200-Euro-Challenge: Ein Wochenende in Prag

Die Vorgabe: 200 Euro für zwei Tage in einer europäischen Großstadt – samt Anreise, Besichtigungen und Essen. In unserer Serie testen wir, ob das gelingen kann. Unsere Autorin hat es in Prag ausprobiert – und hatte nach anfänglicher Panik Geld übrig.

Stuttgart – Die Reise nach Prag beginnt am Freitag, 9.35 Uhr, zehn Kilometer nördlich der Stuttgarter Innenstadt am Fernbusbahnhof in Kornwestheim. Während Bruno Mars’ Welthit „Just the Way You Are“ im Radio läuft, setzt sich der spärlich besetzte Flixbus in Richtung der tschechischen Hauptstadt in Bewegung. Sechseinhalb Stunden soll die Fahrt mit Zwischenstopps in Nürnberg und Amberg dauern. Siebeneinhalb Stunden später erreicht der Bus sein Ziel im Prager Stadtteil Floranc. 60,35 Euro für Hin- und Rückfahrt.

Freitag, 17.30 Uhr

Die Lage des Hostels hätte besser nicht sein können: Zehn Minuten dauert der Fußweg vom Fernbusbahnhof, in zehn weiteren Minuten erreicht man den Altstädter Ring, den zentralen Marktplatz der Prager Altstadt. Mit 36,20 Euro für zwei Nächte im Sechsbett-Frauenschlafsaal gehört das Republic Garden zu den günstigeren Alternativen in Prag – entsprechend ist der Service: Der Mülleimer wird das ganze Wochenende nicht geleert, im Waschbecken steht das Wasser und statt des versprochenen Frühstücksbüfetts serviert das Hostel Instant Porridge.

Tschechien gehört zwar zur EU, hat mit der Tschechischen Krone aber seine eigene Währung. Für eine Reise mit begrenztem Budget ist das immer schlecht, denn wer tauscht, macht Miese – egal ob bei der eigenen Bank oder in einer Wechselstube vor Ort. Am Ende bleiben knapp 2500 Tschechische Kronen, das entspricht 96,65 Euro.

Freitag, 19 Uhr

Der Altstädter Ring ist das Herzstück Prags und der Touristenmagnet schlechthin. Neben zig Sehenswürdigkeiten reihen sich Restaurants und Cafés aneinander, die alle ein ähnliches Angebot führen. Für einen großen Salat mit Hühnchen, Brot, einen halben Liter Bier und ein Eis auf die Hand zahlt man umgerechnet 19,10 Euro. Die Preise entsprechen deutschem Niveau, sind typisch für Touristengegenden, für Prager Verhältnisse aber überdurchschnittlich hoch.

Freitag, 21 Uhr

Knapp 78 Euro für zwei Tage Prag – das klingt machbar. Da kann man schon mal übermütig werden und sich zu einem nächtlichen Minieinkauf im Minimarkt hinreißen lassen. Blöd nur, wenn die Waren nicht ausgezeichnet sind, noch blöder, wenn man mit der Währung noch nicht klarkommt und am blödesten, wenn man denkt, so teuer wird es schon nicht werden. Das Resultat: Die Kosten für ein halbes Kilo Trauben und eine Flasche Wasser sind mit 11,60 Euro alles andere als mini.

Samstag, 10 Uhr

Zum Glück gibt es in Prag – wie in nahezu jeder anderen Großstadt der Welt – sogenannte Free Walking Tours, Stadtführungen, bei denen die Teilnehmer selbst über den Preis entscheiden. Natürlich weisen die Guides am Anfang der Tour darauf hin, dass man nichts bezahlen muss, wenn die Führung nicht den Erwartungen entspricht. Natürlich macht man das nicht. Es gibt ungeschriebenes Gesetz, das besagt, dass man mindestens fünf, besser zehn Euro für die Dienstleistung zahlen sollte. Und trotzdem ist das um einiges weniger als kostenpflichtige Touren.

