Generationen-Konflikt: Was wirklich hinter „OK, Boomer“ steckt

Die Fronten zwischen den Generationen sind verhärtet. Millenials und Generation Z haben es satt und reagieren mit lediglich einer Antwort: OK, Boomer. Unsere Autorin erläutert den Konflikt.

Stuttgart – Eine neuseeländische Parlamentsabgeordnete erklärt die Bezeichnung als „kollektive Frustration“. Die New York Times kündigt das „Ende der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Generationen“ an. Zwei Worte, die Wellen schlagen. Dieser kurze Satz ist die Antwort auf Meinungen älterer Personen, meist aus der Boomer Generation, die als engstirnig und herablassend empfunden werden. Oft sind diese Meinungen bezogen auf technischen Fortschritt oder Wertvorstellungen der jüngeren Generationen.

Woher kommt’s?

Obwohl das Meme „Ok, Boomer“ seinen Ursprung schon vor einiger Zeit hatte, gelangte es durch einen Artikel der New York Times an die breite Masse. Später erschien das Video einer neuseeländischen Parlamentsabgeordneten, die während ihrer Rede zum Klimawandel von einem älteren Abgeordneten unterbrochen wurde und daraufhin mit „OK, Boomer“ antwortete.

Das Meme drückt vor allem eines aus: Frustration und irgendwie auch Resignation.

Boomer was?

Als Babyboomer wird die Generation nach dem zweiten Weltkrieg bezeichnet. Grob von 1955-1969. Geprägt von der Nachkriegszeit stieg die Zahl der Geburten und der wirtschaftliche Aufschwung war in vollem Gange.

Entgegen dieser Altersgruppe steht überwiegend die Generation Z (circa 1997 bis 2012), aber auch Millenials (Frühe 80-er bis späte 90-er Jahre). Generationskonflikte sind keine Neuheit, allerdings fühlt es sich gerade etwas zugespitzt an. Ob die Generationen je befreundet waren und ob das Meme die Frendschaft nun beendet hat, steht weiterhin im Raum.

So sehen Ok, Boomer Memes aus

Es klingt nach einem klassischen „Wir gegen die“ und eigentlich weiß man gar nicht wofür oder gegen wen man ist. Allein das Geburtsjahr stellt einen auf die jeweilige Seite. Das ist stark pauschalisierend und auch für Kritiker des Memes ein Argument, dass die Aussage „Ok, Boomer“ sowohl als altenfeindlich, als auch altersdiskriminierend gilt. Diese sagen ebenfalls aus, dass die „Boomer“ undifferenziert und stereotypisch behandelt werden.

Aber was fühlen die jüngeren Generationen? Sie fühlen sich vor allem eines: im Stich gelassen. Von Boomern fühlen sich Generation Y und Z nicht ernstgenommen und „gegaslightet“, also emotional manipuliert. Insbesondere in Bezug auf den Klimawandel und die Wirtschaft.

Generationskonflikte

Dass sich Menschen und Generationen verändern ist kein Geheimnis. Auch Reibereien sind keine Neuheit und sogar ein wichtiger Prozess der Ablösung der Kinder von ihren Eltern. Zwangsläufig entstehen Konflikte, die aber die Chance zum Dialog öffnen. Es sollte unser aller Aufgabe sein – Generation X, Y, Z hin oder her –, einen fairen Kontakt zu suchen. Jede Generation macht Fehler, jede Generation bringt auch Gutes. Es ist die natürliche Entwicklung unserer Gesellschaft. Wir können von unseren Vorgängern lernen und versuchen Fehler besser zu machen. Gleichzeitig gilt es für die älteren Generationen, dass sie Fehler eingestehen und Verantwortung übernehmen. Eigentlich wie in jeder zwischenmenschlichen Beziehung eben.

Es ist Quatsch sich hinter verhärteten Fronten zu verstecken und leichter undifferenzierte Aussagen mit einem „Ok, Boomer“ abzutun. Doch ich glaube ganz fest daran, dass wir viel mehr verstehen als das. Als Meme, das einen Konflikt humorvoll darstellt, hat „Ok, Boomer“ auch bei mir einen Platz im Herzen. Dennoch sollten wir die Ernsthaftigkeit des Konflikts unter der Oberfläche nicht ignorieren.

Und zusammengefasst?

