HipHop Kitchen: Die Liebe für Hip-Hop und gutes Essen vereint

Dass Hip-Hop und gutes Essen ziemlich perfekt zusammenpassen, zeigen drei Stuttgarter mit ihrer Veranstaltung HipHop Kitchen. Am Samstag steigt die nächste Ausgabe mit einem besonderen Special – dem Release der ersten Platte.

Stuttgart – Wer Hip-Hop mag und gutes Essen, findet in Stuttgart schon seit einer Weile die perfekte Veranstaltung. HipHop Kitchen nennt sie sich und wurde initiiert von Daniel Simpson, Wolfgang Spohn und Thomas Daiker. Das Konzept: Mittags oder in den frühen Abendstunden ein mehrgängiges Menü genießen, begleitet von Hip-Hop-Beats und feiner Gesellschaft.

Food und Musik: HipHop Kitchen

Mit der HipHop Kitchen wandern die drei durch verschiedene Locations in der Stadt, auch das ist Teil des Konzepts: Schankstelle, Flora & Fauna, Hallo Emil, Fais Dodo. Am kommenden Wochenende geht’s wieder ins Mos Eisley. Die 12. Ausgabe ist leider schon ausverkauft, doch der nächste Termin steht schon: 31. Oktober im Hallo Emil.

„Unser Grundgedanke war, dass sich irgendwann die Prioritäten ändern. Auch wenn man Hip-Hop feiert, will man vielleicht nicht mehr bis morgens um fünf in den Club“, sagt Simpson. Hinzu komme, dass man sich etwas leisten möchte und auf gute Qualität beim Essen achte. Und genau das, möchte das Trio bei der HipHop Kitchen vereinen.

Für das Essen ist Thomas Daiker zuständig. Daiker ist gelernter Koch, der sich auch schon in der Sternegastronomie umgeschaut hat. Die Zutaten kauft er frisch vom Markt, Regionalität und Qualität stehen an oberster Stelle. Für die Gerichte wird viel experimentiert, Daiker will die Gäste überraschen. Das Essen ist an den Abenden außerdem auch Teil der Unterhaltung: Daiker interpretiert bekannt Gerichte oder Zutaten neu, und auch die Gäste dürfen manchmal selbst tätig werden, indem sie zum Beispiel ihr Dessert mittels einer Pipette mit Rum indizieren dürfen.

Die Musik ist bei all dem ständiger Begleiter: Vor, zwischen und nach den Gängen legen DJs auf, und während des Essens Beatmaker. „Wir möchten alle Facetten des Hip-Hops abbilden“, sagt Simpson. Es gehe auch darum den Menschen Hip-Hop und seine Geschichte näherzubringen. Deshalb gibt es nicht nur etwas auf die Ohren, sondern auch für den Kopf – das Wissen um die Geschichte des Hip-Hops soll vermittelt oder aufgefrischt werden. Dazu werden kurze Ratespiele gespielt, Kreuzworträtsel gemacht oder sogar eine Art Hip-Hop-Familienduell. „Das ist immer ein großer Spaß“, sagt Simpson und lacht. Vor allem, weil an den Abenden alle Gäste an großen Tafeln sitzen und so miteinander ins Gespräch kommen. „Hier haben sich auch schon Freundschaften entwickelt“, sagt Daiker.

Auch wenn die drei eine Routine in die Veranstaltungen bekommen haben, und jetzt genau da sind, wo sie sein wollen, wie sie sagen, ist der nächste Termin am Samstag ein besonderer: Die nächste HipHop Kitchen ist gleichzeitig die Release-Party der ersten Compilation, auf der verschiedene Beatmaker vertreten sind: HipHop Kitchen Vol1. Die Platte ist auf 500 Stück limitiert, handnummeriert und beinhaltet zehn Songs von diversen Beatmakern. Das besondere: Alle Songs sind exklusiv.

„Die Beatszene ist eine kleine Szene, alle kennen sich und sind coole Typen“, sagt Simpson. Mit der Compilation wollen sie eine Plattform bieten und zeigen, wie vielfältig die Szene ist. „Manche arbeiten mit Soul, manche mit Funk oder Jazz. Wieder andere haben orientalische Einflüsse in ihren Tracks“, sagt Simpson.

Das schönste an der HipHop Kitchen sei die Reaktion der Gäste, sind sich die drei einig. „Die Leute sind happy, wenn sie gehen und haben alle ein breites Lächeln auf dem Gesicht“, sagt Daiker. Und Simpson fügt hinzu: „Das gibt uns Energie und Ansporn.“ Pläne haben die Veranstalter noch viele, auch Anfragen aus anderen Städten sind schon eingegangen. Aber erst einmal möchten sie sich auf das Event in Stuttgart konzentrieren.

