Pop Up Stuttgart Store: Neues Fluxus-Flair in der Innenstadt

Yeah, es gibt eine neue Ladengemeinschaft in der Innenstadt! Der Pop Up Stuttgart Store versammelt Applaus Gin, das Weingut der Stadt Stuttgart und andere feine Ladenkonzepte unter einem Dach.

Stuttgart – Inzwischen mögen auch die letzten ihre bitteren Fluxus-Tränen getrocknet haben. Ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass das Ende der alternativen Shopping-Meile verdammt schade ist. Und das nicht nur, weil die Calwer Passage gerade so verdammt uneinladend aussieht. Einige Fluxus-Mieter haben sich ja bekanntlich inzwischen an anderer Stelle niedergelassen, die Holzapfels gibt es glücklicherweise wieder an derselben Stelle. Was bislang fehlte, war aber eben ein neuer Hangout, an dem verschiedene Konzepte gemeinsame Sache machen.

Wein, Vibe, Gesang

Bislang. Direkt neben Feinkost Böhm, in den großzügigen Räumlichkeiten eines aufgegebenen Nobelgeschäfts sind nämlich ein paar (nicht mehr ganz so) junge Wilde eingezogen, um ein wenig improvisiertes Fluxus-Flair in die Innenstadt zu bringen – zunächst mal bis Ende Februar. Den größten Teil der luftigen Räumlichkeiten kommt dem Weingut der Stadt Stuttgart zu, das seit der Fluxus-Schließung nach neuen Räumlichkeiten für einen dauerhaften Standort sucht und sich nun zunächst mal mit Weinregalen, Probiertresen und Geschenkboxen in der Kienestraße breitmacht. Kienestraße, Kienestraße… wie könnte man denn von diesem Namen einen coolen Claim oder Hashtag für diese Sache ableiten?

Maultaschen und Gin

Vielleicht mal Stoff Büttner fragen. Der ist natürlich auch dabei. Er zieht mitsamt seinen verschiedenen Applaus Gins, Restbeständen seiner Edel-Schnaps-Reihe Retox und seiner Partnerin, der wunderbaren Grafikerin Anna Ruza in den Pop-Up-Store und hat eigens für diese Geschichte eine Menge knallpinker Kisten angeschafft, die farblich vorzüglich zum ersten Applaus-Etikett passen. Tipp für die Festtage: Er hat auch die Sonderabfüllung Goldmarie dabei. Waldhimbeeren und Amalfizitrone.

Im gemütlichen Wohnzimmerambiente mit Stehlampe und Teppich gibt es außerdem Spezialitäten von der Landmetzgerei Ochsen. Tradition küsst Pop-Up, das ist doch mal was Neues! An der Theke gibt es Maultaschen, Griebenschmalz und jede Menge Wurst, daneben hat die kleine, aber feine Manufaktur omas.studio ihr temporäres Reich errichtet. Omas.studio hat unter anderem den Stand des Weinguts der Stadt Stuttgart auf dem Weindorf realisiert und macht auch sonst echt schöne Dinge.

Anders als die anderen

Wieder so eine gute Überleitung, denn: Auch Puakea – Atelier für Blumen bringt mehr Schönheit und Aloha in den tristen und grauen Winter. Hier steht Valerie-Sophie Sand, gern mal gehüllt in einen ziemlich umwerfenden Overall, und kreiert wunderbare Arrangements aus Blumen, Pflanzen und sonstigem Grünzeug. Ja, man merkt schon: Dieser Pop-Up Store ist anders als die anderen. Weil hier nicht bemüht auf Zeitgeist gepocht oder auf Hipster gelauert wird. Hier haben sich einfach ein paar kreative und talentierte Menschen zusammengefunden, um ihre Erzeugnisse gemeinsam zu präsentieren.

Noch gibt es letzte Kniffe zu erledigen, letzte Verschönerungen anzubringen, letzte Details zu klären. Offiziell los geht‘s am Samstag, den 15. Dezember. Im neuen Jahr sind dann auch jede Menge gemeinsame Aktionen geplant, die man wahrscheinlich durchaus als Happenings bezeichnen kann. Gin-Tastings, Weinproben, musikalische Bespaßung, Landjäger for free (wer lieb fragt) und ganz viel alternativer Entrepreneursgeist in einer Ecke der Stadt, die sonst eher von Nobelboutiquen bestimmt ist. Wir freuen uns drauf und bleiben dran!

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Alles bleibt anders: Das Super Jami macht doch weiter

Da hat das vegane Stuttgart aber noch mal Glück gehabt: Das Super Jami schließt nur für einige Monate und macht danach weiter. Veränderung liegt dennoch in der Luft.

Stuttgart – Von „veganer Wehmut“ sprachen wir vergangenen Frühling, als wir vom bevorstehenden Aus des Super Jami im Heusteigviertel hörten. Doch Kathi Bretsch und Roman Herb haben sich jetzt doch dagegen entschieden, ihr innig geliebtes Vegan Deli abzugeben und machen nach einer mehrmonatigen Pause weiter. Zwar anders als davor, aber auch das klingt spannend. Was dem Super Jami bevorsteht, hat uns Kathi im Interview verraten.

