Aus dem Leben eines Bademeisters

Sie sitzen nur faul rum, trinken Kaffee und haben nichts zu tun? Pustekuchen! Der Alltag eines Bademeisters ist aufregender als man denkt – und das nicht nur bei Stranger Things. Auch im Inselbad Untertürkheim ist Sami gut beschäftigt. Wir haben uns mit dem Bademeister auf einen Plausch in luftiger Höhe getroffen.

Stuttgart – „Hey, alles klar?“, begrüßt Sami einen Badegast, der vorbeiläuft. Es ist wenig los an diesem Montagnachmittag im Inselbad Untertürkheim. Ein paar Jungs spielen im Familienbecken, einzelne Schwimmer ziehen ihre Runden im Sportbecken. Sami nickt den Gästen zu. Hier kennt man ihn, den Sami, er hütet schon seit neun Jahren die Becken in dem Freibad am Neckar. „Ich kenne viele Besucher schon seit sie klein sind“, erinnert sich der 34-Jährige.

Das Inselbad ist seine Hood

Vor seiner Zeit im Inselbad hat er in einem Sicherheitsunternehmen gearbeitet, das auch Rettungsschwimmer vermittelt. Dadurch kam er als ausgebildeter Rettungsschwimmer nach Untertürkheim. Seit ein paar Jahren ist er über die Stadt Stuttgart angestellt. Das Inselbad ist seine Hood. „Hier ist für jeden was dabei, es gibt den Familienbereich mit zwei Rutschen, das Sportbecken, das nur zum Schwimmen gedacht ist und einen FKK-Bereich. Nicht zu vergessen, das Sprungbecken und die -Türme“, so Sami stolz.

Erzieher, Psychologe und Bademeister

Seinen Job macht Sami, der im Kessel geboren und aufgewachsen ist, aus Leidenschaft. „Ich mache den Beruf wirklich sehr gerne. Natürlich gibt es auch stressige Tage. Im Großen und Ganzen macht es aber viel Spaß, wir haben ein tolles Team hier“, schwärmt Sami.

Bademeister zu sein – das bedeutet mehr, als nur am Beckenrand zu stehen und aufzupassen. „Man ist nicht nur Bademeister, hier ist man Psychologe, Erzieher, alles mögliche“, sagt er. „Viele Leute denken, dass wir, gerade bei schlechtem Wetter, nur rumsitzen und nichts tun. Das stimmt nicht. Wir haben neben der Aufsicht noch andere Aufgaben. Wir helfen dem Service, schneiden die Hecke, mähen den Rasen und sammeln den Müll auf.“

Ein Job mit viel Verantwortung

Außerdem trägt Sami viel Verantwortung, er ist schließlich für die Sicherheit der Badegäste zuständig. „Wenn etwas passiert, sind wir verantwortlich. Deshalb darf man nicht abgelenkt sein, indem man am Handy spielt oder sonstiges. Wir sind dann die ‚Bösen‘, wenn wir Gäste ermahnen, aber es geht ja immer um die Sicherheit“, erklärt er.

Im Inselbad hat Sami zum Glück noch nichts Dramatisches erlebt. „Ich habe schon ein paar Leute gerettet, aber es ist alles gut ausgegangen.“ Viele Gäste würden sich überschätzen. „Die schwimmen zu erst im Familienbecken, da wird es schrittweise tiefer. Dann gehen sie rüber ins Sportbecken und unterschätzen, dass es dort direkt zwei Meter tief reingeht“, sagt er.

Auch während des Gesprächs ist Sami wachsam. Seinem Blick entgeht nicht, dass die Jungs im Familienbecken an der Rutsche Stau verursachen. „Die denken oft, wir merken das nicht. Aber der Bademeister sieht alles“, meint er lachend.

Sinkt der Respekt vor Bademeistern?

In letzter Zeit sorgte das Inselbad für negative Schlagzeilen. Auch Sami war bei den Vorfällen dabei, er hält sich bedeckt, was das Thema angeht, da die Ermittlungen noch laufen. Folgendes ist bekannt: Am Samstag, den 29. Juni, sorgten randalierende Jugendliche für einen Polizeieinsatz im Inselbad. Die Jugendlichen hatten sich geweigert, das Bad zu verlassen. Daraufhin wurde die Polizei geholt. Die Beamten wurden bei ihrer Arbeit gestört, so dass noch weitere Unterstützung gefordert wurde, bis sich die Lage beruhigt hatte. Jetzt fragen sich viele, wie es um die Sicherheit in Freibädern steht und ob der Respekt vor Bademeistern abnimmt.

„Ich persönlich fühle mich im Inselbad respektiert. Meinen Respekt habe ich mir über die Jahre aufgebaut. Ich kenne die meisten Kinder hier. Die Gäste, die ich mal rausgeschmissen habe, die kommen wieder und begrüßen mich“, sagt Sami. „Gerade, wenn du neu in dem Beruf bist, dann musst du dir deinen Respekt erst mal erarbeiten. Es gibt natürlich gewisse Gruppen, die manchmal schwierig sind. Aber das sind nicht nur Jugendliche. Ich habe schon alle möglichen Altersgruppen aus dem Bad geschmissen“, sagt er lachend. Neben dem Ärger gibt es auch positive Erfahrungen. „Viele Gäste sind sehr nett zu uns“, betont Sami.

Das Gespräch neigt sich dem Ende zu. Sami steht auf dem 7,5-Meter-Turm. Hier oben kann er über das gesamte Inselbad schauen, sein zweites zu Hause. Ein älterer Mann, der vorhin vom 5-Meter-Brett gesprungen ist, überlegt, ob er sich auf den Siebener trauen soll. Sami spricht ihm Mut zu. Der Bademeister von Untertürkheim lässt sich seine Freude am Job nicht nehmen. Und hat noch eine letzte Message an alle: Seid freundlich zu den Bademeistern und schaut mal im Inselbad vorbei!

Bilder: Amelie Pyta

Inselbad Untertürkheim

Inselbad 4

Mo- Fr  7 – 20:30

Sa+So  9 – 20:30

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