Herz auf Zunge: Ein Podcast verbindet Kulturen

Uns verbindet mehr, als uns trennt: Das wollen Cathi Kaiser, Zohreh Ahmadian und Marie Eisendick mit ihrem Podcast „HerzaufZunge“ zeigen. Geradeheraus sprechen sie über Themen, die junge Menschen zwischen Stuttgart und Teheran bewegen.

Stuttgart – Interkulturell und unkonventionell packen die Schöpferinnen von „HerzaufZunge“ Politisches und Persönliches auf den Tisch, statt es unter den Teppich zu kehren. Während Cathi und Zohreh dem Podcast ihre Stimme geben, kümmert sich Marie hinter der Geräuschkulisse um Schnitt, Sound und Technisches. Unterstützt werden sie außerdem in Form von Bild und Ton durch Illustratorin Ronja Keifer und DJane Zola.

Hört, hört: Ein neuer Podcast ist in der Stadt

Die Idee, einen interkulturellen Podcast aufzunehmen, kam Journalistin Cathi vor drei Jahren. Bei dem Besuch einer Unterkunft für Geflüchtete in Athen lernte sie damals die Syrerin Nesrin kennen. „Wir haben gemeinsam Ramadan verbracht, nachts stundenlange Gespräche geführt, uns zu allen möglichen Themen ausgetauscht und gemerkt, dass es – trotz unterschiedlicher kultureller Herkunft – viel mehr Gemeinsamkeiten gibt, als wir anfangs vielleicht erwartet hätten“, erzählt die 27-Jährige.

Feuer und Flamme für Feminismus und Toleranz

Wieder zurück in Deutschland wuchs Cathis Wunsch, ein eigenes Projekt ins Leben zu rufen, das geflüchtete und beheimatete Frauen auf Augenhöhe miteinander in den Dialog bringt. „Ich wollte Frauen wie Nesrin eine Stimme geben und die Diskussionen auf einer größeren Plattform stattfinden lassen“, erklärt die Journalistin. Als Cathi Zohreh und Marie von ihrem Vorhaben erzählt, sind beide sofort Feuer und Flamme.

Mit dem Herzen auf der Zunge gegen gesellschaftliche Tabus

Mit ihrem Podcast wollen die drei Frauen nun ihren Beitrag leisten, Vorurteile aus der Welt zu schaffen, Berührungsängste zu nehmen und denen eine Stimme geben, die sonst nicht zu Wort kommen. Die Devise lautet: Nicht über Menschen sprechen, sondern mit Menschen sprechen. Ein besonderes Augenmerk möchten sie dabei auch auf feministische Themen legen und bewusst Tabus ansprechen, um Frauen und Männern aus unterschiedlichen Kulturen die Angst zu nehmen, offen über gewisse Themen zu sprechen.

„Mir fällt oft auf, dass Menschen mit Migrationshintergrund darauf reduziert werden, dass sie geflohen sind. Das ist natürlich super wichtig und ich glaube, es findet auch immernoch kein ausreichender Dialog zwischen Nichtgeflüchteten und Geflüchteten statt, aber jede geflüchtete Frau ist eben auch eine Frau. Punkt. Sie hat unterschiedliche oder ähnliche Erfahrungen gemacht – aber sie ist nicht nur ein geflohener Mensch oder eine Migrantin. Das stößt mir immer so bitter auf.“

Marie Eisendick

Was Zuhörende erwartet sind also – trotz oder gerade wegen des interkulturellen Zusatzes – Themen, die bewusst nicht ausschließlich um Flucht kreisen. „Wenn die Tür in den Unterkünften für Geflüchtete zugeht, dann sprechen Frauen eben auch dort über Liebe, Sexualität oder ihren Körper – das sind einfach Themen, die uns beschäftigen und deshalb möchten wir an dieser Stelle ansetzen“, sagt Cathi und Zohreh fügt hinzu: „Mein Gedanke hinter dem Podcast ist auch, Schönheitsideale aufzulösen und beispielsweise mehr gegenseitige Toleranz und Akzeptanz unter Frauen zu fördern. Auch im Hinblick auf die Kopftuchdebatte – jeder kann und sollte diese Frage für sich beantworten dürfen, ohne dafür verurteilt zu werden.“

Apropos Kopftuchdebatte, genau über dieses Thema wollen die Frauen unter anderem in ihrer nächsten Folge sprechen. „Es wird generell um körperliche Selbstbestimmung gehen. Wahrscheinlich wird Nesrin uns als Dritte im Bunde unterstützen, denn sie trägt selbst ein Kopftuch. Das ist für uns eine super wichtige Perspektive – da die Diskussion in den Medien meiner Meinung nach gerade noch sehr einseitig ist und man sehr selten Stimmen von Frauen hört, die das Kopftuch aus eigenen Stücken tragen und sich selbst als Feministin bezeichnen“, erklärt Cathi.

Vom Podcast zur Podiumsdiskussion?

Der Podcast sei ein erster Ansatz, in ihrer Vorstellung würden die Frauen gerne irgendwann Treffen von Geflüchteten und Beheimateten organisieren und über die Themen diskutieren, über die sie bereits im Podcast gesprochen haben. Ob es neben den monatlichen Folgen dazu kommen mag oder nicht ­– am Ende steht eines fest: Mit ihrem Projekt beweisen Cathi, Zohreh und Marie, dass sie ihr Herz nicht nur auf der Zunge, sondern auch am rechten Fleck haben!

Bilder: Alessandra Coronato

Stadtkind-Guide: Plastikfrei durch Stuttgart

Bye bye Strohhalme und Co. – die EU einigt sich auf ein Verbot von Einweg-Plastik. Und alle so: Yeah. Wir haben einen Guide für euch zusammengestellt, wie ihr plastikfrei durch den Alltag kommt.

Stuttgart – Gibt es denn wirklich keine Möglichkeit, den Alltag ohne Plastik zu überstehen? Ist es zwingend notwendig nahezu jedes Lebensmittel in den umweltschädlichen Kunststoff zu hüllen? Hat man als Verbraucher keine andere Wahl? Wir geben Tipps, wie ihr euren Müllverbrauch im Alltag reduzieren könnt.

Die Zero-Waste-Philosophie: Ein Leben ohne Müll

Dinge selber machen, Dinge wiederverwerten, Dinge kaufen, die Bestand haben. Bei der Zero-Waste-Bewegung handelt es sich um eine Lebensphilosophie, deren Anhänger versuchen, möglichst wenig, beziehungsweise keinen Müll zu produzieren. Insbesondere Plastikmüll. Denn von den 78 Millionen Tonnen Verpackungsmüll aus Plastik, die weltweit jedes Jahr entstehen, gelangen 32 Prozent unkontrolliert in die Umwelt. Ein Teil davon landet wiederum in Form von Mikroplastik im Magen der Fische und letztendlich auf unseren Tellern. Der kritische Verbraucher weiß längst: Eine Lösung für dieses Problem muss her.

