Wenn jemand suizidale Äußerungen macht

In der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth schreibt unsere Autorin über psychische Gesundheit und Krankheit, den Alltag damit sowie all die kleinen und großen Hürden im Leben. Wenn man plötzlich mit suizidalen Äußerungen konfrontiert wird, fühlt sich das hilflos und überfordernd an. Unsere Autorin hat das selbst erlebt und weiß: Handeln ist wichtig!

Anmerkung der Redaktion: Wenn du selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidest oder jemanden kennst, der daran leidet, kannst du dir bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Du erreichst diese telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Bremerhaven/Stuttgart – Wir sitzen zusammen am Deich (Für die Kesselkinder: das ist eine Schutzanlage entlang von Küsten und Flüssen. Da kann man sich gut hinsetzen und in die Sonne schauen. Wie am Marienplatz, nur mit Wasser). Es ist Sonntagabend und die Sonne geht gerade unter. Neben Glasflaschen und Picknickdecken unterhalten wir uns und lachen gegen den Wind. Die Stimmung ist ausgelassen, außer uns sind kaum andere Menschen am Deich.

Ein unbekannter Gast

Plötzlich setzt sich ein Mann neben uns. Er hat eine Bierflasche in der Hand und ist stark alkoholisiert. Wir sind genervt und werfen uns Blicke zu. Im ersten Moment überlege ich, wie ich ihm elegant vermitteln kann, dass seine Anwesenheit nicht erwünscht ist. Oder ob Ignorieren die bessere Strategie sei. Zunächst entscheide ich mich für Letzteres.

Nach kurzer Zeit beteiligt er sich an unserem Gespräch – und ist erstaunlich klar in seiner Wortwahl, also für seinen Zustand. Ich gebe ihm eine Chance und höre ihm zu. Schnell merke ich: Er ist suizidal.

Von Unsicherheit und Gesprächsführung

Die Stimmung kippt drastisch. Unsere Blicke treffen sich hilflos. Ich lasse ihn weiterreden und höre mir seine Geschichte an. Dann greif ich ein und spreche ihn auf seine getroffenen Aussagen an. Die Gruppe findet keine Worte, also übernehme ich die Gesprächsführung. Nicht nur, weil ich keine Berührungsängste mit dem Thema habe, sondern weil ich nachempfinden kann, wie er sich wohl fühlt.

Ich versichere ihm, dass seine Existenz sehr wohl eine Bedeutung hat. Und dass Suizid niemals die Antwort ist. Er lacht betrunken, irgendwie auch verlegen. Dann biete ich ihm an, ihn in die Notaufnahme zu bringen – was er nicht will.

Ich kann es verstehen, mache ihn aber darauf aufmerksam, dass ich gezwungen bin, die Polizei zu rufen. Dagegen wehrte er sich nicht. Ich spüre, dass er sich hilflos fühlt, aber trotzdem noch ein kleiner Funken Hoffnung in ihm lodert, dass ihm geholfen werden kann.

Ich entferne mich kurz von der Gruppe, während meine Freunde das Gespräch weiterführen. Nach einem kurzen Telefonat mit der Klinik, wähle ich den Notruf. Ich erkläre die Situation und unseren Standort. Die Polizei braucht kaum zehn Minuten und holt den torkelnden, hilflosen Mann ab.

Was also tun? Wie kann ich helfen?

Derartige Situationen können beängstigend sein. Egal ob es sich um eine dir unbekannte Person oder sogar eine dir nahestehende Person handelt. Mit Suizidalität muss immer ernst umgegangen werden.

  1. Wiederhole, was dein Gegenüber ausspricht und versichere dich über die Aussagen
  2. Sei präsent und habe keine Berührungsängste
  3. Erkläre deinem Gegenüber, dass du die Aussagen ernst nimmst und du ihn nicht alleine lassen kannst
  4. Lasse eine suizidale Person nicht alleine
  5. Erkläre deinem Gegenüber, dass du ihn in die Klinik/Notaufnahme begleitest oder organisierst, dass die Person dort hingebracht wird
  6. Erkläre, dass du sonst die Polizei/Feuerwehr einschalten musst, da du die Verantwortung nicht tragen kannst und musst
  7. Verständige den Notruf, wenn die Person nicht kooperiert

Es gibt Spezialisten, die sich um solche Situationen kümmern können. Habe keine Angst der Person zu Nahe zu treten – es handelt sich um eine lebensbedrohliche Situation.

Natürlich kann es passieren, dass der Betroffene verärgert ist, aber es handelt sich, wie gesagt, um eine lebensbedrohliche Situation. Diese erfordert Einschreiten und Zivilcourage.

 

Anmerkung: Ich bin keine Spezialistin und keine Fachärztin. Dieser Artikel ist lediglich eine Hilfestellung. Wende dich unbedingt an professionelle Beratungsstellen oder einen Facharzt, wenn du weitere Fragen hast.

