Ami Lafleur lebt Mode mit jeder Faser

Diesmal verrät uns die Stuttgarter Fotografin Ami Lafleur was sie gerne trägt, wo sie shoppt und warum Mode mehr ist als nur Kleidung.

Stuttgart – Sie ist groß, laut, präsent: Stilsicher macht Ami Lafleur, so ihr Künstlername, Stuttgarts Straßen unsicher – nicht selten wird ihr nachgesagt, sie sei des Kessels wahre Fashionista. Sie selbst gibt sich bescheiden und macht lieber als Fotografin und Stylistin von sich reden.

Mode nicht um jeden Preis

Angepasst, alternativ angehaucht, Hipster – so beschreibt Ami den Stuttgarter Stil mit drei Worten. „Nur nicht aus der Reihe tanzen, das ist aber auch die schwäbische Mentalität“, findet die 42-Jährige. Sie selbst sei schon immer ein „kleiner Styler“ gewesen, immer ein bisschen experimenteller und lauter als ihre Mitmenschen, erinnert sie sich – das habe auch mit ihrem Elternhaus zu tun. „Die Familie prägt einen auch in Sachen Mode sehr.“ Aber auch was Empathie angeht und davon hat Ami jede Menge. Für sie ist es deshalb auch ein modisches No-Go, Mode um jeden Preis und von der Stange zu kaufen – von großen Mode-Unternehmen, bei denen bekannt ist, dass sie ihre Mitarbeiter ausbeuten.

Ich kaufe lieber weniger Kleidung, dafür nachhaltig und etwas Anständiges.

500 Euro würde Lady Lafleur deshalb auch sparen, um sich eine besondere Tasche zu kaufen. „Ich bin total angetan von der aktuellen Gucci-Kollektion“, sagt sie. Wer jetzt denkt: „Sex and the City“ lässt grüßen, der hat weit gefehlt. „Ich bin eigentlich total bodenständig, aber gönne mir gelegentlich was Schönes.“ Zum anstehenden Geburtstag habe sie sich deshalb auch eine Tasche bestellt. Bei ihrer Birthday-Sause im Kowalski, bei den – nach eigenen Angaben – coolsten Gastronomen der Stadt, lässt Ami aber auch die soziale Komponente nicht außer Acht. Als Freunde sie fragten, was sie sich wünsche, war klar, definitiv nichts Materielles. „Ich wünsche mir eine bessere Welt. Deshalb werde ich einen Teil meiner Geburtstagseinnahmen auch spenden“, freut sich die Fotografin mit bosnischen Wurzeln.

Ich versuche die Welt zu einem besseren Ort zu machen und auch mein Umfeld dafür zu sensibilisieren.

Mode unterstreicht die Persönlichkeit

Die toughe Stylistin stört auch, dass Mode oft als oberflächlich abgetan wird. „Für mich ist Mode Geschmacksache, Kunst, Lifestyle.“ Außer jemand würde sein Äußeres nur einhüllen und das Innere bliebe auf der Strecke.

Mode ist dafür da, die Personality zu unterstreichen und nicht, um etwas zu kaschieren oder sich zu verkleiden.

Ami liebt den New Yorker Fashion-Stil, das Urbane, gemischt mit vielen verschiedenen Elementen und den 90s-Flair. Sie habe die 90er Jahre voll miterlebt, freue sich, dass das Jahrzehnt ein Revival erlebe. „Ich mag die heutige Mode, sie ist sehr vielseitig.“

Cro und die große Fashionwelle

Und wie fing das mit Fotografie an? Schon früh – mit einer Kodak-Klapp-Kamera. Ami habe ihr Leben immer fotografisch dokumentiert, semi-professionell wurde es mit 18 als sie mit einer besseren Cam auf Partys nur so drauf los knipste. Zur Modefotografie kam sie dann durch eine befreundete Stewardess, zusammen kreierte man ein Modeshooting auf dem Schrottplatz, über Nacht rutschte Ami damit in die Fashionwelt.

Zweitweise wuppte die toughe Stuttgarterin drei Jobs parallel, durch Cros Video „Easy“, bei dem sie fürs Styling der Girls zuständig war, löste Ami eine regelrechte Fashionwelle aus. Beanies in Kombination mit abgeschnittenen Jeans und knalligem Lippenstift, machten schließlich nicht nur in Stuttgart die Runde.

Das Video wurde übrigens von Amis Mann Harris gedreht, der einst B-Boy bei den Southside Rockers war und mittlerweile sehr erfolgreich als Regisseur arbeitet. Seit 13 Jahren sind die beiden glücklich und wollen zukünftig auch beruflich unter http://amiandharris.com/ gemeinsame Sache machen.

Doch aufgrund von Schnelllebigkeit und Social-Media-Overkill, nahm sich Ami vor geraumer Zeit eine kleine Auszeit, reaktivierte unter anderem ihren Instagram-Account. „Als Künstler brauchst du Ruhepausen, kreative Pausen, musst runterkommen – Kreativität lässt sich nicht erzwingen.“ Ihr sei einfach alles zu viel gewesen. „Du bist irgendwann nicht mehr in der Lage zu filtern, was wirklich wichtig ist.“

Es ist so wichtig, dass wir uns das Soziale erhalten und es nicht zulassen, dass wir emotional verkümmern.

Man müsse lernen, die digitale Welt besser zu dosieren.

Fake-Gesellschaft und falsche Werte

Ein weiteres Problem unserer Gesellschaft ist das ständige Bewerten, findet Ami. Die Menschen würden sich über die Anzahl ihrer Follower auf Instagram und über die Likes für ihre Bilder definieren. „Die Qualität bleibt dabei völlig auf der Strecke. „Für mich ist diese Fake-Gesellschaft ein No-Go.“ Ami hat in ihrer kreativen Pause Kraft getankt, baut sich nun eine neue Internet-Präsenz auf und freut sich wie verrückt auf ihren mega B-Day-Bash.

Amis Stylecheck

Grüner Faux Fur: Von Mango (Königstr. 12). „Die Jacke eignet sich perfekt für den Übergang“, findet Ami. „Und Grün gibt einem einfach ein gutes Gefühl, die Farbe hat eine tolle Energie.“
Oberteil, Hose und Socken: Aus dem Shop Là Pour Là (Fluxus, Rotebühlpl. 20C). Die Teile seien nachhaltig, skandinavisch, einfach schön, findet die Fotografin.
D&G-Gürtel: Vintage. Die modebewusste Stuttgarterin hat sich das Accessoire mit 19 Jahren gekauft und trägt es immer noch leidenschaftlich gern.
Barett: Aus der Geschwisterliebe (Breite Str. 4). Ob hochwertiges Fashionpiece oder Schnäppchen, hauptsache nachhaltig, findet Ami.
Heels: Die hohen Hacken sind von Chie Mihara, gegönnt hat sie sich die Fashionista bei Sigrun Wöhr (Kirchstraße 12).

Rotes Outfit

Sneakers: Nike
Hose: Marc Jacobs aus dem Shop Abseits (Kleiner Schloßplatz 13/15)
Hoodie: Urban Outfitters (Das Gerber, Sophienstr. 21)
Gürtel-Tasche: Gucci Cannes
Socken: Snipes (Königstr. 64)

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