Und um alle neidisch zu machen, die keine Tickets mehr bekommen haben, ein Auszug aus dem Menü: „Burrata mit süßen Tomaten, Fenchel, Crunch und 15 Jahre altem Balsamico“, „Fish & Chips vom Kabeljau mit schwarzen Trüffelpommes, Kürbiskern-Mayonnaise, Erbsen und Malz Essig“ (von den Gerichten gibt es übrigens immer auch eine Vegi-Variante)…

Hier gibt’s alle Infos zu den kommenden Veranstaltungen >>>

Die Aftershow-Party mit DJ Rookie beginnt um 22.30 Uhr >>>

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TEDxStuttgart: Ein Abend für Querdenker mit frischen Ideen

Perspektiven ändern, Denkanstöße geben, Ideen verbreiten und Querdenken: TEDxStuttgart ist ein Ableger der berühmten TED Talks, die einmal jährlich in Vancouver stattfinden. Am 14. September sprechen unter anderem Stuttgarter Initiativen wie die Stadtlücken, Raupe Immersatt und das Cleanup Network darüber, wie man die Welt verändern kann. Und: Wir verlosen Tickets!

Stuttgart – Die Macht der Verletzlichkeit, Cybermobbing, Führungskompetenzen, Erziehungskonzepte: Es gibt kaum ein Thema, zu dem nicht mindestens ein TED Talk auf Youtube zu finden ist. Die alljährliche Innovationskonferenz findet in Vancouver statt und bildet ihren Titel aus den Anfangsbuchstaben der Wörter Technology, Entertainment und Design.

TEDxStuttgart: Ideen in maximal 18 Minuten

Die Speaker kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen, sind Experten auf ihrem Themengebiet und haben eine persönliche Geschichte mit allgemein gültiger Dimension zu erzählen. Es geht um Wirtschaftsthemen, um Unterhaltung, um Technologie und gesellschaftliche Fragestellungen. In den kurzen, maximal 18-minütigen, Vorträgen versuchen die Speaker neue Perspektiven aufzuzeigen. Das Motto: „Ideas worth spreading“ – Ideen, die es wert sind, verbreitet zu werden.

Wem Vancouver zu weit ist, der kann sich die Beiträge auf Youtube ansehen – oder dem Stuttgarter Ableger einen Besuch abstatten. TEDx nennen sich die auf der ganzen Welt stattfindenden Konferenzen, die wie eine Art Franchise funktionieren. Und das ist beliebt. TEDxStuttgart gibt es seit 2012 und war bisher stets ausverkauft. 76 Rednerinnen und Redner standen bereits auf der Bühne, mehr als 2000 Gäste haben den Denkanstößen gelauscht. Manche Tickets werden schon verkauft, obwohl noch gar keine Speaker feststehen.

„Wir versuchen immer eine Mischung herzustellen, für jeden soll etwas dabei sein“, sagt Verena Smykalla. Die 32-Jährige ist im rund zehnköpfigen Organisationsteam, das die TEDx-Events einmal im Jahr auf rein ehrenamtlicher Basis auf die Beine stellt. Eine Mammutaufgabe – nach dem Event ist vor dem nächsten. „Im besten Fall denkt man nach einem Vortrag: Wow, so habe ich das noch nie betrachtet“, sagt ihre Teamkollegin Laura Breitenberger.

Um das zu unterschreiben, reicht ein Blick auf die Youtube-Seite und in die vergangenen Beiträge. Da wäre etwa Laura Malina Seiler vom bekannten Podcast „Holy, happy, confident“. In ihrem Beitrag erzählt sie, wie eine neue Perspektive auf das eigene Leben zu persönlichem Empowerment führen kann – mit ganz praktischen Tipps. Axel Zein führt in seinem TEDx-Beitrag „The perfect Boss“ aus, wie Vorgesetzte von Sportcoaches lernen können.

Tina Weinmayer berichtet von ihrem Lebenskonzept. Vom Vater ihrer Kinder lebt sie getrennt – die Kinder sind beim Vater geblieben, aus dem einfachen Grund, dass es für alle das Beste war. Das funktioniere für die Familie ganz wunderbar, nur die Gesellschaft scheint ein Problem damit zu haben. „Warum eigentlich?“ fragt sie sich im 11-minütigen Beitrag namens „Grenzen im Kopf“.

Am 14. September steht der Talk unter dem schönen Motto „Shine a little Light“. Im Haus der Wirtschaft sind unter anderem Vertreter von Stuttgarter Initiativen auf der Bühne vertreten wie Thomas Venugopal vom Cleanup Network („Warum wir anderer Leute Müll aufsammeln“), David Jans vom Foodsharing-Café Raupe Immersatt („Das Ende der Lebensmittelverschwendung“) sowie Christine von Raven und Sascha Bauer von den Stadtlücken („Unorte in der Stadt und deren temporäre Bespielung“). Ganz wörtlich um das Thema Licht geht es im Vortrag von Lichtkünstler Kurt Laurenz Theinert. Trauma-Experte Jan Ilhan Kizilhan berichtet wie schwer traumatisierte Menschen aus Kriegsgebieten wieder Hoffnungen finden.

Um die Speaker auf die Talks vorzubereiten, stehen ehrenamtliche Coaches zur Verfügung – nicht jeder ist der geborene Redner.