Plastikverbrauch – wo fängt man an, wo hört es auf?

Weniger Abfall, das heißt mehr Umweltschutz und auch mehr Lebensqualität. In welchen Lebensbereichen und in welchem Ausmaß man auf Plastik verzichtet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Unser Ratgeber zeigt Wege und Lösungen, um plastikfrei(er) durch den Alltag zu kommen.

Tipp 1: Einkaufen ohne Plastik

Dass Plastiktüten ein Umweltproblem sind, dürfte kein Geheimnis mehr sein. Daher lautet die wohl einfachste Methode, um schon beim Einkauf auf Plastik zu verzichten: Stofftasche statt Plastiktüte.

Bei einem Streifzug durch die Regale konventioneller Supermärkte fällt jedoch schnell auf: Selbst mitgebrachte Stofftaschen sind kein Garant für einen Einkauf ohne Müll. Gerade frische Lebensmittel werden absurderweise oft in Plastik eingeschweißt. Wer dies umgehen möchte, sollte auf Bio-Märke, wenn nicht sogar Läden umsteigen, die nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch sonstige Produkte unverpackt anbieten.

Das Konzept ist einfach: Statt der üblichen Plastiktasche, bringt der Konsument sich einfach die Behälter, die er für seinen Einkauf benötigt, selbst mit. Füllt sich alles, was er braucht, ab und verlässt den Laden wieder – und das alles ohne Müll. In Stuttgart kann man dies beispielsweise im Schüttgut (Vogelsangstraße 51) tun.

Tipp 2: Aufbewahrung ohne Plastik

Nicht nur beim Einkaufen, auch im Alltag wird Plastik noch häufig als Transportmittel genutzt. Ohne Sinn und Verstand wickeln wir unsere Pausenbrote in Frischhaltefolie, Plastiktüten und Plastikdosen oder werfen mit Alufolie um uns, als gäbe es kein Morgen. Unser Tipp: Nutzt stattdessen lieber Schraubgläser oder Brotdosen aus Edelstahl und Holz. Diese eignen sich ebenso gut, um Lebensmittel zu lagern und frisch zu halten.

Auch der Coffe-to-go wird aus dem „praktischen“ Einweg-Becher geschlürft (kurze Randnotiz: Rund 320.000 Einweg-Becher verbrauchen wir Deutschen pro Stunde). Wer beim Mittagessen nicht alles aufisst, der lässt sich seine Reste in einen der noch „praktischeren“ Plastik-Behälter zum Mitnehmen packen. Dabei gibt es auch hier Alternativen: Die Mehrweg Initiative Stuttgart bietet mit reCIRCLE Stuttgart ein Mehrwegsystem für Restaurants, die Takeaway-Food anbieten. Über ein Pfandsystem könnt ihr euch in über zehn Gastrobetrieben in Stuttgart eine sogenannte reBox ausleihen und euer Essen unterwegs aus der schadstofffreien auberginefarbenen Box genießen. Alle Infos zu den teilnehmenden Restaurants findet ihr hier.

Zu guter Letzt noch ein einfacher Trick, um Plastik zu vermeiden: Statt Wasser aus PET-Flaschen, einfach Leitungswasser trinken und auf eine wieder befüllbare Trinkflasche umsteigen. Schont nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gesundheit, denn Plastikflaschen enthalten oft gesundheitsgefährdende Stoffe. Seit einiger Zeit ist die Initiative Refill auch in Stuttgart aktiv. Läden, Cafés und andere Einrichtungen melden sich an, bekommen eine Markierung auf einer digitalen Karte sowie einen Refill-Aufkleber für ihr Geschäft. Jeder, der eine Flasche dabei hat, bekommt dort kostenlos Leitungswasser.

Tipp 3: Körperpflege ohne Plastik

Auch im Bereich der Körperpflege nutzen wir Produkte, die in Plastikflaschen verpackt sind und produzieren dabei Unmengen an Verpackungsmüll. Hinzu kommt, dass Mikroplastik auch in Kosmetikprodukten keine Seltenheit ist. Obendrein sind die Inhaltsstoffe vieler Shampoos, Duschgels oder Seifen zweifelhaft für unsere Gesundheit. Unser Tipp führt euch „back to the roots“: Verwendet Naturseifen. Diese sind nicht nur unverpackt und somit umweltfreundlich, sondern auch noch besser zu euren Haaren beziehungsweise eurer Haut. Oder ihr schaut euch mal das Stuttgarter Start-up Duschbrocken an. Ein festes Shampoo, das die Umwelt schont, trotzdem schäumt und gut riecht? Zwei junge Gründer haben es auf einer Weltreise erfunden. Auch Deo ohne Aluminiumsalze kann man mithilfe einer Anleitung ganz einfach selber machen, wie Bauchfrau Kim Hoss in unserem DIY-Special.

Was übrigens auch Berge an Plastikmüll produziert, sind Tampons und Binden. Dabei gibt es Alternativen: beispielsweise die Menstruationstasse. Diese besteht aus Silikon und kann über mehrere Jahre hinweg verwendet werden. Außerdem gibt es waschbare Binden und Slipeinlagen aus Baumwolle. Wer hier Berührungsängste hat, kann aber auch auf Bio-Tampons etwa von dem Stuttgarter Start-up The Female Company umsteigen. Diese sind weniger schädlich für Umwelt und Gesundheit.

Tipp 4: Reinigungsmittel ohne Plastik 

Auch im Haushalt verwenden wir oftmals unnötig viele Putzmittel. Dabei sind aggressive chemische Reiniger nicht nur gesundheitsschädlich, sondern in Plastikflaschen abgefüllt. Mit einfachen Hausmitteln wie Essig, Zitronensäure, Soda und Natron könnt ihr jedoch nahezu alle industriell gefertigten Reinigungsmittel ersetzen.

Stuttgart fastet Plastik

Und auch das Café Tatti in der Stuttgarter Innenstadt verzichtet ab sofort auf Plastik und bietet nun Zitronengras-Trinkhalme an.

Titelbild: Tante Olga.

From Stuttgart to Kenia: Filmprojekt „Feminism Matters“

Feminismus – eine Bewegung, die nicht nur in Deutschland, sondern auch in Kenia immer größere Wellen schlagen soll. Und zwar mit Hilfe des Filmprojektes „Feminism Matters“. Produktionsassistentin Daniela Fritz aus Stuttgart gibt im Interview Einblicke hinter die Kulissen.