(Titelbild: Dan Meyers/unsplash)

Über die Autorin

Mit ganz viel Ehrlichkeit, Feingefühl und Liebe für die Sache schreibt unsere Autorin über das Leben mit psychischen Krankheiten. Warum das nicht immer einfach ist und gegen welche Vorurteile sie ankämpft erzählt sie in der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth

Informationen und Hilfe bei Depressionen:
https://www.deutsche-depressionshilfe.de

Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 0800/116 111 Mo. bis Sa. 14-20 Uhr, anonym & kostenlos!In Stuttgart bietet der Arbeitskreis Leben suizidgefährdeten Menschen, Menschen in Lebenskrisen, Angehörigen, sowie Hinterbliebenen nach dem Suizid eines nahestehenden Menschen Unterstützung an. Telefon  0711/600 620, hier geht es zur Internetseite >>>

Kassenärztliche Therapeuten in Deutschland:
http://www.kbv.de/html/arztsuche.php

Mehr aus dem Web

Autoren-Battle: Sind Sprach-
nachrichten eher Frechheit oder Segen?

Selbst Stadtkinder sind sich nicht immer einig. Insbesondere beim brisanten Thema Sprachnachrichten können sich die Fronten schon mal verhärten. Wir schicken wieder zwei unserer Autoren ins Wortgefecht.

Stuttgart – Überall werden die Telefonzellen abgerissen, die Generation Z hat schon gar keinen Festnetzanschluss mehr. Kommuniziert wird dennoch – am liebsten per Sprachnachricht. Das finden viele super, viele aber nicht so. Wir haben die Stadtkind-Autoren Jennifer Wrona und Björn Springorum in den Ring geschickt, um die Sache mal auszudiskutieren.

Hands up for Sprachnachrichten (Jennifer Wrona)

Sprachnachrichten sind die Brieftauben des 21. Jahrhunderts. Nur besser. Und zuverlässiger. Als Generation-Telefonieren-Phobie setze ich mich stark für den Gebrauch von Sprachnachrichten ein. Sie sind praktisch, informativ und jederzeit einsetzbar. Ich würde meinem Stromanbieter lieber eine Sprachnachricht hinterlassen, als ewig in Warteschleifen zu hängen oder wochenlang E-Mails hin und her zu schicken. Im Gegensatz zu einer Mailboxnachricht sehe ich ganz genau, wann meine Sprachnachricht angehört wurde und muss kein Geld für ein Einschreiben ausgeben.

Sprachnachrichten wollen gelernt sein

Doch ich muss einräumen, dass ich dem lieben Björn da unten in einem (!) Punkt zustimme. Manch einer/eine schickt Sprachnachrichten aus der Hölle. Die Qualität im pfeifenden Wind lässt zu wünschen übrig. ABER! Ich kontere damit, dass es liebevolle Sprachnachrichten gibt.

Ich sende Sprachnachrichten, wenn ich Freunden, die nicht mehr in meiner Nähe wohnen, eine Geschichte erzählen möchte. Und das mache ich eben nicht, wenn ich gerade in einer lauten Umgebung bin. Wenn mir eine Sprachnachricht nicht gefällt, nehme ich sie nochmal auf. Und das hat den grandiosen Effekt, dass man sich automatisch kürzer fasst.

Außerdem kann ich die Emotion „hab unseren Song gerade beim Einkaufen oder in der Lieblingsbar gehört“ wohl kaum in lächerliche Worte packen. Da wird auf die Aufnahmetaste gedrückt, unkommentiert abgeschickt und beide Parteien können sich selig darüber freuen. Ganz wortlos.

Hassobjekt: Ein klingelndes Telefon 

Außerdem: Ich hasse telefonieren. Die blanke Panik setzt ein, wenn meine Musik auf dem Smartphone plötzlich leiser wird und das schrille Klingeln ertönt – noch schlimmer: der Anruf von einer unbekannten Nummer. Ich stelle mich dann tot, denn wegdrücken wäre unhöflich und die Mailbox kommt ganz automatisch.

Inzwischen bin ich überzeugt davon, dass wichtige Anrufer auch genauso gut eine Mailbox-Nachricht hinterlassen können. So wie eine Sprachnachricht, nur uncooler. Diese blanke Telefonpanik scheint ein weiterverbreitetes Phänomen meiner Generation zu sein. Warum das so ist, weiß ich nicht.

Aber eigentlich ist es ja auch ganz einfach. Jemand, der mich anruft, erwartet von mir jetzt Zeit zu haben. Abgesehen von meiner Telefonpanik, habe ich die meistens genau dann nicht.

„Ich plädiere für liebevolle Sprachnachrichten“

Wenn dann auch noch keine Nachricht hinterlassen wird, verbringe ich Stunden damit zu grübeln, weswegen man mich wohl angerufen haben könnte. Bei einer Sprachnachricht? Kein Problem. Die höre ich mir an, wann ich will, wenn ich Zeit habe und erspare es mir, lange Nachrichten zu lesen.

Außerdem kann ich mir in Ruhe überlegen, was ich antworte und die Antwort abschicken, wann ich das möchte. Win-Win-Situation, oder? Ich plädiere also für liebevolle Sprachnachrichten. Ohne Hintergrundgeräusche und maximal 3 Minuten lang.

PS. Um Björn auf seinen Text zu antworten, habe ich ihm als Antwort eine Sprachnachricht geschickt. Er hat sie sich auch angehört.

