„Willst du mit mir wählen gehen?“: Ein Wahlantrag für die EU

In Deutschland findet am 26. Mai die Europawahl statt. Bei der letzten EU-Wahl war die Wahlbeteiligung erschreckend niedrig. Die Initiative „Kleiner Fünf“ will nun mit der Kampagne #proposals4eu dagegenwirken.

Stuttgart – Die EU-Wahlen stehen an. Am 26. Mai werden in Deutschland 96 Abgeordnete für das europäische Parlament in Brüssel gewählt. Das Interesse an den anstehenden Wahlen ist erschreckend gering: In einer Umfrage gaben 51% der Befragten an, wenig oder gar kein Interesse an den EU-Wahlen 2019 zu haben. Diese fehlende Begeisterung zeigte sich auch bei der letzten EU-Wahl im Jahr 2014. Dort lag die Wahlbeteiligung in Deutschland bei circa 48%. Die Initiative „Kleiner Fünf“ des Vereins „Tadel verpflichtet“ möchte das mit einer kreativen Aktion nun ändern: Dem Wahlantrag.

„Willst du mit mir wählen gehen?“

Die Aktion ist ganz einfach. Als erstes wird selbstverständlich ein Ring benötigt. Diesen kann man sich hier ausdrucken und falten. Nun nur noch eine Person für den Antrag auswählen und sie fragen: „Willst du mit mir wählen gehen?“ Romantischer als jeder Heiratsantrag, oder? Unter dem Hashtag #proposals4europe kann man ein Foto oder Video des Antrags in den Sozialen Medien teilen und damit noch mehr Menschen motivieren, bei der Aktion mitzumachen.

Die Europawahl ist so wichtig wie nie zuvor

Die Initiative „Kleiner Fünf“ von „Tadel verpflichtet“, die diese Kampagne initiiert hat, möchte sich damit für Demokratie und gegen Rechtspopulismus einsetzen. „Der Wahlantrag ist ein interaktiver Aufhänger, Demokratie zu erleben und über Politik zu sprechen. Das lässt sich über Social Media ebenso gut verbreiten wie in alltäglichen Gesprächen vertiefen – über Parteigrenzen hinweg“, schreibt „Kleiner Fünf“ auf ihrer Website.

Die anstehenden Wahlen sind von immenser Bedeutung. Denn rechtspopulistische Parteien wie beispielsweise die österreichische FPÖ, die italienische Lega Nord oder die niederländische Freiheitspartei stellen eine große Gefahr für eine tolerante und offene europäische Union dar.

Es ist ein Privileg, wählen zu dürfen und sehr wichtig, dieses auch wahrzunehmen. Wer sich nicht genug informiert fühlt, kann dies zum Beispiel auf der Internetseite europawahl.eu tun. Dort wird alles, was man zur Europawahl wissen muss, verständlich erklärt. Und auch in den Sozialen Medien kommt das Thema nicht zu kurz. Auf Instagram berichtet @eu.for.you über europäische Themen und die Wahl.

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Warum Feminismus nicht lieb sein darf

Feminismus? Finden viele an sich zwar gut, „aber bitte nicht zu viel davon, sonst ist’s nervig“. Unsere Autorin hat eine mögliche Erklärung dafür.

Stuttgart – Am 8. März war der Weltfrauentag. Ein Tag, der auf die Diskriminierung von Frauen auf der ganzen Welt aufmerksam machen soll. Und ein Tag, der alle ausdrücklich dazu aufrufen soll, an dieser Ungerechtigkeit etwas zu verändern. Gerade anlässlich dieses Tages habe ich besonders oft Sätze wie „Feminismus ist schon ganz gut, aber nicht zu viel, sonst nervt’s“ gehört – und zwar nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen.

Feminismus setzt sich für eine gerechte Gesellschaft ein 

Dass auch in Deutschland keine Gleichberechtigung herrscht, ist Fakt. Frauen sind in Führungspositionen, in der Politik, Wissenschaft sowie Wirtschaft immer noch unterrepräsentiert.