Wichtig ist in der Diskussion, dass wir die pauschalen Konflikte anerkennen. Allerdings müssen wir diese auch fair und konkret angehen und den Diskurs zwischen den Generationen stärken. Denn es gibt Erklärungsbedarf und Fragen, die im Raum stehen. Der Konflikt sollte der Beginn eines gleichberechtigten Dialogs sein, bei dem beide Seiten anerkannt werden – mit ihren Fehlern und Stärken und offenen Armen und Herzen.

Fotos: Unsplash/ Kae Ng & Patrick Pierre

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Wenn die Vergangenheit an der Tür klopft

In der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth schreibt unsere Autorin über psychische Gesundheit und Krankheit, den Alltag damit sowie all die kleinen und großen Hürden im Leben. Im dunklen Winter verbringt man Zeit allein Zuhause. Und da kommen manchmal auch die Erinnerungen an die Vergangenheit zurück: Traumaflashbacks. Unsere Autorin erklärt, was das genau ist.

Stuttgart – Es gibt verschiedene Arten von Erinnern. Es gibt die Erinnerungen an Freibadstunden und Sandburgen, wenn der Geruch von Sonnencreme in der Luft liegt. Oder man ist zum ersten Mal von Zuhause fort und erinnert sich an den Duft von frisch gebackenen Plätzchen an Weihnachten. Wir erinnern uns gerne und schwelgen in schönen Bildern. Manchmal sind es zufällige Erinnerungen. Ein Geruch an der Bushaltestelle, ein Déjà-vu in der Bahn oder das Lied beim Einkaufen im Supermarkt. Natürlich gibt es auch unschöne Erinnerungen. Der Weg in den Urlaub, auf dem man sechs Stunden im Stau stand. Der Streit an Weihnachten, als die Tante anfing zu weinen und das Essen verließ. Oder die panische Angst vor der Klausur in der Schule.

Auslöser kann vieles sein

Ich kann mich nicht gut erinnern. Meine Realität spielt sich in der Gegenwart ab und Erinnerungen kann ich meist nur mit Hilfe von Bildern, Tagebüchern oder Texten aufrufen. Traumatische Erlebnisse kann ich nicht kontrolliert abrufen. Und das ist ein großes Problem.

Es gibt Orte, Bilder und Gerüche, die auch bei mir Erinnerungen hervorrufen. Und manchmal sind das Erinnerungen, die ich nicht haben möchte.

Wie ein Schlag ins Gesicht

Traumaflashbacks kommen meist unerwartet und können durch die unterschiedlichsten Reize getriggert werden. Im schlimmsten Fall durchlebt man ein vergangenes Trauma noch einmal – inklusive Körperreaktionen und Gefühlschaos. Manchmal folgen Panikattacken oder Angstzustände. Ganz oft ist es ein Schlag mitten ins Gesicht und es ist schwer den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren.

Wichtig ist dann: Ruhe bewahren. Es fühlt sich schrecklich an, aber geht vorbei. So wie jede Emotion kommt und geht. Es ist okay, das Trauma ist Vergangenheit und die Gegenwart ist hier und jetzt.

In einer Therapie kann man solche Situationen lernen zu kontrollieren. Damit nicht völlig der Boden unter den Füßen aufbricht.

Über die Autorin

Mit ganz viel Ehrlichkeit, Feingefühl und Liebe für die Sache schreibt unsere Autorin über das Leben mit psychischen Krankheiten. Warum das nicht immer einfach ist und gegen welche Vorurteile sie ankämpft erzählt sie in der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth.

Anmerkung der Redaktion: Wenn du selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidest oder jemanden kennst, der daran leidet, kannst du dir bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Du erreichst diese telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Informationen und Hilfe bei Depressionen:
https://www.deutsche-depressionshilfe.de

Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 0800/116 111 Mo. bis Sa. 14-20 Uhr, anonym & kostenlos!

In Stuttgart bietet der Arbeitskreis Leben suizidgefährdeten Menschen, Menschen in Lebenskrisen, Angehörigen, sowie Hinterbliebenen nach dem Suizid eines nahestehenden Menschen Unterstützung an. Telefon  0711/600 620, hier geht es zur Internetseite >>>

Kassenärztliche Therapeuten in Deutschland:
http://www.kbv.de/html/arztsuche.php

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Sounds of my Youth: Warum Indie für mich nie stirbt

Unsere Autorin war letztens auf einer Indieparty wie damals im Keller Klub, der dieses Wochenende Abschied feiert. Mit Flashback in die Jugend und Erinnerungen an Tanzabende und jugendlichen Herzschmerz, blickt sie für uns in die Top 10 der Songs ihrer Jugend.