Stuttgart/Nairobi ­– Seit einigen Wochen läuft die Fundraising-Kampagne zum Film „Feminism Matters“ nun schon. Und ist auf dem besten Weg, ihr Ziel zu erreichen. Bald schon soll es an die Umsetzung gehen. Die Geschichte, die die Macher des Films erzählen wollen, beleuchtet die Rechte der Frau in Kenia, hinterfragt bestehende Geschlechterrollen und behandelt Themen wie Gleichberechtigung und Empowerment. Gemeinsam wollen die Beteiligten versuchen, patriarchalische Strukturen mit der Kraft von Kunst und Kultur zu verändern und die Gesellschaft in Sachen Frauenrecht und Feminismus zu sensibilisieren.

Regisseurin und Filmemacherin Jinna Mutune, Aktivistin für Frauenrechte Binna Maseno und Emily Onyango in Kariobangi, Nairobi
Regisseurin und Filmemacherin Jinna Mutune, Aktivistin für Frauenrechte Binna Maseno und Emily Onyango in Kariobangi, Nairobi (Oktober 2018). Bild: Magnus Rosshagen

Ein Film über Feminismus in Nairobi ­– wie kam es dazu?

Daniela: „Die Idee ist letztes Jahr im K-Youth-Media Center in Kariobangi, einem Slum in Nairobi, im Rahmen eines Women-Empowerment-Workshops entstanden. Unter dem Thema #MeToo arbeiteten Frauenaktivistinnen drei Monate lang gemeinsam mit einer Gruppe von jungen Frauen in unterschiedlichen Disziplinen wie beispielsweise Fotografie. Daraus entstand dann die Idee, ein Filmprojekt ins Leben zu rufen.“

Feminism Matters ­– kannst du die Einstellung der Menschen vor Ort in Worte fassen und beschreiben, weshalb ein solches Projekt wichtig für die Gesellschaft ist?

Daniela: „Ich kann nicht für ganz Kenia sprechen, nicht mal für ganz Nairobi. Diese Stadt ist so unterschiedlich, die Menschen so divers. Die Kluft zwischen Arm, Mittelstand und Reich ist sehr groß. Ich habe das Leben im Slum erlebt, meine Freunde sind alle von dort. Im Slum herrschen ganz eigene Regeln. Es wäre zu einfach, verallgemeinernd zu sprechen und das will ich auch gar nicht, weil man selbst im Slum sonst nichts und niemandem gerecht wird. Aber von dem, was mir die jungen Frauen während des Fotografie-Workshops, den ich mitbetreute, erzählt haben, gehören körperliche Gewalt besonders gegen Frauen, sexueller Missbrauch, häusliche Gewalt und Erniedrigungen zur Tagesordnung.

Für Jugendliche, die im Slum aufwachsen, ist es sehr schwer, über ihre Lebensumstände hinauszuwachsen ­– für Frauen noch schwerer. Beispielsweise werden aufgrund von Geldmangel oft nur die Jungen einer Familie zur Schule geschickt. Die Mädchen werden zu Hausfrauen und Müttern aufgezogen. Während des Workshops habe ich auch ganz stark gespürt, dass die Frauen es überhaupt nicht gewohnt sind, über ihre eigenen Erfahrungen zu sprechen und ihre Geschichten zu erzählen. Wir hatten das Thema #MeToo, innerhalb welchem die Frauen Fotos kreieren sollten. Es tat ihnen gut, zu sehen, dass sich andere für ihre Geschichte interessieren. Zu merken, welchen Einfluss Fotos haben können, was man mit ihnen ausdrücken kann. Genau das wollen wir mit dem Kurzfilm erreichen – ein Gesamtwerk, durch das die jungen Frauen ihre Geschichten erzählen können.“

Lynnette während eines Foto-Shootings in Nairobi, im Slum (Januar 2018). Bild: Daniela Fritz

Was hast du für dich persönlich aus der Zeit in Nairobi mitgenommen?

Daniela: „Als sich meine Zeit dort dem Ende zuneigte, ist es mir sehr schwer gefallen, wieder zu gehen. Dabei kam mir kein einziges Mal der Gedanke, ich wäre dort unersetzlich oder man käme nicht ohne mich klar. Es waren vielmehr die Menschen, die ich dort kennengelernt und in mein Herz geschlossen hatte, die Nairobi während meiner Zeit dort zu einem Zuhause gemacht haben. Auch jetzt, acht Monate später, ist der Wunsch, zurückzukehren und „meine Leute“ bei ihren coolen Ideen und Projekten zu unterstützen und mit ihnen zu leben, unverändert stark.

Ich hatte das große Glück unter anderem eine Gruppe junger Frauen im Alter von 17 bis 23 Jahren kennenzulernen. Sie alle waren Teil des Women-Empowerment-Workshops, der zur Stärkung und Unterstützung junger Frauen in den Slum-Regionen in Nairobi im Bereich Medien ins Leben gerufen wurde. Denn nach der Schule fehlt vielen Jugendlichen in Nairobi, besonders aus ärmeren Verhältnissen, eine Perspektive und schlicht die finanziellen Mittel für eine Weiterbildung. K-Youth Media will dem entgegenwirken, indem es Kurse im Medien-Bereich anbietet. Dadurch können sich die Jugendlichen Kompetenzen aneignen, die ihnen bessere Chancen für einen Berufseinstieg ermöglichen.“

Während der Abschlussfeier des Women-Empowerment-Workshops im Alliance Francaise in Nairobi (Februar 2018). Bild: Magnus Rosshagen

Gab es einen Moment, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Daniela: „Schwere Frage. Es gibt so vieles, was mich in der Zeit dermaßen geprägt hat. Die vielen kleinen und großen Freuden, die ich dort erlebt habe, besonders aber die Freundschaften, die ich geschlossen habe. Vielleicht war es der Moment, von dem an ich nicht mehr nur irgendeine „Weiße“ war, sondern Dani ­– die Momente, in denen wir zusammen gelacht haben und ich für einen Augenblick vergessen konnte, dass ich nicht schwarz bin. Oder als ich im Slum bei einer jungen Mutter zu Besuch war, mit der wir ein Interview geführt haben, die uns bei starkem Regen bei sich aufgenommen hatte und uns erst wieder gehen ließ, als sie uns frische Chapati (eine Art Pfannkuchen) mit auf den Weg gegeben hatte.“

Eure Crowdfunding-Kampagne zum Film läuft derzeit. Wie sehen die weiteren Schritte aus?