Zudem war am 18. März der Equal Pay Day, der auf die Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen aufmerksam machen soll. Denn Frauen verdienen in Deutschland immer noch durchschnittlich 21 Prozent weniger als Männer. Erst am 18. März werden Frauen gleich bezahlt, davor haben sie das Jahr quasi umsonst gearbeitet. Das Ziel des Feminismus ist es unter anderem, diese Ungerechtigkeiten zu verändern.

Feministinnen und Feministen setzen sich – kurz zusammengefasst – dafür ein, dass jeder Mensch unabhängig seines Geschlechts, seiner Herkunft, seiner Religion, seiner sexuellen Orientierung und so weiter gleichberechtigt ist. Eine Gesellschaft, in der jeder und jede die gleichen Chancen hat und niemand diskriminiert wird, ist doch etwas Wünschenswertes, oder?

Vor nicht allzu langer Zeit bedeutete Frausein noch: Stets freundlich, folgsam und fleißig sein

Trotzdem gibt es, wie ich anlässlich des Weltfrauentages gemerkt habe, immer noch viele Menschen, die „dem Feminismus“ kritisch gegenüberstehen, obwohl sie ihn in seiner Grundidee gut finden. Das mag unterschiedliche Gründe haben, jedoch spüre ich manchmal im Gespräch – besonders bei Frauen – eine gewisse Besorgnis, andere mit dem Thema Gleichberechtigung „zu nerven“.

Let me explain myself: Vor nicht allzu langer Zeit bedeutete Frausein noch: Stets freundlich, folgsam und fleißig sein – und unbedingt auch gut kochen können! Von diesem Bild beziehungsweise sozialem Konstrukt sind wir zum Glück so gut wie abgekommen, etwas davon ist jedoch trotzdem noch in unserer Gesellschaft verankert.

Und manche Frauen scheinen immer noch gewisse Skrupel zu haben, Forderungen zu stellen, zu protestieren, aufsässig zu sein – ja, auf die Nerven zu gehen. Weil dieses Bild der Frau, die eben bitte nicht widerspricht, immer noch in vielen Köpfen manifestiert ist.

Feminismus muss ungemütlich sein

Damit möchte ich selbstverständlich auf keinen Fall sagen, dass diese Frauen unmündig seien, nie widersprechen oder keine Forderungen stellen würden. Die meisten Kulturen auf der Erde sind nun einmal patriarchalisch strukturiert. Und viele Männer verteidigten ihre Privilegien eisern: „Ach Schatz, lass doch mal gut sein mit der Gleichberechtigung.“ Deswegen ist es klar, dass es für uns alle schwer ist, diese Strukturen aufzubrechen und zu verändern.

Feminismus muss unangenehm sein, er muss nerven und ungemütlich sein. Denn er muss schließlich ungerechte und diskriminierende Strukturen in unserer Gesellschaft ändern. Als vor über 100 Jahren in Deutschland das Frauenwahlrecht erkämpft wurde, ist das auch nicht dadurch passiert, dass ein paar Frauen gesagt haben: „Ja, also eigentlich würden wir auch ganz gerne wählen, aber nur wenn es gerade keine Umstände macht.“

Wir alle müssen die Angst abschütteln, mit dem Thema Gleichberechtigung zu nerven. Wir müssen laut sein, Forderungen stellen und nicht damit aufhören, bis sie erfüllt sind.

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#WasFürnSpahn – Bloggerin startet Petition gegen geplante Abtreibungs-
studie

Fünf Millionen Euro möchte Jens Spahn für die Durchführung einer Studie ausgeben, die die seelischen Folgen einer Abtreibung untersuchen soll. Dies sorgte für viel Kritik. Die Bloggerin Nike van Dinther startete gegen Spahns Vorhaben eine Online-Petition.

Stuttgart – Der Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bekam kürzlich fünf Millionen Euro bewilligt, um eine Studie durchführen zu lassen, die die psychischen Folgen eines Schwangerschaftsabbruchs untersuchen soll. Die geplante Studie bekam sehr viel Kritik, unter anderem von den Grünen und der SPD sowie auch auf Social Media. So startete die Bloggerin Nike van Dinther, die selbst schon mal eine Schwangerschaft abgebrochen hat, eine Online-Petition gegen die Studie mit den Namen „WasFürnSpahn – Herr Spahn, 5 Millionen Euro für Hilfe statt Hass“. Innerhalb von nur vier Tagen bekam die Petition schon über 60 000 Unterschriften.