So beginnt der Samstag um 10 Uhr mit einer Free Walking Tour durch die Prager Altstadt und das Jüdische Viertel. Knapp zwei Stunden lang umreißt Guide Zac die Bedeutung des Jan-Hus-Denkmals im Herzen des Altstädterrings und weist seine Zuhörer darauf hin, dass die Türme der Teynkirche, die von den Pragern auch Adam und Eva genannt werden, unterschiedlich breit sind, und dass der grobe Baufehler, sobald man ihn einmal bemerkt hat, nicht mehr ignoriert werden kann.

Auch praktische Tipps hat Zac parat – beispielsweise, wo es den besten Kaffee gibt oder welche Wechselstube den fairsten Kurs bietet.

Um 14 Uhr geht es mit Guide Toni weiter zur Prager Burg. Der Veitsdom im Zentrum der Anlage ist das größte Kirchengebäude Tschechiens, die St.-Georgs-Basilika das erste Kloster des Landes; im Goldenen Gässchen an der Innenmauer der Burg reiht sich ein farbig gestrichenes Häuschen an das nächste. Einst lebten vor allem Goldschmiede in den kleinen Hütten – so kam die Gasse zu ihrem Namen.

Nach den Touren ist das Budget um 21,20 Euro geschrumpft – inklusive Verpflegung, Toilettennutzung und öffentliche Verkehrsmittel.

Samstag, 19 Uhr

Am Samstagabend sitzt der Minimarkt-Schock noch immer tief. Deshalb gibt es statt eines üppigen Abend­essens im Restaurant Salat, Baguette, Aufstrich und Bier aus dem Supermarkt für umgerechnet 3,50 Euro.

Sonntag, 9 Uhr

Am nächsten Morgen sind die Geldsorgen ver­flogen. Sobald der Koffer für 1,40 Euro am Busbahnhof zwischengelagert ist, beginnt der gemütliche Teil des letzten Reisetags mit fast 40 Euro in der Tasche – und einem reichhaltigen Frühstück in einem nostalgischen Café im historischen Zentrum der Goldenen Stadt. Bei der tschechischen Variante kommt reichlich Brot, Schinken, Käse, ein gekochtes Ei und ein Stück Kuchen auf den Tisch. Inklusive Kaffee und reichlich Trinkgeld schrumpft das Budget um weitere 11,70 Euro.

Sonntag, 11 Uhr

Einst lebten in Josefov, dem nördlichen Teil der Altstadt, die Juden von Prag. Heute ist der Stadtteil einer der beliebtesten Touristenmagnete. Für 13,60 Euro kann man nicht nur durch den berühmten Jüdischen Friedhof schlendern, sondern auch eine ganze Reihe von Synagogen besichtigen. Für einen Audioguide bleibt – trotz der stattlichen Restsumme – weder das nötige Geld noch genügend Zeit.

Für Getränke während der Fahrt, Toilettennutzung und einen Straßenkünstler werden noch mal 2,50 Euro fällig, bevor der Flixbus um 13.20 Uhr zurück nach Kornwestheim fährt – dieses Mal auch in der versprochenen Zeit.

PragAnreise

Mehrmals täglich fährt der Flixbus von Stuttgart oder Umgebung nach Prag. Wer rechtzeitig bucht und zeitlich flexibel ist, zahlt für eine Fahrt weniger als 20 Euro und muss nicht mal umsteigen. Wer sich für Bahn oder Flugzeug entscheidet, kommt weder günstiger noch schneller ans Ziel.

Unterkunft

Hostels gibt es in der tschechischen Hauptstadt wie Sand am Meer. Wer sich mit einem Mehrbettzimmer zufriedengibt und früh reserviert, kann für 15 Euro pro Nacht unterkommen.

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Fotos: Lena Hummel

Titelfoto: Unsplash/Anthony Delanoix

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