200-Euro-Challenge: Ein Wochenende in Paris

Die Vorgabe: 200 Euro für zwei Tage in einer europäischen Großstadt samt Anreise, Besichtigungen und Essen. Ob das gelingen kann?  Unsere Autorin hat es in Paris ausprobiert.

Stuttgart – Die Parisreise startet für uns dort, wo Städtetrips häufig beginnen: Am Stuttgarter Flughafen. Hier fährt der Nachtbus nach Paris ab: 8,45 Stunden Fahrzeit, verstellbare Sitze, drei Zwischenstopps, 48 Euro für Hin- und Rückfahrt. Für ein Wochenende mit dem Flugzeug zu verreisen wäre nicht nur unökologisch, sondern in diesem Fall auch schlicht zu teuer: Mit 180 Euro würde ein Flug das Budget für den Trip – ebenso wie eine Fahrt mit dem Zug – überstrapazieren. Der Billigpreis hat aber seine Kosten: Wer –  wie mein Freund und Mitfahrer – einen leichten Schlaf hat, kommt eher unausgeruht in Paris an. Und mit Nackenschmerzen. Wir wagen es trotzdem: Am Freitag, 20:30 Uhr, geht es los.

Samstag, 6 Uhr

Vom Busbahnhof geht es mit der Metro (Zehnerkarte 14,90 Euro) zum Hostel im Stadtteil Montmartre. Hier können wir um diese frühe Zeit zwar noch nicht einchecken, aber zumindest das Gepäck abstellen. Um die Ecke öffnen nun die ersten Bäckereien, das meiste wird dort noch von Hand gemacht. Für jeweils 3,60 Euro bekommen wir jeder einen Café crème und ein knuspriges, warmes Pain au chocolat. Frühstück ganz im Stil der Franzosen. So lässt sich der Morgen gut an!

Danach gehen wir zu Fuß zur berühmten Basilika Sacré-Coeur, die 130 Meter über der Stadt auf dem Montmartre thront, dem Märtyrer-Hügel. 237 Treppenstufen sollen es vom Fuße des Hügels bis hoch zur Kirche sein, aber wir hören unterwegs auf zu zählen. Von hier oben hat man jedenfalls einen tollen Blick über Paris – so früh am Morgen sogar fast ungestört. Nur ein paar Pärchen und eine Joggerin posieren um diese Zeit schon für Selfies.

Samstag, 9 Uhr

Auf dem Marché de Barbès auf dem Boulevard de la Chapelle, unweit der Metrostation Barbès -Rochechouart, machen wir uns auf die Suche nach günstigen Lebensmitteln. Wir fühlen uns fast wie auf einem arabischen Souk: An den Marktständen unter der Brücke sind Gewürze und Gemüse zu kunstvollen Hügeln aufgetürmt, die Verkäufer preisen ihre Ware auf Arabisch und Französisch an. Es darf gehandelt werden. Wir kaufen Obst und Mandeln für 5,70 Euro.

Weiter geht es zu Fuß: Durch die türkisch geprägten Straßen mit ihren Baklava-Läden und Dönerbuden im 10. Arrondissement, hinter der Porte Saint-Denis. Vorbei am Centre Pompidou und dem bekannten Stravinsky-Wasserspiel von Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle. Und weiter durch die engen Gassen des jüdischen Viertels, Le Marais. Hier gibt es etliche Boutiquen, Second-Hand-Shops, Falafel-Läden und Museen, aber auch hübsche Plätze – zum Beispiel den Place des Vosges – für eine Pause. Das passt perfekt, weil das viele Laufen ganz schön Hunger macht. Mit Obst und Nüssen vom Markt und mit Baguette und Camembert aus dem Supermarkt (4,80 Euro) fällt unser Mittagessen immerhin günstig aus.

Samstag, 15 Uhr

Ein Paris-Besuch kommt eigentlich nicht ohne einen Museumsbesuch aus – so viel muss das knappe Budget auf jeden Fall hergeben. Vor allem dann, wenn es – wie an diesem Wochenende – immer mal wieder regnet. Am nordwestlichen Ende des Jardin des Tuileries, dem Park gleich beim Louvre, liegt die Orangerie, in der heute ein Museum für Impressionismus und für Künstler der Pariser Schule ist. Bekannt ist das Musée de l’Orangerie vor allem für die großen, ovalen Räume mit den Seerosenbildern von Claude Monet. Bis zu 17 Meter lang sind die Gemälde, das ist beeindruckend. Die Blau-, Grün- und Lilatöne schaffen eine ruhige, friedliche Stimmung, die einen kurz den Trubel in den Räumen vergessen lässt.