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PETITION - LINK IN BIO 🔥 2019? Stimmt gar nicht. Eher 1924. Jetzt erlaubt das Bundeskabinett diesem misogynen Vogel @jensspahn also tatsächlich, stolze 5 Millionen für eine hanebüchene Studie über die seelischen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen auszugeben, die erstens psychische Verletzungen aufgrund von gängigen Stigmata auslassen wird und zweitens ganz offensichtlich nichts anderes ist, als ein schamloser Versuch, zutiefst frauenverachtende Gesetze und Geisteshaltungen zu verbrämen. Natürlich sitzt da wieder ein (konservativer) Mann ganz oben, um über Frauengesundheit zu entscheiden; ein Witz ist das. Oder besser: Der! Einer, der meint, wir würden die 'Pille danach' wie Smarties fressen, so ganz ohne Rezept-Pflicht. Einer, der uns offenbar keineswegs als mündige Menschen respektiert und uns rein gar nichts zutraut - Selbstbestimmung und Entscheidungsfähigkeit aka bewusstes Handeln zum Beispiel. Weitere 5.000.000 in den Kampf gegen Kinderarmut zu stecken oder in die Ausbildung von FrauenärztInnen, wo kämen wir denn da hin. Und was wäre das für eine Welt, in der nur Kinder geboren würden, die gewollt sind? Die reinste Dystopie für eine Regierung, die mehr damit beschäftigt ist, ihre eigene Unverantwortlichkeit WählerInnen-freundlich zu verpacken, als endlich Politik für die zu machen, die aus überaus mannigfaltigen persönlichen, gesundheitlichen oder sozialen Gründen ganz sicher viel lieber bunte Schokolinsen fressen würden, als ungewollt schwanger zu sein und eine Entscheidung treffen zu müssen/können/dürfen, die größer ist als jeder Penis der Welt. Und als nächstes dann nochmal extra Cash für eine spahn'sche Studie über die Auswirkungen von #regrettingmotherhood, bitte. Ach. Immer wieder schön, diese Christdemokraten mit ihrer vorbildlich gelebten Nächstenliebe. Bisschen wie mit der Homo-Ehe, gell? Oder diesen psychisch Kranken. Aber schlagt ruhig weiter Kreuze an die Wände öffentlicher Einrichtungen - zwei Balken im Namen der Beschränktheit. #wasfürnspahn #prochoice #keinescheidekeineahnung (von gewissen Dingen)

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5 Millionen Euro sinnvoller investieren

Nike van Dinther (und viele andere) kritisieren an Jens Spahns Vorhaben, dass es schon längst Studien zu den Auswirkungen einer Abtreibung gebe, die Ergebnisse ihm aber einfach nicht in sein Konzept passen. Denn die bereits existierenden Studien zeigen: „(….) es sind tatsächlich nicht die Abbrüche selbst, die psychische Erkrankungen wahrscheinlicher machen, sondern die Umstände. Das Risiko von Depressionen während und nach einer Schwangerschaft steigt bei einer ungewollten Schwangerschaft stark an. Frauen leiden demzufolge mitnichten unter dem Menschenrecht, eigene Entscheidungen treffen zu dürfen, sondern unter der immer noch herrschenden gesellschaftlichen Stigmatisierung (…)“, schreibt die Bloggerin in der Online-Petition.

Zudem drängt sich bei vielen Kritikerinnen der Verdacht auf, dass Jens Spahn mit der Studie Argumente gegen eine selbstbestimmte Abtreibung sammeln wolle und dahinter eine ideologische Motivation stecke.