Daumen runter für Sprachnachrichten (Björn Springorum)

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, den Kommentar meiner hochgeschätzten Kollegin Jennifer nur mit einem Zitat zu kontern. Bäm, nimm das, damit ist ja wohl alles gesagt, oder?

Dann dachte ich eine Weile drüber nach. Und noch eine Weile. Noch ein bisschen. Und beschloss für mich, dass das Thema viel zu ergiebig ist, um es so kurz abzukanzeln. Und als ich dann ihren Kommentar hier zu diesem Thema las, da stand fest: Leinen los!

Not my president

Es fängt nämlich schon mit dem Betreff ihrer E-Mail an, in der sie mir ihren Text schickte. Wahrscheinlich muss ich ja schon froh sein, dass sie mir ihren Kommentar nicht als Sprachnachricht sendete.

Der Betreff jedenfalls lautete: „Sprachnachrichten for president“. Und na ja, dem kann ich tatsächlich zustimmen. Denn ein Blick in die Welt zeigt ja, wie es um einige Präsidenten bestellt ist, oder? Die wünscht man nicht mal seinem schlimmsten Feind.

Egotrip: Telefon

Egal, steigen wir in den Ring. Zunächst muss ich allerdings erst einmal feststellen, dass Jennifer und ich in einem nicht gerade unerheblichen Punkt übereinstimmen: Telefonieren is the worst! Anachronistisch, vom Anrufer höchstgradig egoistisch, unpraktisch, viel zu spontan, reißt aus allem raus, was man gerade macht.

Jaha, könnte man jubilierend denken, dafür gibt es jetzt ja Sprachnachrichten. Doch die sind die Geißel der Generation WhatsApp. Denn auch wenn eine Sprachnachricht aus der Ferne wie die wohlwollende, entspanntere Schwester des Telefonierens wirkt, steckt der Teufel bekanntlich im Detail.

Noch ein Egotrip: Sprachnachrichten

Und dieses Detail lautet: Irgendwann muss ich mir die Scheiße ja doch anhören! Und da ist es jetzt wirklich nicht so, dass sich der Sprecher kurz fasst, nach dem Motto: „Treffen um 15.00 Uhr. Stopp. Wein vorhanden. Over.“ Nein, nein, nein. Meist läuft der Aufzeichner/die Aufzeichnerin einer Sprachnachricht gerade von A nach B, was für lästiges Windgepfeife und Rauschen sorgt. Oder er wartet auf eine Bahn. Oder sie sitzt im Auto. In jedem Fall hat man gerade viel zu viel Zeit und denkt sich: Ach, ich könnte doch dem Björn noch mal wegen heute Abend Bescheid geben.

3 Minuten und 13 Sekunden leeres Gewäsch

Zack, Sprachnachricht aufgenommen, zack, gesendet. Bling, sie kommt bei mir an. Drei Minuten und 21 Sekunden. Äh, was? Ich höre die Nachricht ab, quäle mich durch einen kurzen Abriss, wo die Person gerade ist, warum sie da ist und überhaupt, ausgarniert mit Floskeln, Ähs und Irrelevantem. Drei Minuten und 13 Sekunden später dann: Ach ja, heute Abend 19 Uhr passt. Bis später also, ciao!

Kommunikation ist das nicht

Das ist nichts anderes als ein Anrufer, der mich gerade aus höchst wichtiger YouTube-Recherche reißt, um zu fragen, ob seine E-Mail angekommen ist. Es! Stiehlt! Zeit!

Und das Argument, dass die Sprachnachricht die sozialere Form der Kommunikation ist, weil wir zumindest unsere Stimme einsetzen anstatt ganze Sätze aus Emojis zu bilden, lasse ich nicht zählen. Wenn es wirklich wichtig ist, wenn man wirklich mit jemandem sprechen muss, dann reicht eine Sprachnachricht nicht. Dazu braucht es richtige zwischenmenschliche Kommunikation, die nicht aus einem pfeifendem Wind oder einer ratternden Stadtbahn im Hintergrund besteht. Sondern aus Worten, Gesten, Mimik, Körpersprache. Und dem satten „Kling“, wenn man mit einem Glas Wein anstößt.

Win-Win? Win-Lose!

Aus einer Win-Win-Situation bei Sprachnachrichten wird also eine Win-Lose-Situation. Und damit sind wir wieder bei dem eingangs erwähnten Zitat, das ich hier dennoch nicht unerwähnt lassen möchte:

„Don’t use the phone. People are never ready to answer it. Use poetry.“ (Jack Kerouac)

Heute würde er wahrscheinlich sagen: „Don‘t use the Sprachnachricht. People don‘t want to hear your nonsense.“ Ich beherzige das. Und beantworte Sprachnachrichten wie die, die mir Jennifer nach Vollendung ihres Artikels zuschickte, weiterhin trotzig mit Text. Vielleicht ja auch mal in Reimform.

Anm. d. Red.: Unsere beiden Autoren haben sich nach dem Battle wieder vertragen. Alles gut bei Stadtkind Stuttgart.

