30 Jahre Die Fantastischen Vier: Thomas D erinnert sich

Vor 30 Jahren war Stuttgart noch eine andere Stadt. Zum runden Geburtstag der Fantastischen Vier blickt Thomas D auf seine Zeit im Kessel zurück. Unter anderem darauf, wie er damals nicht in die Boa kam, weil er Sneaker trug.

Stuttgart – Nicht vielen Bands wird die Ehre zuteil, im Museum zu landen. Das ist eher eine Sache für Dinosaurier, alte Vasen oder teure Gemälde. Die Fantastischen Vier sind da noch am ehesten Dinos, ähem, wenngleich immer noch eine der wichtigsten Pop-Bands des Landes. Um das zu untermauern, bekommen sie ab dem 9. Juli 2019 sogar ihre eigene Sonderausstellung im Stadtpalais Stuttgart. Der Anlass ist ein denkbar bedeutender: Im Juli feiern Stuttgarts Hip-Hop-Wegbereiter ihren 30. Geburtstag. Da darf man sich als Stadtmuseum natürlich nicht lumpen lassen und kramt das ganz große Popkultur-Besteck heraus.

Die Fantastischen 4: Dem Kessel troy

Herausgekommen ist mit „TROY – 30 Jahre Die Fantastischen Vier“ eine ausführliche und charmante Werkschau dieser ebenso wunderbaren wie wundersamen Karriere, die vor exakt 30 Jahren in Stuttgart begann. Auch wenn heute nur noch And.Ypsilon dem Kessel die Troye hält und gerade im Stuttgarter Süden vor sich hinschmilzt, fühlen sich die drei anderen Fantas Stuttgart verbunden wie eh und je. Und schauen anlässlich ihres runden Geburtstags natürlich auch mal zurück anstatt nach vorn.

„So etwas hätte ja niemand von uns erwartet“, bricht es dann auch aus Thomas D heraus. Das Stadtkind erreicht ihn natürlich in der Eifel, wo er mithilfe seines neuen Baggers gerade das Fundament für eine Mauer in seiner M.A.R.S.-Kommune legt. Er lacht: „Andere kaufen sich teure Karren, ich hab mir einen Bagger geleistet. Total Rock‘n‘Roll, oder?“

Stuttgart war die große Welt für uns

Die teuren Karren, die wären natürlich auch bei ihm oder den anderen drin. Aber die Fantastischen Vier waren nie für Protz und Prunk zu haben. So ist das eben, wenn man in Stuttgart aufwächst. Seine Eltern hatten eine Tankstelle in Ditzingen, neben der Schule jobbte er dort. „Stuttgart war damals die große Welt für uns“, erinnert er sich. „Smudo und ich trafen uns immer mit Michi Beck, der ja ein waschechter Stuttgarter war und ganz cool mit seiner Clique im Exil am Marienplatz abhing. Später waren wir oft im Musicland, oder Müsli, und auch mal in der Boa.“ Immerhin: diesen Laden gibt es noch.

Michi Beck und Thomas D, irgendwann 1988. (Bild: Die Fantastischen Vier)

Die Fantastischen Vier scheitern an der Boa

In jener legendären Boa kam es auch mal zu einem denkwürdigen Vorfall. „Einmal sollten wir da auf Einladung des DJs auf einer Hip-Hop-Party auflegen und kamen nicht rein, weil wir Turnschuhe anhatten!“, lacht Thomas – und packt gleich die nächste Geschichte aus: „Im ehemaligen ON-U wurden wir als einzige Weißbrote von den ganzen afroamerikanischen GIs respektiert, weil wir die Musik so sehr liebten. Ich stand da sogar eine Zeitlang hinter der Bar. Ich werde nie vergessen, wie wir früher immer von Gerlingen, wo meine Eltern wohnten, mit meinem alten Ford Taunus über den Stuttgarter Westen in die Stadt fuhren.“ Niemand, der diese Strecke schon mal gefahren ist, tut das.

Die Fantastischen Vier anno 1989. (Bild: Die Fantastischen Vier)

Da ischs wie immer, gell?

Nun gäbe es unzählige Dinge, über die man sich mit Thomas D unterhalten könnte. Über seinen Aktivismus als Tierrechtler, Veganer, Umweltschützer, über das Kommunendasein, den VfB, die nächste Platte. Aber wenn einer wie er, der eher nach vorn blickt und so gar kein Nostalgiker ist, schon mal zur Rückschau gezwungen wird, dann sollten wir das nutzen.

Also reden wir über Stuttgart. Und die Wandlung, die die Stadt durchgemacht hat.

„Erst kürzlich waren wir für eine Kino-Doku über uns in der Stadt unterwegs, waren auf der Karlshöhe und bei der Sternwarte. Es stimmt natürlich schon, vom früheren Rotebühlplatz mit der Radio Bar bis zur Calwer Straße, wo der Andi früher sein Zimmer hatte, hat sich schon sehr viel verändert. Aber das ist ganz normal und überall so. Es gibt aber auch eine Menge Plätze, da ischs wie immer, gell?“

Große Pläne im Kindergarten

Der legendäre erste Auftritt fand in einem ehemaligen Kindergarten in Stuttgart-Wangen statt. Am 12. Juli 1989 war das, ein wichtiges Datum für den deutschen Hip-Hop. Das Konzert ist allerdings ziemlich durch das Sieb des Vergessens gerieselt. Viel weiß Thomas D nicht mehr – außer, dass die Kasse gestohlen wurde. „Was ich aber aus Erzählungen weiß, ist, dass es eine ‚Batman‘-Party war, weil damals der erste ‚Batman‘-Film ziemlich angesagt war. Unser Manager Bär Läsker organisierte das alles und wir traten erstmals unter dem Namen Die Fantastischen Vier auf.“

Er überlegt kurz, dann muss er lachen. „Was ich selbst noch weiß, ist, dass ich mich sehr, sehr groß gefühlt habe. Lag natürlich daran, dass wir in einem Kindergarten waren und die Tische und Stühle alle ganz klein waren!“ Die Ausstellung im Stadtpalais zeigt: Es sollte dann nicht mehr lange dauern, bis die Band auch außerhalb eines Kindergartens sehr, sehr groß wurde.

Hier entlang zur Ausstellung!

 

Titelbild: Die Fantastischen Vier

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