Tampons von The Female Company nämlich auch im dm-Regal – läuft bei ihnen.

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Wow!!! 😱😍 Wir möchten euch für die wahnsinnig tollen Reaktionen danken!! _____________________ Wir wurden heute vielfach gefragt, welche Intention hinter dem Tampon Book 📕steckt. Versteht uns nicht falsch: Wir finden's mega, dass ihr durch die Aktion unverdiente Steuern spart! Es steckt jedoch mehr dahinter: _____________________ Wir unterstützen Nanna und Yasemin mit ihrer Petition bei @change.org schon seit knapp einem Jahr. Die Powerfrauen haben mittlerweile hammermäßige 137.000 Unterschriften gegen die Tampon-Steuer gesammelt!!! 💪🔥 Fakt ist aber: Bisher ist NICHTS passiert. _____________________ In anderen Ländern sieht es so aus: - In Kanada wurde die Tampon-Steuer nach 74.000 Unterschriften vollständig aufgehoben! - 100.000 Unterschriften in Australien führten zumindest zu einer Überprüfung der Steuer im Senat. 2018 wurde die Tampon-Steuer auch hier vollständig abgeschafft. _____________________ Es gibt in Deutschland nur ein Gegenargument, das aus dem Ministerium von Olaf Scholz (SPD) stammt. Dort heißt es laut @bento_de: "Der ermäßigte Steuersatz sei ohnehin kein geeignetes Mittel, eine dauerhafte Entlastung der Betroffenen zu erreichen. Es könne nicht sichergestellt werden, dass Unternehmen den geringeren Steuersatz tatsächlich weitergäben." _____________________ Und genau da setzen wir an: Wir möchten mit The Female Company dem einzig übrigen Argument gegen die Steuersenkung einen Strich durch die Rechnung machen. Deswegen versprechen wir, dass wir als Unternehmen bei einer Steuersenkung unsere Preise OHNE Abzüge für die Kundin senken werden! _____________________ Wir sind gespannt, ob sich Olaf Scholz & Co. zur Sache äußern werden. Um sicher zu gehen, haben wir an 100 Politiker*innen unser Buch geschickt. Wir halten euch bezüglich potenzieller Reaktionen auf dem laufenden (hihi). Macht mit: Verlinkt euren (Lieblings-)Politiker unter diesem Beitrag. Oder ruft mal im Bundestag an 😉 #tamponbooks #tampontax #stoptaxingperiods #period #biotampons #thetamponbooks #savetax #menstruationmatters @franziska.brantner @dorobaer @nicola_beer @kathaschulze @silvia_breher @strackzimmermann @juliakloeckner @christianlindner @baus

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Mehr Empathie: Aus den Reaktionen zu Notre-Dame lernen

Montagabend stand die Pariser Kathedrale Notre-Dame plötzlich in Flammen. Bilder, die weltweit betroffen machten. Gleichzeitig entfachte eine Online-Diskussion darüber, welche Art von Anteilnahme eigentlich angemessen ist. Was wir aus den Reaktionen über Empathie lernen können.

Stuttgart – „Ein Symbol europäischer Kultur in Flammen“ – die Bilder vom brennenden Dachstuhl der Kathedrale Notre-Dame lösten weltweite Bestürzung aus.  Zu viel Bestürzung? Verletzt wurde niemand. Die genaue Brandursache ist noch unklar, man geht jedoch von einem Unglück aus. Ein Unglück, das im Internet für verschiedene Reaktionen sorgte. Betroffenheit, Spott über die Betroffenheit, Kritik zur Betroffenheit, Betroffenheit über die Reaktionen zur Betroffenheit, Facebook-Titelbilder und auch den ein oder anderen Mittelfinger für spontane Spenden in Millionenhöhe.

Die Angst vor dem Verschwinden

Schon wenige Minuten nach der Eilmeldung füllten sich Instagram-Feed und Stories mit Fotos von dem Pariser Wahrzeichen. Von der Kleinfamilie über Fashion-Blogger, die vor Notre-Dame posieren, bis hin zu kunstgeschichtlichen Facts war so ziemlich alles dabei.

Und natürlich ließen auch die ersten kritischen Kommentare nicht lange auf sich warten: „Damit bekommt man den Brand jetzt auch nicht gelöscht.“ Das stimmt schon, mit dieser Aussage jedoch auch nicht.