Kein geeigneter Nachfolger

Okay, was ist denn da bei euch los? Erst verkündet ihr die Hiobsbotschaft, dass ihr den Laden abgeben wollt, jetzt macht ihr „nur“ für ein paar Monate dicht. Wieso?

Die Entscheidung wurde uns quasi abgenommen. Wir hatten einige Interessenten für das Super Jami und verhandelten auch mit einer Handvoll vielversprechender. Doch so richtig glücklich sind wir mit keinem geworden. Schließlich wollten wir gerne Nachfolger, die entweder das Jami in ähnlicher Weise fortführen oder mindestens einen neuen veganen Laden etablieren und in der Lage sind, mehr als ein halbes Jahr zu überleben. Die Alternative war nun, dass ein Makler diese Aufgabe übernimmt, wir keinerlei Mitspracherecht gehabt hätten und die Zielsetzung eher in Richtung Büroräume gehen würde. Für uns hätte das bedeutet, alles einzustampfen, was wir uns in den letzten vier Jahren aufgebaut haben. Und noch ein weiterer veganer Spot zu sein, der die Segel streicht.

So wie bisher konnte es nicht weitergehen

Extrem viele Leute waren traurig oder bestürzt, als sie erfuhren, dass ihr den Laden aufgeben wollt. War das auch ein Grund, dass ihr doch weitermacht?

Ohne die unfassbar tollen Gäste wären wir ja niemals auf die Idee gekommen, dass es sich lohnt, nochmal einen frischen Start hinzulegen. Die Rückmeldung der Leute war der Knaller, ergreifend und inspirierend. Da merkt man erst, was man da aufgebaut hat. So ganz alleine im Hamsterrad ist der Blick schon sehr tunnelig.

Wie hat es sich zunächst für euch angefühlt, als ihr verkündet habt, dass ihr einen Nachfolger für euer Baby sucht?

Das waren definitiv mehrere Ebenen. Zum einen der Duft der Freiheit und zum anderen, als würde man einen Teil seines Herzen in eine Autopresse werfen. So wie bisher konnte es aber nicht weitergehen, weil wir beide schon am Rand jeglicher Kräfte waren. So gesehen war es Befreiungsschlag und Guillotine zugleich.

Das Super Jami verändert sich.

Neues Kochbuch und vielleicht ein Urlaub

Dennoch wollt ihr in der Schließzeit keinen Urlaub machen, sondern ein Kochbuch schreiben…

Na ja, von gar keinem Urlaub hat ja niemand was gesagt. Aber natürlich wird die meiste Zeit ins neue Kochbuch fließen. Es wird ein Signature-Kochbuch mit Rezepten, die wir im Super Jami in den letzten Jahren so gekocht haben. Ich hoffe, dass es bis Ende März fertig ist und das neue Super Jami danach an den Start geht.

Und wie wird es danach mit dem Super Jami weitergehen?

Es wird auf jeden Fall anders. Zum einen wird Roman nur noch als als bester Boyfriend der Welt an meiner Seite und nicht mehr ein Teil des Super-Jami-Alltags sein. Und zum anderen brauche ich mehr Luft zum Atmen. Ich arbeite gerne und sehr viel und stecke all meine Energie in in meine Projekte. Doch in meiner Brust schlagen nun mal zwei Herzen. Ich liebe die Küche und das Kochen über alles, aber ich muss auch zeichnen können, um happy zu sein. Die letzten vier Jahre war außer dem Super Jami für kaum etwas anderes Platz. Und genau das muss sich ändern. Das neue Konzept soll mehr Luft bringen – und mehr Raum, um den Pinsel zu schwingen. Und natürlich muss die Küchenwelt noch weiter erkundet werden, daher wird es ab und an auch variierende Öffnungszeiten geben, damit ich von anderen Küchenchefs was lernen kann…

Nicht verpassen: Große Taco-Abschiedsfiesta am 29. Dezember 2018!

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Exklusiv: Kraftpaule verrät seine neue Location!

Das Crowdfunding war mehr als erfolgreich, jetzt hat die Geheimniskrämerei endlich ein Ende: Das Stadtkind verrät euch exklusiv, wo der neue Kraftpaule sehr bald sein Bier zapft!

Stuttgart – Es ist soweit, die Bombe darf platzen: Nach dem sensationellen Erfolg ihrer Crowdfunding-Kampagne können die Bier-Gralshüter vom Kraftpaule endlich verkünden, wo sich ihre neue Location befindet. Die steht sich – Überraschung! – nur einen Steinwurf entfernt von der alten Örtlichkeit am Stöckach. Fortan wird das Bier an der Neckarstraße 132 fließen. Gleich mal als neuen favorisierten Ort bei Google einspeichern und dann nichts wie hoch die Krüge!