(Titelbild: rawpixel)

Mehr aus dem Web

Entschuldige, dass ich dich auf der Straße nicht erkenne

In der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth schreibt unsere Autorin über psychische Gesundheit und Krankheit, den Alltag damit sowie all die kleinen und großen Hürden im Leben. Dieses Mal erklärt sie, was eine dissoziative Amnesie ist und warum das über gewöhnliche Vergesslichkeit hinausgeht.

Bremerhaven/Stuttgart – Es gibt viele Tipps und Tricks, um das eigene Gedächtnis zu stärken und sich besser erinnern zu können: an Namen, Zahlen, Orte oder Gesichter. Lange Zeit dachte ich, ich sei einfach vergesslicher als die meisten Menschen. Bei mir nimmt das allerdings ziemlich unangenehme Ausmaße an.

Erinnerungslücken

Traumatische Ereignisse sowie anhaltende Traumata können zu dissoziativen Zuständen führen. Eine dissoziative Amnesie äußert sich in Form von Gedächtnisstörungen und Erinnerungslücken. Das hat den Zweck, die betroffene Person davor zu bewahren, sich erneut mit traumatischen Erlebnissen auseinandersetzen zu müssen – also eine Art Schutzfunktion.

Betroffene weisen Erinnerungslücken zu bestimmten Abschnitten ihres Lebens auf. Diese Form der Amnesie geht weit über eine gewöhnliche Vergesslichkeit hinaus. Es können nur Minuten des Geschehenen vergessen werden oder sogar ganze Ereignisse.

Alltagsamnesie

Einige Betroffene leiden auch unter sogenannter Alltagsamnesie. Durch geringe Belastung kann es dazu kommen, dass alltägliche, nicht-traumatische Erlebnisse vergessen werden. Es handelt sich hierbei um ein chronifiziertes Traumafolgesymptom. Dies führt zu Problemen in Beziehungen oder in der Interaktion mit dem Umfeld.

Manchmal lerne ich Menschen kennen, sie werden mir vorgestellt und ich erkenne sie am nächsten Tag auf der Straße nicht wieder. Schon oft bin ich dadurch in peinliche Situationen geraten und die meisten Menschen halten mich für arrogant oder überheblich.

„Bist du nicht…?“

Es kommt auch vor, dass mir Freunde von einem Ereignis berichten, bei welchem ich wohl dabei war, aber an das ich mich partout nicht erinnern kann. Es ist wie ein Film über mein Leben, von dem mir andere berichten. Ich kann es nicht einschätzen und es gibt für mich auch keine logische Struktur, wann sich mein Gehirn Dinge merkt und wann nicht.

Ich kann das oft geschickt überspielen und lerne mich immer besser kennen. Allerdings ist es schwer zu erklären, warum ich völlig banale Erlebnisse nicht mehr einordnen kann.

Ein freundliches Hallo erwidere ich gerne, aber seid mir nicht böse, wenn ich mich nochmal vorstelle.

(Titelbild: Unsplash/Allef Vinicius)

Über die Autorin

Mit ganz viel Ehrlichkeit, Feingefühl und Liebe für die Sache schreibt unsere Autorin über das Leben mit psychischen Krankheiten. Warum das nicht immer einfach ist und gegen welche Vorurteile sie ankämpft erzählt sie in der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth.

Anmerkung der Redaktion: Wenn du selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidest oder jemanden kennst, der daran leidet, kannst du dir bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Du erreichst diese telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Informationen und Hilfe bei Depressionen:
https://www.deutsche-depressionshilfe.de

Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 0800/116 111 Mo. bis Sa. 14-20 Uhr, anonym & kostenlos!

In Stuttgart bietet der Arbeitskreis Leben suizidgefährdeten Menschen, Menschen in Lebenskrisen, Angehörigen, sowie Hinterbliebenen nach dem Suizid eines nahestehenden Menschen Unterstützung an. Telefon  0711/600 620, hier geht es zur Internetseite >>>

Kassenärztliche Therapeuten in Deutschland:
http://www.kbv.de/html/arztsuche.php

Mehr aus dem Web

Selfcare ist mehr als Schaum-
bäder und Duftkerzen

In der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth schreibt unsere Autorin über psychische Gesundheit und Krankheit, den Alltag damit sowie all die kleinen und großen Hürden im Leben. Heute: Warum Selfcare mehr ist, als ein Schaumbad zu nehmen.

Bremerhaven/Stuttgart – Gedankenverloren scrolle ich durch meinen Instagramfeed. Vorbei an Obsttellern und Gesichtsmasken lande ich auf einer Liste von Selfcare-Vorschlägen. Sie beinhaltet Joggingrunden, Yogaposen und Gojibeerensmoothies. Ich seufze und schließe die App.

Was ist eigentlich Selfcare?

Oft wird im Internet, und vor allem auf Instagram, eine Art von Selfcare propagiert, die einen schnell unter Druck setzen kann. Selfcare bedeutet zuerst einmal Selbstfürsorge. Und Selbstfürsorge bedeutet mehr, als Badebomben und Duftkerzen zu kaufen.