Daniela: „Am 20. März werde ich nach Kenia fliegen, dann geht’s in die heiße Phase. Es wird viel zu koordinieren, planen und vorbereiten geben. Wir werden anfangen, das Drehbuch zu entwickeln, gleichzeitig weiter fundraisen, Kontakte knüpfen, den Dreh vorbereiten, Leute für den Dreh akquirieren etc. Dann geht’s an den Dreh selbst, der im Juni starten soll. Für Juli und August ist dann die Postproduktion angesetzt. Im September wollen wir den Film dann veröffentlichen und bei Filmfestivals enreichen. Mit etwas Glück gewinnen wir den ein oder anderen Preis, mit dem wir dann wiederum ein weiteres Filmprojekt finanzieren könnten.“

Emily Onyango, Projektkoordinatorin K-Youth Media in Nairobi, mit den Teilnehmerinnen Sharon Apido, Mercy Dwegi, Wangui Ndoga und Mary Nyambu (Oktober 2018). Bild: Magnus Rosshagen

Wer genau steckt hinter dem Projekt?

Daniela: „Magnus Rosshagen, Lehrer an einem Mediengymnasium in Stockholm und Mitbegründer des K-Youth Media Centers. Er hat die Leitung und Initiative des Projekts übernommen, ist stark aktiv im Fundraisen und Connecten und tut von Schweden aus was er kann. Jinna Mutune, eine bekannte kenianische Filmregisseurin, wird gemeinsam mit den jungen Frauen das Skript entwickeln und das Projekt bis zur Fertigstellung begleiten. Sie ist als Mentorin aktiv und hilft beim Netzwerken zwischen den jungen Frauen und Erfahrenen im Filmgeschäft in Kenia. Emily Onyango, Kizito Gamba und Samuel Karanja werden als K-Youth-Media Aulumni als Mentoren aktiv im Projekt, wenn es um das Training der jungen Frauen in den einzelnen Disziplinen des Filmemachens geht. Hierfür werden wir aber auch noch weitere professionals aus der Filmszene in Nairobi ins Boot holen. Betty Andera, Binna Maseno und Rachael Mwikali sind Frauenaktivistinnen, die die jungen Frauen während des Projekts begleiten und sie darin stärken, ihre Geschichten zu erzählen.

Außerdem gibt es, neben K-Youth Media, Organisationen aus den Bereichen der Kunst und Kultur-Förderung in Nairobi wie die Nacka-Nairobi Initiative, ASMO, Go Down Art Center Nairobi, Pawa254, die das Projekt in Sachen Promotion, Location-Bereitstellung, Equipment, Vernetzung oder im Event-Bereich unterstützen.“

Während eines Foto-Shootings des Workshops in Nairobi, im Slum, zum Thema #MeToo (Januar 2018). Bild: Daniela Fritz

Titelbild: Mercy Dwegi

Selbst ist die Frau: Maja Mast tauscht Büroalltag gegen Yoga-Studio

2005 stand Maja Mast zum ersten Mal auf der Matte. Heute hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht. Als Yoga-Lehrerin und Therapeutin kehrt sie dem nine-to-five-Alltag im frisch eröffneten Yoga-Studio den Rücken.

Noch vor einigen Jahren drehte sich Majas Leben um die Wünsche und Sorgen ihrer Kunden. Als Beraterin in einer Werbeagentur glich kein Tag dem anderen: Zwischen Fotoshooting und Fashion-Week blieb oft kaum Zeit, innezuhalten. „Das war total schön und spannend, gerade in dem Alter, weil ich viel rumgekommen bin, aber irgendwann konnte und wollte ich das nicht mehr.“ Anfang 30 kam das erste Kind, darauf folgte das zweite. „Dann wurde immer klarer, mit den Kindern und der Familie ist das nicht wirklich zu vereinbaren“, erzählt die 35-Jährige. Also beschloss sie, einen Gang runterzuschalten.

Yoga – Liebe auf den zweiten Blick

Dabei half ihr vor allem eines: Yoga. Auch wenn es eine Liebe auf den zweiten Blick war, wie sie verrät: „Eine Freundin musste mich damals regelrecht in meinen ersten Yoga-Kurs schleppen. Nach dem Kurs hatte ich ein riesengroßes Fragezeichen im Kopf und konnte den Hype um Yoga überhaupt nicht nachvollziehen. In meinem damaligen Job in der Agentur hatte ich allerdings so viel um die Ohren, dass ein Ausgleich hermusste. Und so gab ich dem Yoga eine zweite Chance!“ Seitdem seien ihre Matte und sie unzertrennlich.

Der Wunsch vom eigenen Studio

2013 machte Maja eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin. Damals noch ohne Hintergedanken, sondern einfach, um sich selbst etwas Gutes zu tun. „Im Laufe der Zeit habe ich aber Lunte gerochen und gemerkt, dass ich doch mehr daraus machen möchte.“ Und so wuchs ihre Leidenschaft Jahr für Jahr. „Irgendwann habe ich angefangen nebenher Kurse in Yoga-Studios, Agenturen und Unternehmen zu geben“, so Maja.

Die Idee, sich mit einem eigenen Yoga-Studio selbstständig zu machen verfestigt sich, als die 35-Jährige vor zwei Jahren die Ausbildung zur Yoga-Therapeutin beginnt. „Das ist eine sehr umfangreiche Ausbildung, die meiner Meinung nach nur Sinn macht, wenn man das Wissen auch wirklich anwendet. Das heißt, für mich war klar, irgendwann will ich ein eigenes Studio, in dem ich das dann auch wirklich praktizieren kann.“

Beim therapeutischen Yoga können konkrete Beschwerden durch den Einsatz von Yoga-Techniken gelindert werden. Dabei werden die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert. Das Prinzip der Yoga-Therapie sei dabei ähnlich wie das einer Ergo- oder Osteopathiesitzung. „Je nachdem mit welchen Beschwerden die Leute zu mir kommen, kann ich spezifisch darauf eingehen“, erklärt Maja.

Kleines Studio, große Leidenschaft

Mithilfe eines Instagram-Aufrufs machte Maja sich Ende letzten Jahres auf die Suche nach einem Raum. Und wird in Dürrlewang fündig: Seit 1. Januar ist Baustelle angesagt. „Mein Mann hat gerade Elternzeit und unterstützt mich, wo er kann.“ Und auch der Rest der Family hänge sich voll rein: „Die Omas passen auf die Kids auf, mein Mann und mein Papa sind auf der Baustelle und ich renne so zwischendurch herum und mache von allem ein bisschen.“ Der Raum – ursprünglich eine Boutique – sei nicht perfekt, habe aber seinen ganz eigenen Charme, so Maja. „Das Haus selbst ist ein 70er Jahre Bau, mit einer alten, etwas in die Jahre gekommenen Ladenzeile und großen Schaufensterfronten mit Blick auf einen kleinen Park – das fand‘ ich irgendwie total süß“, schwärmt Maja.