Hopfiger Rückenwind

Dass das jetzt alles doch so glimpflich über die Bühne ging, haben Thorsten Schwämmle und sein Team mehr als verdient. Dass sie die gewünschten 25.000 Euro für den Umbau derart schnell zusammenbekamen, war dann aber doch eine gewaltige Überraschung. „Wir hätten nie gedacht, dass wir diesen Betrag sogar übertreffen können“, so Thorsten, der endlich mal wieder in Jubelstimmung ist. „Es fühlt sich unbeschreiblich an, dass wir etwas geschaffen haben, was den Leuten etwas bedeutet. Für uns ist das ein enormer Rückenwind und ein gewaltiger Motivationsschub für die Neueröffnung, die jetzt unmittelbar bevorsteht.“

Trüber Himmel, dennoch beste Aussichten: Das neue Kraftpaule-Zuhause.

Im Craft-Beer-Nirwana

Die neue, deutlich größere Location wurde in den letzten Wochen aufwändig umgebaut, mittlerweile sind Kühlhaus, Küche und die neue Anlage mit stolzen zwölf Zapfhähnen fertig. „Der neue Laden wird all das haben, was den alten so besonders machte“, sagt Thorsten. „Diesmal können wir unsere Idee vom perfekten Craft-Beer-Lokal aber eben zur Perfektion bringen: Längere Öffnungszeiten, erweitertes Speisenangebot und noch mehr Biere vom Fass. Zudem wird jedes im Shop gekaufte Bier bereits gekühlt sein.“ Wir wissen jetzt schon, wo wir auf dem Weg in die Schleyer-Halle oder ins LKA noch mal kurz einen Pit-Stop für Gerstensaft to go einlegen werden.

Kraftpaule 2.0

Viel Holz, viel Stahl, viel Schwarz: Der neue Kraftpaule ist purer, hochwertig gearbeiteter Rock‘n‘Roll und der wahrgewordene feuchte Traum eines jeden Hopfen-Aficionados. Besonders stolz ist Thorsten auf das Herzstück des Ladens: „Die neue Theke ist aus gebürstetem Stahl und Eichenholz“, strahlt er. „Ein brachiales Monument für das flüssige Gold.“ Man könnte fast schon von Schicksal sprechen, dass das letztlich alles so gut mit dem neuen Laden geklappt hat. Oder aber von ausgleichender Gerechtigkeit nach den vielen Querelen und schlechten News in diesem Jahr. Thorsten nickt erleichtert. „Besser hätte es echt nicht laufen können.“

Weihnachten kommt früher

Offiziell eröffnen wird der Kraftpaule Anfang Januar mit einer großen Sause und einem „Tap Takeover“ einer befreundeten Brauerei. Doch schon davor gibt es reichlich Gelegenheit, den neuen Laden in Augenschein zu nehmen. Am 14. Dezember wird beispielsweise eine Pre-Opening-Party für all jene steigen, die sich am Crowdfunding beteiligt haben. „Und ab dem 15. Dezember“, so Thorsten, „wird es dann verschiedene Weihnachtsspecials und Tastings geben.“ Weihnachten ist für Biertrinker dieses Jahr früher.

www.kraftpaule.de

Titelbild: Oliver Lozano

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Neuer Stuttgart-Kalender: Nackt im Wagenburgtunnel

Viel Lärm um blanke Popos: Der dritte Nacktkalender „Auto statt Stuttgart“ polarisiert heftig, will aber eigentlich auf ein ernstes Thema aufmerksam machen. Am Samstag feiert er Release im Schlampazius.

Stuttgart – Eigentlich ist es nur konsequent, dass der dritte Stuttgarter Nacktkalender „Auto statt Stuttgart“ seinen Schlüpfungstag ganz offiziell im Schlampazius im Stuttgarter Osten feiert. Eines der Kalenderblätter, das März-Motiv, zeigt nämlich ein paar Nackedeis, wie sie genussvoll die Wand des Wagenburgtunnels abschlecken. Und der Wagenburgtunnel, der führt bekanntlich ins Schlampazius.

Nackt unter Autos

Dort wollte früher wahrscheinlich auch niemand die Wände ablecken, doch nach der Renovierung ist sogar das bedenkenlos möglich. Aber zurück zur Tunnelwand. Dieses Motiv erregte nämlich reichlich öffentliches Ärgernis in der Presse, unter Passanten und in den sozialen Netzen. Ja, scheinbar schafft man es auch auf der Schwelle zu 2019 noch, mit Nacktheit zu provozieren.

Das ist einerseits traurig. Und andererseits gut, denn Justyna Koeke und Marie Lienhard, zwei der umtriebigen Verantwortlichen hinter dem Nackt-Kalender, wollen gegen die Geißel der Autoindustrie zu Felde ziehen. Feinstaub, Dieselskandal, überfüllte Straßen – all das eben, was uns in Stuttgart in Atem hält und den Atem raubt. „Kunst ist auch dafür da, um Diskurs anzuregen“, sagt Marie in Bezug auf die Kritik an ihrem Projekt. „Der Fokus ist zwar teilweise noch nicht bei den Inhalten angekommen“, meint sie, „aber es scheint wohl auch auf der reinen Bildebene Bedarf für eine Diskussion zu geben.“

Das Natürlichste auf der Welt

Natürlich wollen sie mit ihrem Kalender anecken. Natürlich wollen sie auf das aufmerksam machen, was ihrer Meinung nach schief läuft in der Stadt. Das gelingt ihnen aber eben ziemlich humorvoll, unaufgeregt und alles andere als schmuddelig. Die Nacktheit ist hier keineswegs aufreizend oder billig gedacht und sollte doch wohl am ehesten als Metapher für das Pure, Saubere im Gegensatz zur schmutzigen Stadt gesehen werden. Kommt nur nicht überall an. „Die Nacktheit unterstreicht die Verletzlichkeit“, betont Marie. „Sie ist das Natürlichste der Welt und steht damit in krassem Kontrast zur Autostadt.“ Stimmt schon, natürlich ist hier nichts.

