Ausstellung: Constantin Schiller zeigt Japan – früher und heute

Er war in Japan unterwegs, auf der Suche nach Orten, die sein Vater 1995 besuchte: Constantin Schiller zieht in seiner Ausstellung im Moser 6 einen Vergleich zwischen Japan früher und heute.

Stuttgart – Constantin war schon immer fasziniert von Japan. Das Land kannte er aus Erzählungen und von den Dias seines Vaters. „Er ist Ingenieur. 1995 arbeitete und lebte er dort.“ Seine Erlebnisse hielt Constantins Vater damals mit einer analogen Nikon FE2 fest. „Die Kamera habe ich mir schon mit 10 gekrallt und bin losgezogen. Damit fotografiere ich noch heute.“ Die Dias schaut sich Constantin immer wieder an – im vergangenen Jahr hat es ihn dann gepackt: „Ich hab die Fotos mal wieder herausgeholt und wusste einfach: Ich muss endlich da hin.“ Gesagt, getan: 2018 ging es dann also mit zwei Freundinnen für vier Wochen nach Japan – in die Städte Tokio, Osaka, Kōbe, Kyōto und Okinawa.

Japan heute

Der 24-Jährige erinnert sich: „Die ersten drei Tage waren hart: Jetlag, Menschenmassen, Hitze und vor allem die Lichter und der Lärm. Es ist schon wie so ein Dauer-Wasen in der ganzen Stadt“, lacht er.

„Wir waren auch wirklich überfordert mit den Strukturen dort. Es hat alles seine Ordnung – das will man nicht durcheinander bringen. Gerade in der Subway oder an der Ampel. Man unterhält sich auch nicht laut miteinander in der Öffentlichkeit. Das wird nicht gerne gesehen, vor allem wenn mehrere Personen in einem Raum sind.“

Ein krasser Clash zur europäischen Mentalität, was Constantin jedoch gut findet: „Die Menschen sind zurückhaltend. Sie haben so eine respektvolle Distanz, sind aber trotzdem freundlich und höflich, sobald man sie etwas fragt. Die Japaner judgen auch nicht. Niemand schaut den anderen irgendwie komisch an. Ich habe auch das Gefühl, dass man sich zum Beispiel in Tokio nur einmal im Leben begegnen kann.“ Ein echtes Kontrastprogramm – vor allem zum Kessel, wo man gefühlt die halbe Stadt kennt.

Ins Gespräch gekommen sei man aber dennoch: „Es ist echt schwierig, weil nur wenige Menschen englisch beherrschen. Wir hatten aber Glück, weil eine Freundin von uns japanisch spricht.“

„Vor allem in Bars waren sie sehr offen. Mir wurde da viel ausgegeben“, lacht Constantin. „Was viele nicht verstanden haben, ist, dass ich mit zwei Frauen verreist und mit keiner davon verheiratet bin, sondern wir alle nur Freunde sind.“

Constantin Schiller Japan früher und heute

Ein Land der Gegensätze

Beeindruckt haben den Fotografen vor allem die Gegensätze: „Japan ist laut und leise, modern und auf der anderen Seite total traditionell.“

Auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Städten ihrer Reise haben Constantin fasziniert: „In Tokio waren alle sehr ähnlich angezogen – weißes Hemd, grauer Anzug. Das waren schon fast Roboter. In Osaka haben wir dann schon mehr Künstler auf der Straße gesehen und in Okinawa Japaner mit Hawaiihemden und Badeshorts.“

Sich auf einzelne Highlights festzulegen fällt ihm schwer: „Ich müsste einfach noch einmal hin. Das waren so viele Eindrücke, dass ich mich an manches schon fast nicht mehr erinnern kann.“ Etwas fällt ihm dann doch ein: „Klar, die berühmte Kreuzung in Shibuya ist schon beeindruckend. Erst ist sie leer und ruhig – und in der nächsten Sekunde schieben sich tausende Menschen darüber.“

Für Japan-Reisende hat Constantin folgende Tipps parat: „Ich würde den Leuten  mit auf den Weg geben: Macht euch auf Menschenmassen gefasst. Ruhe? Findet ihr niemals! Fügt euch in die Alltagsstruktur wie das Anstehen in der Metro ein. Seid respektvoll. Europäische Geschmacksnerven müssen sich erst an Japan gewöhnen. Seid offen für Kurioses.“

Constantin Schiller Japan früher und heute
Constantin Schiller Japan früher und heute

Ausstellung: Japan – Früher und Heute. Ein Vergleich.

Constantin, der mit seinem Geschäftspartner Pascal Hof die Agentur SchillerHof gründete, hat in den letzten Jahren seinen eigenen Fotografie-Stil entwickelt. Vieles gehe in die Architektur-Richtung, Gebäude, Fassaden, Details.

In Japan widmete er sich den Orten, die sein Vater bereits 1995 besuchte. Orte, die ihm wichtig waren. „Vorab sind wir noch einmal alle Dias durchgegangen – das waren so 240 Stück.“ Mit einer Liste des Vaters besuchte der 24-Jährige die Punkte, die auf der Reise-Route lagen. Das Ergebnis, welches in Kooperation mit Nikon entstanden ist, ist vom 16. November bis zum 15. Dezember im Raum für Photographie – Moser 6 ausgestellt. Beginn ist um 19 Uhr.

Raum für Photographie – Moser 6: Moserstraße 6, Stuttgart-Mitte

Mehr Infos hier >>>.

Fotos: Constantin Schiller

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