10 Dinge, die ich durch meinen Umzug in den Norden gelernt habe

Süden vs. Norden: Jennifer Wrona ist von Stuttgart nach Bremerhaven gezogen. Was ihr nach den ersten Monaten in der neuen Heimat so aufgefallen ist, hat sie für uns aufgeschrieben.

Stuttgart – Ihr ganzes Leben verbrachte Jennifer Wrona in der Schwabenmetropole Stuttgart. Born in Bad Cannstatt and raised in Zuffenhausen, hat sie in fast jedem Stadtteil schon gewohnt, gelebt oder sich zumindest mal hinverirrt. Nun wechselte sie nicht nur den Stadtteil, sondern auch das Bundesland – raus aus dem Kessel, ab in den Norden.

Süden vs. Norden

Wobei: So eine richtig gute Schwäbin sei sie nicht unbedingt: „Schwäbisch schwätzen ist schwierig!“ Aber immerhin liebt Jenny Maultaschen, Geld und die feinstaubverpestete Luft. Für ihren neuen Lebensabschnitt zog es sie nun an das andere Ende von Deutschland. Siehe da, das Schwabengirl ist jetzt sesshaft an der Nordsee.

Zeit für eine kurze Zwischenbilanz, denn Jenny hat schon einige Vergleiche zwischen dem Süden und Norden ziehen können:

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Mojos Woche: Kessel oder Kalifornien?

Endless summer, endless Baustellen, Neueröffnungen und Aufreger: Der Stuttgarter Blogger Mojo from the Blog blickt in unserer neuen Reihe für uns auf die Woche zurück.

Stuttgart – Stuttgart, Mitte September, kurz sah es ja tatsächlich nach Herbst aus! Aber nix da, diese Woche wieder knapp 30 Grad! Kalifornien oder Kessel -wer merkt da schon noch den Unterschied? Ja, dieser Sommer hat es wirklich gut mit uns gemeint. Denn wenn sich eine lange Hose oder ein Sweater nach monatelanger Abstinenz fast schon wie ein Fremdkörper auf der Haut anfühlt – dann war er wirklich da, dieser „Rekordsommer“ von dem alle sprechen! Endless Summer, Summer in the City – in sämtlichen Instagram-Captions und in Stuttgart.

Highlights und Aufreger der Woche

Die vergangenen Wochen und Monate war es in unserer Stadt bekanntlich eines: HEISS! Sätze wie „mir isch sooooo warm“ standen genauso auf der Tagesordnung wie „Marienplatz bei 36 Grad muss man halt schon wollen!“ Wir waren live dabei, als aus Hitze Gluthitze wurde!

Und auch sonst war der Sommer ein voller Erfolg! Unzählige Kugeln Eis, literweise Weinschorle und Radler (selbstverständlich pro Person), Flohmärkte und Hofflohmärkte, Straßenfeste, Sommerfeste und Open-Air-Konzerte – der Sommer 2018 konnte sich sehen lassen! Ob am Marienplatz, in der S-Bahn oder in irgendeinem Stau – im Kessel kam man ordentlich ins Schwitzen – wie jemand der mit dem Fahrrad die Weinsteige hochfährt. Auch das gibt’s…

Kopfschmerzen nach dem Weindorf

Aber so unwahrscheinlich dies zum aktuellen Zeitpunkt auch klingen mag – irgendwann ist der Sommer halt auch mal rum, gell?! Das ist so sicher wie die nächste Kehrwoche oder Kopfschmerzen nach dem Weindorf.

Letzteres schien in den vergangenen Wochen wieder ein voller Erfolg gewesen zu sein. Egal zu welcher Tageszeit ich über das Weindorf geschlendert, nein, flaniert bin – Lauben und Leute voll. Zustände wie am Ballermann, nur mit Maultaschen.

Hauptsach’ die Kehrwoche ist gemacht!

Ja, bald heißt es „Tschüss Sommer“ und die Kehrbesen werden wieder gegen Schneeschaufeln eingetauscht. Zumindest bei mir im Haus, wo die Kehrwoche zentraler Bestandteil des alltäglichen Zusammenlebens ist. No Kehrwoch, No Party! No Kehwoch gemacht, gleich ein böser Zettel an der Tür! Story of my Life!

Meine Nachbarn haben am Wochenende ja tatsächlich Kehrwoche XXL gemacht. So richtig mit nass durchwischen und schrubben. Das komplette Treppenhaus. Von oben bis unten! Stundenlang! Sogar die Fenster wurden geputzt! Überall roch es nach frischer, leicht chemischer, Zitrone. Das war mir dann zu viel, ich hab ganz schnell das Haus verlassen. Ich will ja nicht vor der Verantwortung oder einem schlechten Gewissen oder gar einer Belehrung – „Gucket Sie mal, so und net andersch wird des mit der Kehrwoch gemacht!“ – fliehen, aber irgendwo hört’s dann auch mal auf!