Mit einer psychischen Erkrankung fallen selbst die kleinsten Dinge des Alltags schwer: aufstehen, Klamotten anziehen, duschen oder sogar Essen machen. All das erfordert ein unglaublich hohes Maß an Kraft und Energie.

Sich eine Badewanne einzulassen ist da eher unvorstellbar. Lange Zeit habe ich mich dadurch noch schlechter gefühlt, weil ich keine Goldmasken, Maniküre oder Spinatsmoothies in meinen Alltag integrieren konnte. Und es hat verdammt lange gebraucht, bis ich verstanden habe, dass Selfcare viel mehr ist als das.

Frühstück und Netflixserien

Wenn das Aufstehen schwer fällt, fühlt sich schon eine Dusche nach Selfcare an. Selfcare bedeutet, sich selbst ernst zu nehmen, die eigenen Gefühle zu spüren und nachzuforschen, was man gerade braucht. Das bedeutet, die liebste Schlafanzugshose anziehen, zum Frühstück Nudeln mit Pesto essen oder die Jalousie ein kleines bisschen weiter öffnen. Die Fenster aufreißen für frische Luft oder das sich stapelnde Geschirr zusammenzusammeln und in die Küche zu bringen.

Wie soll ich ein Schaumbad nehmen, wenn ich seit zwei Wochen nicht geduscht, geschweige denn das Bett verlassen habe? Ich lernte, auf die kleinen Selfcare-Momente stolz zu sein. Haare bürsten, das dreckige Tshirt wechseln, vielleicht sogar den Müll vor die Haustür bringen. Selfcare ist keine festgelegte Liste von Dingen, die man abarbeiten muss, damit es einem besser geht. Selfcare, das bedeutet zu verstehen, was einem guttut und wie man die schwarzen Wolken zumindest ein kleines Stück zur Seite schieben kann.

Versteht mich nicht falsch, wenn es hilft, dann darf man auch zehn Schaumbäder nehmen. Aber es ist okay, kleine Schritte zu machen und sich im Bad erst einmal die Zähne zu putzen.

(Titelbild: Annie Spratt/unsplash)

Über die Autorin

Mit ganz viel Ehrlichkeit, Feingefühl und Liebe für die Sache schreibt unsere Autorin über das Leben mit psychischen Krankheiten. Warum das nicht immer einfach ist und gegen welche Vorurteile sie ankämpft erzählt sie in der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth.

Anmerkung der Redaktion: Wenn du selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidest oder jemanden kennst, der daran leidet, kannst du dir bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Du erreichst diese telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Informationen und Hilfe bei Depressionen:
https://www.deutsche-depressionshilfe.de

Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 0800/116 111 Mo. bis Sa. 14-20 Uhr, anonym & kostenlos!

In Stuttgart bietet der Arbeitskreis Leben suizidgefährdeten Menschen, Menschen in Lebenskrisen, Angehörigen, sowie Hinterbliebenen nach dem Suizid eines nahestehenden Menschen Unterstützung an. Telefon  0711/600 620, hier geht es zur Internetseite >>>

Kassenärztliche Therapeuten in Deutschland:
http://www.kbv.de/html/arztsuche.php

Mehr aus dem Web

Eine Depression macht keine Sommer-
pause

In der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth schreibt unsere Autorin über psychische Gesundheit und Krankheit, den Alltag damit sowie all die kleinen und großen Hürden im Leben. Heute geht es darum, dass der Sommer nicht nur Glücksgefühle auslösen kann. Denn Depressionen kennen keine Jahreszeiten.

Stuttgart/Bremerhaven – Sonne, im See baden, Eis essen, draußen sein, Weinfeste, kurze Hosen, Picknick, Urlaub: Eigentlich löst der Sommer bei den meisten Menschen ziemlich viele Glücksgefühle aus. Depressionen werden eher mit dem Winter verbunden. Doch bei mir macht die Jahreszeit keinen Unterschied. Klar, im Winter scheint die Sonne weniger, der Körper braucht mehr Vitamin D und die Stimmung ist gedrückt. Im Sommer dagegen sollte man in der Sonne sitzen und das Leben genießen. Doch psychische Erkrankungen kennen keine Jahreszeiten.

SAD – Saisonal abhängige Depression

Nur wenige Menschen leiden an einer saisonal abhängigen Depression. Verstimmungen und Bedrücktheit in den dunklen Monaten sind normal, keine Erkrankung. Was die SAD jedoch von anderen Depressionen unterscheidet, ist, dass sie ohne Appetitverlust einhergeht. Außerdem entwickelt sich ein erhöhtes Schlafbedürfnis. Ob man wirklich an einer SAD leidet, kann lediglich ein Facharzt beurteilen. Allerdings gilt die Faustregel: Wer länger als zwei Wochen andauernde Symptome erlebt und einen deutlichen Leidensdruck verspürt, sollte ab zum Arzt.