Juli: Nackt zwischen Polizisten. (Bild: Auto statt Stuttgart)

Prüderie und Polizei

Dafür durchaus prüde: Bei fast jedem Shooting wurde die Polizei alarmiert – überflüssigerweise versteht sich, denn: „Wir hatten sie bereits vorab informiert“, so Marie. „Nacktsein im Öffentlichen Raum ist völlig legal, solange sich niemand davon gestört fühlt.“ Jetzt hofft Marie, dass sich auch diese Menschen auf den Diskurs einlassen. Dass sie sich aus der Reserve locken lassen.

Besonders gut dürfte das im Schlampazius gelingen, wo am Samstag, ab 19 Uhr der große Kalender-Release gefeiert wird. Making-Of-Bilder von den Shootings für die einzelnen Monate, mit der Rüdiger Scheiffele Unlimited Experience und Putte & Edgar gleich zwei Live-Bands sowie mit DJ Bobby Milkshake und Markus Milcke zwei DJs für eine lange Nacht. Fallende Hüllen sind da natürlich optional. Aber zur Not ist der Wagenburgtunnel ja nicht weit…

Facebook-Veranstaltung: www.facebook.com/events/459733867887207

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Ausländische Bäckereien: Weil Brezeln nicht alles sind

Eh klar: Nichts geht über Brezeln. Manchmal gelüstet es aber selbst uns Stuttgarter in Sachen Backwaren nach etwas anderem. Dann werden wir in diesen Bäckereien glücklich – und träumen schon mal vom nächsten Urlaub.

Stuttgart – Es gibt wenige Dinge, die uns so heilig sind wie unsere Brezel. Die Stäffele vielleicht, auch wenn wir insgeheim immer froh sind, sie nicht jeden Tag hochkraxeln zu müssen. Oder das Meckern über die vielen Baustellen, das ja auch nur wir Stuttgarter dürfen. Das wars aber auch schon. Für nichts anderes stellen wir uns mit stoischer Gelassenheit in die endlose Schlange wie für eine Brezel vom Bäcker Bosch, über nichts anderes debattieren wir mit ähnlicher Passion.

Kosmpolitische Brezelesser

Dennoch sind wir auch in Sachen Backwaren gern mal kosmopolitisch. In einer Stadt, in der 44 Prozent einen Migrationshintergrund haben, wäre alles andere ja auch blanker Hohn. Also, behaltet eure Brezeln und Laugenweckle heute mal. Das Stadtkind geht auf Länderreise durch ausgewählte Bäckereien der Stadt.

Frankreich

An was denkt man zuerst, wenn von Frankreich die Rede ist? Nein, wir meinen jetzt nicht Straßenblockaden und Proteste. Eher die schöne Seite des Landes. Genau, Wein, Austern, Disneyland, Champagner, Käse – und Brot. Brot in allen Formen und Farben, knusprig, duftend, warm oder süß. All das (und deutlich mehr) gibt es in der Boulangerie an der Schwabstraße. Hier hat sich der Wirt Dominique Gueydan (Bild oben) seinen Lebenstraum der eigenen französischen Feinbäckerei erfüllt – und backt mit einem französischen Team fleißig Baguettes, Croissants, Brioches, Ficelles und jede Menge süße Versuchungen. Die Backstube ist direkt hinter dem Verkaufsraum untergebracht, die Patisserie einen Raum weiter. Authentischer geht es nicht!

Bäckereien für Leckermäuler

Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Noch mehr Frankreich gibt es bei Chez Ginette am Hölderlinplatz. Der kleine Spezialitätenladen ist zwar keine reine Bäckerei, dafür eine Art Miniatur-Frankreich. Geschirr und Accessoires, dazu französische Marmeladen, Feinkost, eine Käsetheke – und jede Menge Gebackenes. „Wir beziehen alle Rohlinge aus Frankreich und backen sie dann selber vor Ort bei uns im Laden“, sagt Besitzerin Katharina Eberle. Gebacken wird mehrmals täglich, die Baguettes, Feigenbrote, Croissants, Pains au Chocolat, Brioches oder Macarons sind also immer frisch.

Im Süden sorgt die Patisserie Moustache für savoir vivre auf dem Esstisch. Ob eine Quiche, ein Croissant, ein Éclair oder ein Kuchen: Alle Produkte entstehen direkt vor Ort in einer offenen Küche. „Wir verwenden viele französische Zutaten und Bio-Produkte“, macht Ludéric Belhadj unsere Münder wässrig.