Im ersten Moment ist es eben genau das, was man auf derartigen Plattformen so macht: Nämlich persönliche Erinnerungen und Gedanken mit anderen zu teilen. Nennt es unnötig, nicht hilfreich und vielleicht auch (leider) oft ohne tieferen Sinn, aber im Grunde ist es „nur“ eine von vielen Reaktionen auf ein (tragisches) Ereignis, welches in der Öffentlichkeit besprochen wird.

Eine Aussage, die ich gestern dazu aufgeschnappt habe, finde ich persönlich ganz passend und vielleicht trifft genau diese auch den Kern unserer Draufhalte-Mentalität: Es war die Rede von der Angst, dass Erinnerungen einfach überschrieben werden, weil sie nach und nach vor unseren Augen verschwinden. Ein Gedanke, den man einfach mal so stehen lassen und weiterdenken kann.

Mehr Empathie

Auch Instagramerin, Podcasterin und Aktivistin Madeleine Daria Alizadeh reagierte auf die weltweite Anteilnahme an der brennenden Kathedrale in Paris – jedoch nachdenklich, unter anderem mit dem Blick auf unseren Planeten: „when we see that something we care about is in flames, we’re affected. And apart from the fact that Notre Dame’s fire is devastating: what is with our house, our planet, that is on fire? (…) Not only Notre Dame will be gone if we don’t act.“

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Please watch my insta story for deepened elaboration on the topic // Yesterday the Cathedral of Note Dame , one of the worlds most important cultural sights, stood in flames due to renovation complications. People were weeping out on the streets of Paris and Instagram was full of condolences and participation. And this made me think: when we see that something we care about is in flames, we’re affected. And apart from the fact that Notre Dame’s fire is devastating: what is with our house, our planet, that is on fire? Humanity has wiped out 60% of wild life since 1970 and more than 90% of the world’s children breathe toxic air every day. According to a report by the UN Intergovernmental Panel on Climate Change we have 11,5 years from now to avoid a avoid catastrophic environmental breakdown. As @gretathunberg says: “Our house is on fire.” It’s not only Notre Dame that burns, it’s also our existence, our soil, our forrests and oceans that literally are burning down if we don’t act. We need to care about our cultural, but also ecological heritage. I’m moved by this beautiful building burning down, I couldn’t believe my eyes when I saw it and I feel so sorry for all locals that have emotional connection to this building. And I hope some day people will be as moved by the threats humanity is facing due to climate heating. Not only Notre Dame will be gone if we don’t act. / photo by @christopher__burns

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Unter diesem Post fühlten sich viele angegriffen – ist meine Trauer nicht „gut genug“ oder für die „falsche Sache“? „Können diese Umweltaktivisten bitte aufhören festzulegen, warum und wie traurig wir eigentlich sein dürfen?“

Screenshot Instagram Story @dariadaria

Dabei will hier niemand Menschen ihre Trauer absprechen. Vielmehr zeigt sich der Wunsch nach offeneren Augen für die Dinge, die vor uns beginnen zu verschwinden.

 

 

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Ich dachte eigentlich, es sei nicht notwendig so ein Video hier zu posten, aber seit dem Brand des Notre Dame wird mir bewusst, wie ignorant wir eigentlich sind. Ich spreche mit diesem Posting niemanden an, der sich allgemein in irgendeiner Form politisch oder zur Gesellschaft äußert, ich spreche hiermit auch keinem die Trauer über die Geschehnisse ab – natürlich ist das, was passiert ist, extrem traurig. In meiner Liste hier aber haben so viele bekannte Persönlichkeiten ihre Trauer zu Notre Dame bekundet, von denen ich leider sonst nie etwas zu anderen tragischen Geschehnissen oder Umständen auf der Welt höre. Und das frustriert so hart. Es ist ironisch, dass unsere westliche Welt und besonders unsere Generation in fast weltfremder Manier in Schock und Schrecken durch die Tragödie von Notre Dame versetzt wird, ihr aber nicht bewusst scheint, wie üblich es in anderen Teilen der Welt ist (und selbst hierzulande vor nicht allzu langer Zeit noch war), dass bedeutende historische Bauten und Häuser vor den Augen ihrer Bevölkerung und Bewohner durch Kriegshandlungen zerstört werden. Vor kaum mehr als ein paar Jahren wurde die einst aufblühende syrische Haupstadt Damaskus, komplett zerbombt und als Ruine von Stadt hinterlassen. Diese Bilder haben wir alle gesehen. Und obwohl das Ausmaß dieser Katastrophe so unendlich viel größer war für Millionen von Menschen auf dieser Welt, hat es leider nicht die gleiche Reaktion hervorgerufen. Ganz abgesehen davon, dass innerhalb von 2 Tagen einige wenige Milliardärs-Familien ganz kurz mal 600 Mio. Euro für den Wiederaufbau des Notre Dames zugesichert haben… Ich wünsche mir mehr Solidarität als Menschen dieser Erde, nicht als Europäer, als Muslime, als Christen oder Juden oder Veganer. Wir sitzen alle im gleichen scheiss Boot. Genauso wenig scheinen wir zu erkennen, wie symbolisch dieser Brand für unsere Zeit und unser Klima ist und dass dieses Gefühl der Zerstörung von Dingen, die nie wieder in dieser Form rekreiert werden können, das dominante Gefühl des 21. Jahrhunderts sein wird. Mehr Gedanken zu Notre Dame findet ihr in meiner Story.

