Ausstellung im FF*GZ: Von der Weltreise zur Kunst

Was bedeutet es eine Frau zu sein? Nach fünf Jahren Europa-Reise mit dem Fahrrad, einer Trennung und viel Meditation, hat Bettina Kowalski die Frage zeichnerisch festgehalten. Ihre Arbeiten sind derzeit im FF*GZ zu sehen.

Stuttgart – Manchmal kommt alles anders als man es geplant hat. Als Bettina Kowalski sich vor fünf Jahren auf den Weg gemacht hat, war das Ziel noch klar: Mit ihrem Freund wollte sie nach Sumatra trampen. Zwei Jahre hat sich die gelernte Schreinerin dafür Zeit genommen. Die Option, wieder zurück in ihren Betrieb in der Nähe von Tübingen zu kommen, war gesichert. Ziemlich schnell sind die beiden aber in Europa hängen geblieben. Ein Jahr davon alleine auf Sizilien. Sie haben handwerklich gearbeitet und unter anderem Häuser renoviert – für Kost und Logis. „Das hat super funktioniert und wir haben wahnsinnig viele interessante Menschen kennengelernt“, sagt sie. Statt zu trampen sind sie schließlich aufs Fahrrad umgestiegen und haben damit gut weitere 5.000 Kilometer durch Europa zurückgelegt.

Kunst im FF*GZ

Und jetzt? Kowalski ist in Europa geblieben, lebt in Granada, eröffnet bald einen Secondhandladen mit einer Freundin und hat eine alte Leidenschaft wieder entdeckt – das Malen. Für ihre erste Ausstellung ist sie kürzlich zurück nach Stuttgart gekommen. Ihre Bilder hängen im FF*GZ am Olgaeck.

Auslöser für den Sinneswandel war ein einschneidendes Jahr 2019. Nach acht Jahren Beziehung und fünf Jahren gemeinsames Reisen haben sich Bettina Kowalski und ihr Freund getrennt. Das war im Sommer, als sie gerade mit ihren Rädern in Island waren. Ihr Freund ist weiter nach Norwegen gereist, Kowalski nach Spanien. Und dort ist sie seither geblieben. „Ich habe versucht neue Kräfte zu mobilisieren“, sagt sie. Sie hat mit Yoga angefangen und mit Meditation. Ihre Kunst ist eines der Resultate aus der inneren Reise.

Was bedeutet es eigentlich eine Frau zu sein?

Gemalt hat Kowalski schon als Kind. Irgendwann wurde daraus ein Feierabendhobby. Jetzt ist die Kunst wieder fester und vor allem großer Bestandteil ihres Lebens geworden. Ein ganz bestimmtes Thema hat sich dabei im vergangenen Jahr herauskristallisiert: „Ich kam immer wieder auf die Frage zurück: Was bedeutet es eigentlich eine Frau zu sein? Körperlich, aber auch in Bezug auf das Wesen“, sagt sie.

Sie selbst sei schon immer der härtere, derbere Typ gewesen. Als Frau eine Schreinerlehre zu machen, ist auch heute noch unüblich. Schon vor ihrer großen Reise ist sie häufig mit dem Rucksack losgezogen. „Ich bin kein erschrockener Mensch“, sagt die 37-Jährige. Auch als die Idee aufgekommen war, auf Weltreise zu gehen, dachte sie: „Warum nicht, probieren wir es aus!“

Aber ist das wirklich alles, was in ihr steckt? Schon lange habe sich das nicht mehr stimmig angefühlt. „Ich hatte die Intention mich mit beiden Teilen in mir zu verbinden: dem starken, aber auch dem schwachen und verletzlichen“, sagt sie. Durch die Meditation sei ihr das gelungen. „Ich kam ganz natürlich zu mir. Habe gemalt und viel geschrieben – es ist förmlich aus mir herausgesprudelt.“

Diese Reise hat sie in ihren Bildern der Serie „She – What lies within me“ dokumentiert. Zu sehen sind nackte, glatzköpfige Frauenfiguren. Es geht um Geburt, Schmerz, der von Generation zu Generation weitergegeben wird, die Beziehung zwischen Mutter und Tochter, unterdrückte Ängste, aber auch um Stärke. Die geschlossenen Augen der Frauen auf den Bildern sollen den Blick nach innen verdeutlichen.

Die Elemente und die Natur spielen in ihren Bildern eine große Rolle. Vor allem auf ihren Reisen hat sie dazu ganz unweigerlich Bezug gefunden. „Wir waren teilweise zehn Tage am Stück mit dem Rad unterwegs, haben draußen geschlafen und waren der Natur ausgeliefert“, sagt sie. Da habe sie ein Urvertrauen wiedergewonnen und gemerkt: „Das Leben will uns nichts Böses. Es ist immer alles im Fluss und erneuert sich.“

Da sind natürlich ganz viele Stimmen in uns. Man muss herausfinden, welche die eigenen sind und welche von außen kommen.

Bei der Vernissage Anfang Januar im FF*GZ habe sie viele tolle Begegnungen gemacht. „Es freut mich, wenn ich die Menschen mit meinen Bildern berühren kann“, sagt sie. Sie möchte mit ihren Bildern die Betrachter dazu ermutigen, es selbst auszuprobieren, die Augen zu schließen und zu schauen, was passiert. Das funktioniere nicht auf Anhieb. „Da sind natürlich ganz viele Stimmen in uns. Man muss herausfinden, welche die eigenen sind und welche von außen kommen – von der Gesellschaft, Freunden oder Familie.“

Kowalski ist sicher, dass sie jetzt dran bleiben möchte. Sie möchte weiter zeichnen und vielleicht sogar ein Kinderbuch schreiben und illustrieren. Aber auch die äußere Reise geht weiter. Als nächstes steht eine zehntägige Schweigemeditation an. Ihr Fahrrad steht in Lissabon, wartet auf den Frühling und auf weitere Kilometer mit Kowalski. Irgendwann will die Weltenbummlerin aber auch ankommen – einen festen Wohnsitz haben, mit Hund und Hühnern. Am liebsten auf einer Insel, wo sie den Elementen am nächsten ist.

FF*GZ: Kernerstraße 31, die Bilder sind bis Ende Januar ausgestellt und können während der Veranstaltungen angeschaut werden, mehr Infos gibt es hier >>>

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