Ein bisschen Sitzfleisch ist bei den Veranstaltungen übrigens angebracht: Etwas mehr als drei Stunden wird getalked. Zwischenfragen aus dem Publikum gibt es nicht. Zum Austausch kann die einstündige Pause genutzt werden, die den Abend in zwei Teile unterteilt. „Unser Anspruch ist es, dass es nicht nur um das Konsumieren, sondern auch um Austausch geht. Die Besucher sollen untereinander, und falls möglich auch mit den Speakern ins Gespräch kommen“, sagt Smykalla. Die neuen Ideen, Denkweisen und Perspektiven sollen besprochen werden. Und am Ende nehmen auch die Macher selbst immer wieder überraschende Erkenntnisse mit.

Die Veranstaltung am 14. September, 18 Uhr, im Haus der Wirtschaft ist bereits ausverkauft. Aber: Wir verlosen 1×2 Tickets! Schickt uns eine Mail mit dem Betreff „TED“ an stadtkind@stadtkind-stuttgart.de und schreibt uns, weshalb ihr unbedingt dabei sein möchtet. Das Gewinnspiel läuft bis einschließlich 09.09.2019, 18 Uhr (Teilnahmefrist). Alle Emails nehmen an der Verlosung teil. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Alle Infos zu TEDxStuttgart >>>

Fotos: Christian Kammer

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Die besten Spots für Aperitivo in Stuttgart

Was passt besser zu diesen sommerlichen Temperaturen als ein kühler Aperol Spritz und kleine italienische Häppchen? Eben. An diesen Orten wird die italienische Aperitivo-Kultur gepflegt.

Stuttgart – Olivenbäume, Sonne, Meer und dolce vita: Hach, wäre der nächste Italien-Urlaub doch nur nicht so weit entfernt! Da trifft es sich gut, dass einige typisch italienischen Gepflogenheiten Einzug in den Kessel gefunden haben. Hier werden Italo-Discos gefeiert, Succo di Frutta geschlürft und Spaghetti in der großen Schale um die Gabel gewickelt. Aber machen wir uns nichts vor, der beste aller Trends ist und bleibt: Aperitivo! Der kommt zwar schleppend aber zielstrebig in Stuttgart an.

Aperitivo: Aperol und Antipasti

Eine kurze Begriffserklärung: Als Aperitivo wird die Gewohnheit bezeichnet, sich am frühen Abend mit Freunden in Bars zu treffen und gemeinsam Drinks und Häppchen zu genießen. Als Geburtsort des Aperitivo gilt Mailand. Auch in der Schweiz wird ein vergleichbares Kulturgut gepflegt. Dort nennt sich das ganze Apéro.

Negroni, Campari, Aperol Spritz: In Stuttgart ist der Trend zwar schon angekommen, so richtig klassisch wird er bisher aber nur an wenigen Orten angeboten. Aber wenn man ein wenig sucht, findet man das kulinarische dolce vita in Abwandlungen auch im Kessel! Die Apotheke Tagesbar am Eugensplatz etwa bietet seit der Eröffnung spritzige Drinks plus Buffett aus wechselnden Antipasti – und das jeden Abend außer Sonntag. Andere Spots servieren spezielle Angebote aus Campari und Snacks, oder eine unschlagbare Kombi aus italienischem Bier, Beats und Bruschetta.

Wir haben für euch die besten Orte gesammelt, an denen ihr ein gepflegtes Getränk von Negroni bis Aperol Spritz mit begleitenden Häppchen genießen könnt.

Titelfoto: Unsplash/Tomasz Rynkiewicz

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Gute Dinge tun, die keine Zeit und (fast) kein Geld kosten

Gutes zu tun, kostet gar nicht viel Mühe und oft wenig bis gar kein Geld. Trott-war kaufen, Kaffee spenden oder dem Nachbarn helfen – hier kommen unsere Tipps.

Stuttgart – Keine Zeit für ein Ehrenamt, kein Geld für großzügige Spenden? Das alles ist für ein bisschen Nächstenliebe auch gar nicht notwendig. Denn manchmal kann Helfen so einfach sein und lässt sich ohne viel Mühe in den Alltag integrieren.

Mit Kleinigkeiten Gutes tun

In Stuttgart gibt es viele Kleinigkeiten, die man mal kurz tun kann, um Menschen oder der Umwelt zu helfen- kostet kaum Zeit und wenig bis gar kein Geld. Hier kommen unsere Tipps:

Foto: Unsplash/Remi Walle

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Stuttgarterin kämpft in Kenia gegen Beschneidung von Mädchen

Antonia Waskowiak studiert an der Uni Hohenheim und kämpft mit ihrem Verein Zinduka gegen Genitalverstümmelung bei Mädchen in Kenia. Gegen das grausame Ritual vorzugehen ist Teil ihres Lebens geworden – bald will sie dafür sogar die Zelte in Deutschland abbrechen. Was treibt sie an?