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Es ist die „echte“ Empathie an der es uns oft fehlt. Empathie für die wir blind geworden sind, was Ereignisse wie der Notre-Dame Brand zum Vorschein bringen. Denn Anteilnahme ist das, was wir brauchen: Nicht nur in Europa, nicht nur für die westliche Welt, sondern auch für Terror in Moscheen, zerbombte Häuser und hilflose Menschen in Kriegsgebieten, für unsere Welt im allgemeinen. Denn im Grunde findet auch das alles genau vor unseren Augen statt.

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Ray the Collection: Faire Mode aus Indien

Designed in Stuttgart und hergestellt in Indien. Ray the Collection ist ein Familien-Business, das Nachhaltigkeit, Tradition und Moderne ästhetisch vereint. Für die Produktion arbeitet Mareike Fernandes unter anderem mit der Non-Profit-Organisation Saheli Women aus Bhikamkor zusammen.

Stuttgart – In der Fashion-Industrie kennt sich Mareike Fernandes aus – zumindest im Design war sie bereits für verschiedene Konzerne und Marken tätig. Die 36-Jährige probiert sich gerne aus, das zeigen auch die verschiedenen Wohnortwechsel der vergangenen Jahre. Dubai, Düsseldorf, Bregenz und während der Schwangerschaft ging es wieder zurück in die Heimat nach Stuttgart. Die Idee zum eigenen Label schlummerte schon länger in Mareike, doch der tatsächliche Knackpunkt war die Geburt von Tochter Uma Ray, die auch Namensgeber der Marke ist: „Ich habe mich gefragt, welches Vorbild möchte ich sein? Wie ernähre ich mich? Wie konsumiere ich? Was tue ich Gutes?“ Seit März 2019 ist Mareike mit Ray the Collection nun online.

Ray the Collection: Zusammenarbeit mit indischen Labels und Herstellern

Als die Tochter ein Jahr alt war, besuchte die dreiköpfige Familie Verwandtschaft in Indien. Den zweimonatigen Urlaub in der Heimat ihres Mannes nutzte Mareike, um die Idee vom eigenen Label weiter voranzutreiben. „Ich wollte mich vor Ort umschauen und mit lokalen Herstellern und Lieferanten sprechen.“

Dabei lernte sie Vijaya von Indricka Clothing kennen, die in Bombay ihr eigenes Label führt und sich bereits seit Jahren der nachhaltigen Mode widmet. „Von dem Heimatort meines Mannes ist das ungefähr eine vierstündige Autofahrt entfernt – in Indien sozusagen um die Ecke“, lacht die 36-Jährige.

Vijaya inspirierte sie und Mareike wusste: „Ich nehme die Herausforderung an. Ich weiß zwar nicht wie, aber ich will es versuchen.“

Auch der Non-Profit-Organisation Saheli Women stattete Mareike einen Besuch ab. Gegründet wurde das Projekt von einer Frau im Dorf Bhikamkor, um den Einwohnerinnen dort Selbstständigkeit, Arbeit und medizinische Versorgung zu ermöglichen – denn das ist in vielen Teilen Indiens keine Selbstverständlichkeit.

