101 Gründe, auf Stuttgart stolz zu sein?

Eine Liste mit 101 Liebeserklärungen an Stuttgart macht gerade die Runde im Netz. Wir haben uns die Aufzählung mal angeschaut. Und konnten uns einen Kommentar nicht verkneifen.

Stuttgart – Es ist genau 30 Jahre her, als die Toten Hosen sangen: „Es gibt tausend gute Gründe auf dieses Land stolz zu sein. Warum fällt uns jetzt auf einmal kein einziger mehr ein?“ Mit Stuttgart ist das ja ganz ähnlich. Ich weigere mich standhaft, diese Stadt nicht zu lieben. Aber sie macht es mir nicht immer leicht.

Keine Stadt für Feiglinge

Es ist eben echt einfach, Stuttgart doof zu finden. Und es gehören eine Menge Mumm und Feingefühl dazu, die Stadt zu feiern. Runtermachen geht schließlich immer einfacher als selber besser machen. Diese viral gegangene Liste einer gewissen Rachel Sanghee brachte dann aber nicht nur mich bekennenden Stuttgart-Fan zum Schmunzeln. Natürlich muss man auch mal was gut finden, das ist schon ganz richtig. Und Rachel scheint die Stadt wirklich zu mögen, das merkt man ihr an. Doch der eine oder andere Punkt darauf lässt mich als überzeugten Stuttgarter dennoch nicht ganz kalt. Es folgt eine nicht ganz ernstgemeinte Gegendarstellung.

Auf den Feuersee kann man sich in Stuttgart einigen. Immer.

Charmante Kotzlachen

Und die geht schon los beim allerersten Punkt. Die Top-Antwort (wäre das hier das „Familienduell“) ist bei ihr nämlich „The Stadtbibliothek“. Aber nicht etwa wegen ihrer Bücher, ihrer vielen spannenden Veranstaltungen oder ihres hohen Anspruchs. Sondern allein aufgrund ihrer Instagram-Tauglichkeit.

Mit Platz sechs noch mitten in den Top Ten: Der Wasen. Die Dame sagt, er habe seinen „own little charm“. Zeigt ja schon, dass sie noch nie da war. Es ist zumindest fraglich, in welchem Land Kotzlachen, in denen Betrunkene selig schlummern, stinkende Bahnen und sexuelle Übergriffe als charmant gelten. Knapp dahinter: Das Sommerfest und das Dorotheenquartier. Beides natürlich die typischen Treffpunkte für den ganz normalen Stuttgarter.

Stuttgart und das Milaneo

Natürlich gehen viele ihrer Punkte in Ordnung. Fernsehturm, Schillerplatz, das grandiose Ballett stehen aber eben auch in jedem Reiseführer ganz oben. Und mal ganz abgesehen davon, dass L.A. Signorina nicht unbedingt die „beste Pizza der Stadt“ macht, kann man das Lokal meinetwegen auch mal erwähnen. Instagram liebt es.

Auch schön: Milaneo auf der 33. Ich kenne niemanden, der da gern hingeht. Oder auf der 39: Die Weinberge der Stadt. Stuttgart sei eine der wenigen deutschen Städte, in denen Wein produziert wird. Das ist natürlich nicht ganz korrekt. Stuttgart ist eine der einzigen Großstädte, auf deren Stadtgebiet Weinbau betrieben wird. Ansonsten gibt es da schon noch zwei, drei andere Städte, die keltern. So ungefähr.

Baustellen über alles!

Recht weit abgeschlagen dahinter kommt dann Stuttgart 21 gerade mal auf dem 72. Platz. Ich will ehrlich sein: In einer Aufzählung mit 101 Gründen für Stuttgart hätte ich dieses wahnwitzige Projekt nicht mal auf Rang 102 gesehen. Wieso das nun genau ein Grund sein soll, die Stadt zu lieben, ist angesichts der katastrophalen Verkehrslage rund um den Bahnhof nur schwer zu erklären.

Nahverkehr, ti amo!

Mit dem Olivo schafft es dann auch ein Gourmet-Restaurant auf den 74. Rang. Obwohl es die Autorin noch nie besucht hat. Wäre mal interessant zu wissen, wieso es dann ausgerechnet zwischen den Protesten gegen Stuttgart 21 (ernsthaft auf Rang 73) und der Eberhardstraße (75) sitzt. Aber gut, mein Liebling wartet eh auf der 100: der Nahverkehr. Der hätte es bei mir glatt in die Top Ten geschafft. Allerdings eher in einer Liste gegen Stuttgart.

Mehr von Rachel: www.rachelsanghee.com

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