Stuttgart/Nairobi – Während andere kellnern, um ihr Studium zu finanzieren, hat sich Antonia Waskowiak erst einmal Hühner gekauft. Der Verkauf der Hühnereier soll Miete und Lebensunterhalt sichern. Antonia bereitet sich ganz offensichtlich nicht auf ein Studium in Deutschland vor, im August geht es für sie nach Nairobi in Kenia. Bisher hat Antonia Ernährungsmanagement an der Uni Hohenheim studiert. Ihr Herz aber hängt schon lange an Kenia und ihrem dortigen Engagement: dem Einsatz gegen weibliche Genitalverstümmelung.

Kenia: Bildung gegen ein grausames Ritual

In Kenia leitet sie die private Grundschule „Nyabosongo Bena Academy“ mit mehr als 300 Schülern und Kindergartenkindern und den Verein Zinduka, den sie selbst ins Leben gerufen hat. Mit der Unterstützung von freiwilligen Helfern, vor allem aber von Einheimischen ist der Verein angetreten, Mädchen vor weiblicher Genitalverstümmelung zu schützen.

Ein wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit sind die Rescue Camps, in denen Mädchen während der Beschneidungszeit Schutz finden. 2016 ist das erste Camp durchgeführt worden. Im vergangenen Jahr waren 158 Mädchen in der Betreuung.

Beschneidung ist in Kenia illegal – und wird trotzdem durchgeführt

Seit 2011 sind Beschneidungen in Kenia eigentlich verboten. Jeder, der gegen das Gesetz verstößt, muss mit einer Haftstrafe von mindestens drei Jahren rechnen. Bei Todesfolge mit lebenslänglich. Nichtsdestotrotz werden in Kenia wie in anderen Teilen der Erde noch immer Mädchen im Alter von acht bis 16 Jahren beschnitten. Beschneidung oder auch FGM (Female Genital Mutilation) ist eine tief verwurzelte Tradition – ein Übergangsritual vom Kind zur Erwachsenen.

Bei FGM werden die weiblichen, äußeren Genitalien teilweise oder komplett entfernt. Häufig ohne Betäubung, mit unsterilisiertem Schneidewerkzeug wie Messer, Rasierklinge oder einer Glasscherbe. Die Gefahr einer Infektion ist hoch, aber auch wenn diese ausbleibt: Die körperlichen und seelischen Folgen sind verheerend. Viele sind für den Rest ihres Lebens inkontinent, haben Schmerzen bei der Periode und beim Geschlechtsverkehr. Oft kommt es zu Komplikationen bei der Geburt. Laut Schätzungen der WHO gibt es weltweit 150 Millionen Mädchen und Frauen, die beschnitten sind.

Empowerment durch Bildung

In Kenia ist die Tradition noch in vielen ethnischen Gruppen verbreitet. Unter anderem beim Stamm der Kuria, wo 84 Prozent der Frauen beschnitten sind und wo Antonia mit ihrem Verein aktiv ist. „Es geht dabei um die Heiratsfähigkeit der Mädchen“, erklärt Antonia. Eine unbeschnittene Frau gilt in der Tradition als unrein. Eine Heirat ist für die Frauen und deren Familien auf dem Land noch häufig aus ökonomischen Gründen wichtig.

Der Slogan von Zinduka lautet deshalb „Education against Mutilation“, also Bildung gegen Verstümmelung. Je aufgeklärter die Mädchen sind, desto eigenständiger können sie sich gegen die Tradition wehren. Und je gebildeter sie werden, desto mehr Chancen haben sie, selbst für Arbeit und ihr Einkommen zu sorgen – eine Heiratsfähigkeit wird weniger wichtig. Empowerment durch Bildung.

Dazu gehört aber auch, an der Bildung der Jungen und Männer zu arbeiten. „Die Jungen sollen keine beschnittene Frau mehr heiraten wollen“, sagt Antonia. So lange die Zukünftigen, genauso wie Väter und Großväter, an der Tradition festhalten, bleibt der gesellschaftliche Druck, der auf Mädchen und jungen Frauen lastet, hoch.

„Die Mädchen wachsen mit dieser Tradition auf“, sagt Antonia. Viele von ihnen wüssten nicht um die Folgen und freuten sich lediglich auf die Belohnungsgeschenke, die auf sie warten: neue Schuhe etwa oder Geld und ein großes Fest. Im vergangenen Jahr wollte eine Mutter ihre Tochter im Camp anmelden. Diese aber weigerte sich. Der Grund: Sie wollte beschnitten werden, um genauso wie ihre Freundinnen mit schöner Kleidung und anderen Geschenken belohnt zu werden. Am Ende konnte sie doch noch überzeugt werden und ist mit in das Camp gekommen.

Alle zwei Jahre im Dezember beginnt die Beschneidungssaison bei den Kuria. Dann haben die Kinder Ferien und die Stammesältesten legen fest, wann das Beschneidungsritual stattfinden soll. Die Mädchen werden hübsch gekleidet und mit den Stammesältesten und den Angehörigen in einer Art Parade durch die Straßen geführt. Später kommen sie mit blutverschmierten Gewändern, tränennassen Augen und quälenden Schmerzen zurück.