Mareike bewegte dieses Aufeinandertreffen sehr: „Aktuell können 28 Frauen ihren Lebensunterhalt für ihre Familie verdienen und die Kinder in die Schule gehen.“

Mit Ray the Collection unterstützt sie die Manufaktur der Saheli Women, in der die Frauen in einem gesicherten Umfeld und für fairen Lohn arbeiten.

Mehr Zeit für einzelne Kollektionen

Die limitierten Teile von Ray the Collection vereinen das indische Handwerk mit modernem Design. Mareike liebt das Zusammenspiel von Minimalismus und opulenten Stickereien: „Im Design finde ich gerade noch meinen Weg. Es macht aber Spaß sich auszuprobieren.“

Da nur geringe Mengen produziert werden, achtet die Designerin vor allem auf die Verfügbarkeit der nachhaltigen Materialien: „Ich benutze meist nur Stoffe, die bereits existieren oder von denen es noch Restbestände gibt. Natürlich bin ich auch durch die Nachhaltigkeit limitiert und muss unter anderem mit den gegebenen Farben arbeiten.“

Die Produktion erfolgt in Indien, Mareike trifft zunächst eine Vorauswahl. Der Weg von der Idee zum fertigen Teil, das nach Stuttgart kommt, ist langwierig: „Wir schicken uns generell viel Fotos, Mails und skypen regelmäßig. Ich bekomme Stoffproben zum Anschauen und Anfassen, erfahre welche Lagerbestände es gibt. Das funktioniert ganz gut und ich nehme mir bewusst Zeit dafür.“

Auch die Fertigstellung der neuen Kollektion geht sie entspannt an: „Ich habe bereits erste Ideen, doch der Entwicklungsprozess dauert einige Monate. Das ist aber vollkommen in Ordnung. Ich möchte schauen, wie sich das entwickelt, wie Ray angenommen wird und lege den Fokus so lieber auf wenige, dafür ausgewählte Teile.“

Woman Power

Genutzt werden nachhaltig produzierte Stoffe wie Lyocell oder Organic Cotton für T-Shirts sowie Ahimsa-Seide für die Kimonos – Ahimsa bedeutet so viel wie „keine Gewalt“ und wird deswegen auch „peace silk“ genannt.

Mareike beschreibt die Herstellung nachhaltiger Mode als ewigen Prozess. „Man lernt ständig dazu.“ In Zukunft möchte sie nicht nur mit anderen Stuttgarter Locals zusammenarbeiten, sondern sich auch weiterhin selbst engagieren.

„Ein Lebenstraum wäre natürlich eine Non-Profit-Organisation zu gründen.“

Bis dahin unterstützt sie jedoch andere Projekte in Indien – neben Saheli Women auch Swadhar in Pune, der Heimatstadt ihres Mannes.

Mit jedem Verkauf des NARI SHAKTI „Woman Power“-Shirts gehen 5 Euro an die Organisation, die weniger privilegierten Frauen und Kindern hilft.

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Flohmarkt- und Secondhand-Tipps für Stuttgart

Immer mehr Menschen setzen auf Gebrauchtes, statt auf Konsum von der Stange. Wir haben eine Auswahl an Flohmarkt-Veranstaltungen, Kleidertauschpartys und Secondhand-Spots für euch zusammengefasst.

Stuttgart – Mode gebraucht zu kaufen ist in: Egal, ob in Secondhand-Läden, Facebook-Gruppen, auf Flohmärkten oder Online-Plattformen wie Kleiderkreisel, Ebay und Co. Der Nachhaltigkeitsgedanke nimmt einen immer wichtigeren Platz im Alltag der Menschen ein — das spiegelt sich auch in der Garderobe wieder: Statt neuen Trends zu folgen und in großen Ketten zu shoppen, hinterfragen wir nicht nur die Herkunft oder Herstellung von Kleidung, sondern auch die Masse. Es muss nicht immer neu sein, deshalb wird immer mehr Secondhand ge- und verkauft.

Secondhand-Tipps: Gebraucht kaufen und verkaufen in Stuttgart

Der große Vorteil von lokalen Secondhand-Läden? Man spart sich — und der Umwelt — den Versand. Außerdem macht Stöbern und Anprobieren vor Ort viel mehr Spaß und minimiert die Fehlkäufe, also meistens. Wir haben einige Tipps zum Secondhand-Shoppen in Stuttgart für euch zusammengefasst.

 

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Kleider-
kreisel: sowas wie Tinder?