Stuttgart – Das erste Mal in einem Klub war ich mit 16. Ich schlängelte mich elegant an den Türstehern vorbei und betrat eine Treppe in einen Keller. Mir kamen Menschen entgegen und dumpf hinter der Tür dröhnte Kings of Leon in meine Richtung. Mir wurde ganz warm ums Herz und das sollte der Beginn meiner Liebe für Tanznächte werden. Was mich sonst noch durch meine Jugend begleitete jetzt hier in meiner persönlichen Top 10.

Indie: Die Klänge meiner Jugend

1. Kings of Leon – Sex on Fire

Ich stolperte in den Klub und sollte die ganze Nacht auf der Tanzfläche verbringen. Laut dröhnend in meinen Ohren HOT AS A FEVER RATTLE OF BONES I COULD JUST TASTE IT TASTE IT und ich fühlte mich warm und angekommen.

2. The Wombats – Moving to New York

Mit 14 versprach ich mir, dass ich alle Songs meiner Jugend mindestens einmal live gesehen haben möchte und fing an mit mir mein selbsterfundenes Spiel Indie-Bingo zu spielen. Ein volles Indie-Bingo schaffte ich 2018 mit The Wombats in Berlin. Mein Indieherz ist nun vollkommen.

3. Kate Nash – Foundations

You said I must eat so many lemons, ‚cause I am so bitter brachte mich dazu mir eine Zitrone tattowieren zu lassen. Kaum eine Musikerin hat mein Leben nachhaltiger beeinflusst als Kate Nash. Seitdem ich 12 Jahre alt war hörte ich jede B-Side, schaute alle Interviews und Kate prägte meinen Feminismus tief. Es gibt sicherlich schlimmere Vorbilder.

4. Florence + the Machine – Cosmic Love

Indie-Bingo Kreuzchen 2017. Wie oft ich mir wünschte eine Elfe zu sein, alles nur wegen Florence.

5. Life in Film – Get Closer

Die Geschichte dazu bleibt geheim, aber es geht um Gin Tonics, Österreich und einen Tourbus.

6. Little Boots – Remedy

Ausgezeichnet mit BBC’s Sound of 2009 besitze ich dieses Album auf CD und jammte fröhlich dazu in meinem Kinderzimmer nach der Schule.

7. Kapartenhund – Gegen den Rest

Wenn wir schon bei CDs sind, davon hab ich noch einige. Unter anderem diese. Türkisch für Anfänger war einfach Kult.

8. ABBA – Honey, Honey

Als ich dann Musicalkarten für Mamma Mia geschenkt bekam, war ich im 7. Himmel. Ich glaube auch, daher kommt meine Freude an Recherche zu jedem Thema, das mir unter die Finger kommt. Vielleicht weiß ich mehr über ABBA, als mir lieb ist…

9. Marina + the Diamonds – I’m not a Robot

Sicherlich kommt dank diesem Musikvideo mein Drang nach Glitzer. Marina begleitete mich durch meine Referate für die Schule, die ich in der Ubahn vorbereitete.

10. The Ting Tings – That’s not my Name

Welch krönender Abschluss. The Ting Tings brachten mich zum Tanzen, Schütteln und dazu meinen pinken Mp3-Player auf volle Lautstärke aufzudrehen.

Obwohl wir alle 2007 schon den Indie abgeschrieben haben, wird er für immer in meinem Herzen weiterwohnen. Und auch wenn die Jugend von heute Giant Rooks, Von Wegen Lisbeth und Bilderbuch vielleicht gar nicht mehr als Indie bezeichnet, jede Musikrichtung entwickelt sich weiter – das ist schön und toll und bringt viel Neues und Gutes. Und von Zeit zu Zeit höre ich glücklich die alten Lieder und lerne sie dabei wieder ganz neu kennen.