Dürrle- what? Dürrlewang!

Bewusst habe sich Maja für einen Raum etwas außerhalb entschieden. „Ich hab‘ mir gedacht, anstatt in Stuttgart das 748. Yoga-Studio aufzumachen, sollte man sich einfach mal trauen, den Leuten auch in den Randbezirken die Möglichkeit zu bieten, Yoga zu praktizieren.“ Außerdem versuche sie bewusst nicht nur die hardcore Yogis mit Mitte 20 anzusprechen, sondern biete von „Mama-Baby-Kursen“ bis hin zu „Oldie but Goldie-Kursen“ alles an. „Das ist jetzt mal der Plan, ob der aufgeht, wird sich zeigen“, sagt Maja und lacht.

Yoga – mehr als Turnen

Zu ihren regulären Kursen, organisiert Maja außerdem Workshops zu unterschiedlichen Themen wie etwa Ernährung, Ayurveda, Mentaltraining oder Achtsamkeit. „Ich habe schon ein paar Workshops geplant, mit Spezialisten, die dann auch in meinem Studio stattfinden werden. Ich erhoffe mir davon, dass die Leute einen tieferen Einblick in die Thematik erhalten und sich vielleicht auch für andere Themen öffnen, mit denen sie bisher vielleicht noch keine Berührungspunkte hatten.“ Denn Yoga sei für sie nicht einfach nur turnen, betont Maja. Angst, mit ihrem Vorhaben zu scheitern, habe sie nicht: „Es kann natürlich sein, dass ich mit 180 gegen die Wand fahre und mein Plan nicht aufgeht, aber ich glaube total daran und muss es probieren, um es zu wissen.“

HappyFeet: Eine neue Tanzschule für Swing in Stuttgart

Ladies and Gentlemen, Freunde des gepflegten Tanzparketts. Im Heusteigviertel könnt ihr dem Alltagsstress ab sofort den Kampf ansagen! Im HappyFeet bringen Güneş Göker und Marcus Zieboll mit ihren Lindy Hop Kursen jede Menge Schwung in den Feierabend. Soviel sei schon mal verraten: Hier steppt nicht nur der Bär.

Stuttgart – 2013 lernten Güneş und Marcus sich bei einem Lindy Hop Kurs kennen. Seither haben die beiden unzählige heiße Sohlen zusammen aufs Parkett gelegt. Im September vergangenen Jahres gründeten sie gemeinsam ihre eigene Lindy Hop Tanzschule namens HappyFeet im Stuttgarter Heusteigviertel. Neben einer kostenlosen Social Dance Veranstaltungsreihe namens „Swing’n’Cake“ im Weltcafé und hauseigenen Tanzkursen, bieten die beiden am 19. Januar im Rahmen des „Swing im Palais“ einen Schnupperkurs im Stuttgarter Stadtpalais.

It’s a swing thing!

Ein Treffen mit Güneş und Marcus in ihrem Studio in der Falbenhennenstraße. Einst als Theater unter dem Namen „Krimifabrik“ bekannt, dient die Location im Hinterhof heute als Schauplatz ausgelassener Lindy Hop Partys. Ihre Leidenschaft für den Tanz – der übrigens aus den dreißiger Jahren stammt und zur Familie des Swings gehört – entdeckten beide auf ganz unterschiedliche Art und Weise.

Von Hip Hop zu Lindy Hop

Ihre Liebe zu Musik und Tanz verdanke sie vor allem ihrer türkischen Herkunft, die sie schon früh damit in Berührung brachte, so Güneş. „In unserer Familie wurde einfach immer getanzt. Irgendwann habe ich dann mit Jazzdance angefangen, weiter ging es mit Forró – einem brasilianischen Paartanz – Salsa, Tango und später auch Hip Hop und Freestyle – eben alles Querbeet“, verrät die 45-Jährige. 2013 entdeckt sie durch eine Freundin Lindy Hop für sich. „Ich war sofort total begeistert von dieser Musik – sie hat mich direkt an alte amerikanische Filme erinnert.“ Nach ihrem ersten Kurs habe sie dann nur noch Lindy Hop getanzt. „Für mich ist Lindy Hop einfach magisch“, gerät sie ins Schwärmen.

Marcus hingegen erzählt, dass er seine Leidenschaft für das Tanzen erst sehr spät entdeckte: „Bei uns zu Hause wurde nie getanzt, ich war allerdings immer schon sportlich aktiv. Von Snowboarding, über Mountainbiken bis hin zu Fußball war alles dabei. Irgendwann bin ich aus Neugierde mal mit einer Freundin zu einem Lindy Hop Crashkurs gegangen und habe gemerkt, wie viel Spaß das macht.“

Für ihn sei Lindy Hop die richtige Mischung aus „Socializing“, sportiv und kreativ. „Man kommt super schnell mit Leuten in Kontakt, der sportive Aspekt ist gegeben und trotz allem hat man viel Freiraum was die Schritte und Kombinationen angeht. Das hat mir vom ersten Kurs an sehr gefallen und deshalb bin ich auch drangeblieben“, verrät er.

HappyFeet – eine Tanzschule nimmt Gestalt an

Schon lange ist den beiden klar: „Wir brauchen eine eigene Location, in der wir flexibel sein können.“ Et voilà: Zwei Jahre und viele helfende Hände später sitzen wir nun in einem Traum von Vintage mitten im Heusteigviertel. „Zusammen haben wir einen Raum geschaffen, von Lindy Hoppern für Lindy Hopper.“ Das Konzept habe dabei von Anfang an diesen Gemeinschaftsgedanken in sich getragen. „Immer dienstags veranstalten wir einen sogenannten ‚Practice Hop‘, eine Art betreutes Tanzen, bei dem einfach jeder vorbeikommen kann, der Lust hat. Wer Fragen oder Probleme hat, kann uns dann ganz einfach ansprechen und wir leisten Hilfestellung“, so Marcus.

Swing im Palais – ein Abend zum Reinschnuppern

Im Oktober vergangenen Jahres dann das nächste Projekt: Ein Swing-Abend im Stadtpalais. Gemeinsam mit den Wagenhallen übernehmen Güneş und Marcus die Organisation. Der Abend wird ein voller Erfolg. Und genau aus diesem Grund findet am 19. Januar bereits der nächste Tanzabend unter dem Motto „Swing im Palais“ statt. Von der Live-Big-Band über die Swing-Tanzshow bis hin zu einem Schnupperkurs ist alles vertreten. Mehr Infos zur Veranstaltung findet ihr hier.