Italien

Klaro, auch in Italien ist ein Essen ohne Brot nicht wirklich komplett. Focaccia, Ciabatta, Grissini, dazu Salami, Mortadella oder Käse – perfetto! Seit 1987 sorgt die Panificio Sirignano in Wangen dafür, dass wir auch im Kessel nicht darauf verzichten müssen. Zuhause auf dem Großmarkt in Wangen, beliefert der Bäcker Gastronomie und Großkunden, steht aber auch Privatkunden offen, die dem Großmarkt einen Besuch abstatten. Schleckermäuler dürften sich indes eher in der Pasticceria Gelsomino am Westbahnhof wohlfühlen. Konditorspezialitäten und Backwaren mit über 100-jähriger Geschichte zwischen Sizilien und Stuttgart: Kleine Leckereien, aber auch riesige Torten oder Pralinen werden hier nach alten Rezepten hergestellt.

Im Westen gibt es schließlich auch noch die Bäckerei Pane e Dolci, die ein gutes Beispiel dafür ist, wie sich mediterrane und schwäbische Backgeschichte miteinander vereinen lassen. Hier leben Ciabatta und Brezeln in friedlicher Koexistenz.

Türkei

Wer auf der Suche nach authentischen türkischen Backwaren ist, der kommt nicht an der Bäckerei Gaziantep vorbei. Verteilt auf mehrere Standorte zwischen Vaihingen, Heslach und Bad Cannstatt, gibt es in allen Läden frisches Fladenbrot, Pide, Baklava und viele weitere weniger bekannte Spezialitäten der türkischen Backkunst. Als besonderer Geheimtipp in Sachen orientalischer Genüsse darf auch die Bäckerei FS Fladenbrot in Esslingen gelten. Der Betrieb hat sich zur Gänze dem perfekten Fladenbrot verschrieben. Ohne Geschmacksverstärker, ohne Stabilisatoren werden die Fladen gebacken und kommen danach sofort unter eine Schutzfolie. So bleiben sie auch nach dem Versand in Restaurants oder Imbisse frisch, knusprig und fluffig. Fast rund um die Uhr wird hier gebacken – überwiegend für Großkunden, aber auch für uns Normalverbraucher: Ein kleiner Spezialitätenladen neben der Backstube führt die frischen Brote neben einigen anderen Köstlichkeiten der arabischen Welt.

Die Wartezeit bis zum nächsten Urlaub wird dadurch zwar nicht kürzer. Aber immerhin deutlich angenehmer.

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Warum Männertage das Letzte sind, was wir brauchen

Eine neue Werbekampagne und fragwürdige Ereignisse wie Internationale Männertage geben Stadtkind-Autor Björn Springorum ordentlich zu denken.

Stuttgart – Stadtbahnfahren wird nie langweilig. Das ist nicht immer gut, aber meistens unterhaltsam. Dann zuckelt man an einer Haltestelle an der neuen Media-Markt-Kampagne #Männertage vorbei. Und sieht vor seinem inneren Auge die letzten 100 Jahre versuchter Emanzipation und Annäherung zu Staub zerfallen. Wer auf dieser Welt denkt sich nur diesen hirntoten Murks aus? Oder noch schlimmer: Wer auf dieser Welt nickt das ab?

Männertage aus der Steinzeit

Herzstück der steinzeitlich-primitiven Plakat-Inszenierung ist Sophia Thomalla, die sich offensichtlich selbst für nichts zu schade ist. Sie schaut lasziv in die Kamera, daneben steht: „#Männertage. An diesen Tagen streichelt er alles, was Knöpfe hat.“ Ernsthaft? Ich meine: ERNSTHAFT??? Immer, wenn man denkt, es ginge nun wirklich nicht mehr schlimmer, kommt so was. Ein Herrenwitz der schlimmsten Art. Im Jahr 2018. Ich weine für die Menschheit.

Was ist Männlichkeit?

Ob es Zufall ist, dass diese Kampagne kurz vor dem Internationalen Männertag am 19. November gestartet ist? Keine Ahnung. An diesem Tag soll es ja eigentlich um die Würdigung männlicher Leistungen gehen, die es sonst anscheinend so wenig gibt. Äh. Eigentlich aber auch egal. Für die Menschen, die Kampagnen wie die von Media Markt echt spitze finden, ist das nur ein weiterer Tag, um ihre angebliche Männlichkeit zu feiern. Das ist ein bisschen wie am Vatertag, den ja auch längst jeder mit Y-Chromosom als Ausrede zum Besäufnis benutzt.

Männlichkeit. Eh ein ziemlich großes Wort. Aber was ist das überhaupt? Nach Meinung erschreckend vieler (Männlein wie Weiblein in gewissen Dunstkreisen) lässt sich Männlichkeit förmlich messen. Dicke Karren (habe ich keine Kohle dafür), buschige Bärte (will bei mir nicht so recht wachsen) und gestählte Körper (viel zu faul).

Hat jemand „Kompensation“ gesagt?