Für Antonia und die anderen Helfer ist die Arbeit im Verein nicht ganz ungefährlich. Am Rand der Parade kam es schon zu Drohungen, im vergangenen Jahr ist ein Teammitglied in seinem Zuhause überfallen worden. FGM-Befürworter wollten das Rescue Camp, das immer während der Beschneidungszeit im Dezember stattfindet, finden und die dort untergebrachten Mädchen holen. Die Polizei sicherte schließlich die Camps vor Ort.

Nicht nur deshalb ist es wichtig im Verein Unterstützung von den Einheimischen zu bekommen. „Als kleines blondes Mädchen kann ich nicht hingehen und einfach so in die Kultur eingreifen“, sagt Antonia. Deshalb hat sie Helfer um sich, die die Traditionen und die Menschen vor Ort kennen. Fünf hauptamtliche Mitarbeiter aus dem Stamm der Kuria und zahlreiche Freiwillige aus der ganzen Welt klären auf und versuchen so einen Sinneswandel herbeizuführen. Außerdem arbeitet der Verein mit Institutionen und Organisationen vor Ort zusammen.

Die Kinder lernen, dass sie sich gegen Beschneidung entscheiden können

Rescue Camps gibt es in Kenia nicht nur von Zinduka sondern auch von anderen Initiativen wie Unicef. Im Camp von Antonia können die Kinder nicht nur einen Monat wohnen, sondern bekommen auch Unterricht in Sexualkunde, Kinder- und Frauenrechte, sowie Hygiene. Sie lernen, dass sie sich gegen eine Beschneidung entscheiden können. Die Mädchen werden meist im Vorfeld angemeldet, manche Fälle werden vom Jugendamt oder der Polizei hingebracht. Einige der Mädchen wurden im Nachhinein von ihren Familien verstoßen und leben bis heute in der Schule. Die Rettungscamps werden durch Spenden finanziert.

Das alles sind Gründe, weshalb Antonia nun ihre Zelte in Stuttgart abbricht und nach Kenia zieht. „Ich schaffe das Pensum von Deutschland aus nicht mehr“, so die Studentin. Ihr Studium an der Uni Hohenheim hat sie abgebrochen. Ab August studiert sie in Nairobi „Community Development“, ein Studiengang, der sie direkt für ihre Arbeit im Verein ausbildet.

Wie ist es gekommen, dass sich eine junge Studentin so für Mädchen in Kenia einsetzt?

In den Sommerferien der zwölften Klasse machte sich Antonia mit Hilfe des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) auf den Weg nach Nairobi. Dort traf sie zum ersten Mal auf den Stamm der Kuria und half bei einem dreiwöchigen Camp, das sich mit der Bekämpfung weiblicher Genitalverstümmelung beschäftigt hat, außerdem beim Aufbau der Schule, die sie heute leitet. „Dort gab es viele Schlüsselmomente, die mich tief bewegt haben“, erinnert sie sich. Die Gespräche über FGM, vor allem die mit Mädchen und Frauen, die selbst verstümmelt worden sind, brannten sich bei ihr ein. „Mir war nicht klar, wie oft die Tradition noch praktiziert wird.“ Zurück in Deutschland hielt sie Kontakt zu einer Familie aus dem Stamm der Kuria in Nyabosongo, informierte an ihrer Schule sowie im Familienkreis über FGM und sammelte Spenden. „Ich wollte etwas unternehmen.“

Mit dem gesammelten Geld – 700 Euro sind zusammengekommen – ist sie zurück nach Kenia. „Ich dachte, ich kann richtig was reißen mit dem Geld“, erinnert sie sich heute lachend zurück. Berge versetzen konnte sie nicht, wie sie schnell feststellen musste. Für ein Klassenzimmer aber hat es gereicht. Doch auch das ist schon ziemlich viel.

Nach dem Abitur hat Antonia schließlich eine dreijährige Ausbildung zur Rettungssanitäterin in Marburg gemacht – vor dem Hintergrund mit dem gelernten Wissen in Nairobi helfen zu können. Dort verbringt sie jedes Jahr mehrere Wochen bei einer Gastfamilie mit der sie sich angefreundet hat.

Mir fällt es leicht von Stuttgart nach Kenia zu kommen. Aber anders herum fällt es mir immer schwerer.

Jetzt geht es für sie mit 26 Jahren vom Stuttgarter Westen, wo sie bis zu ihrer Abreise wohnt, als Schulleiterin und Vereinsvorsitzende nach Nairobi. Das Arbeitspensum ist die eine Sache, das sie dorthin bringt, aber auch der Kulturunterschied, den sie immer weniger wegstecken kann, sagt sie. Die Probleme in Stuttgart erscheinen ihr banal, wenn sie in Nairobi aus dem Flieger steigt.