Der Eintritt in das Museum kostet 10 Euro, für unter 26-Jährige aus der EU ist er – wie der Eintritt für viele andere Pariser Museen auch – umsonst. Wer sich mehr impressionistische Werke ansehen möchte, kann dies nicht weit von hier im Musée d’Orsay, einem alten Bahnhofsgebäude. Hier hängen auch Bilder von Manet, Cézanne, van Gogh, Degas oder Rodin.

Nach dem Museumsbesuch gehen wir durch die Tuilerien, vorbei am Louvre und bis zum nicht weit davon entfernten Palais Royal. Bei schönem Wetter kann man sich im ruhigen Innenhof des Stadtpalasts auf einen der metallenen Liegestühle am Brunnen setzen und ein Buch lesen. Der Jardin du Palais Royal, wie der kleine Park heißt, ist definitiv ein Geheimtipp – und ein Lieblingsort! Von den großen Straßen und den Touristengruppen ist hier nichts mehr zu hören. Zu Fuß gehen wir nach einer Pause an der Seine entlang weiter zur Ile de la Cité, der Seine-Insel, auf der auch die Kathedrale Notre-Dame steht. Noch immer ist die Umgebung durch Gitter abgesperrt, aber aus der scheint es fast so, als hätte es hier nie einen Brand gegeben.

Samstag, 19 Uhr

Wer auf sein Budget achtet, hat es in puncto Essen und Ausgehen in Paris relativ schwer. Noch dazu, wer wie wir nach etwas Vegetarischem sucht. Auf Tafeln und Schildern werben französische Restaurants für ihre 3-Gänge-Menüs, unter 20 Euro findet sich da kaum etwas und fast immer besteht das Hauptgericht aus Fleisch. Günstiger sind indische oder nordafrikanische Restaurants oder Imbisse. Zum Beispiel das kleine Restaurant Al Bayader im Stadtteil Montmartre. Hier landen wir nach langer Internetrecherche zufälligerweise im Vorbeigehen. Für 14 Euro bekommen wir hier einen großen Teller mit Falafel, Teigtaschen, Auberginenpaste, Hummus und Salat, dazu gibt es Wasser und Tee.

Um diese Zeit ist jetzt auf den Gassen von Montmartre einiges los. Im Pub King George nahe der Metrostation Cadet gibt es Guinness für 7,50 Euro, Musik und Live-Fußball. Es ist voll hier und ziemlich laut. Ein paar Straßen weiter, im L’Assommoir, erzählt uns der freundliche Barmann mehr über das lokale Pale Ale und überhaupt allerlei über französisches Bier. Zwei Biere sind für fünf Euro noch in unserem Budget drin. Die Bar ist hübsch, hip und entspannter als der Pub. Auch Weinliebhaber würden hier bestimmt fündig werden, die Auswahl an Weinflaschen hinter der Bar jedenfalls ist groß.

Uns packt jetzt die Müdigkeit, wir gehen zurück ins Hostel. Das Woodstock Montmartre liegt praktischerweise direkt schräg gegenüber von der Bar. Knapp 38 Euro zahlen wir hier pro Person für die Nacht. Das kleine Doppelzimmer – mit Stockbett, aber sauber – ist zwar etwas teurer als ein Bett im Schlafsaal, aber die paar Euro sind es uns nach der Nacht im Bus und gut 25 Kilometern Laufweg am Tag auch durchaus wert.

Sonntag, 9 Uhr

Nach dem – kostenlosen – Frühstück im Hostel machen wir uns wieder zu Fuß auf den Weg. Das ist nicht nur gut für den Geldbeutel, sondern man bekommt so einen viel besseren Eindruck von der Stadt. Finden wir zumindest. Und man entdeckt hier und da hübsche Gassen, nette Läden oder erhascht einen Blick in einen hübschen Innenhof.