Für mich sind das eher Attribute, hinter denen es sich hervorragend verstecken lässt. Kompensation, Sigmund Freud und so, ihr wisst Bescheid. Darum soll es hier aber gar nicht gehen. Vielmehr darum: Was gibt es an einem Internationalen Männertag eigentlich zu feiern? Zu feiern, dass man ein Mann oder eine Frau ist, ist doch genau so dämlich wie zu feiern, dass man Deutscher, Schwabe oder ein Mensch mit angewachsenen Ohrläppchen ist. Es war reine Willkür, dass es so gekommen ist. Schicksal, Pech, Zufall, whatever. Sorry.

Männertage am Bismarckplatz: Hoffentlich kommt der Bus bald!

Wenn wir also unbedingt was feiern wollen, dann sollten wir feiern, dass wir Menschen sind. Sollten Gemeinsamkeiten hervorheben statt Unterschiede betonen. Nicht an einem bestimmten Tag. Sondern immer. Mann und Frau sind genetisch unterschiedlich, das ist nun mal ein Fakt. Was soll es also ändern, wenn man diese Unterschiede ständig nur hervorhebt wie ein Mario Barth in seinem grenzenlosen Stumpfsinn?

Echt nix zu feiern

Oder gäbe es tatsächlich Gründe, die Männer zu Feiern? Mal einen Blick in die Welt werfen: Männer verdienen immer noch mehr Geld, Männer halten immer noch die meisten Führungspositionen, Männer dürfen überall auf der Welt Autofahren und nach Ansicht von Harvey Weinstein auch mal ein wenig aufdringlich werden, wenn die Dame mal nicht so will, wie man sich das vorstellt. Holt die Partyhüte raus!

So dämlich wie der Valentinstag

Ich halte das eher so: Wer sich seiner Männlichkeit erst durch bestimmte Tage oder fragwürdige Gesten gewiss werden will, der hat wahrscheinlich einfach keine. Ein bisschen ist das ja wie mit dem Valentinstag. Wer denkt, es reicht, an einem durch Medien und Konzerne aufgebauschten Tag mit ein paar trockenen Blumen von der Tanke anzukommen, um dann den Rest des Jahres wieder ein selbstsüchtiges Arschloch zu sein, der hat das Konzept Partnerschaft nicht verstanden.

Wenn es zum Internationalen Männertag also irgendwas zu sagen gibt, dann allerhöchstens das: Geht öfter zum Urologen!

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Stadtkinder über ihre Stadt: Benni Erbsland

Stuttgart, für immer erste Liebe? In unserer Reihe erzählen Stadtkinder, was sie an ihrer City so lieben – und was sie so richtig nervt. Heute mit dem Fahrrad fahrenden Gestalter, Maultaschenfan und Bombentyp Benni Erbsland.

Stuttgart – Wenn nett die kleine Schwester von scheiße ist, dann ist Benni Erbsland der große Bruder von awesome. Ein Knallertyp, der die Stadt prägt, bereichert und sich trotz allem nicht von ihr entmutigen lässt. Das ist wichtig, solche Typen brauchen wir, sonst überlassen wir die Stadt schon bald den Baustellen, den Investoren und denjenigen, die über alles meckern, aber selbst den Arsch nicht hochkriegen.

Applaus, Applaus!

Als Teil der Brightzeit-Agentur, die mit weiteren duften Kerlen wie Stoff Büttner den Applaus Gin produziert, verantwortet er den Retox-Schnapsladen, bei der Agentur Discodoener sorgt er für tightes Design und tolle Fotos, allein für sich gestaltet der 38-jährige Benni Erbsland so ganz nebenher die Sammeletiketten für Barteks Groben Schnitzer. „Ich liebe es zu sehen, wie eine Idee Gestalt annimmt – vor allem, wenn man das mit Leuten umsetzen kann, mit denen man wahnsinnig gern Zeit verbringt, die inspirierend und spannend sind.“

Ein echter Renaissance Man der Kunst- und Kulturszene ist er. Einer, der sich hervorragend im Stuttgarter Westen auskennt, wie er auch bei seinen „Kunst im Hinterhof“-Führungen bei der Westallee bewiesen hat. Nur echt mit Luftballon am Gürtel! Was einer wie er sonst so treibt in der Stadt, was er spitze findet und was nicht so, hat uns der Gestalter allzu gern anvertraut.

Ey, lass mal nen Schnapsladen machen!

Woran arbeitest du aktuell? Es ist weniger das was, sondern eher das wo: Für mich ist die BrightZeit im Westen der schönste Projektraum. Dort habe ich Platz, um mich auszuprobieren. Platz zum Netzwerken. Platz für dumme Ideen, die vielleicht doch ganz gut funktionieren – so was wie: „ey, lass mal nen Schnapsladen aufmachen!“ Die BrightZeit ist unser kleines, selbstorganisiertes Jugendhaus. Wir planen für 2019 ein Buch, um auch für uns mal eine Übersicht über die Sachen zu bekommen, die darin oder daraus bereits entstanden sind. Da hat sich in den sechseinhalb Jahren unseres Bestehens schon einiges angesammelt!