Ihre Arbeit vor Ort ist verantwortungsvoll und kräftezehrend. Aber es überwiegen die schönen Momente und Erfolgserlebnisse, wenn sie Mädchen vor FGM retten konnte.

Am Ende der Rescue Camps gibt es ein großes Fest für die Mädchen und deren Angehörigen. Sie bekommen Urkunden überreicht, die den Schritt in Erwachsenenleben symbolisieren sollen. Eine Alternative zu den Beschneidungsfeiern – ohne Blut und Schmerzen, sondern höchstens mit Freudentränen und neuen Perspektiven für die Zukunft.

Zinduka >>>

(Fotos: Zinduka)

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Das sind die besten neuen Spots im Juni

Gerettete Lebensmittel, Burger für Lowcarb-Fans, hausgemachte Kuchen und süße Stückle – diese neuen Spots warten darauf getestet zu werden.

Stuttgart – Es war die Neueröffnung, auf die alle hingefiebert haben: Im Stuttgarter Westen hat im Juni das Raupe Immersatt geöffnet. Und damit nichts weniger als das erste Foodsharing-Café Deutschlands. Am Hölderlinplatz können jetzt gerettete Lebensmittel abgegeben, mitgenommen oder gleich vor Ort verzehrt werden. Für Kaffee und andere Getränke gilt: Jeder zahlt so viel er möchte.

Lowcarb und süße Stückle

Doch nicht nur im Kessel tut sich etwas: In Sillenbuch hat der zweite Unverpackt-Laden der Stadt eröffnet. Von Getreide und Gewürzen über Getränke bis hin zu Kosmetik und Kleidung ist alles dabei.

Noch etwas weiter weg, in Esslingen, hat die dritte Filiale des Burger-Ladens Triple B eröffnet. Die ersten Tage haben gezeigt: der Burger-Trend scheint noch nicht vorüber. Die Kollegen von Mahlzeit haben den neuen Spot am Neckar getestet >>>

Titelfoto: Tanja Simoncev

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Biking Baboons: Mit dem Fahrrad von Stuttgart nach Namibia

Mareile Garbade und Marius Thomma haben sich vorgenommen 18.000 Kilometer vom Neckar bis Namibia zurückzulegen – auf dem Fahrrad. Mit ihrer Reise möchten sie nicht nur viele tolle Erfahrungen sammeln, sondern auch benachteiligte Kinder in Namibia unterstützen.

Stuttgart – Kaum zu glauben, aber für Mareile ist es das erste Fahrrad, das sie jemals besessen hat. Und mit diesem Fahrrad soll es die nächsten Monate von Stuttgart nach Namibia gehen. Klingt nach einer unmöglichen Aufgabe. „Ich bin ein Dickkopf. Das wird jetzt durchgezogen“, sagt Mareile und lacht. Die große, abenteuerliche Reise macht sie aber nicht alleine. Mit dabei ist ihr Freund Marius, der auf dem Fahrrad immerhin etwas geübter ist als sie selbst.

Langsames Reisen schont die Natur

Abenteuerlustig war das Pärchen schon immer. Im Juni 2018 kündigten die beiden ihre Jobs bei großen IT- und Automobilunternehmen, verkauften ihr Hab und Gut und begaben sich auf die erste große Reise: Backpacking durch Zentral- und Südamerika. Dass sie für ihre nächste Reise aufs Fahrrad umsteigen, hat einen einfachen Grund. „Wir möchten unabhängiger und flexibler reisen“, sagt Marius.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Touri-Ort zu Touri-Ort gekarrt zu werden, hat den beiden nicht mehr gefallen. „Man ist immer auf andere angewiesen – mal bekommt man kein Taxi, mal ist der Bus zu voll“, ergänzt Mareile. Die Reise wird mit dem Fahrrad außerdem langsamer, die Entfernungen werden durch die sich verändernden Landschaften spürbarer. „Wir freuen uns darauf mehr Zeit zu haben, Länder, Menschen und Kulturen kennenzulernen“, sagt Marius.

Mareile ist auf einer Farm in Namibia aufgewachsen

Der auch nicht zu verachtende Nebeneffekt: Die Natur wird geschont. Die einzige Ausnahme könnte allerdings in der Türkei auf das Paar warten. „Wir möchten nicht durch Syrien fahren“, sagt Mareile. Falls sie also keine Möglichkeit finden über den Wasserweg nach Afrika zu gelangen, wird notgedrungen einmal aufs Flugzeug umgestiegen.

Das Ziel Namibia ist im Übrigen nicht zufällig gewählt: Mareile ist in Namibia auf einer Farm aufgewachsen und hat eine deutsche Schule besucht. Ihre Eltern leben in der dritten und vierten Generation dort, ein Stück deutsche Kolonialgeschichte, die Mareile durchaus bewusst ist. „Es war eine furchtbare Zeit für die schwarze Bevölkerung“, sagte Mareile im Vorfeld ihrer Reise in einem Radiointerview. Ihr Großvater habe die Farm seinerzeit gekauft, ihre Eltern, die genau wie sie selbst dort geboren sind, fühlten sich mehr als Namibier denn als Deutsche.