Aufreger der Woche:

Alles hat ein Ende – der Sommer, das Warten auf den 42er Bus, der Heslacher Tunnel… aber nicht die Baustellen hier in Stuttgart! Neben den üblichen Verdächtigen, sprießen die Baustellen aktuell wie Barbershops aus dem Feinstaubboden.

„Ferienzeit ist Baustellenzeit“ – dieses Motto nahm man sich in Stuttgart wohl besonders zu Herzen. Egal wohin man sah oder immer noch sieht – alles gesperrt! Baustelle hier, Umleitung da. Aktuell gibt es bei mir daheim, im wunderschönen Lehenviertel, weit und breit fast keine Straße mehr ohne Baustelle. Und wenn ich mal eine baustellenfreie Zone entdecke, dann ist das schon eine Rarität. Schnell ein Beweisfoto, das glaubt mir doch sonst niemand!

Dass das Autofahren in dieser Stadt schon lange keine wirklich gute Idee mehr ist, das ist bekannt. Dass auch Fahrradfahren immer schwieriger wird – ich sag nur Baustelle Tübinger Straße – ist auch kein Geheimnis. Aber dass man selbst als Fußgänger kaum noch über Straßen kommt, das ist dann schon fast frech. Da kann man sich schon mal aufregen! Klar, wo gebaut wird entstehen Einschränkungen. Aber muss die komplette Stadt einer Großbaustelle gleichen? Und Fun Fact: Während ich diesen Text hier schreibe, wird direkt neben mir die Straße aufgerissen. The Sound of Stuttgart!

Highlights der Woche:

Aber zum Glück war ja sonst auch noch einiges in Stuttgart los, um die Gemüter wieder zu besänftigen. Bringt ja alles nix! „Everyday was neues“ – wie man an der Tübinger Straße so schön sagt – ist auch die Devise am Österreichischen Platz. Hier haben es die Leute der „Stadtlücken“ geschafft den ziemlich unattraktiven Platz unter der Paulinenbrücke zum „Platz für Alle“ umzugestalten, schöner zu machen. Wo einst Autos parkten, gibt’s nun Kultur. Ob Konzerte, offene Chorproben oder aktuell das Sommerkino – in Stuttgart kommt die Idee gut an, jeden Abend ein voller Platz!

Und auch in der Calwer Straße tut sich mal wieder einiges. Back in the Game! Wir können uns auf die Wiedereröffnung des Holzapfels freuen, der nach dem Fluxus-Ende und der noch andauernden Umbauphase wieder an gewohnter Stelle vorzufinden sein wird. „Hey, lass mal im Holzapfel treffen!“, meinte diese Woche eine Freundin aus Berlin zu mir. Da musste ich sie leider enttäuschen – „Der isch noch net fertig!“

Doch Team Handsome ist schon bald zurück. Das Comeback des Jahres für alle, die mit einem Laptop unterm Arm auf der Suche nach funktionierendem WLAN durch die Stadt rennen.

Und wir wären nicht in Stuttgart, wenn nicht irgendwo noch ein neuer Laden aufmachen würde. Wenige Meter vom Holzapfel entfernt entsteht aktuell ein weiteres Café! Irgendwas mit „Patisserie“ und – wie sollte es auch anders sein? – „glutenfrei“, wie der Schriftzug an der Tür bereits verrät.

Man darf gespannt sein, abwarten und den Rest des Sommers genießen. Denn der ist dann irgendwann schneller zu Ende als so manche Baustelle in der Stadt. Das ist sicher!

Über den Autor: Mojo from the Blog

Joachim aka “Mojo” ist 28 Jahre alt und wohnt in Stuttgart-Süd. Wenn er sich nicht gerade mit seinen Nachbarn wegen der Kehrwoche streitet oder Maultaschen isst, trifft man ihn vor allem am Marienplatz und an sämtlichen coolen Spots der Stadt an. Für ihn ist Stuttgart fast so aufregend wie New York City – was in stetiger Konkurrenz zu Stuttgart als seine “Lieblingsstadt” steht. Deshalb schreibt er schon seit vier Jahren auf www.mojofromtheblog.de über das Leben im Kessel. Ein richtiges Stadtkind halt!

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„Ich mach Schluss“: Über den Mut, eine Freundschaft zu beenden

Ab sofort lassen wir Gast-Autoren zu Wort kommen. Diesmal spricht Bloggerin Bele Marie über das Ende einer Freundschaft und warum es so schwer ist, sich von Freunden zu trennen, wenn es nicht mehr passt.

Stuttgart – Wir trennen uns in unserem Leben von vielen Dingen, von unserem alten Kinderzimmer, den zu klein gewordenen Klamotten, den vertrockneten Blumen und ja, sogar von dem einst geliebten Partner. Aber die Trennung von einer Sache schwebt wie ein nicht ausgesprochener Nebel über unserem Leben: das Schlussmachen mit Freunden.