Südheim, meine Perle

Seit wann lebst du in Stuttgart? 2005 habe ich meine ostwestfälische Heimat verlassen und bin in den Süden gezogen. Nach einem kurzen Abstecher nach Waiblingen gings direkt in den Westen: Nähe Bäckerei Bosch mit Aussicht in den Kessel. Sehr gute Voraussetzungen für ein schnelles Ankommen.

Wo wohnst du heute? Stuttgart-Süd, in Waldnähe. Gott, vermisse ich die Schlange vorm Bosch am Wochenende.

Was gefällt dir an dieser Ecke besonders? Heslach, oder besser gesagt Südheim, ist ein Juwel. Stadtnah, viel Natur, wenig Verkehr. Eine tolle Auswahl an authentischen Geschäften und ehrlicher Gastro. Das Beste ist jedoch: jede Menge Frischluft, selbst im Sommer.

Jedes Mal, wenn ich im Urlaub bin, wär ich eigentlich lieber in Stuttgart.

Wann und wo hast du dich in Stuttgart verliebt? Ende 2005: Ein paar Freunde packten mich ins Auto und fuhren mich hoch zum Bismarckturm, um mir Aussicht und Bier zu spendieren. Später dann meine erste Maultasche im Troll. Es waren TK-Maultaschen von Bürger, in Brühe, ohne Kartofffelsalat – und ich dachte, sie würden mich verscheißern: „DAS soll eine lokale Spezialität sein? Das geht ja nicht mal als Ravioli durch!“ Zur Ehrenrettung: wir kamen weit nach Küchenschluss.

Was verbindet dich mit Stuttgart? Voll kitschig: die Liebe. Hier bin ich glücklich. Meine Frau und unser Zuhause, meine Freunde, der Beruf und die Hobbys. Jedes Mal, wenn ich im Urlaub bin, wär ich eigentlich lieber in Stuttgart.

Ein idealer Stuttgart-Tag: Von allem ein bisschen: ein bisschen frühstücken (im Bett, mit der Liebsten), ein bisschen spazieren, ein bisschen shoppen, ein bisschen snacken, ein bisschen trinken, ein bisschen versacken. Ohne Pläne und ohne Auto.

Döner und Eis

Der schönste Ort der Stadt: Grundätzlich die Discodoener-Dachterasse in der Innenstadt. Idealerweise mit Pizza und Cranberrysecco. Von Mai bis September zudem Connis pinkes Eiswägele in der Stadtmitte. Zu jedem Eis gibt‘s ein paar herzliche Worte, paar Witzle und ihren geballten Charme.

Benni Erbsland: Nicht ohne mein Eis! (Foto: lutfi)

Was fehlt dieser Stadt am meisten? Aus meiner täglichen Sicht: eine ehrliche Infrastruktur für Radfahrer. Stuttgart ist, trotz seiner Hügel, einfach und unkompliziert mit dem Rad zu erschließen. Leider sind die meisten Fahrradwege Interpretationssache. Bestes Beispiel: die neugestaltete Kreuzung Eberhard-/Torstraße. Stadtmitte, hinterm Karstadt. Wer mir auf Anhieb erklären kann, wie man hier fahren muss, bekommt eine Handvoll Colakracher. Deal.

Wo ist Stuttgart am schönsten? Halbhöhe, kurz vor Sonnenuntergang.

Death by a thousand cuts

Ein Geheimtipp, den du ausnahmsweise mit uns teilst: Eigentlich kein Geheimtipp, den Laden gibt‘s seit über hundert Jahren. Aber da ich über sieben Jahre gebraucht hab, um ihn zu entdecken: Die Teigwarenfabrik Wachendorfer in der Ludwigstraße. Immer, wenn ich in die Heimat fahre, deck ich mich mit Nudeln und Maultaschen als Mitbringsel ein.

Wo kann man am besten abstürzen? Mein Motto ist da „Death by a thousand cuts“. Hier ist alles so nah beieinander, dass es schade wäre, nur in einem Laden zu versacken.

Wo gibt‘s nachts das beste Essen? Obwohl ich ein Currywurst-Hooligan bin (die Wurst gehört auf den Rost und nicht in eine Fettpfanne, verdammt!), komm ich am Brunnenwirt nicht vorbei. Viel Liebe, allein schon für deren Wertmarken im Autoscooter-Stil, die zum Einlösen viel zu schade sind. Falls jemand ein Geschenk für mich sucht: Wertmarken vom Brunnenwirt. Und ne Handvoll Colakracher.

Ab in den Wald!

Wo lässt sich der Herbst in Stuttgart am besten aushalten? Ab in den Wald! Auf dem Rad, gemütlich schlendernd oder Vollgas mit Laufschuhen – es gibt keine bessere Zeit für ein paar Meter durchs Laub. Vor allem die Heslacher Wasserfälle sind grade wunderschön, komplett vermoost und wieder mit etwas mehr Wasser als noch in den heißen Monaten.

Was ist typisch Stuttgart? Kurze Wege. Detailreichtum. Ein bisschen Stolz auf seine Macken.