Nichts von der Stange: Faire Dessous von Coco Malou

Nicht nur fair, sondern auch feminin – dieses Credo verfolgt Corinna Borucki von Coco Malou. Wie die 31-Jährige auf die Idee kam, ein nachhaltiges Lingerie-Label zu gründen? Wir haben sie im Social Impact Lab im Stuttgarter Osten getroffen und Antworten auf diese und weitere Fragen bekommen.

Stuttgart – 2015 beschloss Corinna auf faire Mode umzusteigen. Seitdem hat sich nicht nur ihr Kleiderschrank, sondern auch ihr Konsumverhalten verändert. Nachhaltigkeit ist Teil ihres Alltags geworden. Mit der Gründung ihres Labels Coco Malou möchte Corinna Frauen die Möglichkeit geben, trotz fairer und nachhaltiger Produktion keine Kompromisse in puncto Design eingehen zu müssen.

Von Fast Fashion zu Slow Fashion

Konventioneller Konsum kennt keine Grenzen. Von schlechten Arbeitsbedingungen bis hin zu gesundheits- und umweltschädlichen Stoffen ist alles vertreten. Die Modeindustrie bedient sich einer Mischung ethisch fraglicher Praktiken, die man bei einem Stadtbummel schon mal verdrängen kann. Klar. Und so kaufen wir munter ein – oftmals ohne über die Konsequenzen unseres Konsums nachzudenken. Als Corinna 2015 beruflich auf einer Messe einen Vortrag zum Thema Nachhaltigkeit in der Mode hörte, gab dieser ihr den entscheidenden Impuls, ihr eigenes Kauf- und Konsumverhalten zu hinterfragen.

„Ich habe erst einmal drei Monate lang gar nichts mehr gekauft und dann Schritt für Schritt versucht, wieder einen Bezug zu meiner Kleidung herzustellen. Herauszufinden, wo sie eigentlich herkommt und unter welchen Bedingungen sie produziert wird. Bei unseren Großeltern war das ja noch ganz anders. Früher hat man seine Kleidung generell sehr viel besser behandelt ­– das haben wir heute völlig aus den Augen verloren. Wir gehen einfach einkaufen, ohne zu wissen wie viel Arbeit, Zeit und Ressourcen in so einem Kleidungsstück stecken. Das ist echt schade.“

Mit Kissen & Karma auf der Suche nach Alternativen

Nach ihrer dreimonatigen Klamotten-Entzugskur fing Corinna dann an, sich nach Alternativen umzusehen: „Irgendwann hatte ich einfach wieder das Bedürfnis nach neuen Klamotten. Aber ich habe mir dann gesagt, wenn dann eben Second Hand oder fair hergestellt.“ Um auch andere für das Thema zu sensibilisieren, startete sie ihren Blog „Kissen & Karma“, der mittlerweile eine Fanbase von mehr als 24.000 Followern zählt und zeigt: Nachhaltigkeit ist gefragt.

Auf ihrer Suche nach Alternativen fiel Corinna vor allem eines auf: „Ich habe irgendwann gemerkt, dass es gerade im Bereich Unterwäsche nicht viel Auswahl gibt und mir die Schnitte und das Design einfach nicht besonders gut gefallen“, erzählt sie. „Irgendwann kam mir die Idee, dass ich es ja einfach selbst mal probieren könnte“. 2018 setzte sie ihre Idee dann in die Tat um, kündigte ihren Job und gründete Coco Malou. Über Startnext startete Corinna eine Fundingkampagne. Und das mit großem Erfolg. Derzeit befindet sie sich dank der vielen Unterstützer in der Bestellphase. „Ab April soll dann produziert werden, sodass ich im Mai endlich auf dem Markt sein kann.“

Nicht nur die äußeren Werte zählen – das steckt drin

Nicht nur die Produktionsbedingungen in der Näherei seien fair, auch bei der Auswahl der Stoffe achte sie auf den ökologischen Fußabdruck, so Corinna. „Alle Modelle sind unter anderem aus Tencel, weil das für mich der beste Rohstoff ist.“ Lange habe sie nach einem geeigneten Material für ihre Stücke gesucht. An Tencel schätze sie vor allem, dass der Stoff nicht nur sehr angenehm auf der Haut, sondern auch antibakteriell sei – beides Eigenschaften, die vor allem für Unterwäsche von großer Bedeutung seien.

Auch aus ökologischen Gesichtspunkten sei Tencel für sie die erste Wahl gewesen: „Die Faser wird aus neun verschiedenen Baumarten gewonnen. Diese werden gemischt, zu Holzschnitzeln verarbeitet und daraus wiederum zu einem Garn gesponnen.“ Im Gegensatz zum konventionellen Baumwollanbau, sei der gesamte Prozess sehr viel umweltfreundlicher, da die Lösungsmittel wiederverwertet werden und die Bäume nicht zusätzlich bewässert oder mit Pestiziden oder Düngemitteln gespritzt würden, so Corinna. Neben Tencel sorgt recycelte Spitze für einen femininen Look.

CO2-Kompensation dank Baum-für-Baum-Aktion

„Grundsätzlich habe ich versucht, das Thema möglichst ganzheitlich anzugehen. Deshalb haben wir uns auch für das ‚Baum-für-Baum-Prinzip‘ entschieden. Das bedeutet, dass wir – in Kooperation mit der Organisation WeForest – für jedes verkaufte Set einen Baum pflanzen“, erklärt die 31-Jährige. „Einfach, weil ich der Umwelt gerne wieder etwas zurückgeben würde. Und da unser Hauptrohstoff aus Holz gewonnen wird, fand ich das eine schöne Sache.“

Fotos: Julia Pommerenke

Soulkitchen mit Tara Hariri: Persisch kochen nach Papas Familienrezept

Nicht nur kulturell, auch kulinarisch blickt Tara Hariri gerne über den sagenumwobenen Tellerrand. Auf Reisen sammelt sie neben sonstigen Eindrücken vor allem eines: Inspiration für neue Rezepte. In unserer Soulkitchen verrät uns die Architektin mit persischen Wurzeln ein Gericht, bei dessen Anblick euch das Magenknurren so sicher ist wie der Safran im Duftreis.

Stuttgart – Für Tara Hariri ist kochen alles andere als ein Mittel zum Zweck. Es ist eine Leidenschaft, die die 27-Jährige so oft wie nur möglich zelebriert. Angefangen bei einem Besuch auf dem Markt über die Auswahl frischer Produkte bis hin zur Verarbeitung: Tara genießt nicht nur das, was am Ende auf den Tisch kommt, sondern auch den Weg dorthin.