Im Sommer depressiv sein

Ich leide nicht an einer SAD, sondern an einer schweren, rezidivierenden Depression. Und die kennt eben keine Jahreszeiten. Wenn mir also mal wieder jemand den Tipp geben möchte, „einfach an die Sonne zu gehen“ oder „den Sommer zu genießen“, würde ich dieser Person am liebsten meine Patientenakte samt Diagnose und Bericht an den Kopf werfen. Gerade im Sommer ist es schwer und die Selbstvorwürfe wandern von „aber die anderen können doch auch“ zu „im Urlaub muss ich glücklich sein“. Hilfreich ist das natürlich nicht. Was ich gelernt habe: In den warmen und hellen Monaten muss ich extra soft zu mir sein, mir selbst Verständnis entgegenbringen und auch einfach mal akzeptieren, dass mein Bett auch im Sommer ein Rückzugsort sein kann.

Medikamente, Hitze und der Körper

Viele Menschen, die Psychopharmaka einnehmen, unterschätzen den Einfluss der Sonne auf ihren Körper. Durch die Einnahme derartiger Medikamente kann es zu Kreislaufproblemen kommen, man ist hitzeempfindlicher und auch die Sonneneinstrahlung wird gefährlicher. Also: Unbedingt öfter Sonnencreme benutzen, viel und ausreichend Wasser trinken, direkte Sonne vermeiden und auf den Kreislauf achten.

Im Sommer depressiv zu sein, kann mehr anstrengen als sonst. Aber Depressionen machen eben keine Sommerpause. Und an den guten Tagen geht es dann einfach auch ans Wasser – in den Schatten natürlich.

(Foto: Unsplash/Tatiana Gonzales)

Über die Autorin

Mit ganz viel Ehrlichkeit, Feingefühl und Liebe für die Sache schreibt unsere Autorin über das Leben mit psychischen Krankheiten. Warum das nicht immer einfach ist und gegen welche Vorurteile sie ankämpft erzählt sie in der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth.

Anmerkung der Redaktion: Wenn du selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidest oder jemanden kennst, der daran leidet, kannst du dir bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Du erreichst diese telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Informationen und Hilfe bei Depressionen:
https://www.deutsche-depressionshilfe.de

Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 0800/116 111 Mo. bis Sa. 14-20 Uhr, anonym & kostenlos!

In Stuttgart bietet der Arbeitskreis Leben suizidgefährdeten Menschen, Menschen in Lebenskrisen, Angehörigen, sowie Hinterbliebenen nach dem Suizid eines nahestehenden Menschen Unterstützung an. Telefon  0711/600 620, hier geht es zur Internetseite >>>

Kassenärztliche Therapeuten in Deutschland:
http://www.kbv.de/html/arztsuche.php

Mehr aus dem Web

Ein Leben zwischen hohen Hochs und tiefen Tiefs

In der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth schreibt unsere Autorin über psychische Gesundheit und Krankheit, den Alltag damit sowie all die kleinen und großen Hürden im Leben. Dieses Mal geht es um Stimmungsschwankungen, die eben nicht „nur“ Stimmungsschwankungen sind.

Bremerhaven/Stuttgart – Gute und schlechte Tage zu haben, gehört zum Menschsein dazu. Manchmal dauern die schlechten Tage auch eine Woche lang und manchmal verwandelt eine Kleinigkeit den guten Tag in einen schlechten. Das kennt jeder.

Meine Stimmung schwankt. Mehrmals am Tag.

Eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung bedeutet emotionale Fehlregulation. Vereinfacht erklärt: Manche Reaktionen fallen unter Umständen heftiger aus. Für Außenstehende kann das schnell unverständlich sein. Das bedeutet aber nicht, dass die gefühlten Emotionen nicht real sind, sie sind nur manchmal nicht angebracht.

Ich vergleiche meine Emotionen gerne mit einer rasenden Autobahn. Gesunde Menschen denken so mit 130km/h. Bei mir sind es 260km/h – und das 24 Stunden am Tag. So anstrengend, wie das klingt, ist es auch. 24 Stunden am Tag auf Alarmbereitschaft zu sein und die Bremse nicht drücken zu können, ist belastend. Schnellschüsse oder Überreaktionen sind da keine Seltenheit.

Therapeuten vergleichen das nicht mit einer Autobahn, sondern mit einem fehlenden Filter im Gehirn, welcher Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden kann. Ich bin hypersensibel und nehme meine Umgebung zu jeder Zeit voll aufmerksam wahr. Ich kann mich schlecht konzentrieren und ständig ist da eine unterschwellige Alarmbereitschaft. Lange Zeit habe ich mich mit den negativen Folgen aufgehalten.

Eine verpasste Bahn gleicht einem Weltuntergang und wenn mich jemand bei einer Verabredung zehn Minuten warten lässt, fühle ich mich, als ob ich langsam und grausam ertrinke.

Als ich jünger war, habe ich nicht verstanden, warum Menschen in meinem Umfeld so gelassen reagieren. Warum sie so wenig aus der Bahn wirft und warum ein verschüttetes Glas für mich Ausnahmezustand bedeutet. Mit jedem Geburtstag verstehe ich mich immer besser. Ich habe viel versucht, um diese Emotionen zu regulieren oder zu unterdrücken. Heute lerne ich die Emotionen zuzulassen und einfach nur wahrzunehmen.