Van Dinther fordert, die fünf Millionen doch lieber sinnvoller zu investieren. Und sie nennt auch gleich zahlreiche Vorschläge für alternative Verwendungszwecke des Geldes: „die Ausbildung von FrauenärztInnen, für Hebammen, Pflegekräfte und Geburtshilfe, für Opfer von sexueller Gewalt und Missbrauch, für den niederschwelligen Zugang zu Informationen, Beratungsstellen und (ärztlicher) Hilfe für Frauen in Konfliktsituationen oder für den Kampf gegen Kinderarmut (…)“.

Auf einen Tee mit Jens Spahn

Die Bloggerin hat außerdem noch einen Vorschlag für Jens Spahn. Sie möchte sich mit ihm auf einen Tee treffen, um das ganze in Ruhe zu diskutieren. „Ich glaube nämlich gar nicht, dass er ein böser Mann ist. Bloß ein Mann, der Vieles noch nicht verstanden hat“, erklärt die Petitionsstarterin.

Auch auf Social Media macht sich der Protest gegen Spahns Pläne bemerkbar. Unter den Instagramposts des Gesundheitsministers kommentierten tausende Nutzerinnen und Nutzer die Hashtags #WasfürnSpahn und #5MillionenSpahnsinn. Damit möchten sie noch mehr Druck auf ihn ausüben.

Geäußert hat sich Jens Spahn zu der Kritik bisher noch nicht. Stattdessen beantwortet er auf Instagram lieber die wichtigen Fragen, zum Beispiel, ob er einen Führerschein habe (Ja, „Auto fahre ich öfter selbst“).

Und auch auf die Einladung zum Tee mit Nike van Dinther ist er bis jetzt noch nicht eingegangen.

(Titelbild: Instagram Nike van Dinther @nikejane)

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#Januhairy – So ermutigt eine Studentin andere Frauen dazu, sich nicht zu rasieren

Die 21-jährige Studentin Laura Jackson hat auf Instagram den Hashtag #Januhairy – ein Wortspiel aus „January“ und „hairy“ –  ins Leben gerufen. Dadurch will sie andere Frauen ermutigen, sich nicht zu rasieren und zu zeigen, dass Körperbehaarung ganz normal ist.

Stuttgart – Heutzutage gibt es gefühlt endlose Möglichkeiten, wie man sich die Körperbehaarung entfernen (lassen) kann. Rasieren, Enthaarungscreme, Waxing oder epilieren (um nur ein paar zu nennen) – das alles kann auf Dauer nicht nur teuer und schmerzhaft werden, sondern ist vor allem auch sehr zeitaufwendig. Die 21-jährige Laura Jackson aus England wollte damit nun aufhören. Auf Instagram startete sie das Hashtag #Januhairy – ein Wortspiel aus „january“ und „hairy“. Sie möchte damit andere Frauen ermuntern, sich im Januar die Körperbehaarung nicht zu entfernen.

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Hi I’m Laura, the gal behind Januhairy! I thought I would write a little about my experiences and how Januhairy came about... I grew out my body hair for a performance as part of my drama degree in May 2018. There had been some parts that were challenging for me, and others that really opened my eyes to the taboo of body hair on a woman. After a few weeks of getting used to it, I started to like my natural hair. I also started to like the lack of uncomfortable episodes of shaving. Though I felt liberated and more confident in myself, some people around me didn’t understand why I didn’t shave/didn’t agree with it. I realised that there is still so much more for us to do to be able to accept one another fully and truly. Then I thought of Januhairy and thought I would try it out. It’s a start at least . . . I have had a lot of support from my friends and family! Even though I had to explain why I was doing it to a lot of them which was surprising, and again, the reason why this is important to do! When I first started growing my body hair my mum asked me “Is it you just being lazy or are you trying to prove a point?” . . . why should we be called lazy if we don’t want to shave? And why do we have to be proving a point? After talking to her about it and helping her understand, she saw how weird it was that she asked those questions. If we do something/see the same things, over and over again it becomes normal. She is now going to join in with Januhairy and grow out her own body hair which is a big challenge for her as well as many women who are getting involved. Of course a good challenge! This isn’t an angry campaign for people who don’t see how normal body hair is, but more an empowering project for everyone to understand more about their views on themselves and others. This picture was taken a few months ago. Now I am joining in with Januhairy, starting the growing process again along with the other wonderful women who have signed up! Progress pictures/descriptions from our gals will be posted throughout the month. Lets get hairy 🌵 #januhairy #bodygossip #bodyhairmovement #happyandhairy #loveyourbody #thenaturalrevolution #natural #hairywomen #womanpowe