From Teheran with love

Ihre Begeisterung für das Kochen verdankt Tara ihrem Vater. Dieser fungierte sozusagen als kulinarischer Türöffner und führte sie vor allem an die persische Küche heran. „Mein Baba hat immer schon leidenschaftlich gerne gekocht und mich damit angesteckt. Aber ich muss auch sagen, dass ich das Kochen erst so richtig für mich entdeckt habe, als ich von Zuhause ausgezogen bin“, verrät Tara.

„Da habe ich dann auch angefangen, mich mit meiner Ernährung auseinanderzusetzen und mir Fragen wie ‚Was füge ich mir eigentlich zu?‘ zu stellen.“ Trotz allem, betont Tara, möge sie es nicht, wenn man Menschen hinsichtlich ihrer Essgewohnheiten kategorisiere. „Ich habe mich intensiv mit dem Thema Ernährung beschäftigt und esse einfach, was mir guttut, ohne anderen meine Einstellung unter die Nase zu reiben oder sie gar davon überzeugen zu wollen. Ich möchte einfach Spaß am Kochen und Essen haben.“

Kultur & Kulinarik abseits des Kessels  

Inspiration für die eigenen vier Wände und Herdplatten findet Tara oftmals auf Reisen. „Ich finde es super spannend, kulturelle und kulinarische Einflüsse zu sammeln und verschiedenste Arten der Zubereitung kennenzulernen, traditionelle Gerichte zu entdecken oder sie neu zu interpretieren“, erzählt Tara. In Russland habe sie beispielsweise einen Karottensalat probiert, den sie seither versuche zu perfektionieren: „Ich habe ihn bestimmt schon tausendmal gemacht und komme mittlerweile schon nah an das Original ran, aber es ist natürlich nie so, wie wenn du ihn vor Ort von einer Babuschka isst.“

Mindestens einmal im Jahr trifft man die 27-Jährige außerdem auf Geschmacksexkursion in ihrer großen Liebe: Italien. „Ich habe 2014 mein Auslandssemester in Rom gemacht, mich sofort verliebt und mich auch später immer weiter reingesteigert, in diese Italienliebe“, bekennt Tara und lacht. Nicht nur die große Vielfalt an typischen, regionalen Spezialitäten zogen Tara damals in ihren Bann, sondern auch die großartige Architektur: „Sobald man anfängt Architektur zu studieren, sieht man alles in einem ganz neuen Kontext und da war Italien für mich das schönste Selbststudium. Ich bin wirklich jeden Tag spazieren gegangen, habe mir jede Basilika angeschaut und meiner Meinung nach auf diese Weise mehr gelernt, als ich in jedem Architekturbüro hätte lernen können.“

Unterwegs mit officialtariri

Wer Tara gerne mal einen Blick über die Schulter werfen möchte, kann dies hier tun. Neben Reisen und jeder Menge Selbstironie erwartet euch natürlich auch auf Instagram die ein oder andere Köstlichkeit à la Tara Hariri. Was euch nicht erwartet, ist ein klassischer Rezeptfeed mit genauen Mengenangaben oder Schritt für Schritt Anleitungen. Vielmehr versucht Tara mit ihren Stories einen Einblick in ihren Alltag und ihre Kochroutine zu geben.

Rezept für dicke persische Kräutersuppe nach Babas Art: Ash Reshteh

Ash Reshteh begleitet mich seit ich denken und schmecken kann. Ich habe dieses Rezept von meinem Vater, dem ich meine Kochleidenschaft zu verdanken habe, gelernt. In unserer Familie ist er der Chefkoch. Ash Reshteh lässt sich eigentlich das ganze Jahr über genießen, doch im kalten Winter mag ich sie am liebsten. Der Geschmack ist aufgrund der vielen Kräuter und Gewürze sehr komplex und aromatisch. Diese dicke Suppe eignet sich auch hervorragend als Hauptspeise. Persische Zutaten kaufe ich meist im Aria Markt an der Christophstraße 26.

Vorbereitungszeit: 20 Minuten + eine Nacht vorher die Hülsenfrüchte einweichen
Kochzeit ca. zwei Stunden

Zutaten:
100g  Kichererbsen, getrocknet
100g  Bohnen, getrocknet (klassische Fagiolo- oder Wachtelbohnen)
50g    Linsen, getrocknet
3-4    EL neutrales Öl (Sonnenblumenöl, Rapsöl)
1         große Zwiebel
3-5      Knoblauchzehen
2EL    Kurkuma
500g   frischer Spinat, gehackt
1         Bund Petersilie, fein gehackt
1         Bund Dill, feingehackt
1         Bund Koriander, feingehackt
5-7      Frühlingszwiebeln, feingehackt (nur den grünen Teil)
160g   iranische Bandnudeln (Reshteh Nudeln für Ash) gibt es im persischen Supermarkt, alternativ feine Bandnudeln ohne Ei
230g Kashk (getrockneter Jogurt, gibt es auch im persischen Supermarkt), alternativ: jede andere Form von Joghurt (z.B. Sojajoghurt)

500ml Wasser
150ml Weißwein (Familienrezeptur und nicht traditionell)
Salz, Pfeffer, Kurkuma nach Geschmack

Zum Garnieren:
3-4 EL  neutrales Öl (Sonnenblumenöl, Rapsöl)
1       mittlere Zwiebel
4EL    Nanaminze
1EL    Kurkuma
1TL    Safranfäden

Und so gehts:
Einen Tag vorher die Hülsenfrüchte in Wasser einweichen. Bei Zeitdruck kann man natürlich auch die Hülsenfrüchte aus dem Glas/der Dose verwenden. Das Wasser sollte in den 24 Stunden zwei mal abgeschüttet und neu nachgefüllt werden.

Schritt 1:
Die große Zwiebel fein hacken und in 3-4 EL Öl bei mittlerer Stufe ca. 8 Minuten glasig anbraten. Den Knoblauch und die Kurkuma hinzufügen und darauf achten, dass der Knoblauch nicht verbrennt.

In unserer Familie (vor allem mein Baba) löschen wir das Zwiebel-, Knoblauch-, Kurkumagemisch mit etwas Weißwein ab. Natürlich ist das nicht die traditionelle Art, es gibt dem Ganzen jedoch einen komplexeren Geschmack.

Schritt 2:
Die in Wasser eingeweichten Hülsenfrüchte abgießen, waschen und in den Topf hinzufügen. Mit Wasser aufgießen, sodass sie ca. 2cm damit überdeckt werden. Großzügig mit Salz und Pfeffer würzen, den Deckel drauf machen und für eine Stunde bei niedriger Temperatur köcheln lassen.

Schritt 3:
In der Zwischenzeit den Spinat, die Petersilie, den Dill, den Koriander und die Frühlingszwiebeln fein hacken.

Nach einer Stunde sollten die Hülsenfrüchte so gut wie gar sein. Die gehackten Kräuter hinzufügen und ca. 20 Minuten mitköcheln lassen.

