Auf einen Aperitivo im Kessel

Ein neuer Trend ist das nicht. Man trifft sich vor dem Abendessen auf einen Drink und Antipasti. In Italien ist der Aperitivo Kult, in Stuttgart funktioniert er ein bisschen anders.

Stuttgart – In Hamburg sagt man, alles südlich der Elbe sei Norditalien. Deshalb liegt Stuttgart im Sommer quasi direkt neben Mailand und die Paulinenbrücke wird zur Ponte della Paolina. Zeit für einen Aperitivo ganz nach italienischem Gusto, um den Abend mit einem Drink einzuleiten und gesellig zu sein. Wir haben mit den Machern von der Mozzarella Bar gesprochen, die den Aperitivo für sich heilig gesprochen haben. Außerdem haben ein Weinanalytiker und ein Agenturchef einen schwäbischen Aperitif entwickelt.

Aperitivo oder: Das Mittagsloch schöntrinken

Die Mozze – wie sie bei den Stammgästen genannt wird – ist zwar noch nicht mal ein Jahr an der Paulinenbrücke, doch bei den italophilen Schwaben schon eine Institution. Die Mozze-Gründer haben ihre gemeinsamen Italien-Urlaubsmomente in Form der Bar festgehalten. Dabei war der Aperitivo in eben einer Mozzarella Bar in Mailand der ausschlaggebende Moment für die Idee.

Für Valentin Hillengass, Mitgründer der Mozze, funktioniert der Aperitivo aus einem ganz pragmatischen Grund: „Du trinkst dir das Mittagsloch mit deinen Freunden schön“. In der Mozze beginnt der Aperitivo täglich ab 16 Uhr. „Vor allem in unserem Mailandurlaub war das die Zeit, in der man nicht wusste, was man sonst tun soll“.

Die bittere Wahrheit

Nach italienischer Tradition trinkt man zum Aperitivo ein bitteres Getränk, um die Magensäure anzuregen. Die Mozze hat dafür den typischsten italienischen Aperitif Negroni ein bisschen aufgeMOZZT. Der MOZZEgroni ist die neueste Kreation der Mozze. Der Drink wird zum ersten Geburtstag der Mozzarella Bar am Samstag präsentiert und wir haben ihn vorab testen dürfen.

Er wird aus Campari, Wermut und Rotebeetesaft gemacht. Die bittere Wahrheit wird dann mit einem Basilikum-Eiweißschaum getoppt, den man am liebsten literweise löffeln würde. Dazu darf das Tomate-Mozzarella-Spießchen natürlich nicht fehlen!

Die Aperitivo-Kultur sieht vor, dass man zum Aperitif vom Gastronomen etwas Antipasti serviert bekommt. In der Mozze gab es das zu Beginn auch, doch „die Schwaben verwirrt das, die wollen sich selbst etwas aussuchen. Deshalb gibt’s bei uns jetzt eine Antipasti-Karte“. Somit kann man sich seinen Aperitivo selbst zusammenstellen. Aperitivo an die süddeutsche Mentalität angepasst! Molto klasse!

Homi: Ein schwäbischer Aperitif

Nicht nur Valentin und seiner Crew hat es der Aperitivo angetan. Auch die beiden Freunde Horst Klingler, Weinanalytiker von Beruf, und Michael Horlacher, der eine Werbeagentur betreibt, haben sich in die Aperitivo-Kultur verliebt und einen eigenen Aperitif kreiert. Dafür haben sie im letzten Jahr im Labor von Horst am perfekten Aperitif getüftelt.

Herausgekommen ist Homi. Der Aperitif ist „auf der Basis eines echt schwäbischen Trollingers mit verschiedenen Kräutern versetzt“, erklärt Michael. Deshalb wird er auch im Weinglas getrunken. „Mit einem Schuss Zitronensaft oder Tonic Water und ordentlich Eiswürfeln, schmeckt er am besten“, meint der Agenturchef.

Homi ist noch ein absoluter Geheimtipp. Bisher gibt es davon lediglich ein paar Flaschen in der Apotheke am Eugensplatz. Denn auch dort gibt es täglich ab 17:30 Uhr Aperitivo. Also fragt doch einfach mal nach. 

Psssssst! Auch im Bergamo gibt’s jetzt Aperitivo. Jeden Mittwoch ab 19 Uhr. Denn mittwochs ist Bergfest und Bergamo liegt nördlich von Mailand. Oder so. Jedenfalls ist Aperitivo jetzt in! Und in! Stuttgart angekommen.

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