Ist die Secondhand-Plattform Kleiderkreisel das neue Tinder? Unsere Autorin ist der Meinung: auch – zumindest, wenn es um Fetische, entmatchen und anzügliche Bilder geht. Kleiderkreisel, eine Hassliebe. 

Stuttgart – Was passiert, wenn man auf Kleiderkreisel einen Mantel verkaufen möchte? Richtig, man bekommt Nachrichten wie: „Hey, ist da am Preis noch was zu machen?“ „Wollen wir tauschen?“ oder „Kannst du mal ein Tragebild schicken?“ Und manchmal wollen Menschen aus der gleichen Stadt das Teil auch direkt abholen. Blöd nur, wenn sie sich dann plötzlich nicht mehr melden. Ghosting, aber im Kleiderkreisel-Style. Noch blöder: Wenn man später feststellt, dass man gerade kurz davor war, dem letzten Tinder-Date einen Mantel zu verkaufen. Und noch blöder: Wenn dich dieser Typ wortlos entmatcht hat – nachdem ihr etwas miteinander hattet.

Kleiderkreisel: Gummistiefel-Fetisch

Doch nicht nur beim Ghosting schenken sich Kleiderkreisel und Tinder nichts: Auch in Sachen Fetisch stößt man auf ähnlich verstörende Dinge.

Ich wollte Chucks verkaufen, getragen, aber natürlich in einem top Zustand. Daraufhin bekam ich folgende Anfrage: „Coole Schuhe fürs Festival, aber hast du auch getragene Gummistiefel?“ Weird flex, but ok.

Als ich dann investigativ das Profil des besagten Kleiderkreisel-Mitgliedes untersuchte, wusste ich: Du hättest in den letzten Jahren verdammt viel Geld hier verdienen können. Und das mit GUMMISTIEFELN! Entlarvend waren vor allem Bewertungen wie: „Alles super, viel Spaß mit meinen alten Gummistiefeln“ und Beschreibungstexte unter dem einzigen angebotenen Artikel: „Möchte gerne tauschen gegen Gummistiefel.“

Übrigens stellte sich dabei auch heraus, dass „Gabi“ eigentlich „Carsten“ heißt – Mensch, was ist denn nur mit Carsten los?

Aber Carsten ist nicht der Einzige, um den man sich sorgen sollte. Von „Kannst du mir das Kleid mal Barfuß fotografieren, aber so, dass man deine Füße komplett sieht?“ über „Ist die Unterwäsche getragen?“, treffen hier einige Vorlieben aufeinander. Ein bisschen wie im Berghain.

Tragebilder: Mehr Spiegel-Sefies als auf Tinder

Auch mit den Tragebildern ist es gar nicht so leicht. Natürlich möchten potenzielle Käufer wissen, wie das favorisierte Teil fällt, ob der Stoff Falten schlägt oder die Länge stimmt. Nur leider ist es oft so, dass man Dinge loswerden will, weil sie einem einfach nicht stehen, zu groß oder zu klein sind. Deshalb fühle ich mich beim Tragebild machen meistens eher wie:

 

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Es gibt sie also nicht nur auf Tinder und 9Gag – die (missglückten) Spiegelselfies. Kleiderkreisel ist voll davon – und ich zähle meine absolut dazu! Unterwäsche und Bikini-Shots inklusive.

Ein kleiner Tipp für alle, die genauso wenig Bock auf Tragebilder haben wie auf Kehrwoche: Einfach das Kleidungsstück einmal durch die Wohnung tragen und davon Bilder machen. Kommt super an – „Mitglied XY hat sie blockiert.“ Ups.

Jetzt aber mal ehrlich. Kleiderkreisel, ich mag dich – auf ’ne Art. Manchmal auch nicht, aber meistens schon. Am liebsten aber ohne Tragebilder. Und bitte merken: Flirten könnt ihr auf Tinder!

Titelbild: Unsplash/Felipe Galvan

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Nörgeln in the City: Ziegenkäse, nein danke!

Wir Stadtkinder lieben unsere Stadt. Doch manche Dinge im Kessel regen uns einfach nur auf. Zum Beispiel der übermäßige Einsatz von Ziegenkäse auf den Speisekarten der Stadt. Koriander und Rosenkohl, geht bitte zur Seite. Unsere Autorin eröffnet das Food-Shaming für Ziegenkäse – (und Milch).