Schritt 4:
Anschließend die Reshteh Bandnudeln vierteln und der Suppe hinzufügen. Bei Bedarf mit Wasser verdünnen. Die Reshteh Nudeln benötigen ca. 20 Minuten bei niedriger Temperatur. Kurz vor dem Servieren Kashk/frischen Jogurt unterrühren und nochmals mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Schritt 5 zum Garnieren:
Eine mittlere Zwiebel in 2 EL Öl, Salz und 1 EL Kurkuma goldbraun braten und bereitstellen.

Im restlichen Öl 2 EL getrocknete Nanaminze bei niedriger Temperatur ca. 3-4 Minuten anbraten, um das Aroma zu intensivieren. Das Öl sollte sich dabei grün färben.

Anrichten:
Die dicke Suppe in einer flachen Schüssel anrichten und mit einem großzügigen Löffel Kashk/Jogurt, den goldbraunen Zwiebeln, dem Nanaminzöl, getrockneter Nanaminze und einigen Safranfäden garnieren.

Nush-e jan – Guten Appetit!

Stadtpalais erinnert an legendäre Nächte im Rocker 33

Rauschende Raves in der Retrospektive: Mit der Ausstellung »Rocker 33 – The Years 2005–2011« zeichnen Fotograf David Spaeth und Christian Schiller – ehemaliger Mitbetreiber des Rocker 33 – ein Bild der Stuttgarter Subkultur um die Nullerjahre. Wir trafen die beiden vorab zum Interview.

Stuttgart – Vom 30. November bis zum 27. Januar kommen im Stadtpalais Nostalgiker und Trendsetter gleichermaßen auf ihre Kosten. Denn die Ausstellung blickt nicht nur auf ein vergangenes Jahrzehnt zurück, sondern ist der Beweis dafür, dass eine gewisse Ästhetik – eine Dekade später – erneut den Nerv der Zeit trifft.

Eine Hommage an Stuttgarts Club- und Subkultur

Wie eine Art Echo aus der Vergangenheit transportiert die Ausstellung »Rocker 33 – The Years 2005–2011« Strömungen aus der Kunst, Musik, Mode und Kultur ins Hier und Jetzt. „Egal in welcher Disziplin, gewisse Trends kommen und gehen in Intervallen. Mal ist etwas modern, dann ist es wieder ein bisschen ‚durch‘, bis schlussendlich wieder ein Hoch kommt“, erklärt Christian Schiller, ehemaliger Betreiber des Rocker 33. „Das Material für die Ausstellung ist nun an einem Punkt, an dem man sieht, dass beispielsweise authentische Fotografie wieder zeitgemäß ist“, so der 44-Jährige, der heute gemeinsam mit Julia Kühne die Agentur Gold & Wirtschaftswunder betreibt.

Nomen est Omen – Wenn der Arbeitstitel Bände spricht

„Love, sweat and tears“: So lautete der Arbeitstitel des Projekts. Dieses mündet in diesem Jahr in der Ausstellung im Stadtpalais und in der Veröffentlichung eines Bildbandes, der in Zusammenarbeit mit Matthias Straub und vielen weiteren helfenden Händen entstand. Drei Worte, die „diese Zeit wohl am besten wiederspiegeln“, rekapituliert Fotograf David Spaeth.

Aber nicht nur Liebe, Schweiß und Tränen bestimmten die Nächte des Clubs in der ehemaligen Bahndirektion am Stuttgarter Hauptbahnhof: Christian Schiller – der neben Pejo Babic, Steff Deininger, Thorsten Neumann und Matthias Straub einer der Betreiber des Rocker 33 war – beschreibt eine einzigartige Stimmung, die diesen Laden zu etwas ganz besonderem machte: „Man lief durch den Haupteingang, den Hof entlang und nahm die Treppe in eine andere Welt. Es herrschte einfach ein ganz spezieller Vibe, der an manchen Abenden fast schon zu euphorisch war.“

David Spaeth, der die Nächte damals als Freund des Hauses mit seiner Kamera begleitete, erinnert sich insbesondere an einen Abend: „Der Laden war randvoll. Es passte kein Mensch mehr hinein und es wurde schon Stage gedived, obwohl noch nicht einmal jemand auf der Bühne stand, geschweige denn Musik lief. Die Leute sind einfach so durchgedreht. Das war schon berührend.“

Von der Idee bis zur Umsetzung – Ein Reifeprozess

Die Idee, die einzigartige Stimmung des Rocker 33 in einem Magazin oder einer Ausstellung zum Leben zu erwecken, entstand bereits vor gut zehn Jahren. Die Umsetzung folgt heute. Aus gutem Grund, wie David Spaeth weiß: „Ich glaube, wir wollten es damals so sehr, dass es einfach nicht sein sollte. Wir waren irgendwann einfach zu verbissen. Manchmal hat es eben seinen Sinn, dass die Dinge so laufen, wie sie laufen. Und heute ist es so, dass die Bilder nicht alt oder eingestaubt wirken, sondern sie immer noch – oder gerade weil sie so lange reifen durften – wieder völlig zeitgenössisch sind. Die Sterne für dieses Projekt standen einfach noch nie so gut wie jetzt.“

Zurück in die Zukunft: Das erwartet die Besucher im Stadtpalais

„Ich glaube, was man nicht erwarten kann, ist eine klassisch autobiographische Dokumentation“, verrät Fotograf David Spaeth und führt weiter aus: „Was ich versucht habe war, eine gewisse Stimmung des Ladens festzuhalten. Also nicht ‚das ist das Haus‘, ‚das sind die Betreiber‘, sondern wirklich den Vibe einzufangen und ihn in diversen Aufnahmen festzuhalten. Völlig ungeschönt, mit Aufs und Abs und allem, was dazu gehört.“ Und auch aus fotografischer Sicht habe die Ausstellung – aufgrund der Analogaufnahmen – ihren ganz eigenen Charme.

Wer es nach diesen Worten nun kaum noch abwarten kann, einen Blick auf den Mikrokosmos „Rocker 33“ zu erhaschen, dem sei gesagt: Am 29. November findet bereits die Vernissage mit musikalischer Untermalung von St. Malo statt. Wir wünschen viel Spaß!

Mehr Infos findet ihr hier.

Vernissage
29.11.2018, ab 19 Uhr
Musik: St. Malo

Ausstellung
30.11.2018 – 27.01.2019,
Stadtpalais, Salon Sophie
Di – So, immer von 10 bis 18 Uhr
Eintritt frei

Fotos © David Spaeth Photography

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STADTPALAIS 30.11.2018 - 27.01.2019 #R33THEYEARS

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