Die ganze Playlist findet ihr hier:

Titelbild: unsplash

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6 Aussagen über Suizid, die nicht stimmen

Über Suizidalidät wird nur selten offen gesprochen. Dadurch entstehen viele Irrtümer, die Angehörige und Betroffene belasten. Unsere #letstalkaboutmentalhealth-Autorin versucht in ihrer heutigen Kolumne einige davon aus der Welt zu schaffen. Am Ende finden sich Anlaufstellen und Hilfsangebote

Stuttgart – Über Suizid wird nicht gerne gesprochen. Das führt zur Ausgrenzung von Betroffenen und Angehörigen. Wenn sich jemand das Leben nimmt, steht das große Warum drückend im Raum. Man fragt sich, was falsch lief, wie man mit dem Gefühl von Schuld umgeht und ob man es hätte erahnen können. Dieser Artikel soll helfen, Antworten zu finden, um diesem erdrückenden Thema, wenn auch nur ein wenig, die Schwere zu nehmen.

„Wer sich umbringen möchte, spricht nicht darüber.“

Jeder Mensch ist unterschiedlich. Und grundsätzlich stimmt es nicht, dass suizidale Personen nicht über ihre Gedanken sprechen. In 8 von 10 Fällen werden Suizidabsichten vorab geäußert. Ob das subtil in einem Nebensatz geschieht („Ich komme nicht zum Abendessen, aber meine Anwesenheit ist sowieso nicht von Bedeutung“) oder eine klare Todesabsicht geäußert wird („Ich wünschte, mich gäbe es nicht mehr“) – jede Aussage sollte ernstgenommen werden. Nicht immer ist es als Außenstehender klar zu deuten, dass sich jemand in einer suizidalen Krise befindet, allerdings ist Vorsicht in jedem Fall besser als Nachsicht. Im Zweifel hilft es eine professionelle Person zu Rate zu ziehen.

„Wer sich das Leben nimmt, ist egoistisch.“

Suizidalität kann Symptom einer psychischen Erkrankung sein. Ebenfalls kann es eine Reaktion auf eine Krise sein. Suizide passieren nicht aus Egoismus, sie sind die Folge schwerer Erkrankungen, in welchen sich Betroffene sehr einsam gefühlt haben können. Auch kann es sich anfühlen wie der einzige Ausweg oder eine Erlösung vom vorangegangenen Leiden. Auch wenn es Suizid-Angehörige schwer trifft, Betroffene haben oftmals das Gefühl, ihr Umfeld durch ihren Tod zu „entlasten“.

„Wer versucht sich umzubringen, will nur Aufmerksamkeit.“

Viele Suizidversuche bleiben unentdeckt. Weitaus mehr Männer als Frauen nehmen sich das Leben, allerdings ist die Zahl der Suizidversuche bei Frauen Schätzungen zufolge zehnmal höher. In Extremfällen kann es vorkommen, dass Betroffene Suizidandrohung oder Versuche als Druckmittel verwenden. Und auch wenn es Suizidversuche gibt, die „bloß“ der Aufmerksamkeit dienen, zeigen sie ein tiefgehendes Problem und die Betroffenen benötigen dringend professionelle Hilfe. Suizidale Handlungen können Anzeichen psychischer Erkrankungen sein.

„Suizide sind nur eine Randerscheinung.“

In Deutschland nehmen sich jedes Jahr rund 10.000 Menschen das Leben. Jeder fünfte Deutsche erkrankt einmal in seinem Leben an einer Depression. Die Folge einer Depression kann Suizid sein. Weltweit stirbt ca. alle 40 Sekunden ein Mensch durch Suizid. Im Vergleich: ca. 3500 Menschen sterben jährlich durch Autounfälle.

„Suizidalität ist freier Wille.“

Es gibt philosophische Ansätze und andere Gründe für einen selbstgewählten Tod (zB. Protest). Allerdings ist Suizidalität resultierend aus einer psychischen Erkrankung kein freier Wille. Ungleichgewichte im Gehirn, chronische Depressionen und schwere Krisen können Auslöser für einen Suizid sein. Eine Erkrankung schränkt die eigene Entscheidungskraft stark ein. Oftmals sehen Betroffene Suizid als letzten Ausweg.

