Alaska im Interview: Poesie ist ein Heilungs-
prozess

Alaska Schuele veröffentlichte im Januar 2018 ihr erstes Buch „about falling in love and falling apart“. In den gesammelten Kurzzeilern verarbeitet sie alte Gefühle, Situationen und Diagnosen. Mit uns hat die 19-Jährige über mentale Gesundheit, Sexualität, Poesie und die Rolle von Instagram gesprochen.

Stuttgart – Alles begann mit 14 Jahren: Mobbing in der Schule, der Drang danach sich selbst zu verletzen, die falschen Freunde zum falschen Zeitpunkt. Alaska fühlte sich schlecht – und das dauerhaft. In den darauffolgenden Jahren häuften sich Klinikaufenthalte, Therapien und Diagnosen: Essstörung, Depressionen und Borderline. Heute geht es der 19-Jährigen besser. Gesund ist sie nicht, vielleicht wird sie das auch niemals sein, aber sie hat gelernt mit Depressionen und Co. zu leben.

Heute weiß Alaska, dass sie nicht nur sich selbst verletzt hat, sondern auch Familie und Freunde. Dabei war ihr Hilfeschrei nur an eine Person gerichtet:

Ich wollte Aufmerksamkeit – vor allem von mir selbst.

Sich aufgrund von Krankheitsbildern in Schubladen stecken zu lassen, lehnt die Poetin ab: „Ich bin nicht typisch Depression. Jeder Mensch ist eigen und genau das zeichnet eine Person am Ende auch aus!“

„Poesie ist ein zweischneidiges Schwert“

Seit sie 15 Jahre ist, schreibt Alaska nun. Zunächst waren es nur wirre, negative Gedanken. Sie musste erst lernen ihr Inneres in Worte umzuwandeln: „Man schreibt über schwere Zeiten und setzt sich währenddessen noch einmal mit den damit verbundenen Gefühlen auseinander.“

Mittlerweile weiß Alaska, wann sie soweit ist, um sich mit einem Thema zu konfrontieren: „Man sollte sich vorsichtig an das Schreiben herantasten.“

In ihrem Buch „about falling in love and falling apart“ sammelt Alaska ausnahmslos all ihre jemals geschriebenen Kurzzeiler – auch die Unperfekten. Der Titel entstand erst in der Endphase des Buches. Er beschreibt jene Zustände, in denen sich Alaska besonders gut oder schlecht fühlt: „Wenn ich einen Menschen liebe und ihn halten will, oder wenn ich mich schlecht fühle.“

Nur wenige der poetischen Zeilen sind in Deutsch verfasst. Das liegt mitunter daran, dass Alaska einen besseren Zugang zur englischen Sprache hat: „Es gibt andere Worte, um die Dinge zu beschreiben. Mir sagen diese einfach mehr zu.“ Außerdem wollte sie ihre Stücke auch den internationalen Followern zugänglich machen.

insecurities. we all have them. this is me right after taking my make-up off, still clumpy lashes and swollen lips but without any mask hiding my face. it's still hard for me to post it, to accept the body I'm spending my lifetime in, but there is so much more behind looking pretty and nice on social media. this is my blank canvas, welcome to the journal of my insecurities. the bump on my nose, that has probably always been there. I used to tell that I had an accident because I was being ashamed of being born with my nose. my skin imperfections. the eyebrows that never really grew back after I minimized them to about three hairs. my boring eyecolour. my teeth. my smile. my hair that's constantly wrecked and falling out. my height. my small boobs, flat butt and bloated tummy I got mocked for in school. the acne scars on my neck and shoulders. my scars. my bony knees which seem not to fit to my "pancake thighs", as some kid once called them. my bodyhair and tiny moustache. my feet. I'm coming to terms with the fact to accept that it's okay to have insecurities, that's why I call them insecurities and not things that I hate about my outer appearence. it's alright, it's my body and I won't ever burn it down again. dear body, you carried me through so much and I want to thank you for that. I want to ask you for forgiveness for all the things I've done to you, so here are the things I like about my outer appearence. the constellation of freckles on skin and lips. my lashes. my soft lips. my tattoos and bodymodifications in general. my collarbones and neck. my small boobs, yes, I like them even though I'm insecure. my hands. !! 🌹if you really made it to the end of this text, I really want to do something. comment the things you like about yourself and feel free to also tag another person in the comments and tell them what you like about their outher appearence!!!🌹 !! spread some love and positivity! I also think about making an insecurity post about charactristics, thought and non-outer things, so tell me if you're interested in this. #formorerealityoninstagram

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#aboutfallinginloveandfallingapart 🌹

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Instagram als Safezone

Instagram spielt für Alaska eine wichtige Rolle. Als „Stuttgart Poet“ und „Mental Health Warrior“ spricht sie offen über Sexualität, Poesie, Depressionen und Co. „Ich habe überwiegend junge Follower und wenn ich nur einer Person davon zeigen kann, dass man zum Beispiel lieben kann, wen man möchte, dann wende ich mich damit gerne an die Öffentlichkeit.“

Auch für ihre eigene Liebe konnte Alaska über Instagram Kraft schöpfen. Mit 13 küsste sie zum ersten Mal ein Mädchen und fühlte sich lange als Außenseiterin: „Ich habe meine Gefühle ständig geleugnet und weit von mir weggeschoben.“ Das Internet war dabei ihre „Safezone“.

Ich habe gesehen, dass andere auch Frauen lieben, damit konnte ich mich identifizieren. Meine Sexualität wurde einfach akzeptiert.

Oft vertraut sich Alaskas Community ihr an. Tipps vergibt die 19-Jährige nur ungern:

Ich denke nicht, dass ich mich in einer Position befinde, um anderen zu sagen, was sie tun sollen. Aber ich kann versuchen Menschen zu motivieren, sich selbst mehr wertzuschätzen.

Das eigene Buch war schon lange ein Wunsch von Alaska – die Gedanken gebunden ins Regal zu stellen, um sie später wieder herausziehen zu können und in die Situation einzutauchen. „About falling in love and falling apart“ erscheint über einen Internetverlag, welcher das Buch nach Bestellung druckt und versendet.

Bestärkt wurde sie bei diesem großen Schritt vor allem von ihrer Instagram-Community. Auch nach Erscheinung wird Alaska häufig angeschrieben und nach der Bedeutung hinter bestimmten Werken gefragt. Fakt ist: Alaska, die eigentlich Julia heißt, schreibt weiter und sammelt poetische Zeilen für ein neues Werk. Um Geld geht es ihr dabei nicht, sondern um die Selbstverwirklichung:

Einfach mal das tun, was man sich schon immer vorgenommen hatte

Das Buch von Alaska findet ihr hier.

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