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„Keine wütende Kampagne, sondern ein empowerndes Projekt“

Auf Instagram erzählt sie, wie die Idee für „Januhairy“ entstand. Im vergangenen Jahr musste sie sich für eine Performance ihre Körperhaare wachsen lassen. „Nach ein paar Wochen habe ich mich daran gewöhnt und habe angefangen, mein natürliches Haar zu mögen. (…) Obwohl ich mich befreit gefühlt habe und selbstbewusster wurde, haben manche Menschen in meinem Umfeld nicht verstanden, wieso ich mich nicht rasiere. Ich realisierte, dass es noch viel zu tun gibt, bis wir uns selbst voll und ganz akzeptieren“, schreibt Laura.

„Ich bekam viel Unterstützung von meinen Freunden und meiner Familie“, erzählt sie. Gleichzeitig bemerkte sie aber auch, wie oft sie erklären musste, wieso sie sich nicht rasiert. Auch ihre Mutter fragte sie, ob sie nur zu faul sei oder jemandem irgendwas beweisen wolle. „Wieso sollten wir faul sein, nur weil wir uns nicht rasieren? Und wieso sollten wir jemandem irgendwas beweisen wollen?“, fragt Laura unter ihrem Instagrampost.

„Das ist keine wütende Kampagne gegen Menschen, die Körperbehaarung nicht als normal ansehen, sondern ein empowerndes (ermächtigendes) Projekt für jeden, um mehr über die eigene Sicht auf sich selbst und andere zu verstehen“, erklärt sie.

Auf Instagram gibt es derzeit unter dem Hashtag schon mehr als 3.500 Fotos, in denen Frauen ihre Körperhaare zeigen. Alle mit dem gemeinsamen Ziel, zu zeigen, dass Körperhaare bei Frauen nichts anderes als normal sind und man sie nicht entfernen oder verstecken muss.

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Klimaschutz – „Morgen fange ich wirklich damit an“

Der Klimaschutz ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit. Die Folgen der globalen Erderwärmung sind den meisten eigentlich bewusst. Doch auf den Konsum von beispielsweise Plastik oder Fleisch zu verzichten, um das Klima zu schützen, fällt meist schwer. Ein paar Tipps, wie man sein Verhalten ändern kann.

Stuttgart – Die 15-jährige Schwedin Greta Thunberg geht freitags nicht mehr zur Schule. Stattdessen sitzt sie vor dem schwedischen Parlament und streikt. Sie streikt für das Klima. Genauer gesagt dafür, dass wohlhabende Länder das Pariser Klimaabkommen einhalten und ihre Emissionen so reduzieren, dass das Zwei-Grad-Ziel eingehalten wird. Jetzt durfte sie sogar beim UN-Klimagipfel sprechen.

Wieso fällt es uns so schwer, für den Klimaschutz zu verzichten?

Greta ist für viele ein Vorbild. Sie verzichtet fürs Klima. Sie fliegt nicht mehr und fährt stattdessen tausende Kilometer mit dem Elektroauto. Sie rät außerdem, sich vegan zu ernähren und allgemein den Konsum einzuschränken. Das was Greta schafft, würden viele gerne schaffen, inklusive mir. Aber wieso fällt uns das eigentlich so schwer?

In den Nachrichten sehen wir Bilder von schlimmen Naturkatastrophen und hören, dass diese in Zukunft aufgrund des Klimawandels zunehmen werden. Wir sehen die mit Plastik verschmutzen Meere und Strände. Und auch in Deutschland merken wir schon ein paar Folgen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warnen, dass jetzt wirklich etwas unternommen werden muss, bevor es zu spät ist. Die Warnungen sind auf jeden Fall da und sie sind laut. Die Auswirkungen unseres Konsums sollten uns also bewusst sein. Aber das eigene Verhalten ändern und dagegen etwas zu tun, das ist noch mal eine andere Sache.