Stuttgart – Es ist Samstag. Die Sonne scheint. Ich stehe am Marienplatz in der Warteschlange der Gelateria. Vor mir eine Mutter mit Sohn, ich schätze ihn auf sieben Jahre. „Fritz, such‘ dir doch bitte eine Eis-Sorte aus“, sagt sie zu ihrem Kind. Ob Fritz weiß, welche Freiheit vor ihm liegt? Wenn ich zurück an meine Kindheit denke, sehe ich blaues Schlumpfeis, Zitrone, Stracciatella, Cola-Geschmack – das mit Cookies gab es ja damals noch nicht. Und was macht Fritz? Fritz sagt: „Einmal Rosmarin-Ziegenmilch, bitte.“

Ziegenkäse-Hype – ohne mich!

Klar, kann man sich jetzt fragen: Muss die sich darüber aufregen? Die Antwort lautet: nein. Aber in einem Land, in dem Nachbarn Zettele schreiben, auf denen sie mit Datum und Uhrzeit akribisch festhalten, um wie viel Millimeter sich der Läufer vor der Haustür verschoben hat, kann ich auch mal meiner Abscheu gegen Ziegenkäse Luft machen.

Es ist ein Food-Trend, den ich seit Jahren beobachte: Egal, ob beim perfekten Dinner oder auf Stuttgarter Speisekarten. Überall muss jetzt Ziegenkäse drauf. Ist zwar eher so 2017, aber wir freuen uns ja auch immer noch über Buddha-Bowls.

Und jetzt kommt mir bitte nicht mit Rosenkohl und Koriander. Immerhin wird das nicht mit Kürbis auf eine Pizza gelegt, mit Birnen und Honig serviert, als Saucen-Grundlage benutzt oder als Frischkäse-Rolle zum Brunch gereicht. Außerdem ist auf der Arschloch-Lebensmittel-Liste genügend Platz für alle. Also nicht schubsen, ich habe eine Spucktüte im Rucksack!

Nein heißt nein

Noch schlimmer als Ziegenkäse an sich, ist die Tatsache, dass ein „Nein, danke“ nicht akzeptiert wird. Ziegenkäse ist einfach zu hip und cool, um ihn nicht zu mögen. Sozusagen die Avocado an der Käsetheke. Ein Hype, auf den ich verzichten kann.

„Ach, probier‘ doch mal, der ist echt voll mild.“ Lüge, immer. Jonathan Frakes würde sagen: Diese Geschichte ist frei erfunden.

Auf die Frage „Habt ihr auch einen anderen Käse statt Ziegenkäse?“, folgt immer ein abfälliger Blick und: „Hm, schon. Aber das passt halt leider nicht so gut zusammen.“ No risk, no fun. Das ist mein Motto.

Am schlimmsten sind jedoch die Menschen, die der Meinung sind, sie müssten gar nicht mehr fragen oder es verheimlichen, bevor sie Ziegenkäse unter das Essen mischen. Ich nenne das übrigens Körperverletzung.

Ziegen-GIFs statt Ziegenkäse

Hier mal eine Liste mit Lebensmitteln, die man auch ohne Ziegenkäse oder Milch essen kann:

  • ALLE!

Dazu zählen übrigens auch Butter, Müsli, Joghurt, Feigen und Couscous.

Natürlich ist das alles sehr dramatisiert dargestellt und die Welt geht davon nicht unter – aber kein Ziegenkäse ist definitiv eine Lösung. Zumindest für mich. Und das kann man doch auch einfach mal akzeptieren?

Also back to Club Mate und lustigen Ziegen-GIFs. Die sind nämlich wenigstens süß.

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Gefühle müssen nicht gefällig sein

Mit den Gefühlen ist es so eine Sache. Öffentlich finden sie teilweise wenig oder gar nicht statt und wenn, dann wird mit Klischees um sich geworfen. Männer, die offen über ihr Innerstes sprechen, sind Softies. Und Frauen? Ach, die müssen halt auch immer alles dramatisieren. „Feelsplaining“ – nicht nur ein Problem im Alltag, sondern auch für junge Künstler und Künstlerinnen.

