200-Euro-Challenge: Ein Wochenende in Triest

Die Vorgabe: 200 Euro für zwei Tage in einer europäischen Großstadt samt Anreise, Besichtigungen und Essen. In unserer Serie testen wir, ob das gelingen kann. Unsere Autorin hat es im italienischen Triest ausprobiert und kam sogar mit etwas Geld zurück.

Stuttgart –  Werde ich auch nur eine Minute schlafen können? Werden trinkende und lärmende Reisegruppen bei mir im Bus sitzen? Wird mein Sitznachbar im Schlaf auf mich fallen? Oder Schnarchende sich nachts gegenseitig übertönen? Vor meinem Kurzurlaub in Triest habe ich ein leicht mulmiges Gefühl im Bauch. Das liegt nicht an möglichen Gefahren in der norditalienischen Stadt; Triest gilt als sehr sicher. Auch das Alleinreisen macht mir nichts aus. Nein, ich sorge mich wegen der Fahrt: Aus Kostengründen nehme ich den Fernbus. Und ich bin zwar schon öfter mit Flixbus gefahren, jedoch noch nie über Nacht.

Mit 200 Euro in Triest

Freitag, 18.50 Uhr

Tatsächlich werden all diese Sorgen erst auf der Rückfahrt bestätigt, die Hinfahrt für 42 Euro klappt prima. Den zweistündigen Zwischenstopp in München nutze ich, um mein Vesper zu essen und der wenig illustren Busbahnhofstoilette für 50 Cent einen Besuch abzustatten.

Dann kommt der Bus nach Triest. Ich sitze neben einer jungen Frau, die auf dem Weg nach Kroatien ist.  Zwischen Lesen und Schlafen plaudern wir gelegentlich. Ich bin erleichtert.

Samstag, 5.30 Uhr

Nach rund elf Stunden Reise bin ich da. Um 5.30 Uhr hat es in Triest bereits 24  Grad und ich höre die Möwen kreischen. Die Freude auf das Meer steigt – doch zunächst muss ich mein Gepäck loswerden. Glücklicherweise hat mir die Gastgeberin der privaten Unterkunft, die ich über die Online-Plattform Airbnb gebucht habe (Kosten: 57 Euro), zugesagt, dass ich bereits am frühen Morgen mein Zimmer beziehen darf. Um Geld zu sparen und einen ersten Eindruck von der Stadt zu bekommen, laufe ich vom Busbahnhof die 2,5 Kilometer dorthin. An der Wohnung angekommen, fische ich den Schlüssel aus einem Safe – und falle sofort in mein Stockbett. Der wenige Schlaf macht sich bemerkbar.

Samstag, 10 Uhr

Nach dem Frühstück, das ich mir im Supermarkt zusammenstelle, beginne ich mit dem Sightseeing. Zunächst laufe ich in Richtung Viale XX Settembre, in der es etliche Boutiquen, Lokale und Eisdielen gibt. Von dort ist es nicht weit zur Piazza dell’ Unità d’Italia. Der rechteckige Rathausplatz grenzt unmittelbar an den Golf von Triest, die Meeresluft weht hinüber. Kurz ruhe ich mich im Schatten aus – mittlerweile hat es 31 Grad –, dann geht es weiter zum Marktplatz Piazza del Ponterrosso und dem Canal Grande. Den schönsten Blick auf die Stadt hat man vom Castello di San Giusto. Um diesen Ausblick zu genießen, muss man einige Höhenmeter zurücklegen, doch es lohnt sich. Die Ruhe nutze ich für eine Mittagspause, die mit Obst und Keksen sehr günstig ausfällt.

Samstag, 16 Uhr

Nun möchte ich endlich ans Meer, aus diesem Grund bin ich schließlich nach Triest gefahren. Bereits im Vorhinein hatte ich vom Bagno alla Lanterna gelesen, einem Strandbad, in dem sich Männer und Frauen getrennt sonnen. Nach der Kasse – der Eintritt kostet einen Euro – gehen die Männer nach rechts, die Frauen nach links. Dazwischen steht seit dem Jahr 1903 eine Steinmauer. Nur im Wasser kann man einen Blick auf das andere Geschlecht erhaschen. In den 80er Jahren gab es ein Referendum, ob die Trennmauer abgerissen werden soll. Doch die Bevölkerung von Triest votierte eindeutig, dass die Mauer bestehen bleiben soll.