„Suizidalen Menschen kann nicht geholfen werden.“

Sowohl das Umfeld als auch man selbst, hat die Möglichkeit zu helfen. Suizidgedanken müssen nicht alleine ausgehalten werden. Es gibt Anlaufstellen, die bei akuten Suizidgedanken Hilfe anbieten (siehe Ende des Artikels). Depressionen sind behandelbar, Probleme lösbar und das Leben nicht so schwer, wie es sich in einem dunklen Moment anfühlen mag. Wer sich in die Hoffnungslosigkeit verliert und nur noch den eigenen Tod als letzten Ausweg sieht, dem kann ich versprechen, dass es einen anderen Ausweg gibt. Es muss sich nicht immer so schwer anfühlen. Therapeutinnen können durch eine schwere Krise begleiten. Notfallnummern sind rund um die Uhr erreichbar.

Wir können alle helfen, indem wir das Thema normalisieren, offen darüber sprechen, Betroffene und Angehörige unterstützen und verständnisvoll mit unserem Umfeld umgehen.

Menschen werden sich verändern, das Leben wird leichter und du solltest am Leben sein, um genau das zu erleben.

Titelbild: Yuris Alhumaydy/unsplash

Über die Autorin

Mit ganz viel Ehrlichkeit, Feingefühl und Liebe für die Sache schreibt unsere Autorin über das Leben mit psychischen Krankheiten. Warum das nicht immer einfach ist und gegen welche Vorurteile sie ankämpft, erzählt sie in der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth

Anmerkung der Redaktion: Wenn du selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidest oder jemanden kennst, der daran leidet, kannst du dir bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Du erreichst diese telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Informationen und Hilfe bei Depressionen:
https://www.deutsche-depressionshilfe.de

Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 0800/116 111 Mo. bis Sa. 14-20 Uhr, anonym & kostenlos!

In Stuttgart bietet der Arbeitskreis Leben suizidgefährdeten Menschen, Menschen in Lebenskrisen, Angehörigen, sowie Hinterbliebenen nach dem Suizid eines nahestehenden Menschen Unterstützung an. Telefon  0711/600 620, hier geht es zur Internetseite >>>

Kassenärztliche Therapeuten in Deutschland:
http://www.kbv.de/html/arztsuche.php

Quellen:

Statistisches Bundesamt
GenderMed-Wiki

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Der Keller Klub bleibt…erstmal!

Es fühlt sich an wie eine On-Off-Beziehung, die nicht endet. Der Kellerklub geht. Der Keller Klub bleibt. Eine Website voller Spam und „eigentlich wird das Haus abgerissen für ein Hotel“. Aber was denn nun?

Stuttgart – Lange Zeit kam da nichts. Eigentlich dachten wir ja auch alle, dass der Keller Klub für immer seine Pforten schließt. Und zwar im Juni 2019. Schon 2016 stellte der Keller Klub einen Insolvenzantrag, die Besitzer wechselten. Und dann ist da die glänzende Totenkopfdiskokugel am Horizont: Totgelaubte leben länger.

Totgeglaubte leben länger

Mit dieser kurzen Nachricht meldet sich der Keller Klub auf seiner Website:

Nach einigen Wochen Unklarheit können wir jetzt endlich verkünden, dass der Keller Klub noch einige Zeit die Pforten offen halten wird. Schaut rein, wir sind jede Woche am Start und bieten das gewohnte Programm. Wir sammeln gerade wieder Events und ihr findet demnächst alles wieder auf der Homepage.
c.u. downstairs
Das Management 😉

Silvester im Keller Klub

Zeitweise war die Website des Kellerklubs eine Ansammlung von Spam und Werbung und gar nicht mehr die schwarze Homepage mit dem weißen Totenkopflogo. Also ein Tod vor dem Tod quasi. Aber jetzt ist sie wieder da und mit der Ankündigung, dass es weitergeht, wird auch gleich die nächste Party verkündet. An Silvester kann man ins 13. Jahr des Kellerklubs starten. Und das ist ja eigentlich auch eine Glückszahl für ein Leben nach dem Tod.

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How to: Wie ich glücklich durch den Winter komme

In der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth schreibt unsere Autorin über psychische Gesundheit und Krankheit, den Alltag damit sowie all die kleinen und großen Hürden im Leben. Der Winter ist da und das Jahr fast vorbei. Wie übersteht man die dunklen Tage? Das erklärt unsere Autorin in der neuen Kolumne.