Von der Dachterrasse im 9. Stock des Kaufhauses Le Printemps am Boulevard Haussmann aus hat man einen schönen Blick über die Dächer von Paris – und spart sich das Eintrittsgeld für den Triumphbogen. Ein bisschen müssen wir suchen, um zwischen Parfümerie und Taschenabteilung den richtigen Aufzug zu finden. Der bringt einen in den achten Stock, von dort aus gehen wir durch ein Restaurant, nehmen die Treppe und stehen auf der Terrasse. Immerhin, die einzigen Touristen sind wir hier oben nicht, weshalb uns das Kaufhauspersonal vermutlich auch nicht schräg von der Seite anguckt.

Weil unsere Füße noch nicht allzu müde sind, laufen wir von hier aus weiter, am Arc de Triumph vorbei, über die Champs-Élysées und durch ruhige, wohlhabende Viertel bis zum Trocadéro am Fuße des Eiffelturms. Um das obligatorische Foto und einen teuren Espresso (3,60 Euro) in einem der umliegenden Cafés drücken wir uns nicht.

Sonntag, 13 Uhr

An der Seine entlang gehen wir nun Richtung Cartier Latin, dem Univiertel der Stadt. Unterwegs holen wir uns eine Falafel auf die Hand (5,50 Euro), später noch einen teuren Kaffee (4,50 Euro). Lohnenswert ist übrigens auch ein Besuch im Shakespeare and Company, einem netten, englischen Buchladen mit Café direkt gegenüber von Notre-Dame. In den engen Gassen des Cartier Latin stoßen wir auf ein Emble aus Brass-Musikern. Straßenmusik, völlig kostenlos! Der Besuch im nahegelegenen Park Jardin du Luxemburg fällt aus, weil es wieder anfängt zu regnen.

Sonntag, 17 Uhr

Stattdessen gehen wir noch einmal ins Museum. Zeitgenössische Fotokunst gibt es für 10 Euro im Maison Européenne de la Photographie zu sehen, im Haus der europäischen Fotografie unweit des Rathauses. Die Räume sind schön kuratiert, die Ausstellung ist lohnenswert.

Nach den vielen Sehenswürdigkeiten sehnen wir uns jetzt nach etwas Ruhe – und finden die im Nordosten von Paris, entlang des Canal St. Martin und am Bassin de la Villette, einem großen, künstlichen Gewässer im 19. Arrondissement. Von hier aus ist es auch nicht weit zum Parc des Buttes-Chaumont, einer großen Grünfläche im englischen Stil mit grünen Wiesen, Felsen und einem Wasserfall. Wäre das Wetter etwas schöner, könnte man es hier definitiv länger aushalten.

Sonntag, 19:30 Uhr 

Zum Abschluss gehen wir noch einmal ins Restaurant, das Budget gibt es tatsächlich noch her. In einem marokkanischen Restaurant gibt es Couscous mit Gemüse aus dem Tontopf und Bier, insgesamt für 16 Euro. Dann fahren wir mit der Metro zum Busbahnhof Gallieni, von wo um 22 Uhr der Nachtbus zurück nach Stuttgart fährt. Um sechs Uhr am Montagmorgen sind wir dann zurück in Stuttgart. 198,50 Euro waren es am Ende pro Person für zwei Tage Paris.

Beim nächsten Mal würden wir aber vermutlich doch lieber ein klein bisschen mehr Geld ausgeben – und dafür entspannt mit dem Zug hinfahren und eine Hostel-Übernachtung mehr bezahlen.

Foto: Unsplash/Paul Dufour

Anreise:

Eurolines fährt täglich um 21.15 Uhr von Stuttgart-Flughafen in knapp neun Stunden nach Paris-Gallieni und um 22 Uhr zurück. Tickets kosten ab 18 Euro einfach. Auch Flixbus bietet Nachtfahrten für ähnliche Preise an. Bei der Bahn gibt es Tickets ab 39 Euro für eine einfache Fahrt mit TGV oder ICE.

Übernachtung:

Eine Übernachtung im Mehrbett-Zimmer kostet in vielen Hostels um die 30 Euro. Im Woodstock Hostel kostet ein Doppelzimmer mit Stockbett 47 Euro.

Text und Fotos: Hanna Spanhel

Titelfoto: Unsplash/John Towner

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