Samstag, 20 Uhr

So langsam werde ich hungrig. Und weil ich – für viele unverständlich, ich weiß – kein Freund von italienischem Essen bin, suche ich ein Lokal auf, von dem ich gelesen habe, dass es dort günstige Bowls gibt, also Schüsseln mit allem möglichen drin, etwa Salat, Reis, Quinoa, Falafel oder Lachs. Ich laufe zu der Adresse, doch die Rollläden sind verschlossen. Kurz bin ich traurig, dann beschließe ich, mir in der sehr gut ausgestatteten Küche meiner Unterkunft selbst einen Salat zu machen. Die Zutaten kosten sechs Euro.

Sonntag, 10 Uhr

Nach dem Frühstück – es gibt Joghurt, Obst und Käsebrot aus dem Supermarkt – mache ich mich auf den Weg zur 15 Kilometer außerhalb von Triest liegenden Grotta Gigante, einer der größten Höhlen Europas. Für 4,50 Euro kaufe ich mir ein Tagesticket für den Bus, dazu kommen der Eintritt und die Führung in der Grotte für zwölf Euro. Bei der Besichtigung muss man 101 Meter in die Tiefe steigen, unten hat es nur noch elf Grad. Der Anblick ist überwältigend: Der größte Stalagmit mit zwölf Meter Höhe ist 200.000 Jahre alt, berichtet die Höhlenführerin.

Sonntag, 15 Uhr

Nach den kühlen Temperaturen in der Grotte zieht es mich wieder ans Meer. Dieses Mal lande ich in einem weniger schönen und mit sieben Euro Eintritt völlig überteuerten Strandbad. Aber als ich dort ankomme, bin ich bereits eine Stunde an einer vierspurigen Straße durch die Sonne gelaufen und möchte nicht mehr weitersuchen. Nach dem abkühlenden Sprung ins Wasser bin ich sofort wieder guter Dinge. Das Eis für 2,80 Euro hilft sicherlich auch.

Montag, 9 Uhr

An meinem letzten Tag möchte ich das berühmte Castello Miramare östlich von Triest besuchen, wo einst auch die österreichische Kaiserin Sissi Urlaub machte. Vorher muss ich mein Gepäck am Busbahnhof zwischenlagern, was mich fünf Euro kostet. Danach laufe ich am Meer entlang zu dem wunderschönen Schloss. Nach einem Spaziergang und einem Eis (1,50 Euro) geselle ich mich zu den vielen Sonnenanbetern, die an der Promenade und auf kleinen Betonvorsprüngen liegen und immer wieder ins Wasser springen.

Montag, 16.30 Uhr

Bevor ich in den Fernbus einsteige (die Rückfahrt kostet 37 Euro), esse ich noch ein Käsebrot, Tomaten und einen Apfel. Mit dem Bus geht es zunächst nach Ljubljana, wo ich noch zwei Stunden Zeit habe, um mir zumindest kurz die Innenstadt anzuschauen.

Die Fahrt nach Stuttgart macht dann weniger Spaß, da um mich herum Männer sitzen, die von Dosenbier zu Dosenbier immer lauter und ungehobelter werden. Irgendwann wirkt das Bier; die Männer schlafen ein – und dann auch ich.

Mit knapp drei Stunden Schlaf komme ich um 5.20 Uhr in Stuttgart an – zwar übermüdet und mit einem leichten Sonnenbrand, aber sehr glücklich. Von den 200 Euro Budget habe ich am Ende sogar noch fünf Euro übrig. Mein Fazit: Ein Kurzurlaub am Meer ist immer eine gute Idee – auch mit wenig Geld!

Fotos: Julia Bosch

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