Stuttgart – Vor einigen Monaten habe ich auf Instagram den Beitrag einer jungen Musikerin gelesen. In dem schrieb sie, dass sie immer wieder Kommentare einstecken muss, in denen steht, dass ihre Songs „zu traurig“ seien. Sie soll doch weniger „depressive“ oder „zu emotionale“ Musik machen, sondern lieber mal etwas „Fröhliches“ schreiben. Etwas, „bei dem man ohne nachzudenken mitsingen kann“. Genau, lasst uns sämtliche negativen Gefühle einfach ausblenden, so verschwinden die ja bekanntlich am besten – nicht. Kritik ist das eine, der persönliche Musikgeschmack das andere. Und Menschen zu erzählen, was sie zu fühlen haben, ist einfach nur scheiße.

Gefühle unterliegen Klischees

Ähnliches Szenario, anderer Künstler: James Blake. Der 30-jährige Brite ist unter anderem bekannt geworden durch sein gleichnamiges Debütalbum im Jahr 2011, welches das Dubstep-Genre und die Popkultur der 2010er Jahre prägte wie kein anderes. Doch noch mehr als für seinen experimentellen Sound, ist Blake für seine „traurigen“ Songs bekannt. Der wasserfeste „Sad Boy“-Stempel, den ihm die Öffentlichkeit aufdrückte, klebt also seit knapp neun Jahren auf seiner Stirn. „Ist das dieser furchtbar weinerliche, blasse Brite?“, fragt mich ein Arbeitskollege. Richtig, das isser! Immer nur am heulen, kann der damit bitte mal aufhören?

Wer in seinen Texten also authentisch über Gefühle spricht – über Schmerz, Liebe, Zweifel – wird als schwach abgestempelt. Das ist in der Musik nicht anders als im real life. Was nicht gefällig ist, wird nicht gerne gehört. Und so finden wir uns in Klischees wieder: Männer weinen nicht und Frauen einfach zu viel. Dabei ist es gerade in Zeiten wie heute wichtig, offen für Verletzlichkeit zu sein. Denn das ist, was uns letztendlich wirklich menschlich macht.

Tabuisierung von Depressionen

In einem Statement auf Twitter positionierte sich James Blake im vergangenen Jahr deutlich gegen die Gefühls-Stereotypisierungen in den Medien: Er empfindet die Bezeichnung „Sad Boy“ für Männer, die offen über ihre Gefühle sprechen als „ungesund und problematisch“, Headlines wie diese würden unter anderem die Tabuisierung von Depressionen in der Öffentlichkeit fördern, da sich so viele entmutigt fühlen, sich verletzlich und schwach zu zeigen – was fatale Folgen hat.

Die Gefühle anderer akzeptieren

Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass kein Mensch „nur traurig“ oder „nur happy“ ist. Vielleicht können wir uns auch darauf einigen, dies endlich zu akzeptieren. Eine Künstlerin, die ziemlich gut vormacht wie das funktioniert, ist Billie Eilish. Mit ihren 17 Jahren und mehreren Millionen Instagram-Followern zeigt sie, dass Pop nicht immer gefällig sein muss. In ihren Songs verarbeitet sie Depressionen, Albträume und andere düstere Themen. Alles andere als leichte Kost – dafür aber ehrlich. „We‘re all sad as hell. All these artists, we‘re sad as shit, dude“, sagt sie in einem Interview mit Vanity Fair über die Musikszene. Und das ist okay. Weil es okay ist, wenn man mal nicht okay ist.

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Die besten neuen Spots im März

Der März kann mehr als nur Frühlingsanfang. Denn auch in diesem Monat sind in Stuttgart einige Locations an den Start gegangen: Es gibt endlich Vana Eis im Kessel, den ersten Leihladen im Westen, einen Pflanzen Pop-up und ein neues Café für die Moserstraße. Wir haben die besten Neueröffnungen für euch zusammengefasst.

Stuttgart – Der März lässt für den Frühling schon einiges erahnen: Neue Cafés, ein Pflanzen Pop-up, leckere Eis-Spots, Ateliers und Projekträume sorgen für frischen Wind und legen damit gut vor. Da muss der April erst einmal mithalten. Doch so viel sei verraten: Im nächsten Monat wird noch einiges dazukommen – besonders an der Food-Front.

Neueröffnungen im März

Bis dahin sollten die To-do-Listen erst einmal abgearbeitet werden. Denn egal ob Eis, Leihladen nach Commoning-Prinzip, Beauty-Shop, nachhaltige Mode oder Bio-Kaffee: Diese Neueröffnungen können sich wirklich sehen lassen.

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