15 Minuten Ruhm in der Rakete: Vom Newbie zum DJ

Am 28. Dezember wird die Rakete im Theater Rampe zu einer einzigen Feuertaufe: 16 DJ-Anfänger präsentieren ihr allererstes Live-Set. Oder auch: Alles kann, nichts muss.

Stuttgart – In Zukunft wird jeder 15 Minuten weltberühmt sein. Dieser Satz stammt nicht von mir, sondern von Andy Warhol. Er sagte ihn vor genau 50 Jahren, aus seiner Sicht ist die Zukunft also jetzt. Und was soll man sagen: Er hatte Unrecht! Heute sind es eher so zwei, drei Minuten Ruhm, bis man schon wieder in Vergessenheit gerät. Weil der nächste Ramen-Shop aufmacht oder irgendjemand ein ultimativ witziges Video von einer Katze im Tannenbaum teilt.

Musikalische Wundertüte

Dilini Keethapongalan, Simon Kubat und Sven Neumann vom Kunstverbund LSH#28 belassen es lieber bei den Warhol‘schen 15 Minuten. Und stricken am 28. Dezember gleich einen ganzen Abend in der Rakete drumherum. „Bei 15 Minuten Ruhm geht es darum, dass Stuttgarter DJ-Künstler absolute Beginner dabei unterstützen, für 15 Minuten das Club-Publikum zu erobern“, erklärt Dilini. Menschen, die noch niemals zuvor aufgelegt haben (ein Spotify-Mix bei der Party zählt nicht!), präsentieren an diesem Abend ihr erstes Live-Set. „Das wird also eine ziemliche musikalische Wundertüte. Alle 15 Minuten überrascht ein neues Live-Set aus verschiedenen Genres.“

DJ killed the radio star? Der Nachwuchs beim Üben auf Sendung.

Toleranzabenteuer in der Rakete

Gefördert wurde die schicke Chose vom Kulturamt im Rahmen von „Kultur im Club“. „Das gab uns die Möglichkeit, eine außergewöhnliche Veranstaltung zu realisieren, ein musikalisches Toleranzabenteuer auf dem Dancefloor weitab von den gängigen Party-Tanz-Konzepten“, freut sich Dilini.

Schon in den letzten Jahren sind sie, Simon und Sven mit LSH#28 angenehm aufgefallen. In ihrer großen WG am Berliner Platz gab es immer wieder Konzerte und Ausstellungen im Wohnzimmer oder Hinterhof – darunter auch das dufte Mitte-März-Hinterhoffest. Zumindest, bis die Gentrifizierung anklopfte. „Unsere großzügige 6-Zimmer-Wohnung mit Altbaucharme wurde in zwei Wohnungen aufgeteilt. Nicht nur die Fenster und Türen entsprechen nun dem Standard 2018“, meint sie zynisch, „der Mietpreis leider auch.“ Sie suchten lange nach einem adäquaten Ersatz, mussten sich aber Stuttgart geschlagen geben. Also wurde die WG aufgelöst – und somit auch das Epizentrum der LSH#28-Veranstaltungen.

Zu sagen, anderswo ist alles besser, können gern andere machen.

Entmutigen lassen sie sich davon nicht, wie zuletzt auch 15 Minuten Ruhm zeigt. Denn einfach hinwerfen und die Stadt sich selbst überlassen könnte ja jeder. „Wir sind Bockländer, die einfach Bock haben, Vielfalt in diese Stadt zu bringen, für Toleranz und Kultur zu werben“, betont Dilini entschlossen. „Zu sagen, anderswo ist alles besser, den Kopf in den Sand zu stecken oder nach Leipzig zu ziehen, können gern andere machen. Wir leben trotz der tiefen frustrierenden Täler der Bürokratie und Infrastruktur gerne im Kessel – und bis jetzt gab’s irgendwie immer eine Lösung.“

3 Mentoren, 16 DJs

So wie in der Rakete: Die 16 absoluten DJ-Beginner werden von drei Mentoren unterstützt. Mit Marcel D’Appuzzo alias Cello Nero, Chris Dorfmüller (Stullenheimer, Libelle Kollektiv) und Andreas Ludmann (Libelle Kollektiv) ist für genügend Expertise hinterm Pult gesorgt. Zudem wird der umtriebige Andreas Vogel nach dem Rechten sehen. „Als Kooperationspartner“, so Dilini, „konnten wir außerdem das Freie Radio Stuttgart gewinnen. Die lassen uns nicht nur in ihren Räumlichkeiten üben, sondern auch auf Sendung gehen.“ Klingt doch selbst ohne Altbau-WG gar nicht so übel…

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