Was wolltest du in Stuttgart immer schon mal machen, hast es aber noch nie geschafft? Den Schachspieler vorm Königsbau besiegen, „Schmutzich – das Tittenheft“ rausbringen, meiner Frau einen echten Antrag machen, eine Statue von Loki auf den Schlossplatz stellen, das Kochbuch „Betrunken kochen in der BrightZeit“ veröffentlichen, Breakdance auf dem Frühlingsfest fahren, Altglas wegbringen, Schwäbisch sprechen. In der Reihenfolge.

Dein guter Vorsatz für 2019: Bloß nicht älter werden. Und wenn, dann nur körperlich.

(Titelbild: Pit Lederle)

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Stuttgart setzt ein Zeichen für Demokratie und Europa

Es ist eine beispiellose Aktion: The European Balcony Project ruft an zahlreichen Orten gleichzeitig die Republik Europa aus – auch in Stuttgart.

Stuttgart/Europa – Wir leben in unsteten Zeiten. Wir erleben einen weltweiten Rechtsruck, der uns vor große Herausforderungen stellt. Eines dürfen wir dabei aber nicht vergessen: Wir sind mehr, wir sind Europa. Wir stehen zusammen. Um das auch symbolisch deutlich zu machen, findet am Samstag, den 10. November, ein einzigartiges Kunstprojekt statt: The European Balcony Project. Auch in Stuttgart sind einige Akteure mit dabei.

Aufstehen für Europa

Erstmals in der Geschichte Europas werden unzählige Menschen auf dem Kontinent am Samstag, den 10. November, um 16 Uhr dasselbe tun: Für Europa aufstehen. In Theatern, an öffentlichen Orten, auf privaten Balkonen. Überall wird dann ein europäisches Manifest verlesen, das bewusst an den 9. November 1918 erinnern soll. Damals wurde vom Balkon des Berliner Reichstags die Republik ausgerufen.

Sebastian Hoch vom Stuttgarter Ableger der Bürgerbewegung Pulse of Europe erklärt die Hintergründe: „Das Projekt ist eine Initiative des European Democracy Labs sowie von Robert Menasse und Milo Rau. Der Kerngedanke der Aktion ist, dass sich Bürgerinnen und Bürger Europas zu einem festgelegten Zeitpunkt an möglichst vielen Orten treffen. Dort werden sie in einem emanzipatorischen Akt von Balkonen – von Glasgow bis Bukarest, von Lampedusa bis Wien, von Lissabon bis Stuttgart – per Manifest die Europäische Republik ausrufen.“

Die Gedanken sind frei

Das klingt nach „Die Gedanken sind frei“, nach einem Aufbruch in eine neue antitotalitäre Zeit. Also genau das, was wir heutzutage brauchen. „In Zeiten des zunehmenden Nationalismus, des lauteren Rufs nach Grenzen ist ein vereintes Europa wichtiger denn je“, sagt Sebastian Hoch. „Und gerade jetzt braucht es ein starkes und mutig gestaltetes Europa. Ein Europa, das die notwendigen Lehren der Vergangenheit beherzigt und konstruktiv in die Zukunft strebt.“

Vielfalt statt Spaltung – darum geht es beim European Balcony Project.

Europa ist Einheit in Vielfalt

Auch Stuttgart ist Europa

„In Stuttgart wird es insgesamt vier ‚Balkone‘ geben“, weiß Sebastian. „Und den wohl größten wird das Opernhaus aufbieten. Von diesem werden zunächst der Regisseur Oliver Frljic und verschiedene andere Akteure der Staatstheater das Manifest in unterschiedlichen Sprachen verlesen. Anschließend werden Mitglieder des Opernchors Beethovens ‚Ode an die Freude‘ intonieren. Darüber hinaus wird es ‚Balkone‘ am Alten Schauspielhaus, im FITZ sowie im Theaterhaus geben.“ Auch andere Stuttgarter Institutionen werden sich als Akteure an der Aktion beteiligen.

Einheit in Vielfalt

Für Burkhard C. Kosminski, den frischgebackenen Intendanten des Schauspiel Stuttgarts, ist die Beteiligung seines Hauses Ehrensache. Denn für ihn ist das Projekt „eine Kunstaktion, die im besten Sinne das verkörpert, was Europa sein könnte und sein sollte. Ein Gemeinschaftsprojekt vieler Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, die für ihre demokratischen Werte ein klares und sichtbares Zeichen setzen.“ Und das sehen viele andere auch so. „Dieses Projekt hat sich in den letzten Monaten und Wochen über den ganzen Kontinent ausgebreitet“, schwärmt der Intendant. „Und gerade mit Blick auf die anstehenden Wahlen zum Europäischen Parlament im Mai 2019 setzt dieses Projekt damit ein wichtiges Zeichen: Wir werden die wunderbare Idee eines demokratischen, sozialen und friedvollen Miteinanders wortgewaltig gegen den grassierenden Nationalismus verteidigen! Denn Europa soll in Zukunft halten, was es einmal versprochen hat: Einheit in Vielfalt!“

www.europeanbalconyproject.eu

Titelbild: Benjamin Weber

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