Bremerhaven/Stuttgart – Die Uhren sind umgestellt und die Tage verdammt kurz geworden. Auch wenn sich das schon trist anfühlt, führt zusätzlich die fehlende Vitamin-D-Zufuhr zu Verstimmungen und Trübsal. Für Menschen mit psychischen Problemen bedeutet das doppelte Belastung. Wenn man eigentlich schon keine Energie hat sind fehlende Sonnenstrahlen die Kirsche auf der Depressionstorte.

Von Kälte und Dunkelheit

Bevor ich wusste was saisonale Depressionen oder was überhaupt Depressionen sind, machten mir die Winter zu schaffen. Ich bin kälteempfindlich und dunkelempfindlich – also nicht geschaffen für die Winterzeit. Während die meisten teetrinkend in Stricksocken Bücher lesen, verfalle ich in meinem ungemachten Bett in tiefste Traurigkeit. Zusätzlich dazu ist die anstehende Weihnachtszeit ein schmerzlicher Beweis von gemeinschaftlicher Familienliebe oder zumindest hat es den Anschein.

Selbst wenn ich bis zum Herbst stabil war und ganz gut in den Winter starten konnte, spätestens ab der Zeitumstellung ist höchste Aufmerksamkeit gefragt. Aufmerksam sein, dass die Dunkelheit nicht überhand nimmt und die Kälte mich nicht vom gesellschaftlichen Leben abschneidet.

Glücklichsein im Winter

Über die Jahre und je mehr ich über mich selbst lerne, habe ich Strategien entwickelt, um den Winter einigermaßen stabil zu überstehen. Zwar noch nicht perfekt, aber es ist ein vielversprechender Anfang.

Vitamin D sublimieren: Bevor man irgendwelche Präparate einschmeißt, sollte man dies mit einem Arzt absprechen. Ein Bluttest kann aufklären und im Falle eines Mangels ist Vitamin D leicht zu sublimieren. Mir helfen Vitamin D + K3 Tropfen. Die Einnahme ist einfach und ich kombiniere das mit meinen morgendlichen Medikamenten.

Tagesrhythmus einhalten: Wenn die Tage drücken, versuche ich meinen Tag nach den hellen Stunden auszurichten. Ich stehe früh auf und gehe früh schlafen. Mit meiner Hündin gehe ich zwar sowieso raus, aber kleine Spaziergänge helfen die vorhandenen Sonnenstrahlen aufzunehmen.

Obst und Gemüse: Eine gesunde Ernährung ist natürlich niemals falsch, aber besonders im Winter helfen Vitamine das Immunsystem zu stärken und die Laune zu bessern.

Extra Selfcare: Und manchmal reicht dann doch ein Abend auf der Couch im Kerzenschein.

It’s okay to not be okay

Eigentlich bleibt nur zu sagen: Es ist okay, wenn dir der Winter schwerfällt. Psychische Erkrankungen sind zu jeder Jahreszeit wirklich blöd und wenn du die Winter oder die Weihnachtszeit nicht magst, bist du damit nicht alleine – und es ist okay. Am Wichtigsten ist, dass du dich selbst ernst nimmst und dir den Abstand, die Zeit und die Selbstliebe gibst, die du brauchst.

Titelbild: unsplash/Genessa Panaint

Über die Autorin

Mit ganz viel Ehrlichkeit, Feingefühl und Liebe für die Sache schreibt unsere Autorin über das Leben mit psychischen Krankheiten. Warum das nicht immer einfach ist und gegen welche Vorurteile sie ankämpft erzählt sie in der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth

Anmerkung der Redaktion: Wenn du selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidest oder jemanden kennst, der daran leidet, kannst du dir bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Du erreichst diese telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Informationen und Hilfe bei Depressionen:
https://www.deutsche-depressionshilfe.de

Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 0800/116 111 Mo. bis Sa. 14-20 Uhr, anonym & kostenlos!

In Stuttgart bietet der Arbeitskreis Leben suizidgefährdeten Menschen, Menschen in Lebenskrisen, Angehörigen, sowie Hinterbliebenen nach dem Suizid eines nahestehenden Menschen Unterstützung an. Telefon  0711/600 620, hier geht es zur Internetseite >>>

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Weltmänner-
tag: Warum mich Männer langweilen

Auch dieses Jahr ist wieder Weltmännertag. Unsere Autorin hat da eine klare Meinung und findet: Ein Tag für Männer? Wie öde.