Fleischessen, Plastikmüll, Kaffee-To-Go-Becher, Autofahren und Fliegen sind nur wenige von vielen Faktoren, die sich nicht gerade super aufs Klima auswirken. Aber das Verzichten ist oft ein Dilemma. Die CO2-Ausstöße bei einer Flugreise sind beispielsweise sehr hoch. Bei einem Städtetrip nach Paris kann man meist easy auf das Flugzeug verzichten und stattdessen mit dem Zug fahren. Aber der Backpacking-Trip nach Asien oder Australien? Das gestaltet sich ohne Flugzeug schon etwas schwerer.

Der Verzicht auf Fleisch fällt da vergleichsweise eher leichter. Aber wie oft hat man sich schon vorgenommen, weniger oder gar kein Fleisch zu essen, nur um diesen Vorsatz dann wieder zu verwerfen, wenn man sich nachts nach dem Feiern einen Nachhauseweg-Döner holen will?

Und auch das mit dem Plastik ist so eine Sache. Im Alltag hat man oft viel Stress. Da muss noch die eine Uniaufgabe bis heute Abend fertig sein und die Pflanzen sollten auch mal wieder gegossen werden. Beim Einkaufen dann auch noch darauf achten, so wenig wie möglich plastikverpackte Produkte zu nehmen? Darauf hat man dann meistens – banal gesagt – einfach keine Lust mehr. Oft versucht man dann sein schlechtes Gewissen mit Sätzen wie „Das eine Mal ist jetzt nicht so schlimm“ und „Nächstes Mal mach ich’s dann wirklich besser“ zu beruhigen.

Wie kann ich’s nächstes Mal wirklich besser machen?

Ich glaube, es ist notwendig, sich die Konsequenzen seines Konsums wirklich bewusst zu machen. Theoretisch weiß man ja, dass die Plastikflasche „schlecht“ ist. Aber trotzdem fällt es einem manchmal schwer, sich vorzustellen, wie der eigene Plastikmüll jetzt genau im Meer landet. Es hilft, sich Dokumentationen über diese entsprechenden Themen anzuschauen. Und auch auf Instagram gibt es viele Influencer wie beispielsweise „Dariadaria“, die darüber aufklären und Tipps zu Alternativen geben.

Es kann auch helfen, bestimmte Handlungen zur Gewohnheit zu machen. Anzufangen, den eigenen wiederverwendbaren Kaffee-to-Go-Becher mitzunehmen, vegetarische oder vegane Tage in der Woche einzuplanen, mit dem Fahrrad statt dem Auto zu fahren.

Leider gibt es keine Zauberformel

Um sein Verhalten diesbezüglich zu ändern, muss man es einfach machen. So banal es klingt: Daran führt kein Weg vorbei und es gibt leider auch keine Zauberformel. Aber wenn wir uns einmal an bestimmte Dinge beziehungsweise Handlungen gewöhnt haben, dann werden sie irgendwann selbstverständlich und es fällt im Alltag leichter, darauf zu achten.

Nichtsdestotrotz sollte sich jeder ins Bewusstsein rufen, dass man nicht die alleinige Verantwortung für die Rettung der Welt trägt. Manchmal sind einfach nicht die finanziellen oder zeitlichen Ressourcen vorhanden, um jetzt beispielsweise plastikfrei einzukaufen. Das ist dann auch nicht weiter schlimm. Die Hauptsache ist, dass jeder sein Bestes gibt, und dort anfängt, wo es ihm möglich ist. Denn wenn jeder auch nur etwas Kleines für den Klimaschutz macht, kann schon sehr viel erreicht werden.

(Titelbild: Unsplash/Mert Guller)

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Jetzt ist nicht die Zeit, um nicht politisch zu sein

Auf der ganzen Welt sind und kommen immer mehr Rechtspopulisten an die Macht. Wer nicht möchte, dass das auch in Deutschland passiert, der sollte spätestens jetzt anfangen, sich gegen Rassismus, Sexismus und Co. zu engagieren. Ein Plädoyer.

