10 Jahre PLOT: „Print ist nicht tot!“

Janina Poesch und Sabine Marinescu sind ein eingespieltes Team, deren Herzen im Einklang schlagen. Denn sie brennen nun schon seit zehn Jahren für die selbe Sache: ihre Plattform PLOT. Wir haben die Ladies zum Gespräch getroffen.

Stuttgart – Ihre Idee: eine Plattform für Szenografie und Inszenierung beziehungsweise Kommunikation im Raum – in Web- und Printformat. Der Gedanke an die letzten zehn Jahre: emotional. Der Blick in Richtung Zukunft: motiviert. Sabine und Janina sind sich wie so oft in ihrem Leben einig und betonen unisono: The best is yet to come. Gerade erst feierten die toughen Ladies, die ihr Büro in Stuttgart-West haben, zehn Jahre PLOT. Mit uns sind sie nochmal an den Anfang gegangen, haben aber auch in die Zukunft geblickt und ihr Geheimrezept für eine lange und vor allem gute Zusammenarbeit verraten – das alles – wie könnte es auch anders sein – in Antworten auf zehn Fragen.

PLOT – eine Heimat für die Szenografie

Aber zunächst einmal zu den beiden Powerfrauen, wie fing eigentlich alles an? Die beiden haben Architektur studiert, allerdings in verschiedenen Semestern und sich während dieser Zeit bei der Arbeit in einem Verlag kennengelernt, dort dann mehrere Projekte zusammen gerockt und schließlich gemerkt: „Hey, das funktioniert ja ganz gut – selber Rhythmus, selbe Ideen, selbe Beklopptheit“, erinnert sich Janina lachend zurück.

Die beiden wurden Freundinnen – und schließlich auch Geschäftspartnerinnen. „Für die Disziplin *Szenografie, Inszenierung und Kommunikation im Raum gab es damals noch keine Plattform, wo man sich informieren und austauschen konnte.“ Auch nach ausgiebiger Recherche seien die beiden nicht fündig geworden – ihnen kam der Gedanke: „Okay, das müssen wir ändern!“ Super spontan sei dies aber auch nicht abgelaufen. „Wir haben uns schon ein Jahr darauf vorbereitet, waren aber trotzdem waghalsig genug, um es einfach zu machen.“ Die Freude war groß. Denn so konnten die motivierten Frauen für die Menschen, die in diesem Bereich tätig sind, endlich eine Heimat schaffen. „Das war uns damals schon ein Anliegen und ist es auch heute noch, nur eben anders als vor zehn Jahren.“

Die erste Ausgabe wurde dann druckfrisch auf einem Festival der Szene in Basel präsentiert. „Von diesem Event zehren wir auch immer noch. Die Kontakte, die wir damals geknüpft haben, die begleiten uns bis heute“, betont Sabine.

*Szenografie ist eine wachsende Gestaltungsdisziplin, mit der Geschichten im Raum erzählt werden. Sobald ein Inhalt eine räumliche Gestalt annimmt, zum Beispiel auf der Bühne als Szenenbild, im Museum als Ausstellungsgestaltung, klassisch im Shop, Markenwelten im Messebau, dann spricht man von Kommunikation im Raum, weil der Raum mit etwas und einem kommuniziert. „Und wir erzählen die Geschichten über die Geschichten im Raum, sind die Heimat für Gestalter, die diese Projekte möglich machen“, erklären die PLOT-Girls. 

Vertrauen und Verlässlichkeit

Und was macht die besondere Beziehung der beiden aus? Auch darauf antworten die beiden im Einklang:  „Wir können uns vertrauen und aufeinander verlassen.“ Dies sei das Fundament. Die Frauen ergänzen sich bestens und sehen in der jeweils anderen, die perfekte Partnerin.

Janina Poesch und Sabine Marinescu – ein eingespieltes Team.

Was PLOT sonst so ausmacht und vieles mehr haben uns Sabine und Janina kurz und knackig in zehn Antworten verraten:

Beschreibt die letzten zehn Jahre PLOT mit zehn Worten!

Aufregend, spannend, herausfordernd, unvorhersehbar, emotional, bereichernd, inspirierend, lehrreich, verrückt…

Was ist eure Mission?

Eine Heimat für die „Szenos“ schaffen und das Netzwerk stärken und sicht- und erlebbar machen. Damit alle daran partizipieren können.

Was hat euch die Erfahrung gelehrt?

Wir haben viel probiert und gelernt: Scheitern ist in Ordnung. Das ganze als Prozess zu sehen und nicht als fertiges Produkt. Dass man gemeinsam etwas entwickelt und es auch stetig weiterentwickelt.

Habt ihr jemals an eurer Idee gezweifelt?

Von der Idee waren wir immer überzeugt. Aber die Medienlandschaft hat sich gewandelt, Ansprüche habe sich verändert und wir uns auch. Und deshalb ist nicht alles nach unseren Vorstellung verlaufen. Aber das waren einzelne Momente.

Euer Geheimtipp, um lange gut zusammenzuarbeiten!

Was unsere Zusammenarbeit ausmacht: Wir haben Vertrauen zueinander und können uns aufeinander verlassen. Das ist auch das wichtigste, um zehn Jahre gut zu überstehen.

Was hat sich im Laufe der Zeit verändert?

Die Medienlandschaft hat sich vor allem in den letzten Jahren stark gewandelt und dadurch muss man seine Ideen immer neu ausrichten, neues probieren und auch mal scheitern – das alles ist eben auch ein Lernprozess.

Inwieweit beeinflusst dies den Konsumenten?

Dadurch, dass man Informationen heutzutage schnell übers Netz bekommt, hat man auch ganz anderes Verhalten, Information aufzunehmen. Man nimmt sich dafür keine Zeit mehr. Und deshalb ist ein Printprodukt auch ein Luxus-Gut und hat einen anderen Stellenwert bekommen.

Wird Print bald sterben?

Magazine werden heute aus einem anderen Grund gemacht. Sie sind kein Informationsmedium mehr, sondern sind dafür da, um sich zurückzulehnen und Zeit für sich zu nehmen. Ein Magazin zu gestalten, ist heute etwas komplett anderes. Ein Magazin kann heute alleine nicht mehr existieren, es braucht eine Medienlandschaft um sich herum.

Blickt ihr eher sentimental in die Vergangenheit oder motiviert Richtung Zukunft?

Motiviert in die Zukunft! Klar, ist man immer emotional und sentimental, wenn es um die Vergangenheit geht. Wir freuen uns aber beide, den nächsten Schritt zu wagen und nach vorne zu blicken.

Was soll noch kommen? Wie soll es weitergehen?

Endlich die Weltherrschaft über die Rauminszenierung erlangen – den Witz machen wir schon seit zehn Jahren. Aber jetzt mal Spaß beiseite. Wir wollen Herzensprojekte wie „Ladies, Wine und Design“ weiter pushen. Denn: The future is female.

Bang, Boom, Bang

Gefeiert wurde übrigens vergangenes Wochenende in der Kirche „St. Maria als…“ mit Weggefährten aller Art. Man habe gemeinsam alte Zeiten Revue passieren lassen, die Feier aber auch als Startschuss gesehen, für das was noch kommen soll. Das Kirchenschiff diente dabei auch als Location für die raumgreifende kinetische Installation ATOM der Berliner Künstler WHITEvoid.

Hier ein paar Eindrücke:

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