Ihre Familie, die Eltern und Geschwister, leben noch immer dort und bewirtschaften noch immer die Farm, auf der Mareile aufgewachsen ist. Eine Farm mit unter anderem rund 2.000 Rindern.

Mareile hat in Südafrika studiert und ist zum Arbeiten schließlich nach Stuttgart gekommen. Drei Jahre ist sie schon hier. Marius kommt aus der Nähe von Rottenburg, hatte in seiner Kindheit aber auch Berührungspunkte mit Afrika: Aufgrund der Arbeit seines Vaters hat seine Familie für zwei Jahre in Südafrika gelebt.

Gerade weil Mareile weiß, wie die Situation für viele Menschen in Namibia ist, möchten die beiden mit ihrer Reise auch ein Bewusstsein schaffen. „Zahlreiche Kinder haben keinen Zugang zu Bildung, hinzu kommt, dass viele Schulen in Namibia in schlechtem Zustand sind“, sagt Mareile. Deshalb war den beiden schnell klar: Sie möchten mit ihrer Reise auch etwas Gutes tun. Letztendlich haben sie sich dazu entschieden Pro Namibian Children zu unterstützen.

Der Verein wurde 2005 gegründet und hat es sich zur Aufgabe gemacht, benachteiligten Kindern im Alter von sechs bis 15 Jahren im besonders armen Süden Namibias Zugang zu einer schulischen Ausbildung zu ermöglichen. Im Omomas Care Center werden die Kinder auf die Herausforderungen eines selbstbestimmten Lebens vorbereitet. Bildung, Sozialkompetenz und Persönlichkeitsstärke sowie landwirtschaftliche und handwerkliche Fähigkeiten bilden dabei die Grundlage für ein chancenreiches Leben in Namibia. Aktuell leben 120 Kinder im Omomas Care Center. Die beiden Weltenbummler möchten die Aufmerksamkeit der kommenden Monate nutzen, um für Spenden zu werben.

Marius wird über die Reise auf Social Media und einem Blog schreiben. Einen Namen haben sie sich dafür auch gegeben: Biking Baboons. Der Name ist durch Marius Leidenschaft zum Klettern und Bouldern entstanden. Mareile nennt ihn deshalb scherzhaft ihren „kleinen Affen“. Baboon ist ein Pavian, von denen es in Namibia viele gibt.

Und wie finanziert man so eine Weltreise? Die beiden Weltenbummler hatten Geld gespart, nach ihrer Südamerikareise außerdem in Sölden in einem Hotel gejobbt. Außerdem hatten sie das Glück Sponsoren zu finden, die sie vor allem hinsichtlich ihrer Ausrüstung unterstützen. So wie ihr Fahrrad, ein wartungsarmes Extrembike, das keine übliche Kettenschaltung besitzt und auch unwegbares Gelände meistern soll.

Für die Reise plant das Paar mit einem bis anderthalb Jahren. Seit dem 3. Juni schon treten die beiden in die Pedale, schlagen am Abend ihr Zelt auf und haben nur das dabei, das in ihre orangefarbenen Packtaschen passt. Ihr Weg führt zunächst Richtung Alpen, dann über den Balkan nach Griechenland und durch die Türkei. Über Israel geht es schließlich nach Nordafrika und Richtung Ziel. 50 Kilometer am Tag zu fahren, haben sich die Biking Baboons vorgenommen.

Ob die beiden Angst haben? „Ein bisschen macht man sich schon Gedanken wegen der Kriminalität in manchen Ländern“, sagt Mareile. Aber die beiden haben sich vorbereitet. „Man denkt ja immer mit so einem Plan, ist man etwas besonderes. Aber wenn man mal recherchiert, entdeckt man, dass es so viele gibt, die ähnliches machen!“, sagt sie und lacht. So konnten sie sich einige Tipps holen, von Reiserouten bis hin zu konkreten Fragen zur Beschaffenheit einer Isomatte. Letztlich überwiegt die Freude auf ein großes Abenteuer, auf Herausforderungen, Wanderungen, Safari in Kenia, die Durchquerung der Sahara, Strandtage auf Sansibar – und auf den ersten Stop, wenn die Alpen überquert sind: Venedig.

Und was soll danach kommen? Mareile und Marius können sich durchaus vorstellen erst einmal in Namibia zu bleiben. Für Mareile ist der Trip mehr eine Heimreise als nur eine Weltreise. „Aber wir freuen uns auch erst einmal auf das Gefühl diese Challenge geschafft zu haben“, sagt Marius.

(Fotos: Biking Baboons)

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Refill Stuttgart: Gratis Wasser für alle

Die Initiative Refill kennzeichnet Cafés und Läden, die kostenlos Leitungswasser in mitgebrachte Flaschen füllen – und damit helfen, Plastikmüll zu vermeiden.

