11 Dinge, die ich an Stuttgart vermisse

Unsere Autorin wohnt seit einiger Zeit in einer anderen Stadt und hat gerade ganz schön Heimweh. Kein Wunder, bietet Stuttgart doch so vieles, was man im Exil vermissen kann!

Stuttgart/München – Manchmal, da verlangt das Leben unangenehme Entscheidungen. Entscheidungen, die einen aus der Comfort-Zone raus in die große weite Welt schubsen, oder anders gesagt: raus aus der gemütlichen, schwäbischen Heimat und rein ins bayerische Großstadt-Getümmel, wo Brezeln „Breze“ heißen und alles unter einer „Hoibe“ kein Bier ist, sondern Gurgelwasser. Eine Entscheidung dieser Art musste ich vor einigen Monaten treffen und ja, es gibt viel Schönes hier, aber es gibt eben auch das ABER! München kann vieles, aber trotzdem klopft langsam das Heimweh an. Das hängt vor allem an den folgenden Punkten:

1. Der Dialekt

Sodele, jetzatle… Wie m‘r im Ländle halt so schwätza tut, ist eins der ersten Dinge, die der Exil-Schwabe fern der Heimat vermisst. Kein Gsälz, kein Viertele und keine Weckle und wer in der Bäckerei einen LKW bestellt, wird schief angeschaut. Da kommt schnell Heimweh auf. Amüsante Linderung bringt es, wenn man seine Herkunft gegenüber anderen preisgibt und die dann schwäbelnde Sprechversuche starten: „Desch isch“ – Naja, fast…

2. Das Essen

Ok, wer in Bayern wohnt, kann sich nicht gerade über schlechtes Essen beschweren. Außer Vegetarier, die haben es wirklich schwer. Aber es gibt einfach ein paar Dinge, die schmecken nur im Ländle. Ganz vorne dabei: Maultaschen! Sie versuchen es zwar überall in Deutschland, aber an das Original kommt eben keiner ran. Nach ein paar Wochen schleicht sich auch die Lust auf Schupfnudeln mit Sauerkraut an – ja, liebe Nicht-Stuttgarter, das kann man essen. Gibt’s aber nur bei uns. Oder zumindest schmeckt es nur bei uns gut.

3. Die himmlische Ruhe

Etwas, das Stuttgarter gar nicht zu schätzen wissen (außer zur Wasen-Zeit): das entspannende Gefühl, unter sich zu sein. Hamburg, München, Köln – die meisten deutschen Großstädte sind besonders am Wochenende völlig verstopft mit Touristen. Die ersten paar Tage mag das noch ganz nett sein. Doch spätestens, wenn man mit dem Besuch aus der Heimat ein Plätzchen im Lieblingscafé sucht oder einen Sitzplatz in der U-Bahn möchte, zehren die ganzen Wochenend-Touris echt an den Nerven. In Stuttgart sind die Plätze in Hüftengold und Co. zwar auch umkämpft – aber wenigstens tritt man hauptsächlich gegen andere Einheimische an.

4. Der Kesselblick

Zugegeben, die Kessellage kann nerven: die ganzen Steigungen, die schlechte Luft, die drückende Hitze im Sommer. Aber kein Städter wird mit so einem traumhaften Blick auf sein Zuhause belohnt wie wir Stuttgarter, wenn wir uns denn mal den Hügel hochgequält haben. Will man an anderen Orten auf die Lichter der Stadt runterschauen, muss man die umliegenden Hochhäuser oder Funktürme besteigen. Der Nachteil: Das kostet oft Eintritt. Und bei einem Bierchen – oder zwei, drei, vier – den Sonnenuntergang genießen, wird auch schwieriger.

5. Stäffele steiga

Wo wir gerade bei Steigungen sind – wie sagte der schwäbische Mundartdichter Friedrich E. Vogt? „Wenn Stuagert koine Stäffel hätt, (…) no wäret seine Mädla net so schlank ond net so schee!“ Andere Städte haben keine Stäffele, zumindest lange nicht so viele. Nicht, dass das die Schönheit der Damen beeinflussen würde, aber für Stuttgarter gehören die vielen Freilufttreppen nun einmal zum Stadtbild dazu – fehlen sie, geht einem das ab. Ganz zu schweigen von der wunderbar einfachen und günstigen Möglichkeit, sich fit zu halten.

6. Der bessere Marienplatz

Ja, was soll man da sagen? Eine Pizza bei L.A. Signorina essen oder ein Kaffee mit Freunden im Condesa genießen, während die Kinder vor der untergehenden Sonne auf dem Platz herumtollen – das vermittelt schnell das Gefühl, auf einer italienischen Piazza zu sitzen und nicht in einer feinstaubgebeutelten Autostadt. München hat auch einen schönen Marienplatz, aber da haben wir wieder das Touristenproblem. Dort gemütlich einen Aperol schlürfen? Unmöglich. Unbezahlbar.

7. Wein, Wein, Wein

Okay, in anderen Ecken Deutschlands kann man in Sachen Wein auch Glück haben, in der Moselregion zum Beispiel. Aber es kann einen auch nach Bayern verschlagen, wo man oft eher schiefe Blicke erntet als neue Freundschaften gewinnt, sobald die Frage nach der Weinkarte fällt. In Stuttgart werden Weinliebhaber dahingegen regelrecht verwöhnt. Die Weinberge, die Weinwanderungen, die Besenwirtschaften – das alles lässt ihr Herz höher schlagen. Andere Viertele-Schlotzer, die die Leidenschaft teilen, finden sich hier immer – allerspätestens beim jährlichen Stuttgarter Weinfest, auf das man als Exil-Stuttgarter mit viel Herzschmerz verzichten muss.

8. Der Fernsehturm

Hach, muss man da noch etwas hinzufügen? Außer einem kleinen optischen Reminder vielleicht? Hier kann man unser Türmle übrigens am besten anhimmeln.

9. Die Kehrwoche

Das mag jetzt merkwürdig klingen, aber wer sich mal an die Kehrwoche gewöhnt hat, ja, der vermisst sie auch, wenn es sie nicht mehr gibt! Auf das Hochgefühl, von dieser schwäbischen Last befreit zu sein, folgt nach wenigen Wochen dieser eine Gedanke, wenn der Blick durch den Hausflur schweift: „Hier könnte auch nochmal jemand wischen!“ Ertappt.

10. Der Hans-im-Glück-Brunnen

Die Gegend um den Hans-im-Glück-Brunnen verbindet die coolen, lockeren Bars einer Großstadt mit dem dörflichen Jeder-kennt-jeden Flair. Da sich alles rund um den Brunnen gruppiert und nicht über eine lange Partystraße verteilt, kommt man schnell ins Gespräch. So viel Stadt und doch so viel Dorf findet sich im städtischen Nachtleben nur selten an einem Fleckchen.

11. Die Baustellen

Ok, war ein Witz. Die würde wirklich keiner vermissen.