Die Schönheit von Gefühlen

Trotz all der Anstrengung lernte ich, dass diese Intensität der Gefühle auch wahnsinnig schön sein kann. Ein gutes Konzert beflügelt mich ins Unendliche und abends am Wasser zu sitzen und den Sonnenuntergang zu betrachten, fühlt sich an, wie zehnmal Geburtstag gleichzeitig haben. Trotz der tiefen Tiefs bin ich inzwischen okay damit. Die Tiefs sind wirklich schwer und ich muss jedes Mal aufpassen, mich versichern, dass der offene Schnürsenkel oder ein kaputtes Ladekabel nicht bedeuten, dass ich untergehe. Aber dafür ist ein ruhiger Morgen, ein gutes Essen oder eine feste Umarmung für mich das Ankommen auf einem hohen Berg.

Das Menschsein ist nicht schwarz und weiß, manchmal ist es grau oder dunkelgrün oder regenbogenfarben.

Und trotz Gedankengeschwindigkeit 260km/h schaffe ich es immer öfter für ein paar Sekunden zu bremsen und durchzuatmen.

(Titelbild: Priscilla Du Preez/Unsplash)

Über die Autorin

Mit ganz viel Ehrlichkeit, Feingefühl und Liebe für die Sache schreibt unsere Autorin über das Leben mit psychischen Krankheiten. Warum das nicht immer einfach ist und gegen welche Vorurteile sie ankämpft erzählt sie in der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth.

Anmerkung der Redaktion: Wenn du selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidest oder jemanden kennst, der daran leidet, kannst du dir bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Du erreichst diese telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Informationen und Hilfe bei Depressionen:
https://www.deutsche-depressionshilfe.de

Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 0800/116 111 Mo. bis Sa. 14-20 Uhr, anonym & kostenlos!

In Stuttgart bietet der Arbeitskreis Leben suizidgefährdeten Menschen, Menschen in Lebenskrisen, Angehörigen, sowie Hinterbliebenen nach dem Suizid eines nahestehenden Menschen Unterstützung an. Telefon  0711/600 620, hier geht es zur Internetseite >>>

Kassenärztliche Therapeuten in Deutschland:
http://www.kbv.de/html/arztsuche.php

Mehr aus dem Web

Wie ich Mut hatte und auf der Tincon sprach

In der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth schreibt unsere Autorin über psychische Gesundheit und Krankheit, den Alltag damit sowie all die kleinen und großen Hürden im Leben. Dieses Mal erzählt sie von einem Ausflug nach Berlin, als sie auf der Tincon sprach.

Berlin – Ich komme an einem Sonntag in der Hauptstadt an und treffe bei einer Freundin in der Wohnung ein. Ein paar Wochen zuvor schrieb ich Mails mit den Organisatoren der Tincon. Die Tincon ist eine (kostenlose) Konferenz für Jugendliche im Alter von 13 – 21 Jahren zum Thema Medien und Gesellschaft und fand dieses Jahr in Berlin auf der republica statt. Ich bereite meinen Talk vor und bin nervös.

Ehrlichkeit und Mut

Es ist nicht das erste Mal, dass ich vor Menschen spreche. Allerdings noch nie vor einem so jungen Publikum. Mein Panel trägt den Titel „#letstalkaboutmentalhealth: Mental Health und Social Media“ und eigentlich weiß ich ja, worüber ich spreche. Zwei Tage nach meiner Ankunft trete ich also auf die Bühne und versuche mein Herzensthema an junge Menschen zu bringen. Vor mir sitzen mehr Leute, als ich erwartet hatte und ich freue mich darüber. Mein Bauch wird warm und plötzlich fühle ich mich sehr wohl. Das Publikum ist aufmerksam und nach meinem Talk gebe ich Interviews für diverse Journalisten. Zum ersten Mal fühle ich mich, als ob das Thema psychische Gesundheit in der nächsten Generation wirklich angekommen ist. Ich spreche mit den jungen Menschen und mir wird schnell klar, dass diese ein völlig anderes Verständnis und Sensibilität für psychische Erkrankungen entwickeln, als das in meiner Jugend der Fall war. Ich bin erleichtert.

Eine neue Generation von mutigen, jungen Menschen

Nach meinem Talk erkunde ich das Gelände und höre mir die verschiedenen Beiträge an. Ich treffe alte Bekannte und neue Freunde und freue mich über die Selbstverständlichkeit, ja sogar Dringlichkeit, meiner Thematik, die alle interessiert mit denen ich darüber spreche.

Es ist 2019. Es ist Zeit, psychische Gesundheit zu einer Priorität zu machen. Es ist Zeit, darüber zu sprechen. Aber bei all den intelligenten, interessierten und mutigen Jugendlichen bin ich zuversichtlich und optimistisch. Ich hoffe, dass wir uns in fünf Jahren wieder treffen und uns verwundert darüber unterhalten werden, wie absurd es damals war, als psychische Erkrankungen noch ein Tabuthema waren. Ich fahre mit ganz viel Wärme im Herzen nach Hause und reflektiere den eigenen Mut, den ich gesammelt habe. Vor Menschen sprechen wird leichter, je öfter man es macht. Und mein eigener Enthusiasmus treibt mich selbst voran und fordert mich solche Möglichkeiten auch anzunehmen. Zwar mit Angst vor dem Unbekannten, aber auch mit ganz viel Mut im Bauch.