„Man kann nicht 100 Freunde gleichzeitig haben“, sagte einst meine Mutter zu mir. Ich konnte mich sehr lange nicht mit diesem Gedanken anfreunden. Es machte mich sogar eher traurig, da ich meine Freunde doch mochte und diese auf keinen Fall verlieren wollte. Doch die Realität holte mich schneller ein, als es mir lieb war und aus Vertrauten wurden (nur noch) Bekannte. Denn sind wir mal ehrlich: Wie viele Freundschaften aus dem Kindergarten sind bis heute bestehen geblieben? Wie viele Freunde haben wir aus der Schule mitgenommen? Und wie viele Freundschaftsbande zerreißen durch Distanz?

Freundschaft – eine Art Beziehung

Freundschaft ist eine Beziehung, welche wir mit einem anderen Menschen eingehen – durch einen wortlosen Vertrag. Im Kindergarten ist man vielleicht noch zu einer Person gegangen und hat gefragt: „Willst du mit mir befreundet sein?“ Das positive Feedback darauf legte sozusagen den Grundstein für die jeweilige Freundschaft. Wenn man erwachsen wird, ist das alles nicht mehr so einfach. Eine Freundschaft basiert meist auf Werten wie Loyalität, Vertrauen, Humor, Respekt und Verständnis. Diese in einem anderen Menschen zu finden ist Gold wert.

Menschen verändern sich

Doch nicht nur das Finden einer guten Freundschaft ist eine Herausforderung. Die größte Problematik entsteht dann, wenn man merkt, dass die geteilten Werte, Ziele und Eigenschaften sich verschieben – denn jeder Mensch verändert sich. Plötzlich stellt man fest, dass es einfach nicht mehr passt, dass man in der Freundschaft nicht mehr auf Augenhöhe steht oder dass man sich einfach in verschiedene Richtungen entwickelt hat. Aber wie geht man damit um?

Vor einigen Monaten war ich an diesem Punkt. Ich habe gemerkt, dass ich mit einer einst so engen Freundin nicht mehr auf einer Wellenlänge bin. Ich wollte meine Zeit und Gedanken eigentlich nicht mehr mit ihr teilen. Es fühlte sich an, als wäre sie nur eine Bekannte. Wir haben uns verändert – beide individuell aber voneinander weg. Es war kein Vertrauen mehr da und man fühlte sich nicht mehr verbunden mit der Person, welcher man früher sein Herz ausgeschüttet hat.

Eine Freundschaft beenden – aber wie?

Diese Frage hat mich einige schlaflose Nächste gekostet. Wie man eine Liebesbeziehung beendet, kennen wir aus Filmen und Büchern. “Es passt einfach nicht mehr”, “Es liegt nicht an dir”, “Ich habe jemand Neues gefunden”. Aber all die Floskeln kann man doch nicht verwenden, um eine Freundschaft zu beenden.

Es hat für mich etwas mit Respekt zu tun, eine Freundschaft zu beenden. Respekt der Zeit gegenüber und sich selbst. Solche Gespräche sind mit die unangenehmsten des Lebens aber man steht seine Frau/seinen Mann. Man spricht Dinge an, welche einen stören, man vertritt den eigenen Standpunkt und gegebenenfalls erkennt man, dass es keine “gemeinsame Zukunft” gibt – zumindest nicht zum jetzigen Moment.

Die Kunst der Selbstreflektion

Es bedarf sehr viel Mut und Überwindung diese Themen anzusprechen aber alles ist besser als Schweigen und Vorspielen. Wenn der Gegenüber ähnlich empfindet und auch die nötige Kunst der Selbstreflektion beherrscht, können durch solche Gespräche nicht nur Probleme geklärt, sondern auch Augen geöffnet werden. Wichtig dabei ist, auch selbst offen für Kritik zu sein und sich nicht vor dem eigenen Fehlverhalten zu verschließen.

Alles in allem ist das Schlussmachen mit Freunden eine wichtige Lektion, welche das Leben für uns bereithält. Es ist schmerzhaft aber dennoch wichtig, um selbstbestimmt und mutig durch das Leben zu gehen. Wir sind nicht verpflichtet, mit jedem oder „für immer“ befreundet zu sein. Man darf auch auf die eigenen Bedürfnisse hören und diese aussprechen. Das schöne ist, dass eine Freundschaft ja nie auf ewig verloren ist, man kann sich auch immer wieder neu finden und falls die Wege irgendwann einmal wieder zusammen laufen sollten, kann man das Leben auch wieder gemeinsam bestreiten.

Über die Autorin

Das ist Tabea, aber sagt bitte ‚Bele‘ zu ihr. Die Bloggerin ist 23 Jahre alt, wohnt im schönen Degerloch und veröffentlicht wöchentlich neue Beiträge auf ihrem Blog Heys and Hugs. Bele findet man vor allem zwischen Second Hand Shops, einem guten Café Latte und dem ein oder anderen Konzert im stuttgarter Alltag. Stuttgart ist für sie ein Ort zum nach Hause kommen, es ist gemütlich und besitzt die perfekte Balance aus Großstadttumult und Kleinstadtcharme.

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