Bremerhaven/Stuttgart – Mein lieber Kollege Björn und ich sind uns da eigentlich ziemlich einig. Trotzdem möchte ich auch was dazu sagen – zu dem Tag für Männer. Mit der polarisierenden Überschrift gehe ich mit meinen brennenden BHs und meiner Beinbehaarung schonmal in Deckung. Ganz so einfach ist das nämlich nicht, es gibt nicht nur schwarz und weiß. Nicht nur Männerhass und Feminismus. Feminismus hat nämlich gar nichts mit Männerhass zu tun.

Die Geschichte der Männer

Der 19. November ist internationaler Männertag. Das klingt so, als ob der Mann und seine Männlichkeit die restlichen 364 Tage im Jahr irgendwie untergehen würden. Aber schauen wir doch mal genauer hin: Festival-Line-Ups, Speakerpanels und Unternehmensspitzen sind hauptsächlich männlich besetzt. Kaum ein Bereich in unserem Leben kann ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis vorweisen. Die häufigste Antwort darauf: Es gibt eben keine qualifizierten Frauen in diesem Bereich.

Ich sage: Quatsch.

Wenn ich in Vorlesungen sitze und mir anhöre, welche Designer dies und jenes geprägt haben, bin ich vor allem eins: gelangweilt. Frauen bleiben in der Geschichte weitgehend unsichtbar. Oder wie viele weibliche Autorinnen werden im Deutschunterricht behandelt? Selbst Effie Briest, die Geschichte über ein junges Mädchen, das zwangsverheiratet wird, wurde von wem geschrieben? Exakt, einem Mann. In meiner ganzen Schulzeit und sogar im Studium – immer das gleiche Bild: Männer haben unsere Gesellschaft geprägt und vorangebracht.

Aber geht die Rechnung denn überhaupt auf? Die Hälfte der Weltbevölkerung ist weiblich. Und saßen diese wohl schon immer brav daheim und schauten dabei zu, wie Männer die Welt veränderten? Nein.

„Aber unsere Bundeskanzlerin ist eine Frau!“

Die erste weibliche Bundeskanzlerin war ein großer Schritt in Richtung Gleichberechtigung. Mädchen wuchsen mit dem Vorbild auf, dass auch sie an die Spitze, Führungspositionen besetzen und Bundeskanzlerin werden können. Leider reicht das noch nicht. Der 2017 gewählte Bundestag weist einen Frauenanteil von 31 Prozent auf. Im Bundestag sitzen somit immer noch mehr als doppelt so viele Männer als Frauen. Noch bis zu diesem Jahr wurden Menstruationsprodukte mit 19 Prozent besteuert, Abtreibungen sind illegal und nur bis zum dritten Monat eine gesetzliche Grauzone und Gehälter sind heute noch ungleich.

Es gibt viele, wahnsinnig tolle und inspirierende Frauen und ich möchte mehr davon in Geschichtsbüchern, in Filmen und in den Medien sehen. Und keinen Männertag an dem die gefeiert werden, die sowieso schon den meisten Raum einnehmen.

Was können wir tun?

Ich möchte nicht nur meckern. Ein Tag, der auf Männergesundheit aufmerksam macht, ist großartig. Auch sollten wir einen Blick auf die strukturelle Ungleichheit in sozialen Berufen, Sorgerechtsentscheidungen und Wahrnehmung von Vätern, die in Elternzeit gehen, werfen. Das sind alles wichtige Themen.

Dennoch gilt es, Frauen zu fördern, sie zu Wort kommen zu lassen und wenn es darum geht, Menschen einzuladen, die eine Bühne betreten, dann lasst uns Männern und Frauen den gleichen Raum geben. Setzt Frauen in Führungspositionen und wenn es mal wieder eine Gesprächsrunde nur mit Männern gibt, schreibt den Organisatorinnen. Gebraucht die weibliche Form in eurer alltäglichen Sprache und vor allem: Solidarisiert euch.

Männlichkeit ist ein gesellschaftliches Konstrukt und wenn wir gemeinsam Menschlichkeit, Empathie und Liebe feiern, können wir das nicht nur an einem festgelegten Tag tun, sondern 365 Tage im Jahr.