Stuttgart – In den sozialen Medien stellen sich derzeit zahlreiche Prominente unter dem Hashtag #unfollowme gegen rechte Strömungen. Mit diesem Hashtag wollen sie Menschen, die rechtes Gedankengut vertreten, auffordern ihnen zu entfolgen. Initiiert wurde die Aktion von dem Verein „Laut gegen Nazis“. Sie wird unter anderem von Klaas Heufer-Umlauf, Salwa Houmsi, Fynn Kliemann und Sido unterstützt.

#Unfollowme setzt ein klares und notwendiges Zeichen

Die Aktion bekam neben positiven Reaktionen auch viel Kritik. Man solle doch nicht den Dialog abbrechen, lautet die Gegenrede. Und dass sich dadurch Rechte nur noch viel mehr radikalisieren würden. Das Argument, dass man mit Nazis reden müsse und sie nicht „alleine“ lassen dürfe, ist sehr geläufig und ich höre es sehr oft. Damit wird immer impliziert, dass Anhänger von rechten Parteien gar nicht so genau wüssten, was sie da überhaupt wählen und was sie eigentlich für Gedankengut vertreten. Ich glaube, viele wissen das sehr genau.

Mit Rechten reden? Wer sich Debatten über politische Themen in den Kommentarspalten von Facebook und Twitter durchliest, wird merken, dass die Diskussionsbereitschaft von Rechtspopulisten oft sehr zu wünschen übriglässt und man genauso gut mit einer Wand reden könnte. Wenn diskutieren nichts mehr hilft, muss man ein klares Zeichen setzen. Und ich finde, das macht die Aktion #unfollowme.

Jeder sollte Haltung zeigen

Leider sind es immer noch viel zu wenige, die sich gegen Rassismus und Co. positionieren und eine klare politische Haltung beziehen. Das gilt nicht nur für Promis, sondern für jeden von uns. „Ich interessiere mich nicht für Politik“, heißt es oft. Dieses Desinteresse an politischen und gesellschaftsrelevanten Themen können sich nicht alle leisten, sondern meistens nur diejenigen, die gewisse Privilegien (beispielsweise auf Grund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts) genießen. Wenn man weiß und dazu sogar noch heterosexuell und männlich ist, hat man es im Leben wie etwa bei der Job– und Wohnungssuche oft prinzipiell einfacher und vor allem erlebt man in seinem Alltag keine rassistischen Anfeindungen.

Jeder sollte Haltung zeigen und für Toleranz einstehen. Rassismus, Sexismus, und Trump – das alles sind Themen, die jeden etwas angehen und es sollte im Interesse aller liegen, sie zu verändern und zu verbessern. Sich für eine offene und tolerante Gesellschaft stark machen, ist nicht nur Aufgabe derjenigen, die direkt betroffen sind.

Wie kann man sich im Alltag politisch engagieren?

Aber was kann man denn gegen den Rechtsruck beziehungsweise Rassismus unternehmen? Um sich im Alltag politisch zu engagieren, muss man nicht gleich in eine Partei eintreten. Allein schon im persönlichen Umfeld gibt es zahlreiche Möglichkeiten – man muss sich nur umsehen und informieren. Fußballvereine können sich zum Beispiel an verschiedenen Initiativen beteiligen, die sich gegen Rassismus im Fußballumfeld einsetzen. Auch in der Schule und an Universitäten gibt es Projekte, an denen sich jeder beteiligen kann. Wer wenig Zeit hat, aber dafür am Ende des Monats noch ein bisschen Geld übrig, kann davon etwas an antirassistische Projekte spenden.

Zudem ist es besonders wichtig, Betroffenen von Rassismus zuzuhören und ihnen ihre Erfahrungen nicht abzusprechen oder zu relativieren. Als beispielsweise unter dem Hashtag #metwo Menschen auf Twitter von Diskriminierungen im Alltag berichtet haben, reagierten manche mit Unverständnis („Stell dich nicht so an“) oder nach dem Motto „Rassismus in Deutschland gibt’s doch gar nicht“. Wer Zeuge von rassistischen Vorfällen wird, sollte Zivilcourage zeigen und dazwischen gehen (selbstverständlich nur, wenn man sich dabei nicht selbst in Gefahr bringt).