Titelbild: Alice Plati/TINCON

Über die Autorin

Mit ganz viel Ehrlichkeit, Feingefühl und Liebe für die Sache schreibt unsere Autorin über das Leben mit psychischen Krankheiten. Warum das nicht immer einfach ist und gegen welche Vorurteile sie ankämpft erzählt sie in der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth.

Anmerkung der Redaktion: Wenn du selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidest oder jemanden kennst, der daran leidet, kannst du dir bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Du erreichst diese telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Informationen und Hilfe bei Depressionen:
https://www.deutsche-depressionshilfe.de

Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 0800/116 111 Mo. bis Sa. 14-20 Uhr, anonym & kostenlos!

In Stuttgart bietet der Arbeitskreis Leben suizidgefährdeten Menschen, Menschen in Lebenskrisen, Angehörigen, sowie Hinterbliebenen nach dem Suizid eines nahestehenden Menschen Unterstützung an. Telefon  0711/600 620, hier geht es zur Internetseite >>>

Kassenärztliche Therapeuten in Deutschland:
http://www.kbv.de/html/arztsuche.php

Mehr aus dem Web

Ein Geburtstag zwischen Wehmut und Vorfeude

In der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth schreibt unsere Autorin über psychische Gesundheit und Krankheit, den Alltag damit sowie all die kleinen und großen Hürden im Leben. An ihrem Geburtstag reflektiert sie ihr vergangenes Jahr.

Bremerhaven/Stuttgart – Ich glaube es gibt zwei Arten von Menschen: die, die ihren Geburtstag lieben und die, die lieber ganz heimlich älter werden. Ich gehöre zur ersten Gruppe. Mein Geburtstag liegt jedes Jahr schön nach der Zeitumstellung und läutet den Frühling ein. Zwar hatte ich schon zu jeder Wetterlage Geburtstag, allerdings schien die letzten vier Jahre konstant die Sonne. Schon Wochen vorher bin ich ganz aufgeregt wie ein kleines Kind und kann es kaum abwarten Geburtstag zu haben. Diese kindliche Vorfreude ist überaus schön, allerdings holt mich dann relativ schnell auch die Realität ein.

Wie Neujahr, nur nicht Anfang des Jahres

Meist am Abend vorher setze ich mich vor meine Tagebücher und Fotos und lasse das vergangene Jahr Revue passieren. Wo stehe ich jetzt? Was war letztes Jahr? Wer ist in meinem Umfeld? Wie fühle ich mich? Wer bin ich und wer war ich?

Was nach fundamentalen, philosophischen Sinneskrisen klingt, ist es im Endeffekt auch. Zu kaum einer Zeit im Jahr (auch nicht an Silvester) setze ich mich so sehr mit mir selbst auseinander wie an meinem Geburtstag. Ich werde wehmütig, traurig, freue mich und bin verwirrt. All das gehört für mich zu meinem Geburtstag dazu. Die kritischen Gedanken und meine kindliche Vorfreude.

Letzter Geburtstag in der Klinik

Letztes Jahr befand ich mich in einer stationären Therapie an meinem Geburtstag. Ich war gerade erst zwei Wochen da und mir ging es wahnsinnig schlecht. Ich habe mich einsam und hilflos gefühlt und meine Geburtstagsfreude war ungewöhnlich gedämpft. Im Vergleich zu diesem Jahr fast eine 180 Grad Wendung.

Ich bin glücklich. Mein Geburtstag dieses Jahr lässt sich positiv festhalten. An diesem Tag fällt es mir leicht die Liebe aus meinem Umfeld wahr und ernst zunehmen. Sie berührt mich ganz tief und ich speichere sie dort ab für die Tage, an denen mir das schwer fällt.

Meine Erinnerungen halte ich fest, auf Fotos und Tagebüchern. Und älter werden finde ich gar nicht gruselig, sondern freue mich auch jetzt schon auf meinen Geburtstag nächstes Jahr.

(Titelbild: Unsplash/Adi Goldstein)

Über die Autorin

Mit ganz viel Ehrlichkeit, Feingefühl und Liebe für die Sache schreibt unsere Autorin über das Leben mit psychischen Krankheiten. Warum das nicht immer einfach ist und gegen welche Vorurteile sie ankämpft erzählt sie in der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth.

Anmerkung der Redaktion: Wenn du selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidest oder jemanden kennst, der daran leidet, kannst du dir bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Du erreichst diese telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Informationen und Hilfe bei Depressionen:
https://www.deutsche-depressionshilfe.de

Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 0800/116 111 Mo. bis Sa. 14-20 Uhr, anonym & kostenlos!

In Stuttgart bietet der Arbeitskreis Leben suizidgefährdeten Menschen, Menschen in Lebenskrisen, Angehörigen, sowie Hinterbliebenen nach dem Suizid eines nahestehenden Menschen Unterstützung an. Telefon  0711/600 620, hier geht es zur Internetseite >>>

Kassenärztliche Therapeuten in Deutschland:
http://www.kbv.de/html/arztsuche.php

Mehr aus dem Web