Stuttgart – Ein Wasserhahn und ein bisschen Zeit – viel braucht es nicht, um Teil der Umweltschutzkampagne zu werden, die Anfang dieses Jahres in Stuttgart gestartet ist. Refill nennt sie sich und funktioniert so: Läden, Cafés und andere Einrichtungen melden sich an, bekommen eine Markierung auf einer digitalen Karte sowie einen Refill-Aufkleber für ihr Geschäft. Jeder, der eine Flasche dabei hat, bekommt dort kostenlos Leitungswasser. Das spart Geld und schont die Umwelt.

Refill ist eine bundesweite Bewegung

Lea Mika und Hannah-Lena Flechtker haben die Organisation in Stuttgart in die Hand genommen. Hotel Azenberg, Tarte und Törtchen, Ribingurumu – viele der teilnehmenden Einrichtungen sind auf die beiden jungen Frauen selbst zugekommen. „Wir hätten niemals gedacht, dass es so gut läuft“, sagt Flechtker. Ständig kommen ein neue Orte für kostenloses Leitungswasser hinzu.

Die Idee für Refill stammt aus der englischen Stadt Bristol. Ihren Weg nach Deutschland fand sie durch Stephanie Wiermann, Grafikerin und Webdesignerin. Sie brachte das Konzept nach Hamburg und wurde förmlich überrannt von Anfragen. Mehr als 50 Städte haben sich seit dem Start im März vergangenen Jahres angeschlossen und es werden immer mehr: In weniger als einem Jahr ist Refill eine bundesweite Bewegung geworden.

Die Trinkflasche als Modeaccessoire

Zero Waste, also die Vermeidung von unnötigem Müll, ist schon lange ein Trend, vor allem bei umweltbewussten Großstädtern. Das fängt beim Einkaufen an und geht weiter mit Mehrwegbechern für den Kaffee zum Mitnehmen bis hin zu der Trinkflasche, die seit vielen Saisons zu einem der wichtigsten Modeaccessoires auf den Straßen der Welt geworden ist.

Ein Glück, denn die Zahlen, die die Deutsche Umwelthilfe (DUH) auf ihrer Internetseite veröffentlicht, sind alarmierend. „Allein im Jahr 2015 wurde die unvorstellbare Menge von 17 Milliarden Einweggetränkeverpackungen verbraucht“, steht dort. Vor allem die großen Discounter überschwemmten den deutschen Getränkemarkt mit Einweg-Plastikflaschen. Die verheerenden Folgen für das Klima und die Umwelt: Allein die Herstellung der Plastikflaschen verschlinge jährlich mehr als 650 000 Tonnen Rohöl und Erdgaskondensate.

Wasser ist ein Menschenrecht.

Einer der gegen Verpackungsmüll schon lange vorgeht ist Jens-Peter Wedlich. Im Mai 2016 hat er im Stuttgarter Westen seinen Unverpackt-Laden Schüttgut eröffnet. Produkte wie Obst, Gemüse und Nudeln werden dort in Baumwolltaschen oder anderen – auch selbst mitgebrachten – Gefäßen verkauft. Trotzdem sei er kein Freund des erhobenen Zeigefingers: „Wer zu schnell zu viel will, scheitert und ist gefrustet.“ Jeder kleine Schritt, der die Umwelt schont, sei wichtig. Ob es nun darum geht, kein doppelt in Plastik eingepacktes Gemüse im Supermarkt zu kaufen, die Bodylotion selbst anzurühren oder unterwegs eine Flasche mit Leitungswasser aufzufüllen statt Plastikflaschen zu kaufen.

Refill hat Wedlich schon vor einiger Zeit entdeckt. „Ich wollte das schon lange initiieren, hatte aber nie die Zeit gefunden“, sagt er. Um so erfreuter war er, als er in der benachbarten Patisserie Tarte und Törtchen den Aufkleber an der Scheibe entdeckt hat. Seit dem 12. Januar schenkt auch er an alle Durstigen aus. „Eigentlich haben wir das schon seit jeher gemacht“, sagt er. Kunden bietet er vor allem in den Sommermonaten ein Glas Leitungswasser an oder füllt ihre Flaschen auf. „Wasser ist ein Menschenrecht“, sagt er überzeugt. In anderen Ländern sei das schon stärker angekommen: „In den USA gibt es Trinkstationen mit kostenlosem Wasser in den Städten.“ Stuttgart sei da noch immer deutlich rückständiger.

Brunnen bringen Erfrischung

In einem Punkt hat Stuttgart vielen anderen Refill-Städten aber etwas voraus: 19 Trinkbrunnen bringen im Stadtgebiet kostenlose Erfrischung – einige in Bad Cannstatt, aber auch in der Stuttgarter Innenstadt sind sie zu finden. Viele davon, wie die Daimlerquelle und der Veielbrunnen, sind auf der digitalen Karte verzeichnet. Um das Wasser auf Bakterien zu untersuchen, entnehmen Mitarbeiter des Gesundheitsamts ein- bis zweimal jährlich Proben, erklärt Bernd Sauer, bei der Stadt für die Brunnen des Tiefbauamts zuständig.

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