Auch soziale Medien wie Instagram bieten eine gute Plattform, um politisch wenigstens ein bisschen aktiv zu werden – das geht sogar ganz gemütlich von zuhause vom Sofa aus. Das Teilen einer anstehenden Demonstration kann zum Beispiel schon etwas bewirken. Zwar sind die eigenen Follower wahrscheinlich politisch eh ähnlich eingestellt wie man selbst (Stichwort „Filter Bubble“), aber vielleicht wird der ein oder andere dadurch motiviert, auch etwas zu teilen.

Und natürlich sollte man die Demos nicht nur auf Instagram posten, sondern auch hingehen und die Freunde gleich mitschleppen. Zusammen macht es viel mehr Spaß (schlechtes Wetter liefert übrigens keine gute Ausrede).

Ich glaube, wenn es sogar eine scheinbar unpolitische Sängerin wie Helene Fischer schafft, sich gegen Rassismus zu positionieren, dann schafft das jeder!

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Zehn Tipps fürs Wochenende in Stuttgart

Das Wochenende naht und ihr habt noch nichts geplant? Kein Problem! Stadtkind hat für euch wieder die besten Veranstaltungstipps in Stuttgart gesammelt.

Stuttgart – Was gibt’s schöneres als Samstag und Sonntag? Vor allem, wenn auch noch das Wetter mitspielt – die Sonne beschert uns am Samstag und Sonntag nämlich angenehm warme Temperaturen. Grund genug also das Sofa zu verlassen und was zu unternehmen. Wir haben die Veranstaltungstipps in Stuttgart für euch gesammelt.

Das Wochenende steht ganz im Zeichen von Kunst

Stuttgart hat am Wochenende eine Menge Kunst zu bieten. Ihr könnt die Eröffnung von zwei Vernissagen in der Galerie Kernweine und im Kunstmuseum am Schlossplatz feiern. Und auch im White Noise gibt’s am Freitag eine kleine Kunstausstellung mit Sekt-Empfang.

Die Musikfans unter euch kommen selbstverständlich auch auf ihre Kosten:  Bei Italo Disco in der Rakete und elektronischen Klängen im Kowalski, White Noise sowie in der Romy S.

Ihr wollt mal was anderes außerhalb der Innenstadt unternehmen? Schaut doch bei unseren Hoodchecks auf der Waldebende Ost und in Obertürkheim vorbei!

Was in Stuttgart sonst noch so am Wochenende geht, könnt ihr hier lesen.

Titelbild: Studio Orel

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Tipps fürs Wochenende in Stuttgart

Kunst, Musik, Partys und ein Street Food Markt – wir haben wieder ein paar Tipps fürs Wochenende für euch.

Stuttgart – Das Wochenende steht vor der Tür, yeah! Wer nach einer anstrengenden Arbeitswoche keine Lust hat, sich auch noch mit der Wochenend-Planung zu beschäftigen, der sei beruhigt: Denn des machen wir ja! Wir haben für euch die besten Tipps gesammelt, was ihr alles unternehmen könnt – Ciao, Sofa und Netflix und Hallo, Kulturleben!

Am Wochenende heißt es: Kultur, Musik und Fooden in der City

Nudeln mit Tomatensoße diese Woche schon genug gehabt? Wer mal wieder etwas anderes auf dem Teller will, kann sich auf dem Streetfood-Markt in Vaihingen mit Speisen aus aller Welt verwöhnen lassen.

Wer sich eigentlich so für ein besseres und buntes Stuttgart einsetzt, könnt ihr am Samstag unter der Paulinenbrücke erfahren. Denn dort stellen sich im Rahmen von Stadtlücken 25 Initiativen vor, die Stuttgart mitgestalten.

Interessant wird’s außerdem beim Nachtsichtfestival am Freitag und Samstag. Dort wird ein tolles Programm von Künstlern und Musikern geboten (und die Deko isch auch echt super).

Ob das schon alles ist? Natürlich nicht! Aber lest selbst.

Titelbild: Fabrice Weichelt

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