Titelbild: unsplash/Autri Taheri

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Rückblick: Ein Jahr fern vom Kessel

In der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth schreibt unsere Autorin über psychische Gesundheit und Krankheit, den Alltag damit sowie all die kleinen und großen Hürden im Leben. Ein Jahr Norddeutschland, fernab von Kesselcharme und Co. – was hat sich da so getan? Ein Rückblick.

Bremerhaven/Stuttgart – Das neue Semester hat begonnen und das bedeutet für mich: Ein Jahr ohne 0711. Wie fühlt sich das an? Was hat sich verändert? Fehlt mir das Schwabenländle? Ich bin in Norddeutschland angekommen. Und manchmal sticht das Herz trotzdem – beim Gedanken an Stuttgart und der damit verbundenen Sehnsucht.

Unsere Autorin und das Meer

Von der großen in die kleinere Großstadt

Inzwischen bin ich wirklich da. In Norddeutschland. Ich weigere mich zwar immer noch strikt „Moin“ zu sagen, aber ich bin ja auch kein Nordkind. Ab und zu rutscht mir sogar ein „Grüß Gottle“ raus und dann schäme ich mich aber auch ein bisschen, denn in Stuttgart habe ich das ja auch nie gesagt. Manchmal „schwäbel“ ich unabsichtlich und benutze Wörter wie „Kehrwisch“ oder „kannsch des bidde“ mal halten. Sehr zur Freude meiner Mitmenschen btw. Und immer wenn ich ab und zu fast schon vergessen habe, dass ich Stuttgarterin bin, gibt’s diese kleinen Heimatgefühle. Hier im Norden weht wortwörtlich ein anderer Wind. Es wird Kohl gegessen und man ist mit Ruderbooten unterwegs. Gute Maultaschen gibt es hier einfach nicht. Brezeln auch nicht. Allerdings sind die Franzbrötchen unschlagbar lecker – ein kleiner Trost.

Rückblick: 2019 war ein gutes Jahr

2019 war ein aufregendes Jahr. Ich studiere, habe eine Hündin adoptiert und meine psychische Gesundheit kann sich ziemlich sehen lassen. Fast ein Jahr schreibe ich nun auch schon diese Kolumne und es erfüllt mich mit ganz viel Wärme, dass manche Themen präsenter werden – in unserer Gesellschaft und in den Medien.

Grundsätzlich: Mein Umzug in den Norden war eine gute Sache. Ich mag das Wetter, es gibt keinen stehenden Feinstaub. Die Nähe zum Meer gibt mir mehr, als ich vermutet hätte und im Regen laufe ich inzwischen tapfer gegen den Wind. Hier spricht man viel hochdeutsch, die Menschen sind aufgeschlossen und nett. Es ist faszinierend wie unterschiedlich der Raum, die Sprache und die Bewohner sein können, obwohl wir im gleichen Land leben. Das ist spannend.

Was mir fehlt? Die Großstadt. Ich mag den Trubel und die Bewegung. Stuttgart ist irgendwie kompakt und eigen. Eine Stadt, die man lieben lernen muss, die einem aber Raum gibt zum Warmwerden.

Vom Zacke fahren und dem Schwan vom Feuersee

Obwohl sich in Stuttgart auch richtig viel tut (aus der Ferne fühlt sich das noch mehr an, als es vielleicht ist), ist es immer wirklich schön, in die alte Heimat zurückzukommen. Trotz Veränderungen gibt es die gleichen Orte. Am Feuersee den Schwan im Blick behalten, auf dem Marienplatz Limo trinken und Menschen beobachten, mit der Zacke einfach mal einen Ausflug an den Kesselrand machen.

Ob ich wieder zurück in den Kessel ziehe? Das weiß ich noch nicht. Erstmal nicht. Aber Stuttgart, 0711, Erste Liebe und Kesselcharme werden in meinem Herzen immer einen Ehrenplatz einnehmen.

Über die Autorin

Mit ganz viel Ehrlichkeit, Feingefühl und Liebe für die Sache schreibt unsere Autorin über das Leben mit psychischen Krankheiten. Warum das nicht immer einfach ist und gegen welche Vorurteile sie ankämpft erzählt sie in der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth

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http://www.kbv.de/html/arztsuche.php

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